Brigitte Beil Ein Brief aus England

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Inhaltsangabe zu „Ein Brief aus England“ von Brigitte Beil

Es sind die Geheimnisse früherer Generationen, die uns ein Leben lang prägen. Die erfolgreiche Münchner Geschäftsfrau Sigrid findet eines Abends beim Nachhausekommen ihre Tochter völlig verstört vor. Judith, Mitte zwanzig, stürzt ohne Erklärung aus der gemeinsamen Wohnung. Auf dem Küchentisch entdeckt Sigrid einen geöffneten Brief. Ein Amtsschreiben, in dem steht, dass eine Mrs Linda Hamstad, ehemals Macksiepen, in Manchester gestorben sei und die Verwandtschaft gebeten werde, wegen der Nachlassregelung mit den dortigen Behörden Kontakt aufzunehmen. Linda ist Sigrids Mutter, die kurz vor Kriegsende plötzlich verschwand. Von der Sigrid stets behauptet hatte, sie wäre längst tot. Der sorgsam gehütete Mythos, ihr Schutzwall gegen die unheilvolle Vergangenheit, droht brüchig zu werden. Ist es an der Zeit, ihre Tochter in die Familiengeheimnisse einzuweihen?

ein schönes buc

— Lilofee
Lilofee

Eine Frau begibt sich auf eine schmerzhafte Reise in ihre Vergangenheit und kommt so endlich ihrer Tochter ein Stück näher. Berührend!

— daneegold
daneegold

Eine Geschichte mit psychologischem Tiefgang, die aber alles andere als trocken oder gar langweilig erscheint. Eine tolle Leseerfahrung!

— Alexandra_vom_Buecherkaffee
Alexandra_vom_Buecherkaffee

Fazit: Ein gefühlvoller, bedrückender, trauriger, aber auch hoffnungsvoller Roman.

— Bellexr
Bellexr

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  • Traurig und entmutigend, aber auch voller Zuversicht und äußerst emotional ist dieser gefühlvolle Ro

    Ein Brief aus England
    AlineWirths

    AlineWirths

    14. September 2013 um 10:59

    Er hielt das in weißen Molton gewickelte Bündel hoch über seinen Kopf und drehte sich damit durch den Raum, so stolz, als sei dieses Kind sein erstes und einziges. ( Seite 143) Ein wirklich gelungener Roman voller Gefühle und einer Vergangenheit, die die Protagonistin auch lieber vergessen lassen möchte. Ein Kampf um damalige Gefühle, ein schmerzhafter Prozess, diese wieder zu erleben. Jetzt hab ich ja schon fast mit dem Fazit begonnen. Aber ich glaube, manchmal sind die ersten Worte, die einem durch den Kopf schiessen die richtigen. Und sie sagen alles aus. Zumindest, wenn man sich die Zeit genommen hat, dieses Buch zu lesen. Ich kann es nur jeden ans Herz legen, denn Brigitte Beil hat hier einen richtig gefühlvollen Roman geschaffen. Sigrid ist ein ungeliebtes (oder vielleicht doch nicht) Kind im zweiten Weltkrieg auf die Welt gekommen. Eine wirklich ungünstige Zeit, wenn man dann auch noch bedenkt, das Gustav Macksiepen, der Vater, ein angesehener Arzt in der politischen Prominenz war, und ihre Mutter Linda eine englische Spionin. Das konnte auf Dauer nicht gutgehen. Mutter verschwindet, Vater schiebt sie ab. ja und so wächst Sigrid als ungeliebte Tochter in verschiedenen Heimen und Internaten auf. Keine leichte Kindheit hatte die Kleine und wird mit all der Belastung groß unbd sogar erfolgreich. Erst Jahre später, als ein Brief aus England ankommt, muss sich Sigrid ihrer Vergangenheit stellen. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Tochter Judith. Denn die Mutter- Kind- Beziehung leidet unter der Härte Sigrids, denn sie dürfte nie Wärme und Liebe spüren. Sigrid hat Mühe ihr eigenes Eis aufzutauen und bekommt die Hilfe ihres Kindermädchens Karola, die die Kindheit immer mit verfolgt hat und später an ihrer Seite zurückkehrte. Sie hilft ihr sich zu erinnern und sich den eigenenen Dämonen zu stellen. Brigitte Beil schreibt in einem engen aber flüssigen Schreibstil. Es muss hier auch sein, denn man muss der Geschichte folgen können. Informationen sind hier wichtig und helfen dir, das kalte aber aufwärmende Wesen Sigrids zu verstehen. Man kommt leicht durch die Seiten und oftmals ist man geschockt, was das Kind alles erleben musste, wie sie zu der Frau geworden ist, die sie schlussendlich dann wurde. Die Charaktere sind hier bewusst gezeichnet worden. Hauptmerkmal liegt hier auf Sigrid, Judith und Karola, die hier die Geschichte prägen und Leben einhauchen. Durch diese exakte Zeichnung ihrer Wesen kann dieser Roman erst leben.

