Boualem Sansal 2084

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Inhaltsangabe zu „2084“ von Boualem Sansal

In Abistan, einem riesigen Reich der fernen Zukunft, bestimmen die Verehrung eines einzigen Gottes und das Leugnen der Vergangenheit das Herrschaftssystem. Jegliches individuelle Denken ist abgeschafft; das Eingeschworensein auf ein allgegenwärtiges Überwachungssystem steuert die Ideen und verhindert abweichendes Handeln. Offiziell heißt es, die Bevölkerung lebt einvernehmlich und im guten Glauben. Doch Ati, der Protagonist dieses Romans, der ausdrücklich anknüpft an Orwells Klassiker „1984“, hinterfragt die vorgegebenen Direktiven: Er macht sich auf die Suche nach einem Volk von Abtrünnigen, das in einem Ghetto lebt, ohne in der Religion Halt zu suchen ... Während George Orwell in seinem Zukunftsroman das totalitäre Regime Stalins vor Augen hatte, entwirft Boualem Sansal in seinem Roman das Szenario eines Regimes, das auf der religiösen Überhöhung einer Ideologie beruht. Es ist ein Regime, das sich die gegenwärtige Vereinzelung des Individuums auf der Suche nach persönlichem Glück und Wohlergehen auf erschreckende Weise zunutze und zum Motor der Gemeinschaft macht. In Abistan sind Fragen oder Diskussionen gänzlich überflüssig geworden: Eine kleine Gruppe von Herrschenden sorgt für die Gemeinschaft ebenso wie für das Wohlergehen des Einzelnen, wobei den Regeln des Staates folgend das Streben nach spiritueller Erleuchtung den Alltag eines jeden Bürgers diktiert. Sansals Vision ist zugleich faszinierend und erschreckend – in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche mahnt sie zu gelebter Brüderlichkeit, toleranter Demokratie und einsichtiger Freiheit.

Sehr interessante und aufschlussreiche Betrachtung einer Zukunft, die keiner von uns will.

— JurekP

"2084" ist sehr gut, kommt aber nicht ganz an "1984" ran

— steijner12

Politisch, philosophisch, sprachlich ein Leckerbissen, der dem Orwell'schen Vorbild in nichts nachsteht.

— Chrischan

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  • Hommage an Orwell, als eigenständiges Werk nicht perfekt

    2084

    BellaBender

    13. July 2017 um 14:38

    Eine Hommage an George Orwell, die sich mit der Idee einer islamistischen Gesellschaft auseinandersetzt - und das mit Erfolg.
    Leider fragt Sansal aber nicht nach den Ursachen für die Radikalisierung religiöser Gemeinschaften, was bei diesem Werk wünschenswert gewesen wäre.
    Zudem bleiben die Figuren eher oberflächlich beschrieben und laden nicht zur Identifikation ein.

