Brendan Simms

 3,9 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Die Briten und Europa, Kampf um Vorherrschaft und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Brendan Simms

Brendan Simms, geboren 1967, ist Professor für die Geschichte der internationalen Beziehungen an der Universität Cambridge. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geopolitik Europas und die Geschichte Deutschlands im europäischen Kontext. Er publiziert in Zeitschriften und Zeitungen zu aktuellen geo- und europapolitischen Themen und ist Autor zahlreicher Bücher, die breite Beachtung fanden, darunter »Die Briten und Europa. Tausend Jahre Konflikt und Kooperation« (2018) und »Hitler. Eine globale Biographie« (2020).

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Fünf Tage im Dezember (ISBN: 9783421048738)

Fünf Tage im Dezember

Erscheint am 09.11.2021 als Hardcover bei DVA.

Alle Bücher von Brendan Simms

Cover des Buches Kampf um Vorherrschaft (ISBN: 9783570553022)

Kampf um Vorherrschaft

 (4)
Erschienen am 25.04.2016
Cover des Buches Wir hätten gewarnt sein können (ISBN: 9783421047984)

Wir hätten gewarnt sein können

 (3)
Erschienen am 25.04.2017
Cover des Buches Die Briten und Europa (ISBN: 9783570554357)

Die Briten und Europa

 (4)
Erscheint am 09.05.2022
Cover des Buches Hitler (ISBN: 9783421046642)

Hitler

 (2)
Erschienen am 09.03.2020
Cover des Buches Europa am Abgrund (ISBN: 9783406691577)

Europa am Abgrund

 (1)
Erschienen am 18.07.2016
Cover des Buches Der längste Nachmittag (ISBN: 9783570553657)

Der längste Nachmittag

 (1)
Erschienen am 04.09.2017
Cover des Buches Fünf Tage im Dezember (ISBN: 9783421048738)

Fünf Tage im Dezember

 (0)
Erscheint am 09.11.2021
Cover des Buches Europe (ISBN: 9780141037172)

Europe

 (0)
Erschienen am 24.04.2014

Neue Rezensionen zu Brendan Simms

Cover des Buches Kampf um Vorherrschaft (ISBN: 9783570553022)A

Rezension zu "Kampf um Vorherrschaft" von Brendan Simms

Deutschland und das europäische Staatensystem
Andreas_Oberendervor 8 Monaten

Deutschlands sogenannte "Mittellage" in Europa und die sich daraus ergebenden Probleme für das europäische Staatensystem sind ein klassisches Thema jener Teildisziplin der Geschichte, die sich mit Außenpolitik, internationalen Beziehungen und Diplomatie beschäftigt. Der britische Historiker Brendan Simms rückt Deutschland ins Zentrum einer chronologisch weit ausholenden Geschichte des europäischen Staatensystems, die mit dem Fall Konstantinopels beginnt und in unseren Tagen endet. Über einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren untersucht Simms, welche Rolle das Heilige Römische Reich, der Deutsche Bund, das Kaiserreich, das Dritte Reich, die BRD und die DDR in Europa spielten und welche Bedeutung dem wiedervereinten Deutschland im gegenwärtigen Europa zukommt. Die Darstellung ist freilich nicht auf Deutschland bzw. die deutschen Führungsmächte Preußen und Österreich verengt; auch andere maßgebliche europäische Staaten (England/Großbritannien, Frankreich, Spanien, Schweden), Russland/die Sowjetunion und die USA werden einbezogen.

Simms vertritt die These, dass die Kontrolle über Deutschland stets unabdingbare Voraussetzung für die Hegemonie auf dem Kontinent war. Wer Deutschland beherrschte, sei es von innen (z.B. Hitler), sei es von außen (z.B. Napoleon), wer Deutschlands Ressourcen bündeln und für sich nutzbar machen konnte, der besaß eine gute Ausgangsbasis, um nach der Vorherrschaft in Europa zu greifen. Deutschlands demographisches und wirtschaftliches Potential war zu allen Zeiten zu groß, als dass eine Macht ohne oder gegen Deutschland eine dauerhafte Hegemonie in Europa hätte erlangen können. Ob Deutschland im Mächtesystem eine aktive oder passive Rolle spielte, war von seiner politischen Verfasstheit abhängig. Das Heilige Römische Reich und der Deutsche Bund waren außenpolitisch schwache Akteure, verhinderten aber durch ihre bloße Existenz, dass sich ein anderer europäischer Staat auf Dauer als Hegemon etablieren und den Kontinent unter seinen Willen zwingen konnte. Erst mit der Reichseinigung von 1871 erfolgte der Übergang von einer Außenpolitik der einzelnen deutschen Territorialstaaten und Fürsten zu einer nationalstaatlichen deutschen Außenpolitik. Das Kaiserreich und das Dritte Reich nutzten ihre Stärke für den Versuch, Mitteleuropa, wenn nicht gar den ganzen Kontinent gewaltsam umzugestalten.

