Brigitte Reimann

 4.3 Sterne bei 125 Bewertungen
Autor von Franziska Linkerhand, Ankunft im Alltag und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Brigitte Reimann

Brigitte Reimann, geboren 1933 in Burg bei Magdeburg, war seit ihrer ersten Buchveröffentlichung freie Autorin. 1960 zog sie nach Hoyerswerda, 1968 nach Neubrandenburg. Nach langer Krankheit starb sie 1973 in Berlin. Veröffentlichungen: Ankunft im Alltag (1961), Die Geschwister (1963), Das grüne Licht der Steppen. Tagebuch einer Sibirienreise (1965), Franziska Linkerhand (1974). Außerdem die Briefwechsel mit Christa Wolf, Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen 1964-1973 (1993), mit Hermann Henselmann, Mit Respekt und Vergnügen (1994), Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf. Briefe an eine Freundin im Westen (1995) und mit Irmgard Weinhofen, Grüß Amsterdam. Briefwechsel 1956-1973 (2003), sowie die Tagebücher Ich bedaure nichts (1997) und Alles schmeckt nach Abschied (1998). Aus dem Nachlaß: Das Mädchen auf der Lotosblume. Zwei unvollendete Romane (2003). Zuletzt erschienen Jede Sorte von Glück. Briefe an die Eltern (2008) und Post vom schwarzen Schaf. Geschwisterbriefe (2018).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Brigitte Reimann

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Cover des Buches Franziska Linkerhand (ISBN: 9783746628905)

Franziska Linkerhand

 (36)
Erschienen am 01.11.2012
Cover des Buches Ankunft im Alltag (ISBN: 9783746625928)

Ankunft im Alltag

 (21)
Erschienen am 15.03.2010
Cover des Buches Alles schmeckt nach Abschied (ISBN: 9783746615370)

Alles schmeckt nach Abschied

 (16)
Erschienen am 01.12.2000
Cover des Buches Ich bedaure nichts (ISBN: 9783746615363)

Ich bedaure nichts

 (15)
Erschienen am 01.08.2000
Cover des Buches Die Geschwister (ISBN: 9783746615301)

Die Geschwister

 (6)
Erschienen am 01.05.1998
Cover des Buches Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf! (ISBN: 9783746615318)

Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf!

 (3)
Erschienen am 01.01.1999
Cover des Buches Das grüne Licht der Steppen (ISBN: 9783746615349)

Das grüne Licht der Steppen

 (2)
Erschienen am 01.02.2000
Cover des Buches Mit Respekt und Vergnügen (ISBN: 9783746615394)

Mit Respekt und Vergnügen

 (2)
Erschienen am 01.03.2001

Neue Rezensionen zu Brigitte Reimann

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Rezension zu "Franziska Linkerhand" von Brigitte Reimann

Faszinierend detaillierte Beschreibung eines vergangenen Systems
KateRappvor einem Monat

Ich habe mich im Rahmen eines Lesekreises herangetraut an Brigitte Reimanns (1933 -1973) wohl bekanntesten Roman, den „DDR-Roman“, den unvollendeten, und fühle mich ziemlich hin- und hergerissen: Die Sprache liebe ich!

Es schien mir, als würde ich einen weiblichen etwas moderneren (aber nicht allzusehr) Thomas-Mann lesen, mit 10-Zeilen langen Schachtelsätzen und Abschweifungen, wo die Möglichkeit sich bietet. Tolle Bilder, Verknappung und Übermaß im Wechsel und dazu die Perspektivsprünge mitten im Absatz- sehr charmant formuliert, von schnoddrig bis gelehrt und dadurch umso unterhaltender. Was den auktorialen Erzähler (warum denke ich mir sofort einen Mann??) angeht, wird er auf Seite 83 ziemlich herablassend, übergriffig gar "...hier müssen wir Franziska das Wort entziehen" - wer ist WIR frage ich mich da und denke mir eine patriarchale Moralinstanz, eine Clique alte weißer Männer, oder gar eine Zensurbehörde, denn Zensur ist ja, was hier geschieht und damit eine brillant subtile Anspielung auf das DDR-Regime. Ganz abgesehen vom Verlauf der Geschichte, der Desillusionierung einer revolutionär denkenden Architektin, die nun Siedlungen von "Fernsehhöhlen" baut, worauf sie erst der neue Liebhaber bringen muss.

 

Es ist brutal gut geschrieben, das Buch, aber es bleibt immer nur eine Beschreibung. Ich habe bis zum Schluss keine wirkliche Entwicklung bei Franziska ausgemacht und sie auch nicht näher kennengelernt. Sie hält die Distanz aufrecht, nicht nur zu den Arbeiterinnen in ihrem Wohnhaus, auch zur Leserin. Und allmählich beschlich mich das Gefühl, festzustecken, es kostete mich Mühe, den Faden wieder aufzunehmen, denn eigentlich, so flüsterte ein resigniertes Teufelchen, passiert da doch nix und ist sie wirklich so interessant, diese Frau, die sich ein wenig melodramatisch und liebeskrank immer wieder an ihren geliebten Ben wendet? Ich befürchtete und wusste es doch schon, das Buch könnte ausgehen, wie das richtige Leben, nämlich im Sande verlaufen, ohne Schlusspunkt, und mir bliebe nur das Schulwissen, dass es diese DDR nicht mehr gibt und dass ich da also gerade ein sehr persönliches, subjektives, sehr weibliches Vermächtnis gelesen habe.