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  • Die Abwesenheit von Mitgefühl

    Ein Brief aus England
    Klusi

    Klusi

    27. June 2013 um 10:12

    Sigrid ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und bewohnt, zusammen mit ihrer Tochter Judith, eine komfortable Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing. Das Zusammenleben der beiden Frauen wirkt sehr unterkühlt, ja manchmal fast feindselig. Auch nach all den Jahren hat Sigrid die Vergangenheit nicht verarbeitet. Ihre Herkunft belastet sie sehr. Ihre lieblose Kindheit war erfüllt von Demütigungen und Zurückweisungen. Vieles, was damals geschah, will sie nicht wahrhaben und hat es ihrer Tochter die ganzen Jahre verschwiegen. Als Schutzpanzer vor weiteren Kränkungen hat Sigrid während all der Zeit ein Lügengebilde um sich aufgebaut, das nun, durch die Ankunft des Briefes aus England, schnell ins Wanken gerät. Anfangs dachte ich mir, Sigrid sei eine sehr kalte, gefühllose Frau, die so leicht nicht zu erschüttern ist. Doch dann breitet sie ihr Seelenleben vor dem Leser aus, mit all den Narben früherer Verletzungen. Nach und nach gelingt es ihr, aus ihrem Schutzkokon zu schlüpfen und sich den Tatsachen zu stellen, auch wenn es ihr schwer fällt. Nach allem, was man über sie erfährt, wächst langsam auch das Verständnis für ihr Verhalten, und man empfindet nur noch Mitleid. Auch Judiths Seele ist gezeichnet, von den Jahren, in denen ihre Mutter sie nicht nur im Unklaren über die Familiengeschichte gelassen hat, sondern auch nicht die Kraft aufbrachte, ihrem Kind Zuneigung zu schenken. Es muss auf beiden Seiten viel passieren, um diesen harten Knoten zu lösen. Es ist eine ernste, berührende Geschichte, die so manchen kritischen Blick zurück, in die Zeit des Dritten Reiches, gewährt und sehr viele psychologische Aspekte zur Sprache bringt. Die Handlung ist erfüllt von Gefühlen, die zum großen Teil unterdrückt und nicht ausgelebt wurden, aber zuletzt unter einer sehr dünnen Decke schwelen und nur darauf warten, mit Gewalt hervorzubrechen. Auch wenn Sigrids Lebenslauf fiktiv ist, so hat es sicher schon ähnliche Fälle damals gegeben, und ihr Schicksal ist so eindringlich beschrieben, dass man stark mit der Frau mitfühlt, während sie ihre Vergangenheit aufarbeitet.

