Mein Gesamteindruck
Das Vermächtnis der Feen von Brigitte Endres ist ein fantasievoller Jugendroman, der sich klar an junge Leserinnen und Leser ab etwa zwölf Jahren richtet. Als Erwachsener konnte mich die Geschichte zwar nicht vollständig mitreißen, doch ich erkenne durchaus, wie viel Herzblut, Recherche und Liebe zum Detail hier eingeflossen sind. Besonders die zahlreichen Anleihen an die irische Mythologie, die kreativen Namensgebungen und die vielen magischen Wesen verleihen dem Roman einen eigenen Charme.
Die Geschichte um Josie, Amy, Narranda und den Kampf gegen Dykeron liest sich angenehm und flüssig, entwickelt für mich jedoch nur selten echte Spannung. Viel passiert, ohne dass dabei ein echtes Gefühl von Gefahr oder Dringlichkeit entsteht. Dennoch gibt es viele liebenswerte Figuren, einige schöne Botschaften und eine märchenhafte Atmosphäre. Meine 14-jährige Tochter fühlte sich deutlich besser unterhalten als ich – und genau deshalb halte ich das Buch für gelungenes Jugend-Fantasyfutter, auch wenn es mich persönlich nicht vollständig verzaubern konnte.
Stärken ✅
- Liebevoll ausgearbeitete Feen- und Märchenwelt
- Umfangreiche Recherche zu irischer Mythologie und Kultur 🍀
- Viele kreative magische Wesen
- Zahlreiche literarische Anspielungen und Ideen
- Mythische Figuren sprechen in Reimform
- Sympathische Nebenfiguren wie Rosalinde und MoDain
- Die Ratten Bernhard und Bianca sind herrlich charmant
- Schöne Botschaft über die Macht der Worte
- Positives Menschenbild und optimistische Grundstimmung
- Rundes und befriedigendes Ende
Schwächen ❌
- Kaum echte Spannung trotz vieler Ereignisse
- Die Hauptfiguren bleiben etwas blass und es gibt selten Entwicklung
- Die Handlung läuft eher dahin als dass sie fesselt
- Wiederholte Ausrufe wie „Gosh“ oder „Bloody Hell“ können nerven
- Funktioniert für Erwachsene deutlich weniger gut als für Jugendliche.
Meine Eindrücke beim Lesen
Josie verbringt die Ferien bei ihrem Vater Taddy in Chicago – der lebt in einem Hotel und hat wenig Zeit für sie, weshalb sie sich die Tage meist selbst organisiert. Und genau dabei trifft sie auf Amy: erst am See, später im Computerraum des Hotels, wo Josie sie sozusagen vor der Rezeptionistin rettet. Amy lebt bei ihrer Großmutter Edna, die allerdings spurlos verschwunden ist – das Jugendamt ist ihr bereits auf den Fersen. Schon bald bekommen beide Mädchen von einer geheimnisvollen Amsel eine Fibel überreicht, und die Dinge nehmen ihren märchenhaften Lauf. 🐦⬛
Der kleine Vogelmann stellt sich als Druid Dubh vor, Bote aus dem Reich am Rand der Träume, und bittet die beiden eindringlich, nach Irland zu reisen – denn Narranda, das Feenreich, droht vom bösen Reich Dorchadon unter der Führung des finsteren Dykeron verschluckt zu werden. Und Edna? Soll sich in den Klauen des Feindes befinden. Also auf nach Irland! Zum Glück ist Josies Moma gerade dort für Romanrecherchen und wohnt beim charmanten Professor O’Reardon, der einer alten Bardenfamilie entstammt. Doch kaum angekommen, verschwindet Amy – und das Abenteuer nimmt so richtig Fahrt auf. 🍀
Die Welt, die Brigitte Endres hier aufgebaut hat, ist wirklich liebevoll gestaltet. Die magischen Wesen sprechen ausschließlich in Reimen, was unglaublich gut zu ihnen passt und viel Mühe und Kreativität der Autorin verrät. Besonders die Hauselfen Rosalinde und MoDain haben mich bezaubert 🧝 – aber auch die Ratten Bernhard und Bianca haben es mir angetan. Die Namensgebung ist durchdacht: Narranda etwa leitet sich vom lateinischen narrare (= erzählen) ab und deutet an, dass die Anderswelt stark vom Wort abhängt. Das gefällt mir außerordentlich gut!
Der Leitspruch „Bedenke stets des Wortes Macht und nutze es nie unbedacht!” zieht sich konsequent durch den Roman und verleiht ihm eine schöne philosophische Ebene. Josie versucht, stets optimistisch und selbstbewusst zu bleiben – mit mal mehr, mal weniger Erfolg. Dabei helfen ihr Wolf und Arthur, der Neffe des Professors, als treue Gefährten. Ich mochte diese Figuren wirklich gern. 💛
Und doch: Als Erwachsene bin ich nie ganz in die Geschichte eingetaucht. Es passiert durchgehend etwas, aber die Spannung will einfach nicht zünden. Kein Popcorn-Kino, eher entspannte Feierabend-Unterhaltung. Da ich „Emily Wildes Enzyklopädie der Feen“ vor kurzem gelesen habe, hatte ich ähnliches erwartet, Parallelen sind spürbar – aber dieses Buch ist ein anderes Genre und für mich blasser. Ebenso fallen die starken Anleihen bei „Die unendliche Geschichte“ ins Auge – kein schlechtes Vorbild, wer beides kennt, wird schmunzeln.
Kleine persönliche Kritikpunkte: Arthurs Lieblingsausruf „Bloody Hell!” sowie Josies „Gosh” kamen mir schlicht zu oft vor. Irgendwann hätte ich mich gerne umgedreht und wäre gegangen. 🙄
Positiv: Das Buch ist in der dritten Person, aber ausschließlich aus Josies Perspektive geschrieben, was die Verbindung zu ihr ganz natürlich wachsen lässt. Und am Ende bekommt jede Figur ihr ganz persönliches Happy End – das hat mich doch ein wenig versöhnt. 🌈
Fazit & Empfehlung
🧚♀️ Das Vermächtnis der Feen ist eine liebevoll geschriebene Jugendfantasy mit viel Herz, starker Recherche und einer schönen Botschaft über die Kraft von Geschichten und Worten.
Als Erwachsene brauche ich mehr Spannung und Tiefe, um vollständig mitzureißen – meine 14-jährige Tochter fand ihn aber durchaus kurzweilig, und das ist wohl das entscheidendste Urteil hier. Für Fans irischer Mythologie und märchenhafter Fantasywelten ist es definitiv einen Blick wert. ⭐⭐⭐½


