 

Und so kann ich das Buch als langwierige, wunderbar ausformulierte, atmosphärisch und pointiert gestaltete Lektüre nur wirklich ambitionierten Leserinnen empfehlen. Diese werden aber ihre wahre Freude daran haben.


Aufbau, 2000

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Rezension zu "Franziska Linkerhand" von Brigitte Reimann

Die vielen Stimmen einer Frau
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Franziska Linkerhand  - was ist es denn nun eigentlich? 

Ein Liebesroman? Ich gebe zu, ja, da ist Ben, da ist das Zimmer in Berlin. Da sind die kitschigen Szenen mit heißen Küssen und Schutz unter der olivgrünen Windjacke. An Männern mangelt es wahrlich nicht in diesem Roman und wer genau hinschaut, erkennt schnell, dass schon die Erzählweise verrät, welche Männer sexuelles Begehren für Franziska empfinden. Nur der Vater, dieser Intellektuelle aus dem 19. Jahrhundert, ist davon ausgenommen. Alle anderen sind von der Lust getrieben und Franziska kennt ihr Innenleben. 

Ein Produktionsroman? Das mag man zu Beginn glauben, aber Franziska Linkerhand ist nicht Ankunft im Alltag, auch wenn die Kritiker der DDR das gern so gesehen hätten. Walter Lewerenz hätte noch so viel schreiben können davon, dass die Reimann ein positives Ende wollte, in dem Franziska nach Neustadt zurückkehrt. Am Ende wissen wir es doch nicht, denn Brigitte Reimann hatte keine Zeit mehr, den Schluss zu schreiben. Und so können wir nur hypothetisch über einen Schluss sprechen, den es nicht gibt.

Ist es ein Frauenroman? Auch Frauen gibt es einige in Franziska Linkerhand und die Autorin gibt ihnen nicht nur eine, sondern viele Stimmen, denn auch Franziskas Abschiedsbrief ist ein Chor: Hier spricht nicht nur die Franziska, die in Neustadt gescheitert ist, hier spricht auch die jugendliche Franziska, die liebende, die hassende, die rasend eifersüchtige, die desillusionierte, die entfremdete Franziska. Sie tut es in der Form des "ich" und des "sie", im Präteritum und im Präsens und sie lässt andere sprechen. Zum Beispiel Gertrud, gegen deren trostloses Leben Franziskas Scheitern sich ausnimmt wie ein tiefer Kratzer gegen einen Bauchschuss. Die Freundfeindin sieht am Ende keinen Ausweg mehr und wählt den Freitod.

Am Ende bleibt die Feststellung, dass Franziska Linkerhand all das ist und noch viel mehr. 10 Jahre hat Brigitte Reimann an diesem letzten Buch, an ihrem "Experiment" geschrieben. Sie war sich nie sicher, ob ihr "Unglücksbuch" jemals veröffentlicht wird und wir haben es anderen zu verdanken, dass das Manuskript nicht verloren gegangen und Franziskas Stimme ungehört geblieben ist. Noch wichtiger ist dabei die Neuausgabe des Romans von 1998, in der die Kürzungen und Zensuren rückgängig gemacht wurden und damit die eigentliche Franziska wieder zu Tage tritt. Und als "Experiment" sollten wir es auch lesen und dabei nicht vergessen, dass hier eine Autorin bis zu ihrem Tod geschrieben hat und keine Zeit mehr blieb, den Text zu ordnen und straffen. Aber genau darin liegt vielleicht der Reiz von Franziska Linkerhand. Es ist wahrlich kein einfaches Buch, aber ein lohnenswertes ist es doch allemal.

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Rezension zu "Franziska Linkerhand" von Brigitte Reimann

Rezension zu "Franziska Linkerhand" von Brigitte Reimann
AnnaChivor 8 Jahren

Der unvollendete Roman der leider schon 39-jährig verstorbenen Brigitte Reimann ist eines der Bücher, die ich mit auf eine einsame Insel nähme, um sie wieder und wieder zu lesen. Eine junge Architektin versucht in den 60er Jahren, eine menschenwürdige Stadt für die Bürger der DDR zu bauen - und muss erleben, wie ihre Träume an den Mauern der Bürokratie zerschellen. Auch ihre Liebesgeschichte(n) sind zum Scheitern verurteilt ... "Franziska Linkerhand" zeigt eine starke, wenn auch gebrochene Frauengestalt, die mich, auch wenn das Buch schon vor dreißig Jahren geschrieben wurde, immer noch berührt und bewegt.
Johanna Wokaleks feinfühlige, emotionale Interpretation macht das Hörbuch zu einem besonderen Erlebnis und lässt die klare, poetische Stimme Brigitte Reimanns leuchten. Großartig!

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