  • "2084" ist sehr gut, kommt aber nicht ganz an "1984" ran

    2084

    steijner12

    16. November 2016 um 22:52

    In Abistan, Reich der fernen Zukunft, bestimmen die Verehrung eines einzigen Gottes und das Leugnen der Vergangenheit das Herrschaftssystem. Individuelles Denken ist abgeschafft: eine allgegenwärtige Elite unter Führung von Abi dem Entsandten steuert die Ideen und verhindert abweichendes Handeln. Offiziell heißt es, die Bevölkerung lebt einvernehmlich und im guten Glauben.Doch Ati, der Protagonist dieses Romans, der ausdrücklich anknüpft an Orwells Klassiker „1984“, hinterfragt die vorgegebenen Direktiven: Er macht sich auf die Suche nach einem Volk von Abtrünnigen, das in einem Ghetto lebt, ohne in der Religion Halt zu suchen ...In seinem Roman entwirft Boualem Sansal ein Regime, das auf der religiösen Überhöhung einer Ideologie beruht und sich die Suche des Individuums nach persönlichem Glück auf erschreckende Weise zunutze macht: Das vom System auferlegte Streben nach spiritueller Erleuchtung diktiert das Leben eines jeden Bürgers und wird zum Motor der Gemeinschaft. Sansals Vision ist zugleich faszinierend und beunruhigend – in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche mahnt sie zu gelebter Brüderlichkeit, toleranter Demokratie und einsichtiger Freiheit.Abistan, das „Land der Gläubigen“, ist nach dem Propheten Abi genannt, dem Abgesandten Yölahs auf Erden. „Gkabul“ oder „Hinnahme“ heißt das Heilige Buch, verfasst in „abilang“, der einzigen Sprache, die in Abistan benutzt werden darf. „Die Unterwerfung ist der Glaube und der Glaube ist die Wahrheit“ lautet einer der 99 Schlüsselsätze, die Abistans Jugend lernen muss. Neun Mal am Tag muss gebetet werden. Ansonsten werden die Massen mit Pilgerfahrten und Exekutionen von Ungläubigen beschäftigt.Sind es radikale Islamisten, die in Abistan herrschen? Das Werk spielt in ferner Zukunft, und Boualem Sansal behauptet im Vorwort, alles frei erfunden zu haben. Parallelen mit aktuellen Ereignissen tun sich dennoch auf: So gibt es in Abistan keine Vergangenheit, keine Geschichte. Der Leser denkt an die reale Zerstörung der Tempel in Palmyra...Ati, Anfang Dreißig, ein kleiner Beamter, steht vor der Entlassung aus einem Sanatorium in den Bergen der Provinz Sîn, wo er seine Tuberkulose ausgeheilt hat. Sorgsam befolgt er alle Gebote und Riten, um nicht als Mitglied der Sekte der „makoufs“ verdächtigt zu werden, den Propagandisten des „Großen Unglaubens“. Und doch wachsen Zweifel in ihm: Vom Sanatorium führt eine verbotene Straße zur „Grenze“. Wenn es eine Grenze gibt, muss es auch ein Jenseits der Grenze geben. Wie ist dies möglich, wenn nichts existiert als Abistan? Ein Jahr lang dauert Atis Rückkehr in die Hauptstadt Qodsabad, vorbei an endlosen Pilgerzügen: „Auf der Erde laufen wir, in den Himmel wollen wir, lasst fahren dahin das Leben“. Seine Zweifel am Gottesstaat wachsen... Das Thema mag bekannt vorkommen: Die Islamisierung behandelte auch Michel Houellebecq in seinem Roman Unterwerfung. Der Roman war am am 7. Januar 2015 erschienen, dem Tag des Anschlags auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo. Und es gibt eine zweite literarische Parallele: “2084” – das erinnert an “1984”, dem berühmten Roman von George Orwell. Der Sozialist beschrieb ebenfalls eine Diktatur – die des totalitären Überwachungsstaats, des “Big Brother”. Boualem Sansal sieht seinen Roman als dessen Fortsetzung. Sansal kommt aber nicht an das große Vorbild ran - zu kompliziert ist die Sprache zu Beginn. Sie wirkt besonders zum Einstieg starr, scheint nicht zu fließen.Vielleicht spielt der Autor aber auch auf die "novlang" an: Denn Sansal geht  so weit, das Orwell’sche „Neusprech“, die „novlang“, wie sie in 2084 heißt, als Basis des abistanischen Systems auszugeben, eine Sprache, die den Willen und die Neugierde der Sprecher vernichte und zu Pflichterfüllung und Gehorsam anleite. Dann ist es genial! (Aber ich musste anfangs kämpfen...) Dann ändert Sansal seinen Stil, spricht in Petahpern, zaubert Bilder in die Köpfe des Lesers - einfach nur gut. Boualem Sansal hat mit 2084 Das Ende der Welt einen großartigen Roman geschrieben, der im französischen Original – 2084 La fin du monde – bereits im Erscheinungsjahr 2015 mit dem Grand prix du roman de l'Académie française ausgezeichnet wurde; ein politisches Werk und ein Werk über die Schönheit der Sprache, das uns eindringlich warnt vor einem Ende der Geschichtlichkeit und einer Abilangisierung der Sprache - und schreibt damit ein Plädoyer für die Freiheit.

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  • "Versucht nicht zu glauben, ..., verbietet euch lediglich zu zweifeln ..."