Wie Deutschland staatlich organisiert war (als lockerer Staatenbund oder Zentralstaat), welche außenpolitische Handlungsfähigkeit es besaß, welche Dynastie (z.B. Habsburger, Hohenzollern) oder politische Kraft in Deutschland tonangebend war, wie Deutschland "eingehegt" und in das europäische Staatensystem eingebunden werden konnte, diese Fragen beschäftigten jahrhundertelang die Herrscher, Politiker und Diplomaten aller wichtigen Staaten. Keine nichtdeutsche Macht konnte je bestimmenden Einfluss auf die europäische Ordnung nehmen, ohne Deutschland in irgendeiner Form in ihr Kalkül einzubeziehen. Die spanischen Habsburger konnten es genauso wenig wie Ludwig XIV. oder Napoleon oder nach dem Zweiten Weltkrieg die USA und der Sowjetdiktator Stalin. Ihnen allen ging es darum, sich entweder Deutschlands Potential zunutze zu machen oder sicherzustellen, dass von Deutschland keine Gefahr ausging. Die Tatsache, dass Deutschland, welche staatliche Gestalt es auch hatte, nicht ignoriert werden konnte, zieht sich seit der Frühen Neuzeit als roter Faden durch die Geschichte des europäischen Mächtesystems.

Um seine These von der Schlüsselstellung Deutschlands zu belegen, lässt Simms die gesamte Geschichte des europäischen Staaten- und Mächtesystems seit dem späten 15. Jahrhundert Revue passieren. Alle wichtigen Allianzen und Bündnisse, Kriege und Konflikte, Friedenskongresse und Verträge finden Erwähnung. Simms spannt einen Bogen von den dynastischen und konfessionellen Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts bis hin zum Kalten Krieg, zum Untergang des Kommunismus und zum europäischen Einigungsprozess. Mehrere Leitmotive durchziehen das Buch: Das Spannungsverhältnis zwischen Gleichgewicht bzw. Ausbalancierung der Kräfte einerseits und hegemonialen Bestrebungen einzelner Mächte andererseits; Versuche, durch Kontrolle der sprichwörtlichen Mitte des Kontinents ganz Europa zu beherrschen; Deutschlands wechselnde außenpolitische Rolle, mal als ohnmächtiger Spielball seiner Nachbarn, mal als eigenständiger Akteur, der schlimmstenfalls zur Bedrohung für Europa wird; schließlich die Versuche, unter Einbindung Deutschlands eine dauerhafte europäische Friedensordnung zu schaffen. Simms verschränkt diese konfliktreiche Geschichte der Staatenbeziehungen immer wieder mit knappen Einschüben, in denen er die Rückwirkungen der Außenpolitik und der Mächtekonkurrenz auf die inneren Verhältnisse der einzelnen Länder untersucht. Debatten um außenpolitische Ziele und Strategien werden erörtert, aber auch Verwaltungs-, Finanz-, Wirtschafts- und Militärreformen, die zur Steigerung der außenpolitischen Handlungsfähigkeit beitragen sollten. Das alles ist im Grunde Stoff für mehrere Bücher, und am Ende der Lektüre stehen erhebliche Zweifel, ob Simms ein Thema gewählt hat, das sich in einer gut lesbaren und lesenswerten Form behandeln lässt. Das Buch hinterlässt keinen zufriedenstellenden Gesamteindruck.