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  • Aufarbeitung der Vergangenheit

    Ein Brief aus England
    Katzenpersonal_Kleeblatt

    Katzenpersonal_Kleeblatt

    22. June 2013 um 08:17

    Sigrid lebt gemeinsam mit ihrer 26-jährigen Tochter in einem Haus. Die Beziehung zwischen den beiden ist nicht gerade von Liebe gekennzeichnet. Als eines Tages ein Brief aus England ankommt, wird er von Judith geöffnet. Dieser Brief, der den Tod von Mrs. Linda Hamstad, ehemals Macksiepen anzeigt, bringt ein Lügengerüst zum Stürzen, das sich Sigrid über die Jahre aufgebaut hat ... Das Buch bringt den Leser in eine Zeit zurück, die die schwärzeste in der deutsche Geschichte ist, in die Nazizeit. Sigrid ist die Tochter eines Arztes des 3. Reiches und einer englischen Spionin. Als die Tarnung ihrer Mutter aufzufliegen scheint, verschwindet diese von einem Tag auf den anderen und kehrt nach England zurück. Ihre erst 3-jährige Tochter lässt sie bei dem Vater zurück, der sie nunmehr als seinen persönlichen Feind ansieht. Nachdem der Versuch, sie nach England hinterherzuschicken scheitert, verbringt sie ihre Jugend in diversen Heimen. Ungeliebt und unbeachtet frisst sich dieses Gefühl in Sigrid hinein. Sie empfing nie Liebe und ist auch nicht in der Lage, welche zu geben.  Der Makel, die Tochter eines Nazis zu sein, hängt an ihr und sie versucht, sich ihre "eigene" Wahrheit zu erhalten. Sie blendet aus, dass ihre Eltern sie im Stich ließen und erzählt, dass sie ein Waisenkind ist. Selbst ihrer Familie inkl. ihrer Tochter Judith hat sie nie die Wahrheit gestanden. An dem Tag, an dem der Brief aus England kommt, ändert sich die Welt der beiden Frauen, denn er zeigt den Tod ihrer Mutter an. Judith ist entsetzt, dass sie von ihrer Mutter jahrelang belogen wurde. Es beginnt eine Zeit der Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse und des Verhältnisses der beiden Frauen zueinander. Die Geschichte wird aus der Sicht Sigrids erzählt.  Mittels Rückblicken in ihre Vergangenheit, in die Nazizeit, die sie als Kind erlebte, und in die Zeit ihrer Jugend erfährt der Leser, wie aus dem kleinen glücklichen Kind eine verbitterte und der Liebe nicht fähigen Frau geworden ist.  Großen Anteil an ihrem Leben nahm und nimmt Karola, die seinerzeit als Kinderfrau für Sigrid eingestellt wurde. Sie hatte selbst in der Zeit, als Sigrid im Heim war, immer über sie gewacht. Als Sigrid Judith bekam, bat sie Karola, doch auch für ihre Tochter zu sorgen. Karola ist auch diejenige, die Sigrid bei ihrer Vergangenheitsbewältigung helfen kann, hat sie doch die Beziehung zwischen Sigrids Eltern bewusst miterlebt.  Immer wieder schweift die Autorin in die verschiedenen Zeitepochen ihres Lebens ab, in die Kinderzeit, in die Zeit ihrer Ehe oder im Jetzt. Sigrid sieht sich erst jetzt in der Lage, die Zusammenhänge zu erkennen und besinnt sich ihrer Tochter, als es fast zu spät ist. Mit diesem Buch hält man keine leichte Lektüre in den Händen. Es ist eine Aufarbeitung mit der Vergangenheit in seiner ganzen Tiefe. Ein wenig schwermütig ist dieser Roman, aber nie langweilig. Ein Roman, den man nicht mal so nebenbei lesen kann.

