Patrick Bateman hat einen guten Job, jede Menge Geld, Geschmack, sieht gut aus - und führt ein langweiliges Leben. Was man beim Lesen erst nach und nach erkennt, denn Ellis hat ein gutes Gefühl für die Welt-Wahrnehmung seines Protagonisten. Man folgt Bateman zunächst, weil er eine glaubhaft geschriebene Figur ist und sich andeutet, dass mehr passieren wird, als die gähnend langweilige Snobbegeisterung für schöne Frauen, teuere Marken und alles andere, was sich so gedankenlos konsumieren lässt. Es dauert ein wenig (und stellt moderne Aufmerksamkeitsspannen auf die Probe), bis wir mitbekommen, dass Bateman psychisch instabil ist und sich die Ausbrüche intensivieren. Ab hier wird aus der Ende-80er-New-York-Yuppie-Millieustudie (die es in Romanform nicht gebraucht hätte) ein Thriller. Teils sehr explizit und trotzdem oft genug mehrdeutig. Können wir Batemans Schilderung glauben? Können wir überhaupt seiner Wahrnehmung folgen? Eine große Stärke des Buches ist ein Ende, das jede Deutung erlaubt, die wir uns beim Lesen zusammengebaut haben. Mehrdeutig, vielleicht sogar multioptional und trotzdem kohärent? Das ist ein Kunststück - und dafür kann man Ellis auch die ewiggleichen Schilderungen von Modemarken, Musikstars oder Männerhygienevorgängen verzeihen.
Bret Easton Ellis
Lebenslauf
Alle Bücher von Bret Easton Ellis
American Psycho
Unter Null
Lunar Park
The Shards
Glamorama
Einfach unwiderstehlich
Imperial Bedrooms
Ellis, Die Informanten
Neue Rezensionen zu Bret Easton Ellis
Das Buch American Psycho von Bret Easton Ellis (ca. 550 Seiten, erschienen erstmals 1991) ist keine literarisch leichte Kost. Patrick Bateman, der Protagonist, ist ein reicher Yuppie (das Wort wird heute kaum noch genutzt) in den 80ern – gutaussehend, stilbewusst, scheinbar erfolgreich. Doch hinter dieser perfekten Fassade verbirgt sich ein Abgrund aus Leere, Gewalt und Wahnsinn.
Was mir besonders auffiel: Die endlosen Beschreibungen seiner Kleidung, seiner sexuellen Eskapaden und brutalen Morde wirken monoton, fast ermüdend – und genau darin liegt vielleicht der Punkt. Batemans Leben ist trotz Luxus und Exzess erschreckend langweilig und sinnentleert. Von seiner eigentlichen Arbeit erfährt man fast nichts – er scheint vielmehr ein gelangweilter Sohn reicher Eltern zu sein, der sich in Oberflächlichkeiten, Statussymbolen und „angesagten“ Restaurants verliert. Die Frage bleibt offen: Wie viel von den Morden und Ausschweifungen ist real, wie viel vielleicht reine Fiktion oder Wahn? Ellis lässt uns im Unklaren – und genau das macht die Lektüre so verstörend.
Mein Fazit: American Psycho ist schwer verdaulich, aber literarisch spannend. Eine radikale Kritik an Konsum, Männlichkeitsbildern und einer Gesellschaft, die an Oberflächlichkeiten erstickt.
Der Roman wurde 2000 eindrucksvoll mit Christian Bale verfilmt – die Adaption gilt zu Recht als eine der besten Literaturverfilmungen der frühen 2000er.
Triggerwarnung: explizite Gewalt, Misogynie und sexuelle Inhalte
Wie "American Psycho" beginnt dieses Buch über die Schulzeit von mehreren wohlstandsverwahrlosten Jugendlichen im sonnigen Kalifornien langatmig. Doch während der Vorgänger von 'The Shards' (Titel ist bis zum Ende nicht nachvollziehbar) im Laufe des Geschehens Fahrt in eine traumatisierende Apokalypse aufnimmt, bleibt das neue Werk von Bret Easton Ellis seicht und spannungsarm. Dabei hätte man aus dieser Geschichte, in der ein kaltblütiger Serienmörder namens 'Trawler' immer wieder die Bahnen der 5 zentralen Charaktere kreuzt, so viel mehr herausholen können. Aber Ellis kann den Spannungsbogen nicht aufrechterhalten. Wirklich nirgendwo auf den 750 Seiten kommt auch nur ein Hauch von Spannung auf. In dieser fiktionalen Biographie thematisiert der junge Ellis hauptsächlich seine homoerotischen Erfahrungen, aber eher auf eine mechanische als erotische Art. Auch hier versagt Ellis auf ganzer Linie. Treffsicher zeigt er sich nur in der Beschreibung der gelangweilten kulturellen und politischen Führungsschicht des Sunshine State in den frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Dekadenz dieser Elite wird einem aber mit dem Holzhammer eingebläut und wirkt am Ende nur noch abgeschmackt.
In Summe ein total mißratenes Werk. Spart euch die Zeit .
Gespräche aus der Community
Ich lade ein zur Leserunde meines neu erschienenen Romans und freue mich auf lebhafte Teilnahme und Diskussion!
Der Klappentext:
Durch einen spektakulären Unfall wird der Einzelgänger Salvatore mitten im Krieg berühmt. Freund und Feind reißen sich um ihn. Aber wem kann er wirklich vertrauen – dem blauen Kameraden, den depressiven Adventisten oder der schönen, aber chronisch übermüdeten Unbekannten?
Tragikomödie, Thriller, gesellschaftliches Horror-Szenario, Außenseiter-Liebesgeschichte voller schrill-abgründiger Charaktere: Der neue Roman des Autors von „Familie Fisch macht Urlaub“ ist eine packende Groteske über den Krieg in unserer Welt, sein schweigsamer Held ein moderner Simplicissimus.
Hintergrundinfos zu mir als Autor und zu dem Romanprojekt (das WIRKLICH ungewöhnliche Wege ging!) finden Sie auf meinem Blog.
Ich stelle jeder Teilnehmerin/jedem Teilnehmer ein Paperback oder ein E-Book (je nach Wunsch) kostenlos zur Verfügung, Versand ebenfalls kostenlos. Also: wer bei Namen wie Sorokin, Douglas Adams, Murakami, Tom Sharpe, David Sedaris oder Thomas Pynchon neugierig wird, der muss sich bei dieser Leserunde bewerben!
Zusätzliche Informationen
Bret Easton Ellis wurde am 06. März 1964 in Los Angeles (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.
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