Ausgesprochen ärgerlich ist zunächst einmal der Umstand, dass Simms seinen ausufernden Text in acht große Kapitel unterteilt hat, deren Untergliederung nicht im Inhaltsverzeichnis aufgeführt ist. Wer gezielt nach bestimmten Themen sucht, der muss entweder die Kapitel durchblättern oder das Register bemühen. Dieser Mangel verblasst jedoch gegenüber den anderen Schwächen des Buches. Sprachlich und inhaltlich bewegt sich das Buch auf dem Niveau eines Wikipedia-Artikels. Da Simms einen so gewaltigen Zeitraum untersucht, muss er sich wohl oder übel darauf beschränken, zu jedem Thema, zu jedem Aspekt nur das Nötigste zu sagen (in Kapitel 1 werden nicht weniger als 200 Jahre behandelt!). Folglich verharrt das Buch durchweg an der Oberfläche; eine Vertiefung ist nirgendwo möglich. Im Grunde tut Simms nichts anderes, als gut bekanntes Handbuchwissen zu referieren - und das über Hunderte und Aberhunderte Seiten hinweg. Trotz der beachtlichen Syntheseleistung ist das Buch letztlich kaum mehr als eine uninspirierte Fleißarbeit, die mitunter hart an der Grenze zu banalen Binsenweisheiten und Gemeinplätzen entlangschrammt. Dass die französischen Könige des 16. und 17. Jahrhunderts gegen die "habsburgische Einkreisung" ankämpften, dass die Reichseinigung von 1871 das europäische Mächtesystem grundlegend veränderte, dass der Vertrag von Versailles ein folgenschwerer Fehler war, das alles konnte man schon in hundert anderen Büchern lesen. Dem Zwang zur Verknappung und Zuspitzung sind mancherlei fragwürdige und irritierende Urteile geschuldet: War Unzufriedenheit mit der Außenpolitik Karls I. wirklich der Hauptgrund (!) für den Ausbruch des englischen Bürgerkrieges? War das Engagement des Deutschen Reiches in Mexiko am Vorabend des Ersten Weltkrieges wirklich eine ernste Bedrohung für die USA?

Mit der pedantischen Gewissenhaftigkeit eines Buchhalters handelt Simms alle Ereignisse und Prozesse ab, die für die Entwicklung des europäischen Staatensystems seit dem 15. Jahrhundert von Bedeutung sind. Die Geschichte, die Simms erzählt, ist von Anfang an vorhersehbar, da hinlänglich bekannt. Sie besitzt keinen Spannungsbogen; sie bietet keine neuen Erkenntnisse; sie überrascht nicht mit originellen Interpretationen. Von einem wie auch immer gearteten Lesevergnügen kann keine Rede sein. Wie beim Lesen schnell klar wird, gehört Simms nicht zu jenen englischen Historikern, deren stilistisches Talent deutsche Leser so gerne rühmen und bewundern. Das Buch ist in einer monotonen, trockenen Mitteilungsprosa gehalten, die spätestens nach 300 Seiten demotivierend und ermüdend wirkt. Am Ende jedes Kapitels fragt man sich, ob sich das Weiterlesen wirklich lohnt, denn man weiß ja, was als nächstes kommt, welcher Krieg, welcher Friedenskongress, welche neue Entwicklungsetappe des europäischen Staatensystems. Simms hat sich keinerlei Mühe gegeben, sein Thema in irgendeiner Weise attraktiv aufzubereiten (ob das überhaupt möglich ist, sei dahingestellt). Das Ergebnis ist ein langatmiges und langweiliges Buch, das dem Fachmann nichts Neues bietet und den Laien durch seinen unhandlichen Umfang und seine eintönige Darstellungsform abschreckt. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im September 2014 bei Amazon gepostet)

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Cover des Buches Hitler (ISBN: 9783421046642)LeseBlicks avatar

Rezension zu "Hitler" von Brendan Simms

Eine Biographie mit ganz neuen Sichtweisen
LeseBlickvor einem Jahr

Ganze zwei Monate habe ich an diesem Buch gelesen.

Biographien stellen für einige Leser den Endgegner dar, ich nehme mir ab und zu gerne eine vor. Dass dieses Werk von Brendan Simms fast 1100 Seiten umfasst, bedeutete entweder eine geballte Ladung an neuen, gut recherchierten und belegten Informationen oder eine geballte Ladung Mist.

Schon nach dem Prolog und der Einleitung in diese Biographie war mir klar, dass der erste Fall eintreffen wird. Simms wagt sich unter ganz anderen Gesichtspunkten an den „Führer“ heranzugehen. 

„Es handelt nicht von dem Hitler, den sie gewählt, sonder von dem, den sie bekommen haben.

Es handelt nicht von dem, was er >>erreichte<<, sondern von dem, was er beabsichtigte.“ (S. 15)


Das vorliegende Buch bricht mit vielen verbreiteten Ansichten über Hitler.