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  • Still und voller Schwermut

    Ein Brief aus England
    Tialda

    Tialda

    05. June 2013 um 15:59

    Rezension: “Ein Brief aus England” von Brigitte Beil ist von Schwermut gezeichnet. Dies beginnt beim wunderschön melancholischem Cover und setzt sich so durch das ganze Buch fort – Schwermut eingebunden in Melancholie. Brigitte Beil lässt die Protagonistin Sigrid selbst sprechen. Eine toughe Geschäftsfrau, die eine verletzte Kinderseele in sich trägt, Nähe meidet und diese Distanz auch an ihre mittlerweile 26-jährige Tochter Judith weitergab. Die beiden leben zusammen in einer großen Wohnung und trotzdem sehen sie sich oft über Tage nicht – ich denke das spricht für sich. Die Geschichte kommt folgendermaßen ins rollen: Sigrid kommt eines Tages von der Arbeit nach Hause, ein Brief, der berichtet, dass Sigrids Mutter gestorben ist, liegt auf dem Tisch und Judith ist weg. Nach und nach erfährt der Leser von dem Lügenkonstrukt, das Sigrid um ihre Eltern, angeblich beide längst tot, aufbaute… Ganz ehrlich? Ich konnte sie zum Teil gut verstehen – denn wer gibt schon gerne zu, dass der Vater, ein Arzt, im 3. Reich mit den ‘ganz Großen’ verkehrte und die Mutter einen als kleines Kind mit einem solchen Menschen ganz allein zurückließ. Im Gespräch mit Judith und dem Kindermädchen Karola, die seit Sigrids Kindheit immer irgendwie da war und nun zu vermitteln versucht, leben vergangene Zeiten wieder auf. Es gibt Passagen, die zu NS-Zeiten spielen, dann wieder welche, die Karola aus ihrer Sicht erzählt und langsam breitet sich die wahre Geschichte aus, während sich Mutter und Tochter zum ersten Mal im gemeinsamen Leben langsam einander annähern. Wer Spannung erwartet, ist bei “Ein Brief aus England” falsch – wohingegen Leser, die stille und schwermütige Romane mögen, sehr zufrieden sein dürften. Für mich war dieses Buch allerdings zu still, sodass es leider wahrscheinlich sehr schnell in Vergessenheit geraten wird. Fazit: Schwermütig, grau und still – ein trauriger Blick in die Geschichte einer Frau, die ein Kind des 3. Reichs war und politische Handlungen ausbaden durfte.