    2084

    R_Manthey

    07. July 2016 um 10:46

    2084 erscheint als Gründungsjahr von Abistan, einem Land, losgelöst von Zeit und Raum. Seine gewöhnlichen Bewohner wissen nicht, was vorher war, nur dass ein großer Sieg das Land schuf. Und sie wissen auch nicht, was sich außerhalb seiner Grenzen befindet, denn darüber gibt es keine Berichte. Manch einer, der sich durch dieses nicht immer einfach zu lesende Buch geschlagen hat, erzählt, dass in Abistan eine Glaubensdiktatur herrschen würde. Das mag vordergründig so aussehen, denn "Yölah ist groß und Abi ist sein Entsandter" lautet dort die zentrale Botschaft, die jedem Bewohner von Geburt an ins Hirn getrichtert wird. Doch ganz so einfach wie auf den ersten Blick erweist sich das Ganze nicht. Es geht nicht um einen wie auch immer gearteten Glauben, sondern um die gnadenlose Unterdrückung des Zweifels: "In seiner grenzenlosen Kenntnis des Kunstgriffes hat das System früh erkannt, dass die Heuchelei den vollkommenen Gläubigen ausmacht, nicht der Glaube, der durch seine unterdrückende Natur den Zweifel nach sich zieht, ja die Revolte gegen den Wahn. Es hat auch verstanden, dass die wahre Religion nichts anderes sein kann als eine wohlgeregelte, zum Monopol erhobene und durch allgegenwärtigen Terror aufrechterhaltene Frömmelei." Es geht in diesem Buch also nicht nur um eine Beschreibung einer "Glaubensdiktatur", was bei diesem Autor stets einen Hinweis auf den Islam hervorrufen muss, sondern um die Beschreibung von Mechanismen einer jeden diktatorischen Herrschaftsform. Selbstverständlich suggeriert der Titel dieses Romans einen Zusammenhang zu "1984", was auch vom Autor wohl so gewollt ist. Doch beide Bücher unterscheiden sich erheblich. Sansals Text gleicht eher einer monologisierenden Betrachtung mit eingeschobener Handlung. Entsprechend zäh geht es vorwärts. Nichts in Abistan besitzt eine Geschichte. Deshalb verwundert es dann auch nicht mehr, wenn handelnde Personen eher unmerklich eingeführt werden und seltsam verschwommen bleiben. Immerhin gelingt es dem Autor die depressive Stimmung von Abistan schleichend auf den Leser zu übertragen. Es scheint fast so, als würden Bücher, die mit Preisen überhäuft werden und deren Sprache man akademisch bewundert, beim willigen Leser ein Maß an heller Aufmerksamkeit einfordern, das ihn nach einigen Seiten merklich ermüden lässt. Doch bei der Sache zu bleiben lohnt sich in diesem Fall, weil es Sansal gelingt, die diktatorische Mechanismen mit enormer sprachlicher Präzison offenzulegen. Sein Held Ati (dessen Name übrigens wegen seiner Ähnlichkeit zu Abi kein besonders gelungener Einfall war) kämpft in einem Sanatorium in den Bergen mit einer Lungenkrankheit. Ganz in der Nähe befindet sich die Grenze von Abistan. Neugierig lauscht Ati den Erzählungen der Karawanenführer über ihre Erfahrungen in dieser heiklen Gegend. Als Ati sich, endlich geheilt, auf den langen Heimweg begibt ist seine Seele schon längst voller Zweifel. Während seiner Pilgerreise in die Heimatstadt trifft er einen glaubhaften Menschen, der ihm davon erzählt, dass Ausgrabungen Dinge aus der Vergangenheit ans Licht gebracht hätten, die nicht mit dem offiziellen Dogma in Übereinstimmung zu bringen sind. "Wenn die Maschine des Zweifels erst in Gang gekommen ist, lässt sie sich nicht mehr stoppen. Sehr schnell wurde Ati von tausend unerwarteten Fragen bestürmt." Schließlich macht er sich mit einem Freund auf den Weg in die Machtzentrale von Abistan, in der alles anders aussieht als im Rest des armen Landes. Das Buch zeigt kaum die Lebenswirklichkeit in diesem fiktiven Land weit nach 2084. Vielmehr berichtet es auf einem recht abstrakten Niveau von einem diktatorischen System und beschreibt die grundsätzliche geistige Mechanik diktatorischer Systeme. Aufmerksame Leser können so leicht Analogien zu gegenwärtigen Ereignissen herauslesen, denn diktatorische Ansätze findet man in jedem Staatswesen, ja in jeder hierarchischen Struktur. "Mein sind das Gute und das Böse, es ist euch nicht gegeben, sie zu unterscheiden, ich sende das Eine und das Andere, um euch den Weg der Wahrheit und des Glücks zu weisen. Wehe dem, der meinem Ruf nicht folgt. Ich bin Yölah der Allmächtige", heißt es im Buch Abi, im Titel 5, Kapitel 36, Vers 97.

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