Breda Smolnikar Wenn die Birken Blätter treiben

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Inhaltsangabe zu „Wenn die Birken Blätter treiben“ von Breda Smolnikar

Rozina Brinovc weiß, wie man Geschäfte macht. Mit ihrem Mann hat sie vor dem Ersten Weltkrieg in Amerika ein Vermögen mit der Schwarzbrennerei verdient. Und auch in Slowenien, wo sie 1914 kriegsbedingt hängen bleibt, erwirbt sie sich nach dem Krieg rasch wieder Wohlstand und Ansehen. Die Einheimischen stehen der herrischen „Amerikanerin“ zwar reserviert gegenüber, doch als die Deutschen das Land besetzt haben, kommen sie zu ihr, wenn es darum geht, einen Angehörigen von der Gestapo freizukriegen. Denn Rozina, die keinen Respekt vor Autoritäten hat, versteht sich auch auf diesen Handel. "Wenn die Birken Blätter treiben" ist eine Geschichte über das 20. Jahrhundert, eine europäische Geschichte, die in dieser Weise noch nicht erzählt worden ist. Sie handelt von Emigration und Krieg und von der Sehnsucht nach Freiheit, und sie macht Vorgänge sichtbar, die das Selbstverständnis der Slowenen prägen, auch wenn sie im Einzelnen der Erinnerung fast nicht mehr zugänglich und gerade dabei sind, sich in Geschichte zu verwandeln.

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  • Slowenischer Familienroman - Veröffentlichung hart erkämpft

    Wenn die Birken Blätter treiben
    awogfli

    awogfli

    ***so geschafft seit ein paar Tagen funktioniert copy paste wieder hier in Lovelybooks*** Die Geschichte rund um diesen Roman ist tatsächlich wesentlich spannender als der eigentliche Plot, und insofern ist dieses kleine Buch der slowenischen Autorin Breda Smolnikar ein wichtiger Beitrag zur Freiheit der internationalen Literatur. Die unbequeme Autorin schreibt seit den 60er-Jahren und eckte immer wieder wegen Gotteslästerlichkeit und Aufdeckung von unangenehmen historischen Wahrheiten bei den lokalen Behörden und der Bevölkerung an. Ab 1985 versuchte man sie durch eine fingierte Anklage wegen Schwarzarbeit mundtot zu machen, was auch für ein paar Jahre bis zur Unabhängigkeit Sloweniens funktionierte. Als das Buch „Wenn die Birken Blätter tragen“ veröffentlicht wurde, wurde die Autorin von fünf ihr völlig unbekannten Schwestern verklagt, die in der Hauptfigur des Romans Rozina ihre Mutter wiedererkannt haben wollten. Die Klägerinnen verlangten Schadenersatz ob der erlittenen Kränkung, da ein paar Szenen im Roman etwas freizügig sind. Im wahrscheinlich getürkten Berufungsverfahren in Ljubljana, das komischerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wurde, wurde die Schriftstellerin zu einem horrenden existenzvernichtenden Schadenersatz verurteilt, der ihr gesamtes Vermögen auffraß. Aus diesem Grund zog sie vor das slowenische Verfassungsgericht, bekam Recht und durfte anschließend den Roman 1999 nach 10 Jahren endlich veröffentlichen. Die erbitterten Klägerinnen wandten sich anschließend an den Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg. Dieser wies die Klage schließlich im März 2014 endgültig ab und strich heraus, dass die künstlerische Freiheit den besonderen Schutz durch die Menschenrechtskonvention genieße. Die Hauptprotagonistin Rozina wäre für alle erkennbar als fiktive literarische Figur konzipiert, ohne objektivierbare Absicht zur Herabwürdigung realer Personen. Somit wurde dieser unrühmliche Prozess, der die Freiheit der Literatur angriff, endlich nach dem Weg durch alle Instanzen zu den Akten gelegt. Nun wie soll ich nun diesen Stein des Anstoßes, der die permanent Beleidigten komplett in Aufruhr versetzte, beschreiben: Der Roman ist eine liebe, kleine kurze Geschichte rund um die sympathische, willensstarke, fleißige Frau Rozina, die mit etwas ruppiger Herzlichkeit und viel Engagement ihr Leben und das ihrer Familie meistert. Dazwischen gibt es ein Paar erotische Sexszenen (ja ich schreibe Paar groß, denn ich glaube es waren eh nur zwei – eine mit ihrem Ehemann und eine mit der Hl. Maria von Brezje), die ich auch sogar Kindern ab 14 Jahren zumuten würde und ein paar historische Verwicklungen von fiktiven lokalen Persönlichkeiten – Nazikollaborateure, Partisanen.... Ich mutmaße mal, das war es schon, was irgendwie im Entferntesten jemanden stören könnte. Der Schreibstil ist ungewöhnlich, denn in dieser Geschichte existieren keine Punkte am Ende des Satzes – sie wird somit in einem durchgelesen, was aber der Rezeption und Verständlichkeit des Textes keinen Abbruch tut – somit den Lesefluss gar nicht stört. Was mich wirklich ein bisschen gestört hat, ist die ausufernde Beschreibung des Handwerks der Schnapsbrennerei, ich hätte mir inhaltlich noch mehr persönliches von Rozina erhofft oder Geschichten bezüglich der Interaktion mit ihren Mitmenschen. Wie man Schnaps brennt, weiß ich nämlich nur allzu gut, denn bei uns in der Marillengegend destilliert fast jeder selbst. Fazit: Eine liebenswerte ganz gute kurze Geschichte für zwischendurch, die mich aber staunen lässt, warum sich gewisse lokalen Kräfte darüber derart echauffieren konnten. Die realen juristischen Konsequenzen des Romans und die politisch gesellschaftliche Einflussnahme auf Autoren sind auf jeden Fall höchst spannend und angesichts der derzeit aktuellen Beschneidung jeglicher Freiheiten in der Türkei aktueller denn je.

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