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  • Ein Brief aus England

    Ein Brief aus England
    Lesegenuss

    Lesegenuss

    19. May 2013 um 14:26

    Der Titel „Ein Brief aus England“, vielversprechend, allerdings wenn man sich dann den Klappentext durchliest, ahnt man, es könnte kein leichter Stoff zum Lesen werden. Obwohl, der Inhalt verrät schon einiges. Was genau verbirgt sich nun hinter dem Titel, was für eine Handlung, welche Charaktere erwarten den Leser? Sigrid, erfolgreiche Geschäftsfrau in München, zuhause wird sie mit einem Brief aus England konfrontiert, der geöffnet und von ihrer erwachsenen Tochter Judith gelesen, sie nunmehr knallhart mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Mrs. Linda Hamstad – ehemals Macksiepen – verstorben – Nachlassregelung – Behörden Kontakt aufnehmen. Dieser amtliche Brief rüttelt mit einer solchen Gewalt an der Rüstung, die Sigrid vor unendlichen Jahren angezogen hatte. Nun bekam diese Beulen, ein Hammerschlag nach dem anderen.   Zitat S. 20 „ ... dass dies der Moment war, in dem mein Schutzpanzer die ersten Sprünge bekam und tief vergrabene Erinnerungen, dumpfe Ahnungen von längst Vergangenem herauszusickern begannen.“ „Ein Brief aus England“ ist geschrieben in der Ich-Perspektive von Sigrid und es geht um  die Familiengeschichte der Macksiepen. Rückblicke in die Nazizeit, Sigrid und ihre Tochter in der Gegenwart, Freud und Leid, es zeigt sich immer wieder, wie dicht diese nebeneinander liegen. Mutter und Tochter führen jede für sich ihr eigenes Leben, bilden so eine Art Zweckwohngemeinschaft, unterstützt und ruhender Pol ist Karola. Solange Sigrid sich zurückerinnert, immer ist diese da, hält ihre unsichtbaren Schutzflügel über sie. Sigrid und Judith, Mutter und Tochter, Wärme, Liebe, all das liest und spürt man kaum zwischen den Zeilen. Und dann ist da der Herr Mondschein, der sich schon seit vielen Jahren um Judith kümmert, wann immer er Zeit hat. Nach diesem Brief, den Erklärungen wer denn nun Linda Hamstad gewesen war, fährt Judith für unbestimmte Zeit nach Berlin.Unglücklicherweise trifft sie dort auf eine ehemals „beste Freundin“ von Sigrid und wird von dieser eiskalt mit den Geschehnissen, dem Leben, der Vergangenheit der Mutter, dessen Familie konfrontiert. Zitat S. 62 „ ... Und gestern Harry. Er sagte: ,Schau mir in die Augen, Kleines, damit mir schön kalt wird.“ Mit jedem Schritt zurück in die Vergangenheit, den Erinnerungen, bricht der Eispanzer, diese Rüstung, um Sigrid, bringt sie ihrer Tochter mit ganz kleinen Schritten näher.   „Ein Brief aus England“, dessen Inhalt erst einmal sacken musste, von dem sich nicht einfach ein Leseeindruck schreiben läßt. Es ist eine andere Art, sei es der Schreibstil, diese klare nüchterne Sprache, die mich schon nachdenklich machte. „Ein Brief aus England“, ein Familiengeheimnis der Vergangenheit bis in die Gegenwart bewahrt, und nunmehr für einen Neuanfang auf- bzw. abgearbeitet werden musste. Bereit für einen Neuanfang.

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  • Es sind die Geheimnisse einer früheren Generation, die uns ein Leben lang prägen.

