Brigitte Kronauer Aufsätze zur Literatur

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Inhaltsangabe zu „Aufsätze zur Literatur“ von Brigitte Kronauer

Eine Sammlung von Aufsätzen zur Literatur: Den Werken Ror Wolfs und Hubert Fichtes sind eingehende Analysen gewidmet, die literarischen Strategien Tania Blixens und Jane Bowles? werden nachgezeichnet, und über den Kultgegenstand Marlon Brando ist wohl nirgends so Mitreißendes und klug Bewunderndes gesagt worden wie hier. Der schönste Text dieses Bandes ist eine literarische Reflexion über Hofmannsthals »Märchen der 672. Nacht«.
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  • Rezension zu "Aufsätze zur Literatur" von Brigitte Kronauer

    Aufsätze zur Literatur

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. September 2009 um 18:37

    Was will Literatur von mir und warum springt der Funke aus diesem Buch zu mir über? Das sind ganz grundlegende Fragen an die Literatur und den Leseprozess, die sich auch Brigitte Kronauer bei den 9 Ausätzen aus einer Zeitspanne von zehn Jahren im vorliegenden Band stellt. Dabei versuchte sie, so schreibt Kronauer auch in ihrer Vorbemerkung, anhand theoretischer Erkundungen herauszufinden, was genau in den jeweiligen Texten so gut funktioniert hat. „Im Wunsch, mir die betreffenden Objekte möglichst vollständig anzueignen, bemühte ich mich immer, und empfand es als das eigentlich Aufregende, durch ihr Fleisch hindurch ihren en zu ertasten.“ (7) Grund für dieses Erforschen sei aber auch ganz klar, die Verbindung zum eigenen Schreiben zu suchen und darum stellen die vorliegenden Texte keine literaturwissenschaftlichen, sondern erkundende Essays dar. Den Auftakt und „Auftritt am Horizont“ macht gleichnamiger Essay zur Prosa Ror Wolfs aus dem Jahre 1976. Hier geht es vor allem um das Lesegefühl und –empfinden, das sich einstellt und wie der Text so oft gegen die Erfahrungen und Erwartungen dessen läuft, was man normal, logisch erkennbar und orientiert nennen können. Kronauer formuliert die ‚Angst‘, die Wirren des Lesers aus. „Der Leser steht vor ihr und kann sich, wenn er weiterliest, nicht wehren.“ (10) Die Verlustigkeit des Textes im Angesicht der Unstrukturiertheit und Bedeutungsverschiebung malt Brigitte Kronauer in diesem Aufsatz und vermag es, dem Leser die Eigenarten Ror Wolfs gut vor Augen zu führen, aber auch Seitenhiebe auf andere Schriftsteller und Bewegungen zu bringen. Es ist nicht die Technik, sagt Kronauer, sondern vor allem die Wirkung der Literatur und der Kunst, die wichtig und vor allem ernst zu nehmen ist. Nicht, was ich beschreiben und theoretisieren kann, erhebt mich, sondern was gefühlt und wahrgenommen, somit durchlebt wird, ist der Grund für eine Faszination. Damit wird ihr Buch, werden diese Aufsätze vor allem zum Aufruf an das Erleben der Kunst, an das bildhaft gespürte Lesen. Dabei bleibt auch der Text über den Text, der auf Texte referiert, wie auch anders, wenn nicht borgesianisch, denn alles kann und wird nur Zitat sein, ein Fragment. Ein Fragment, das durch den Leser aufgenommen und versucht werden kann, um ein Gefühl in sich selbst zu erzeugen und vielleicht im eigenen Empfinden der Prosa Ror Wolfs selbst nach Antworten zu suchen. Dabei tritt in den Essays von Birgit Kronauer auch immer wieder und somit als ersten vorgeführten Selbstbezug die Autorin selbst heraus. Sie assoziiert und bringt Beispiele ihres Erlebens und Empfindens in die Analyse der Bücher, Filme und Personen. Damit werden sie auch, wie die Kronauer im Prolog selbst sagt zum Spiegel „[meiner eigenen] Entwicklung, die sich mir hauptsächlich in einer Wandlung des Begreifens von Wirklichkeit und den unerläßlichen Konsequenzen für das Literaturverständnis darstellt“ (7) Doch nicht nur die metasprachliche Frage nach dem Verständnis der Literatur stellt Kronauer in ihren Aufsätzen, sie formuliert und seziert auch ganz sachlich den Aufbau, das Erscheinen eines Buches und wägt die Relevanz eines Textes ab. Dabei baut sich nach und nach in der Beschäftigung mit dem Werk eines anderen der Spiegel eines Spiegels auf, da sich die Bücher natürlich oft um Themen drehen, die selbst wieder der Spiegel zum Spiegel sind. Ein kleiner literarischer Sog entsteht also und mag den Leser mit sich ziehen, ihn ein wenig über Literatur und die Machart informieren und ihn dann am Ende eines jeden Aufsatzes für sich allein zu lassen, mit der Entscheidung, durch den Spiegel wie durch ein Fenster zu schauen um weiter in den Kreisel zu treten oder selbst Leseerfahrungen zu sammeln, um selbst zum Spiegel der vorliegenden Geschichte zu werden. Sehr interessant sind diesem Buch die der Zeit anverhafteten Kommentare, die von einer sehr ironischen Selbst- und Fremdwahrnehmung der Kunst sprechen und im Rückblick wahrlich bemerkenswert zu lesen sind. Ganz speziell geht es da zum Beispiel um das Buch von Fauser über Marlon Brando, von dem Brigitte Kronauer schreibt: „Am couragiertesten aber finde ich Fauser in seinen Bemerkungen zur Kunst. […] In der gegenwärtigen Zeit, wo weder in rustikalen Lesungen vor jungen Studenten noch in feinen Intellektuellenkreisen das Wort »Kunst« anders als ironisch genannt werden darf, wenn man nicht augenblicklich ins 19. Jahrhundert verwiesen werden will, besteht Fauser alle paar Seiten einmal, als wäre das gar nichts, auf ihr als ungeheuerlichem Einbruch in das Leben dessen, der mit ihr zu tun bekommt.“ (25) Brigitte Kronauer füllt ihre Betrachtung mit illustrierenden Auszügen aus den jeweils besprochenen Büchern und parallelisiert damit ihre und die Eindrücke des Lesenden. Dadurch wird das Lesen und Erlesen zum interessanten Akt der Suche nach dem eigenen Lesestatus. Leider ist das Buch von Klett-Cotta nicht mehr lieferbar und kann nur noch antiquarisch bezogen werden, doch die Blicke in die Leseerlebnisse der Autorin lohnen sich und geben ebenso Auskunft über die schriftstellerische Arbeit Brigitte Kronauers.

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