Britta Boerdner

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Was verborgen bleibt
Was verborgen bleibt
 (9)
Erschienen am 01.09.2012
Britta BoerdnerAm Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam
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Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam

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Rezension zu "Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam" von Britta Boerdner

Atlantis in der Wetterau
jamal_tuschickvor 2 Jahren

Kurz sind die Wege vom Scherz zum Spott. Dem Argwohn folgt das Gerücht. Das Leben wiederholt sich in der Weitergabe von Vorwürfen. Es vollzieht sich in Anspannung und Anpassung. Allein die Eingesessenen halten Vorsprünge des Eigensinns. Zugezogene bleiben auf dem Prüfstand. Das beschreibt die Lage in Randstetten, einem Wetterauer Weiler, gefasst in kodifizierter Lieblichkeit. Streuobstwiesen, Äcker und bezwungene Wälder gliedern sich zu Verherrlichungsansichten. Die Römer besangen eine von Schroffheit unberührte Landschaft, die sich ihrer Zivilisation förmlich anbot. Schriftsteller zerrissen sich in Schilderungen der maßvollen Natur. Die Gegend dient drohenden Taunushängen arglos als Vorland. Nichts weiß sie von den widrigen Windverhältnissen in höheren Lagen. Nun befährt ein amerikanischer Musiker im Käfer ihre Treckerpisten. Es hat lange nicht geregnet, die malerisch ausgefahrenen, im Glutofen des 69er-Sommers hart gebackenen Spuren haben ihren eigenen Reiz. Kies haftet sich an die Reifen und penetriert Profillücken.
Der Musiker heißt Frank Z., Z. wie Zappa. Er kommt aus Kalifornien und spielt die Gitarre in seiner Band, kann aber auch alles andere. Frank hat sich Europa zur Erholung verschrieben. Er fährt spazieren, bis ihn ein Achsenbruch in Randstetten stoppt. So geht die Geschichte los. Am Ende glaubt man, das Atlantis der Flower Power-Ära sei gemeinsam mit Omas guter alter Zeit in Randstetten versunken. Zum Kolorit gehört das Geschepper der Türglocke vom Edeka und das “Henningerbraun” der Wirtshauseinrichtung, auf Phon getrimmte Mopeds, verblendetes und vorgetäuschtes Fachwerk, Freddy Quinns Heimweh-Hymne “O schön, schön war die Zeit/.../Brennend heißer Wüstensand/fern, so fern dem Heimatland” in jeder Kneipenmusiktruhe so wie englische und amerikanische Siegerlyrik, die in Jupps Dorfdiskothek Sunnyside wildestem Remmidemmi Vorschub leistet. Happiness is a warm gun - Im Sommer der Liebe hört man die Beatles noch in Randstetten. Are you lonesome tonight - Seit Presleys Stationierung in Friedberg ist die Wetterau Elvis-County. In Boerdners Roman zählt der Epoche machende Wehrdienst zur erweiterten Gegenwart.
“Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum” kommt, ändert sich für die Belegschaft alles. Der ausschweifende Titel erinnert an Peter Kurzecks “Der Nußbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst”. Ich habe den Titelpunkt weggelassen, den versteht man nicht mehr. Kurzeck hat jede Bodenwelle auf der Strecke Staufenberg - Frankfurt im Text festgehalten. Ihm entging kein Zigarettenautomat an einer Gasthausfront. Er kannte die beleuchtete Einsamkeit der Telefonhäuschen im Nachtschatten der Dorfgemeinschaftshäuser. Boerdner könnte als Petra Kurzeck weiterschreiben. Drei Generationen bewirtschaften das Wirtshaus mit Fremdenzimmern für Durchreisende. Wehe, du willst bleiben. Am Herd steht drakonisch Oma Böhm, eine aus dem Osten Geflüchtete, “aber sauber”. Wie freiwillig sie zu ihrer Tochter gekommen ist, weiß man nicht genau. Rosi könnte ein Russenkind sein, ihre Tochter Ev ist ganz bestimmt eine halbe Texanerin, gezeugt im Nachklapp des Fräuleinwunders. Eine Null im XXL-Format ergänzt die Weiberwirtschaft. Rosis Bruder Rudi “ist der Oma ihr Kind” geblieben. Heimlich macht sich Rudi seinen Flachmann voll mit dem Asbach aus der Dreiliterflasche, die mit dem Hals zum Boden am Buffetschrank jedenfalls mehr leistet als er. Rudis mondgesichtige Nachahmungen männlicher Schaffenskraft können in Randstetten keinen täuschen. Seine siebzehnjährige Nichte besucht in Hanau eine Sprachschule. Ihre Mutter kennt mit vierunddreißig immer noch nicht “das Geheimnis der Anziehung”. Ihre flexible Liebesbereitschaft lädt zu Enttäuschungen ein. Für die Enttäuschungen sorgen Fernfahrer und Vertreter. Doch jetzt ist da dieser amerikanische “Jesus in Leder”. In der Regie ihres Wunschdenkens fällt er Rosi in die Hände wie ein Lore-Roman-Prinz. “Kurz sieht sie ihr Leben Wirklichkeit werden.” Aber Frank sieht an der werbenden Frau vorbei in die schönen Augen ihrer rivalisierenden Tochter. Selbst der alimentierte “Unglücksfrosch” Rudi sucht Anschluss.