    Ein Brief aus England
    Alexandra_vom_Buecherkaffee

    Alexandra_vom_Buecherkaffee

    01. May 2013 um 12:41

    Ein kleiner Einblick: "Ohne den Brief wäre ich vielleicht unbehelligt durchgekommen bis an mein Lebensende: Sigrid Johansen, erfolgreiche Geschäftsfrau, selbstständig, unabhängig, unanfechtbar. Aber mit diesem Blatt änderte sich alles [...]" Seite 18 Alles schien in Ordnung, als Sigrid abends nach der Arbeit nach Hause kam. Alles unter Kontrolle, wie immer. Doch dann rennt ihre Tochter Judith wütend und verstört an ihr vorbei aus der gemeinsamen Wohnung und knallt die Türe kräftig zu und Sigrid weiß plötzlich, gar nichts mehr ist in Ordnung. Karola, das ehemalige Kindermädchen von Judith, die gute Seele, die den Haushalt zusammenhielt, kommt ihr mit einem Blatt Papier entgegen. Es ist ein Amtsschreiben aus England, der den Tod von Mrs. Linda Hamstad verkündet - Sigrids Mutter. Sigrid erzählte ihrer Tochter immer, dass ihre Großmutter schon lange gestorben sei, nämlich als sie - Sigrid - selbst noch ein kleines Kind war. Nun flattert dieser Brief ins Haus und stellt Sigrid vor die Tatsache, dass sie sich gezwungenermaßen ihrer düsteren Vergangenheit stellen muss, die sie bis dato erfolgreich verdrängt, vergessen hat, gegen die sich sich mit eisiger Kälte und Distanz wunderbar abgeschottet hat. Dieser Brief ist wie ein Steinwurf ins Wasser, der konzentrische Kreise zieht. Ihr Schutzwall bröckelt und Familiengeheimnisse brechen Kreis für Kreis hervor... In letzter Zeit sind Dinge vorgefallen, die alles geändert haben. Seite 13 Meine Gedanken zu dem Buch: Die Münchner Autorin Brigitte Beil legt mit "ein Brief aus England" einen Roman vor, der den Leser mitnimmt auf eine Reise in die Vergangenheit. Eine Reise, die Etappe für Etappe eine düstere Familiengeschichte preisgibt, die bis dahin sorgsam versteckt, vergessen, verdrängt wurde. Eine Familiengeschichte, mit der sich sicherlich in einigen Punkten viele Leser aus Sigrids Generation identifizieren können. Eine Familiengeschichte, die etwa Ende Mai 1940 in Kriegszeiten begann. Was genau damals in Sigrids jungen Kinderjahren geschah, daran kann sie sich nicht erinnern. Zu gut hat sie sich selbst dagegen abgeschottet. Selbst wenn sie wollte, könnte sie ihrer Tochter nichts erzählen. Aber sie hat die gute Seele Karola an ihrer Seite, die alles miterlebte und die im Gegensatz zu Sigrid nichts vergessen hat. Sigrid und Judith bilden eine kleine Familie, die man allerdings nicht als eine solche empfinden kann. Beide leben ihr eigenes Leben, schotten sich ab und lassen keine Nähe zu - auch nicht zueinander. Kälte und Kontrolle dominiert die beiden, Mutter als auch Tochter. Gefühle werden abgeblockt, gar nicht erst zugelassen, Liebe ist etwas für hoffnungslose Romantiker. Zielstrebig, gradlinig, immer alles unter Kontrolle - so muss es sein. So sehr mir Sigrids Art, ihr Auftreten, eine Weile lang widerstrebte und ich ihre frostige Art und ihre kalten Augen beim Lesen fast spüren konnte, so sehr leidete ich aber auch mit ihr und ihren Erfahrungen mit und je mehr sie sich selbst offenbarte, desto mehr konnte auch ich mich für sie öffnen und zum Ende mochte ich sie am liebsten in den Arm nehmen. Vielleicht kann man dieses Brief daher einfach als Schicksal bezeichnen, der einen Stein ins Rollen bringt, der es bitter nötig hatte, bewegt zu werden. Eine psychologisch sehr tiefgründige Reise beginnt und man selbst als Leser fühlt mit den beiden mit, die auf sehr drastische Weise plötzlich ihre Familie und auch sich selbst kennenlernen. So düster auch ab und an die Thematik ist, so packend ist es aber auch. Der Erzählstil ist sehr einladend und offen und man merkt, dass man selbst gefangen ist von diesen Offenbarungen und Stück um Stück diese Geheimnisse weiter freilegen möchte - und man somit das Buch kaum aus der Hand legen kann. "Es gibt Verletzungen", sagte er einmal, "die lassen sich nicht heilen, man kann nur lernen, sie auszuhalten." Seite 256 Kurz & gut - mein persönliches Fazit "Ein Brief aus England" hat mich gefangen genommen und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Schnörkellos und gradlinig, ohne zu viel Sentimentalität in der Sprache - denn etwas anderes wäre nicht Sigrids Art - und doch so mitreißend, spannend und berührend. Viele Momente, unter anderem auch gesellschaftskritische, regten mich sehr zum Nachdenken an und das Gelesene hallte nach dem Zuschlagen des Buches noch lange nach. Eine Geschichte mit psychologischem Tiefgang, die aber alles andere als trocken oder gar langweilig erscheint. Eine tolle Leseerfahrung, die ich definitiv weiterempfehlen kann! © Rezension: Alexandra buecherkaffee.blogspot.de

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  • Sich der Vergangenheit stellen ...