Der Autor stellt in dieser Biographie nach jahrelanger und ausführlicher Recherche drei neue Behauptungen auf, welche den Leser durch das gesamte Buch begleiten und ein ganz anderes Licht auf den Menschen Hitler und seine Vorhaben wirft.

Um in einem gewissen Grad den Inhalt des Buches zu erläutern, werde ich diese drei Punkte kurz mit eigenen Worten erläutern:

 

In etlichen Geschichtsbüchern und Ansichten nach, lag Hitlers Hauptaugenmerk auf den Gegner im Osten. Simms widerspricht diesem und bringt Anglo-Amerika ins Spiel, insbesondere den vorherrschenden globalen Kapitalismus.

Die verschiedenen Punkte und Kapitel, die in diesem Zusammenhang im Buch erwähnt werden, sind höchst interessant und werfen ein ganz anderes Licht auf alles, was folgte.

 

Des Weiteren wollte Hitler das deutsche Volk an die Spitze führen. Allerdings plagten ihn bis zuletzt höchst zwiespältige Gedanken hinsichtlich des deutschen Volkes. Im Vergleich mit den >>Angelsachsen<< sah er sein Volk sogar stellenweise als minderwertig an. 

Diese Aussage ist kaum zu glauben, wird aber im Buch an vielen Stellen genauestens besprochen und erklärt. 

 

Und vor allem der dritte Punkt in diesem Buch war für mich neu.

Neu dahingehend, dass der Autor diese Seite näher beleuchtet hat. Folgender Punkt wird heutzutage totgeschwiegen, obwohl so viel Wahrheit drin steckt.

Und spricht der Autor aus, dass sich viele Biographien, Geschichtsbücher, Sachbücher usw. hauptsächlich auf die >>negative Eugenik“ beziehen, heißt, Hitlers mörderische Aktivitäten gegenüber Juden und anderen >>Unerwünschte“

Aber Simms stößt den Leser auf den Punkt seiner >>positiven Eugenik<<.

Hitler wollte das deutsche Volk auf ein höheres Niveau anheben.

Sein Volk mit anderen Mächten gleichstellen.

 

Der Autor selbst bezeichnet sein Werk als >>hitler-zentriert<<,

bedeutet, dass er Hitler im Verlauf des Buches nicht aus seinem Blick verschwindet. Es geht darum, was dieser Mann dachte, nicht woher er es nahm.

 

Eingeteilt ist die Biographie in sechs Teile, deren Überschriften wie folgt lauten:

Demütigung

Zersplitterung

Vereinigung

Mobilisierung

Konfrontation

Vernichtung

 

Wer fürchtet, den 1056 Seiten nicht gewappnet zu sein, den kann ich an dieser Stelle beruhigen. Die reine Biographie umfasst lediglich 846 Seiten.

Ab Seite 847 folgen Anmerkungen und Quellenangaben.

Ebenfalls interessant am Ende eine fast 100 Seiten lange Bibliographie, welche ich mir in den kommenden Jahren mit  Sicherheit nochmal genauer anschauen werde.

 

Abschließend ist zu sagen, dass diese Biographie ganz andere Denkweisen in den Raum wirft. Denkweisen, die auch mich beim Lesen überrascht haben und die sich daraufhin ergebene Geschichte aus einem ganz anderen Ursprung zeigt.

 

Ich packe zum Inhalt sehr wenige Informationen in meine Rezension, weil ich diese an Worten beziehungsweise Seitenanzahlen sprengen würde. Das liest sich am Stück einfach niemand durch. 


Nicht vorenthalten möchte ich euch an dieser Stelle, meine Markierungen im Überblick. In diesem Buch werde ich diese nach dem Rezensieren auch nicht entfernen, die bleiben da wo sie sind. Siehe Bild

 

Mein Fazit

In der Literaturwelt sind solche Biographien und allgemein das Thema Hitler und Zweiter Weltkrieg sehr umstritten beziehungsweise werden diese Themen sehr schnell zur Seite geschoben oder gar nicht erst beachtet.

Warum? 

Weil wir Menschen super sind im Urteilen und Verurteilen.

Ich bin offen für verschiedene Meinungen und Sichtweisen und wähle daher solche Bücher, die mich Gedanken und Denkweisen von gewissen Personen besser nachvollziehen lassen. Und weil ich weiß, dass es kein dahin geschriebenes Werk, sondern ein jahrelang recherchiertes Werk ist.