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hexhexs avatar

Rezension zu "Was verborgen bleibt" von Britta Boerdner

Was verborgen bleibt
hexhexvor 5 Jahren

Ort der Geschichte ist New York im Winter. Ein deutsches Paar entdeckt im USA-Urlaub seine Liebe zu NY und beschließt gemeinsam dort zu arbeiten und zu leben. Die Protagonistin meldet beide für die Greencard-Lotterie an. Leider gewinnt nur der Freund, der geht nach NY und die Protagonistin besucht ihn nach 5 Monaten dort, um ihre Arbeitssuche voranzutreiben und ihren Freund wieder zu sehen.
Die Beziehung war wohl schon vor der Abreise des Freundes nicht mehr viel wert und nach Monaten der Trennung wird es der Protagonistin immer klarer, dass der gemeinsame Traum nicht mehr realisierbar sein wird. Ein bewegendes Buch über das Ende einer Beziehung.
Das Thema des Buches zieht einen schon sehr runter und der kalte Winter in NY tut sein übriges. Ich hätte das Buch sicher irgendwann weggelegt, wenn nicht diese unglaubliche Sprache gewesen wäre. Hoffentlich schreibt die Autorin noch einmal ein positiveres Buch.

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Daphne1962s avatar

Rezension zu "Was verborgen bleibt" von Britta Boerdner

Intimes Tagebuch einer verlorenen Liebe
Daphne1962vor 6 Jahren

New York, die Stadt ihrer Träume. Hier hatten sie sich versprochen mal leben zu wollen, um diese Stadt zu erleben. In ihrer ganzen Kraft und Schnelligkeit. Wer es schafft dort Fuß zu fassen, holt den anderen nach. Gregor gewinnt die Greencard. Das Tor nach Amerika öffnet sich für ihn zuerst. 5 Monate später reist sie ihm nach, um ihren Anlauf zu starten, sich nach Arbeit umzuschauen und sich mit der Stadt schon einmal vertraut zu machen. Die Distanz zwischen ihnen zu verringern..

Man erlebt diese Stadt von innen heraus, wie kein Reiseführer sie je beschreiben könnte. Verloren läuft sie durch die Straßen, sucht nach Erinnerungen und vor allem nach Gefühlen, die sie dort gemeinsam erlebt haben. Im Winter kommen da keine Gefühle auf, bei der eisigen Kälte. Beklommen kehrt sie in Gregors Wohnung zurück und fühlt sich nicht geborgen. Die Katze im Innenhof scheint ihm mehr zu bedeuten, als ihr Besuch. Die 5 Monate der Trennung sind nicht die Entfremdung. Die Liebe war schon vorher gegangen. Verzweifelt sucht sie den Moment.

Ein Buch voller Intensität. Man denkt bei diesem kurzweiligen Debütroman an ein Tagebuch der Autorin. So intensiv und intim ist man in ihrer Gefühlswelt abgetaucht. Grandios erzählt, klar und präzise und dennoch wird alles gesagt. Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Man fühlt und leidet mit ihr, wie ihr bewusst wird, das die Liebe verloren ging. Selten schafft es ein Autor/in in wenigen Sätzen alles herauszuholen und die Ganzheit einer Geschichte zu erzählen.

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