Boualem Sansal Das Dorf des Deutschen

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Inhaltsangabe zu „Das Dorf des Deutschen“ von Boualem Sansal

Dies ist die Geschichte des Deutschen Hans Schiller und seiner beiden Söhne Rachel und Malrich. Die Brüder wuchsen fernab der Eltern in der Pariser Banlieu auf. Sie sind in Frankreich geblieben. Rachel hat Karriere gemacht: er hat einen guten Job, ein kleines Häuschen, ein Auto, eine Frau - und die französische Staatsangehörigkeit. Sein jüngerer Bruder Malrich steht am Rande der Gesellschaft: ohne Ausbildung, ohne Job und ohne Perspektive lebt er als Mitglied seiner multikulturellen Clique in der Vorstadt. Als die Eltern der beiden im fernen Algerien auf grausame Weise bei einem Attentat der Islamisten umgebracht werden, gerät das Leben der Brüder aus dem Lot. Die Trauer um die Eltern bringt zugleich eine erschütternde Erkenntnis zu Tage: Der Vater, den sie bisher als einen vielgeachteten Held des algerischen Unabhängigkeitskampfes kannten, hat eine unerträgliche Vergangenheit. Rachel zerbricht daran; Malrichs Versuch zu verstehen, führt ihn von der Nazi-Vergangenheit seines Vaters in die Abgründe der Gegenwart.

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  • Rezension zu "Das Dorf des Deutschen" von Boualem Sansal

    Das Dorf des Deutschen
    Ruth_liest

    Ruth_liest

    13. January 2012 um 10:50

    Der Nobelpreisträger überzeugt nicht nur sprachlich mit diesem hochpolitischen Blick auf die oftmals unheilvollen Verknüpfungen zwischen Europa und Nordafrika. Die Hauptfiguren des Romans "Das Dorf des Deutschen" von Boualem Sansal sind Rachel und Malrich, Söhne eines deutschen Vaters und einer algerischen Mutter. Der Vater war im Zuge des algerischen Befreiungskrieges in dem Dorf der Mutter aufgetaucht und galt bis zu seinem Tod als Held des algerischen Befreiungskrieges. Seine Söhne schickt er jeweils im Grundschulalter zu einer Verwandten seiner Frau nach Paris. Sie sollen eine Chance auf eine Zukunft haben. Der ältere Bruder, Rache, nutzt diese und macht Karriere bei einem internationalen Konzern. Der jüngere Bruder Malrich gehört eher zu den Streunern des Viertels. Er findet in Frankreich keine Heimat, obwohl beide die französische Staatsbürgerschaft haben. Die Heimat Algerien ist aber zugleich ein fremdes, unbekanntes Land aus der fernen Erinnerung. 1994 werden die Eltern und dreißig weitere Dorfbewohner von einer islamistischen Terrorbande ermordet. Empört über diese Tat, macht Rachel sich auf nach Algerien. Dort entdeckt er Unterlagen seines Vaters, die dessen Nazi-Vergangenheit belegen. Als Chemiker war er in verschiedenen KZs tätig und wurde nach dem Ende des Dritten Reiches bis nach Algerien geschleust, wo ihm keinerlei Bestrafung drohte. Rachel reist zwei Jahre lang auf den Spuren des Verbrechers durch halb Europa. Er empfindet die Schuld seines Vaters als seine und beschließt, dass er mit dieser Schuld nicht leben kann. Erst durch Rachels Selbstmord erfährt Malrich aus dessen Tagebuch von den Taten seines Vaters. Auch er braucht Monate und einige Reisen, um den Tod seines Bruders und das Geheimnis seines Vaters einigermaßen verarbeiten zu können. Wie er das macht? Er schreibt ein Tagebuch, dass wir als Roman lesen. Boualem Salan erweist sich hier als Meister der Literatur. Das Buch ist nicht nur sprachlich ein Gedicht. Auch politisch legt der Autor seine Finger in die Wunde. Wie viele der Täter, der Massenmörder sind davon gekommen und konnten an anderen Orten weiter ihre tödlichen Spuren legen? Wie viel Unterstützung fanden sie in anderen Ländern? Wie groß ist der Einfluss ihrer mörderischen Taten auf die politische Nachkriegsordnung? Danke an die Nobelpreis-Jury, dass sie 2011 die Aufmerksamkeit des breiten Lesepublikums auf diesen wunderbaren Autoren gelenkt hat.

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