    Ein Brief aus England
    Bellexr

    Bellexr

    26. April 2013 um 17:37

    … dies muss sich die erfolgreiche Geschäftsfrau Sigrid, als eines Tage ein Brief aus England bei ihr in München eintrifft, den ihre 27-jährige Tochter Judith versehentlich liest. In dem Brief wird Sigrid darüber informiert, dass ihre Mutter Linda in Manchester gestorben sei und nun ihr Erbe geregelt werden müsste. Das Problem ist, dass Sigrid gegenüber ihrer Tochter Judith immer behauptet hat, dass Linda bereits vor vielen Jahren gestorben sei. Reiner Selbstschutz von Sigrid, die als ungeliebtes Kind und Opfer des Krieges ein Leben in unterschiedlichen Kinderheimen und Internaten verbringen musste. Nun muss Sigrid sich der Vergangenheit stellen und Judith die Wahrheit über deren Großeltern erzählen, welche Judith nie kennenlernen durfte und schon lange für tot hielt. Ihren äußerst gefühlvollen Roman beginnt Brigitte Beil mit der Beerdigung von Sigrids Vater Gustav Macksiepen, welcher sie zusammen mit ihrer Tochter Judith beiwohnt und lässt die Geschichte auch mit der Beerdigung enden. Denn dieses Ereignis ist für Sigrid Anlass, auf die Geschehnisse der letzten Zeit zurückzublicken. Und so erfährt man – zumeist aus Sicht der erfolgreichen Geschäftsfrau – was seit dem Erhalt des Briefes aus England bis zur Beerdigung ihres Vaters geschehen ist. Bei der Vergangenheitsbewältigung erhält Sigrid Hilfe von ihrem ehemaligen Kindermädchen Karola, die bereits kurz vor der Geburt von Sigrid Anfang des 2. Weltkrieges in das Haus Macksiepen in München zog. Karola kennt die Lebensgeschichte von Sigrid, hat deren Kindheit und Jugend in Kinderheimen und Internaten während der Nachkriegszeit immer von der Ferne aus verfolgt und Karola ist es auch, die Sigrid dazu bringt, sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dies gestaltet sich jedoch äußerst schwierig, da Siegrid nie das Gefühl von Wärme, Geborgenheit, Liebe oder Heimat kennenlernen durfte. So fühlt sich die Geschäftsfrau wie eingefroren, lässt keine Nähe zu, auch nicht gegenüber ihrer Tochter. Entsprechend unterkühlt ist das Verhältnis der Beiden zueinander und erlebt mit dem Brief aus England seinen Höhepunkt. Ist eine Annäherung oder gar Versöhnung von Sigrid und Judith überhaupt noch möglich, wird Judith ihrer Mutter die Lügen der Vergangenheit verzeihen, und vor allem, wird sie verstehen, warum ihre Mutter dies getan hat? Man mag es bei der Gefühlskälte, welche zwischen den beiden Frauen besteht, kaum glauben. Und man fragt sich auch immer wieder, was Schreckliches geschehen sein muss, dass Sigrid heute so wenig Einfühlungsvermögen anderen Menschen gegenüber zeigt. Brigitte Beil erzählt ihren Roman sehr warmherzig, bildhaft, tiefsinnig, fesselnd und emotional. Zumeist in der Ich-Form geschrieben lernt man durch diese Erzählweise immer besser die innere Zerrissenheit und auch Empfindungslosigkeit von Sigrid kennen und wie sie darunter leidet, kann ihre  Interessens- und Herzlosigkeit gegenüber anderer Menschen nach und nach verstehen und somit ihren Schutzwall gegenüber Gefühlen und warum sie um ihre Kindheit und Jugend solch ein Lügenkonstrukt gestrickt hat. Besonders verständlich wird dies, als man den Handlungsstrang zu Karola liest, als diese Sigrid und Judith aus den Kriegsjahren erzählt, wie sie als Kindermädchen Sigrids Eltern kennengelernt hatte und was sie heute über diese denkt. Fazit: Ein gefühlvoller, bedrückender, trauriger, aber auch hoffnungsvoller Roman über eine Frau, die durch einen Brief aus England gezwungen wird, sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

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