Diese Aussage beziehe ich nicht nur auf dieses Thema, sondern auch auf andere.

„… am Ende lebt der Mensch von der Erde

und die Erde ist der Wanderpokal,

den die Vorsehung an die Völker gibt,

die dafür kämpfen.“

Adolf Hitler, 1943

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Cover des Buches Hitler (ISBN: 9783421046642)W

Rezension zu "Hitler" von Brendan Simms

Bedenkenswert, nicht bedenklich. Der Ansatz, Hitlers Gedankenwelt zu verstehen.
wschvor einem Jahr

Auch wer schon zahlreiche Biographien über Hitler gelesen hat, beispielsweise Ian Kershaws herausragende zwei Bände über Hitler, Joachim C. Fest’s Buch aus dem Jahr 1973, Sebastian Haffners „Anmerkungen zu Hitler“ von 1978 oder weniger bekannte Literatur wie das Buch von Eugene Davidson „Wie war Hitler möglich“ (1982), „Was niemand wissen wollte“ von Walter Laqueur 1984, „Wer war wer im Dritten Reich“ von Robert Wistrich, 1990 erschienen, wird in diesem erst 2019 erschienenen Buch von Brendan Simms neue Erkenntnisse gewinnen.

Der 1967 in Irland geborene Historiker ist Professor für die Geschichte der internationalen Beziehungen am Centre of International Studies der Universität Cambridge. Er beschreibt in seinem insgesamt 1.050 Seiten umfassenden Buch nicht nur Hitlers Leben und Werdegang, vom Sohn eines Zollbeamten im niederösterreichischen Waldviertel an der Grenze zu Böhmen über den erfolglosen ‚Künstler‘ in Wien und München, seine Militärzeit im Ersten Weltkrieg als Meldegänger an der Westfront in Frankreich und Flandern einschliesslich seiner Verwundungen und Lazarettaufenthalte. Die von ihm nach dem bedenkenlos übernommene und von ihm sein Leben lang vertretene und aufs Äußerste verfechtete ‚Dolchstoßlegende‘. Mit ein Grund für seine totale Weigerung, gegenüber den Alliierten, egal ob an der West- oder an der Ost-Front, ob in Nordafrika, auf dem Balkan oder in Skandinavien eine Kapitulation zu akzeptieren.

Brendan Simms These, dass es Hitler nach seiner Machtergreifung vornehmlich darum ging, mit den insgeheim bewunderten Briten und Amerikaner zumindest gleich zu ziehen und durch seine von ihm vom Zaun gebrochenen Feldzügen aus dem Deutschen Reich ein diesen ebenbürtiges Weltreich zu schaffen, das ist im zweiten Teil des Buches ein Schwerpunkt in Simms Werk.

Den Weg zur Macht, von der bayrischen Splitterpartei über Thüringen, Sachsen und so weiter Schritt für Schritt zur Einheitspartei NSDAP im Deutschen Reich beschreibt der Autor natürlich ausführlich. Einschliesslich der öffentlich verlautbarten Zielsetzungen der NSDAP. 

Der Überfall auf Polen im Jahr 1939, den Hitler befohlen hatte und dessen ‚Notwendigkeit‘ der deutschen Bevölkerung gegenüber mit Lügen begründet wurde, war bekanntermaßen der Auslöser des Zweiten Weltkrieges. Wobei sich das Deutsche Reich und Polen trotz aller Zwistigkeiten zwischen 1918 und 1938 durchaus angenähert hatten und der Überfall auf Polen umso überraschender kam. Auch das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion war nicht durch permanente Feindseligkeit geprägt. 

Im Gegenteil, die Sowjetunion lieferte Getreide, Metallerze, Öl und weitere wichtige Rohstoffe ins Deutsche Reich.

