Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam

von Britta Boerdner 
5,0 Sterne bei2 Bewertungen
Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam
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J

Der Roman erscheint wie ein erfüllter Traum von einem mühelosen Erzählen und Gelingen.

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Inhaltsangabe zu "Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam"

Wie ein Blitz schlägt Frank Z., ein Musiker aus Kalifornien, an einem heißen Sommerwochenende des Jahres 1969 in den beschaulichen Ort in der Wetterau ein. Aus der Dorfdisko hört man zwar schon Beatmusik, aber der Alltag in Randstetten ist von den wilden Sechzigern noch weit entfernt. Als der amerikanische Hippie mit seinem VW Käfer wegen einer Panne liegenbleibt, gerät das Leben der Ortsbewohner in Unordnung. In der Pension »Zum Grünen Baum« begegnet er Ev, der siebzehnjährigen Tochter des Hauses. Ev verliebt sich in ihn und eine bislang verschwiegene Geschichte droht sich zu wiederholen. Doch die Veränderungen, die das plötzliche Auftauchen des Amerikaners in Gang gesetzt hat, sind längst nicht mehr aufzuhalten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783627002350
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:Frankfurter Verlagsanstalt
Erscheinungsdatum:07.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    J
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Der Roman erscheint wie ein erfüllter Traum von einem mühelosen Erzählen und Gelingen.
    Atlantis in der Wetterau

    Kurz sind die Wege vom Scherz zum Spott. Dem Argwohn folgt das Gerücht. Das Leben wiederholt sich in der Weitergabe von Vorwürfen. Es vollzieht sich in Anspannung und Anpassung. Allein die Eingesessenen halten Vorsprünge des Eigensinns. Zugezogene bleiben auf dem Prüfstand. Das beschreibt die Lage in Randstetten, einem Wetterauer Weiler, gefasst in kodifizierter Lieblichkeit. Streuobstwiesen, Äcker und bezwungene Wälder gliedern sich zu Verherrlichungsansichten. Die Römer besangen eine von Schroffheit unberührte Landschaft, die sich ihrer Zivilisation förmlich anbot. Schriftsteller zerrissen sich in Schilderungen der maßvollen Natur. Die Gegend dient drohenden Taunushängen arglos als Vorland. Nichts weiß sie von den widrigen Windverhältnissen in höheren Lagen. Nun befährt ein amerikanischer Musiker im Käfer ihre Treckerpisten. Es hat lange nicht geregnet, die malerisch ausgefahrenen, im Glutofen des 69er-Sommers hart gebackenen Spuren haben ihren eigenen Reiz. Kies haftet sich an die Reifen und penetriert Profillücken.
    Der Musiker heißt Frank Z., Z. wie Zappa. Er kommt aus Kalifornien und spielt die Gitarre in seiner Band, kann aber auch alles andere. Frank hat sich Europa zur Erholung verschrieben. Er fährt spazieren, bis ihn ein Achsenbruch in Randstetten stoppt. So geht die Geschichte los. Am Ende glaubt man, das Atlantis der Flower Power-Ära sei gemeinsam mit Omas guter alter Zeit in Randstetten versunken. Zum Kolorit gehört das Geschepper der Türglocke vom Edeka und das “Henningerbraun” der Wirtshauseinrichtung, auf Phon getrimmte Mopeds, verblendetes und vorgetäuschtes Fachwerk, Freddy Quinns Heimweh-Hymne “O schön, schön war die Zeit/.../Brennend heißer Wüstensand/fern, so fern dem Heimatland” in jeder Kneipenmusiktruhe so wie englische und amerikanische Siegerlyrik, die in Jupps Dorfdiskothek Sunnyside wildestem Remmidemmi Vorschub leistet. Happiness is a warm gun - Im Sommer der Liebe hört man die Beatles noch in Randstetten. Are you lonesome tonight - Seit Presleys Stationierung in Friedberg ist die Wetterau Elvis-County. In Boerdners Roman zählt der Epoche machende Wehrdienst zur erweiterten Gegenwart.
    “Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum” kommt, ändert sich für die Belegschaft alles. Der ausschweifende Titel erinnert an Peter Kurzecks “Der Nußbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst”. Ich habe den Titelpunkt weggelassen, den versteht man nicht mehr. Kurzeck hat jede Bodenwelle auf der Strecke Staufenberg - Frankfurt im Text festgehalten. Ihm entging kein Zigarettenautomat an einer Gasthausfront. Er kannte die beleuchtete Einsamkeit der Telefonhäuschen im Nachtschatten der Dorfgemeinschaftshäuser. Boerdner könnte als Petra Kurzeck weiterschreiben. Drei Generationen bewirtschaften das Wirtshaus mit Fremdenzimmern für Durchreisende. Wehe, du willst bleiben. Am Herd steht drakonisch Oma Böhm, eine aus dem Osten Geflüchtete, “aber sauber”. Wie freiwillig sie zu ihrer Tochter gekommen ist, weiß man nicht genau. Rosi könnte ein Russenkind sein, ihre Tochter Ev ist ganz bestimmt eine halbe Texanerin, gezeugt im Nachklapp des Fräuleinwunders. Eine Null im XXL-Format ergänzt die Weiberwirtschaft. Rosis Bruder Rudi “ist der Oma ihr Kind” geblieben. Heimlich macht sich Rudi seinen Flachmann voll mit dem Asbach aus der Dreiliterflasche, die mit dem Hals zum Boden am Buffetschrank jedenfalls mehr leistet als er. Rudis mondgesichtige Nachahmungen männlicher Schaffenskraft können in Randstetten keinen täuschen. Seine siebzehnjährige Nichte besucht in Hanau eine Sprachschule. Ihre Mutter kennt mit vierunddreißig immer noch nicht “das Geheimnis der Anziehung”. Ihre flexible Liebesbereitschaft lädt zu Enttäuschungen ein. Für die Enttäuschungen sorgen Fernfahrer und Vertreter. Doch jetzt ist da dieser amerikanische “Jesus in Leder”. In der Regie ihres Wunschdenkens fällt er Rosi in die Hände wie ein Lore-Roman-Prinz. “Kurz sieht sie ihr Leben Wirklichkeit werden.” Aber Frank sieht an der werbenden Frau vorbei in die schönen Augen ihrer rivalisierenden Tochter. Selbst der alimentierte “Unglücksfrosch” Rudi sucht Anschluss.

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    heberschs avatar
    heberschvor einem Jahr

    Gespräche aus der Community zum Buch

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