Im Jahr 2029 feiert die Deutsche Demokratische Republik ihren 80. Geburtstag und natürlich plant die Staatsführung ein Schauspiel für die Massen, ein Signal an den imperialistischen Klassenfeind im Westen und ein Symbol für das eigene Volk, Mandy Neumann, die erste Kosmonautin der DDR soll die Raumstation "Völkerfreundschaft" wie einen Stern erstrahlen lassen. Hilfe bei ihrer Mission hat sie einzig von Bummi dem KI gesteuerten Bordroboter. Zeitgleich wird Tobias Wagner von einer alten Schulfreundin kontaktiert, die sich von ihm als ABV Hilfe bei der Suche nach ihrem verschwundenen Ehemann erhofft, der zuletzt an der Entwicklung einer hochmodernen Kamera beteiligt war, die von der "Völkerfreundschaft" aus Bilder der Erdoberfläche macht.
Obwohl ich ein Kind der DDR bin, lese ich eigentlich ungern Bücher, die diese Zeit in irgendeiner Weise behandeln, dabei könnte ich nicht mal genau sagen, warum das so ist. Vielleicht will ich nicht erinnert werden, vielleicht mag ich die Verklärung, die Ostalgie, die oft dahinter steckt nicht, vielleicht mag ich aber auch die schlimmen Dinge, die leider unleugbar sind, nicht an mich heranlassen. Hier hat mich die Grundidee allerdings direkt angesprochen, auch, oder gerade weil sie in einer fiktiven Zukunft spielt und somit vollkommen frei erzählt werden kann.
Was Brandon Q. Morris geschaffen hat, ist trist, grau und irgendwie so gar nicht das, was ich mir gewünscht hätte, hätte die DDR tatsächlich eine Zukunft gehabt. Er beschreibt ein Land, eine Nation, die sich trotz großer Möglichkeiten der Weiterentwicklung nur wenige Schritte voran bewegt hat und das macht mich irgendwie sprachlos, enttäuscht, fast wütend, ich will das eigentlich so nicht glauben. Ich will nicht daran denken, dass ich vielleicht tatsächlich in einem Land weitergelebt hätte, in dem, was die Kontrolle und Bespitzelung der eigenen Bevölkerung angeht, alles nur noch schlimmer hätte werden können. Natürlich ist das Ganze für die Dramatik hinter der Story sehr auf die Spitze getrieben, gleichwohl ist die Vorstellung allein so beklemmend, dass es fast körperliches Unbehagen bei mir auslöst. Was das angeht hat der Autor erstmal alles richtig gemacht.
Schwieriger wird es dann aber schon bei den Figuren. Während ich bei Mandy wirklich Sympathie entwickelt und um sie gebangt habe, bleibt Tobias mir seltsam fremd und distanziert, er trägt die Geschichte zwar über eine große Strecke, schafft es aber nicht mich mitzunehmen. Ob das allein an seiner Persönlichkeit liegt, oder aber an der Geschichte an sich, kann ich dabei nicht abschließend sagen. Die Story verläuft in zwei Handlungssträngen, einmal die Geschehnisse auf der Raumstation und dann jene um das Geheimnis des millitärischen Sperrgebiet in der Lausitz. Im Weltraum war ich voll dabei, das ist absolut mein Element, ich liebe solche Geschichten und Morris erzählt den Überlebenskampf der Kosmonautin wirklich spannend. Das was zeitgleich auf der Erde passiert hingegen war mir zu zusammengewürfelt und verwirrend, auch wenn Morris hier viel eingebaut hat, das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Zudem konnte ich mich auch nur schwer mit der Ausdrucksweise anfreunden, die Morris gewählt hat, um das Beharren der DDR auf ihrem Status zu verdeutlichen. Wir sind ja mittlerweile daran gewöhnt, dass irgendwie zu allem ein Anglizismus vorhanden ist, im Buch gibt es das aber eher in die andere Richtung, da heißt das Handy eben Handtelefon und das Internet Kybernetz und wärend ich das anfangs noch ganz witzig fand, hat es mich irgendwann fast schon genervt.
Letztlich konnte mich das Buch nur teilweise mitreißen, die eine Hälfte der Story fand ich Klasse, die Andere leider nur so lala. Irgendwie hat da einiges nicht richtig für mich gepasst.






























