Wenn die Birken Blätter treiben

von Breda Smolnikar 
3,0 Sterne bei1 Bewertungen
Wenn die Birken Blätter treiben
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Inhaltsangabe zu "Wenn die Birken Blätter treiben"

Rozina Brinovc weiß, wie man Geschäfte macht. Mit ihrem Mann hat sie vor dem Ersten Weltkrieg in Amerika ein Vermögen mit der Schwarzbrennerei verdient. Und auch in Slowenien, wo sie 1914 kriegsbedingt hängen bleibt, erwirbt sie sich nach dem Krieg rasch wieder Wohlstand und Ansehen. Die Einheimischen stehen der herrischen „Amerikanerin“ zwar reserviert gegenüber, doch als die Deutschen das Land besetzt haben, kommen sie zu ihr, wenn es darum geht, einen Angehörigen von der Gestapo freizukriegen. Denn Rozina, die keinen Respekt vor Autoritäten hat, versteht sich auch auf diesen Handel.

"Wenn die Birken Blätter treiben" ist eine Geschichte über das 20. Jahrhundert, eine europäische Geschichte, die in dieser Weise noch nicht erzählt worden ist. Sie handelt von Emigration und Krieg und von der Sehnsucht nach Freiheit, und sie macht Vorgänge sichtbar, die das Selbstverständnis der Slowenen prägen, auch wenn sie im Einzelnen der Erinnerung fast nicht mehr zugänglich und gerade dabei sind, sich in Geschichte zu verwandeln.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783990291351
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Buch
Umfang:160 Seiten
Verlag:Wieser Verlag
Erscheinungsdatum:01.03.2015

Rezensionen und Bewertungen

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    awogflis avatar
    awogflivor 2 Jahren
    Slowenischer Familienroman - Veröffentlichung hart erkämpft

    ***so geschafft seit ein paar Tagen funktioniert copy paste wieder hier in Lovelybooks***

    Die Geschichte rund um diesen Roman ist tatsächlich wesentlich
    spannender als der eigentliche Plot, und insofern ist dieses kleine Buch
    der slowenischen Autorin Breda Smolnikar ein wichtiger Beitrag zur
    Freiheit der internationalen Literatur.

    Die unbequeme Autorin
    schreibt seit den 60er-Jahren und eckte immer wieder wegen
    Gotteslästerlichkeit und Aufdeckung von unangenehmen historischen
    Wahrheiten bei den lokalen Behörden und der Bevölkerung an. Ab 1985
    versuchte man sie durch eine fingierte Anklage wegen Schwarzarbeit
    mundtot zu machen, was auch für ein paar Jahre bis zur Unabhängigkeit
    Sloweniens funktionierte.

    Als das Buch „Wenn die Birken Blätter
    tragen“ veröffentlicht wurde, wurde die Autorin von fünf ihr völlig
    unbekannten Schwestern verklagt, die in der Hauptfigur des Romans Rozina
    ihre Mutter wiedererkannt haben wollten. Die Klägerinnen verlangten
    Schadenersatz ob der erlittenen Kränkung, da ein paar Szenen im Roman
    etwas freizügig sind. Im wahrscheinlich getürkten Berufungsverfahren in
    Ljubljana, das komischerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit
    geführt wurde, wurde die Schriftstellerin zu einem horrenden
    existenzvernichtenden Schadenersatz verurteilt, der ihr gesamtes
    Vermögen auffraß. Aus diesem Grund zog sie vor das slowenische
    Verfassungsgericht, bekam Recht und durfte anschließend den Roman 1999
    nach 10 Jahren endlich veröffentlichen.

    Die erbitterten
    Klägerinnen wandten sich anschließend an den Menschenrechtsgerichtshof
    in Strassburg. Dieser wies die Klage schließlich im März 2014 endgültig
    ab und strich heraus, dass die künstlerische Freiheit den besonderen
    Schutz durch die Menschenrechtskonvention genieße. Die
    Hauptprotagonistin Rozina wäre für alle erkennbar als fiktive
    literarische Figur konzipiert, ohne objektivierbare Absicht zur
    Herabwürdigung realer Personen. Somit wurde dieser unrühmliche Prozess,
    der die Freiheit der Literatur angriff, endlich nach dem Weg durch alle
    Instanzen zu den Akten gelegt.

    Nun wie soll ich nun diesen Stein
    des Anstoßes, der die permanent Beleidigten komplett in Aufruhr
    versetzte, beschreiben: Der Roman ist eine liebe, kleine kurze
    Geschichte rund um die sympathische, willensstarke, fleißige Frau
    Rozina, die mit etwas ruppiger Herzlichkeit und viel Engagement ihr
    Leben und das ihrer Familie meistert. Dazwischen gibt es ein Paar
    erotische Sexszenen (ja ich schreibe Paar groß, denn ich glaube es waren
    eh nur zwei – eine mit ihrem Ehemann und eine mit der Hl. Maria von
    Brezje), die ich auch sogar Kindern ab 14 Jahren zumuten würde und ein
    paar historische Verwicklungen von fiktiven lokalen Persönlichkeiten –
    Nazikollaborateure, Partisanen.... Ich mutmaße mal, das war es schon,
    was irgendwie im Entferntesten jemanden stören könnte. Der Schreibstil
    ist ungewöhnlich, denn in dieser Geschichte existieren keine Punkte am
    Ende des Satzes – sie wird somit in einem durchgelesen, was aber der
    Rezeption und Verständlichkeit des Textes keinen Abbruch tut – somit den
    Lesefluss gar nicht stört.

    Was mich wirklich ein bisschen
    gestört hat, ist die ausufernde Beschreibung des Handwerks der
    Schnapsbrennerei, ich hätte mir inhaltlich noch mehr persönliches von
    Rozina erhofft oder Geschichten bezüglich der Interaktion mit ihren
    Mitmenschen. Wie man Schnaps brennt, weiß ich nämlich nur allzu gut,
    denn bei uns in der Marillengegend destilliert fast jeder selbst.

    Fazit:
    Eine liebenswerte ganz gute kurze Geschichte für zwischendurch, die
    mich aber staunen lässt, warum sich gewisse lokalen Kräfte darüber
    derart echauffieren konnten. Die realen juristischen Konsequenzen des
    Romans und die politisch gesellschaftliche Einflussnahme auf Autoren
    sind auf jeden Fall höchst spannend und angesichts der derzeit aktuellen
    Beschneidung jeglicher Freiheiten in der Türkei aktueller denn je.

    Kommentare: 4
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