Brad Warner Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate

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Inhaltsangabe zu „Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate“ von Brad Warner

Ungeschminkt, ehrlich, provozierend. Ein Jahr im Leben des Autors, begleitet von Zen-Weisheiten. Für mich unvergessliche Lektüre.

— rumble-bee
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  • Ziemlich irrer Trip

    Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate
    rumble-bee

    rumble-bee

    29. April 2013 um 16:29

    Der Untertitel lautet "A trip through death, sex, divorce, and spiritual celebrity in search of the true dharma". Ein wenig vollmundig. Aber ein "Trip", jawohl, das ist dieses Buch nun wirklich! Ein ziemlich irrer sogar. Der Titel des Buches ist allerdings ein wenig irreführend. "Wrapped in Karma, Dipped in Chocolate" - der Autor gibt selber zu, diese Zeile teils der Werbewirksamkeit wegen anderswo entlehnt zu haben. Aber teilweise stimmt es dann eben doch wieder: der Autor ist ein bekannter amerikanischer Zen- und Meditationslehrer, Punkrock-Musiker (!), und allgemein eher Lebenskünstler. Er beschreibt in diesem Buch ein ganzes Jahr seines Lebens, und zwar das für ihn desaströse 2007. Er verlor nacheinander erst seine Mutter, dann seine Großmutter, seinen Job, und seine Ehefrau (als Ehefrau). Und inmitten all diesen privaten Getümmels ging er seinen zahlreichen Verpflichtungen als Zen-Lehrer nach, leitete Retreats und gab Vorträge. Das Spezielle an diesem Buch ist nun, dass er jede Gelegenheit ergreift, auf den Zen-Bezug in seinem Leben einzugehen. Und das wirkt nicht gekünstelt, sondern absolut überzeugend, und imme "aus dem Leben gegriffen". Als Mutter und Großmutter sterben, schreibt er z. B. Einschübe über die Sicht auf Tod und Leben im Zen. Als er eine Affäre hat (jawohl!), beschreibt er seine persönliche, durch jahrzehntelange Zen-Praxis gefärbte Haltung zu Sex und Liebe. Und als er seinen Job zu verlieren droht, geht es um "rechten Lebenserwerb" aus buddhistischer Perspektive. Das Buch ist also ein Mittelding zwischen einjähriger Biographie, ja sogar Tagebuch, und reinem Sachbuch. Der Begriff "Trip" bietet sich dabei schon  deshalb an, weil das Ganze eine unglaublich respektlose, bunte und schillernde Mischung ist - aber auch, weil Brad Warner viel um die Welt reist. Die Idee zu diesem Buch kam ihm mitten in einer schwierigen Meditationsklausur - mitten im größten Chaos seines Lebens. Insofern kann man das Buch sicher auch als Versuch verstehen, sich selbst zu "therapieren", und sich etwas von der Seele zu schreiben. Allerdings genoss er schon einen gewissen Bekanntheitsgrad als Autor, und konnte sich sicher sein, dass dieses Buch gedruckt werden würde. (Band 1: "Hardcore Zen", Band 2 "Shut up and sit down"). Meine persönliche Meinung? Für ein allgemeines, nicht-buddhistisches Lesepublikum finde ich das Buch nur bedingt geeignet. Obwohl ich persönlich es großartig fand! Aber Brad Warner hält sich einfach nicht lange mit Vorreden und Erklärungen auf. Er schreibt knackig, präzise, und immer auch ein wenig provokant. Für grundlegendere Informationen verweist er selber auf seine ersten beiden Bücher. Die Würze der Lektüre liegt nun darin, genau diese (absichtlichen) Provokationen und Bezüge zu aktuell in der buddhistischen Welt kursierenden Themen und Skandalen zu erkennen und zu genießen. Brad Warner schlachtet hier so einige "heilige Kühe", was ich ungeheuer mutig, aber eben auch authentisch fand. Es geht allerdings über weite Strecken schon um Insider-Wissen. Man sollte z. B. von Zen-Meister Dogen und dem "Shobogenzo" schon einmal gehört haben, ebenso von der Unterscheidung zwischen Soto- und Rinzai-Zen. Sonst wird man schnell verwirrt. Auch von der Sprache sollte man sich nicht abschrecken lassen. Brad Warner schreibt in reinster Umgangssprache, teils drastisch und deftig, aber immer lebendig und mit Themenbezug. Wer im Englischen, zumal im amerikanischen Englisch, nicht so sattelfest ist, sollte lieber zu einer Übersetzung greifen. Brad Warner ist zweifellos eine Klasse für sich! Mir hat er mit seiner respektlosen, derben Art aber auch Mut gemacht. Es darf eben jeder Buddhist sein, auch ein Skeptiker, Draufgänger und "Berufsjugendlicher". Von mir volle 5 Sterne für eine gelungene Mischung aus Tagebuch, Information, Unterhaltung, Authentizität und Lebenshunger!

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