Brigitta Eisenreich

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Celans Kreidestern

Celans Kreidestern

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Erschienen am 20.06.2011

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Rezension zu "Celans Kreidestern" von Brigitta Eisenreich

Rezension zu "Celans Kreidestern" von Brigitta Eisenreich
Clarivor 9 Jahren

Befruchtende und betörende Liebe.

Mit einer Vielzahl von Briefwechseln und Erinnerungen tritt uns Paul Celan in immer neuem Gewand entgegen. Ob Briefwechsel mit Ingeborg Bachmann, dem Ehepaar Demus, Ilana Shmueli oder dem Briefwechsel mit seiner eigenen Frau: Paul Celan zeigt sich uns mit seinen düsteren und liebevollen Seiten; immer aber auch mit seiner Sehnsucht nach Liebe und Erfüllung.
Eine seiner vielen Gefährtinnen war die Österreicherin Brigitte Eisenreich.

Sie tauchte 1951 aus Österreich kommend in Paris auf, um dort auf eigene Kosten ein Studium zu beginnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen furchtbaren Folgen auch für ihr Land suchte sie Ruhe in Frankreich, das mit demokratischer Tradition ausgestattet ihr ein ideell besseres Leben ermöglichen könnte. Hier lernt sie 1952 Paul Celan kennen, der in ihr eine Muse und Gleichgesinnte suchte, vor allem aber eine „Sprachfreundin“. Mit ihr konnte er österreichisch sprechen, seiner vertrauten Muttersprache, die ihm in Frankreich so sehr fehlte. Celan stand zu dieser Zeit kurz vor der Heirat mit Gisèle de Lestrange, einer Frau, die dem französischen Hochadel entstammte. Im Jahr 1953 nach der schweren Geburt und dem schnellen Tod des ersten Sohnes der beiden tauchte Celan unerwartet bei Brigitta Eisenreich auf und suchte ihre tröstende Nähe und Liebe.
Die junge Frau, gerade erst 23 Jahre alt, erlebt ihn als so außergewöhnlich, dass sie durch keinerlei Konventionen oder Alltagseinerlei die Zusammenkünfte mit ihm stört. Auf diese Weise entsteht eine zehnjährige Beziehung, die sie mit diesen Erinnerungen ins Bewusstsein rückt. Eine weiße Fahne kündigt zukünftig von ihrer Anwesenheit zu Hause, ein Kreidestern auf einer Tafel vor ihrer Wohnung signalisiert ihr den Besuch Celans, wenn er sie nicht angetroffen hatte.

Im Gegensatz zu den von mir genannten Briefwechseln handelt es sich hier um ein Erinnerungsbuch.
Eisenreich spricht über ihren eigenen Lebensweg, über ihre Studien und ihre Berufslaufbahn als Ethnologin.
In Paul Celan hat sie schnell den außergewöhnlich Dichter erkannt. Ihre Beziehung basiert auf dem geistigen Austausch und den Gedichten, die er ihr vorträgt und teilweises widmet; und sie basiert auf einer intensiven erotischen Bindung.

Sachlich und gerecht versucht Brigitta Eisenreich ihre Erinnerungen zu unterteilen in Erinnertes, Anmerkungen, Bildtafeln, einem Register und Dokumenten und Schriften, so weit sie diese noch auffinden und zeitlich zuordnen konnte.

Dass Paul Celan seine Frau über alle anderen Frauen stellte, hat Brigitta Eisenreich anerkannt und ihr Respekt gezollt. Sie hat ihre eigene Entwicklung neben ihm vorangetrieben, wohl wissend, dass ihre Beziehung zu Celan nur eine unter vielen bleiben würde. Geschätzt, verehrt, geliebt und geachtet musste auch ihre Beziehung zu Paul Celan enden, als er zunehmend ursächlich durch die Plagiatsvorwürfe der Witwe Yvan Golls in einen chaotischen psychischen Ausnahmezustand geriet. Paul Celan ging den Weg, der ihn am Ende in den Freitod führte.

Je mehr man über Celan liest, desto klarer und eindeutiger zeigt sich Charakter und Genie bei ihm. Gedichte von tiefer Schönheit und eine alles überschattende Melancholie haben ihn zu einem Außenseiter gemacht. Trotz vieler Freundschaften und Liebschaften blieb er ein einsamer und verschlossener Mensch. Wer immer ihn kannte, sprach von seiner Anziehungskraft und seiner Ausstrahlung. Brigitta Eisenreich hat diesem Bild ein weiteres aus ihrer Erfahrung hinzugefügt.

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