Die vermutlichen Ursprünge der ‚Rassenpolitik‘ Hitlers analysiert Brendon Simms ebenso wie die von Hitler immer wieder in Gesprächen geäußerte Bewunderung der Briten: im Ersten Weltkrieg hatte er erlebt, wie die US-amerikanischen und britischen Soldaten gegen die deutsche Wehrmacht gekämpft haben. Und ein großer Teil der amerikanischen und britischen Soldaten hatten Vorfahren, die aus Deutschland ausgewandert waren: „Hintergrund dieser Darstellung ist die Tatsache, dass sich zwischen 1820 und 1930 rund 5,9 Millionen Deutsche in den Vereinigten Staaten niederließen. Im Zeitraum von 1860 bis 1890 bildeten sie die größte Einwanderergruppe. Um 1900 war rund ein Zehntel der US-Amerikaner deutscher Herkunft, unter ihnen ein gewisser Friedrich Drumpff, der sich auf Ellis Island als Frederick Trump registrieren ließ – Donald Trumps Großvater, der 1885 in Amerika eintraf.“ (Zitat Seite 207).

Ein weiterer Grund für Hitlers Weltreich-Phantasien und dem damit verbundenen permanenten Ruf nach ‚Lebensraum für das Deutsche Volk‘ war die Existenz des damaligen Britischen Weltreiches mit Indien, den Kolonien in Afrika, im so genannten Nahen Osten, in Asien (Stichwort Boxer-Aufstand oder auch Hong Kong), in Nord-Amerika (Kanada9, Australien etc. Wobei das Britische Empire alles andere als zimperlich mit der dortigen Bevölkerung umging.

 Die Siedler in den USA hatten unermessliche Weiten in Richtung Westen erobert und auf dem Weg nach Westen mittels ihrer überlegenen Waffentechnik die ursprünglich dort lebenden indigenen Stämme (‚Indianer‘) Großteils vernichtet.


Über das perfekt inszenierte Schauspiel der Olympischen Spiele 1936 mit dem zu diesem Anlass von den Nazis erfundenen olympischen Fackellauf in Berlin zum Anschluss Österreichs, der Überfall aus Polen, die Besetzung Skandinaviens, das ‚Unternehmen Barbarossa‘, sprich der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, die Gründe für die Unterstützung Mussolinis in Italien, auf dem Balkan, der Einmarsch deutscher Truppen in Griechenland, die militärischen Niederlagen an allen Fronten und Hitlers Reaktionen darauf – Brendan Simms beschreibt all dies und geht allem so Weit als Möglich auf den Grund.

Bis hin zu den letzten Tagen und Stunden im Bunker unter der Reichskanzlei.

Bis hin zum Genozid an russischen Kriegsgefangenen und vor allem dem mit deutscher Gründlichkeit organisierten unermesslichen Massenmord an der Bevölkerung jüdischen Glaubens aus allen unter Nazi-Herrschaft leidenden Ländern.

Der Autor beschreibt auch die Rollen der obersten Nazi-Führer (Göhring, Goebbels, Himmler, Bormann, Speer, Frank und viele Weitere), deren Machtkämpfe hinter den Kulissen, das Privatleben Hitlers mit der Liaison zu Geli Raubal, der Tochter seiner Halbschwester Angela, also seiner Nichte, zu Eva Braun. Die Gründe, weswegen Hitler nach dem Ende des seiner Ansicht nach nur zu gewinnenden Krieges auf jeden Fall den Volkswagen etablieren wollte – als Gegenstück zu dem US-amerikanischen Massenbewegungsmittel Auto, Stichwort ‚Ford‘.

Wer weiss schon, dass Hitler in seiner Bewunderung der USA Hamburg zu einer Stadt umgestalten wollte, die New York mitsamt seinem 1931 eröffneten Empire State Building bei Weitem übertreffen sollte?

Das Buch liest sich dank des Schreibstils von Brendan Simms sehr gut. Es bietet eine Fülle neuer Informationen, sehr interessante, wissenswerte Aspekte des ‚1000-jährigen Reiches‘. Es lässt weder die Einstellung der Zivilbevölkerung noch die katastrophalen Erlebnisse der Soldaten aus allen Ländern oder die Machtstrukturen des Nazi-Reiches aus.

Nicht nur dem, der jetzt diese verhängnisvollen Jahre in der Form anspricht „Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, auch alle anderen, ganz besonders die, die derartigen Gedankengängen folgen, sollten, besser müssten dieses Buch lesen. 

Wer die Feststellungen Brendan Simms bestreiten will: selbstverständlich belegt Brendan Simms alles, was er schreibt. Auf 82 kleingedruckten Seiten mit Anmerkungen und Fundstellen der zahlreich aufgeführten Zitate aus Gesprächsprotokollen, Tagebuchaufzeichnungen etc. 

Die Bibliographie umfasst weitere 96 Seiten. Es ist also alles nach- und überprüfbar!



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