Britta Mühlbauer Inventurdifferenz

(22)

Lovelybooks Bewertung

  • 22 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 1 Leser
  • 20 Rezensionen
(7)
(13)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Inventurdifferenz“ von Britta Mühlbauer

Marlies Wolf, wehrhafte Mitarbeiterin einer Security-Firma in Wien, möchte unbedingt im Personenschutz arbeiten, doch zunächst muss sie in einem Baumarkt nach Ladendieben jagen. Allein mit sich und ihrer Wut auf die Welt trifft sie zufällig ihre frühere Freundin Valerie wieder, um die sie und Alex, eine weitere Figur aus ihrer Kindheit, sich nun bemühen. Durch Alex wird Valerie in die Machenschaften von Mädchenhändlern verwickelt und fällt nach einer brutalen Attacke, bei der sie als Zeugin beseitigt werden soll, ins Koma. Außer sich vor Hass greift Marlies zur Selbstjustiz. Dieser Thriller aus Österreich erzählt die Geschichte einer Frau, die an ihre Grenzen geht - und darüber hinaus.

Eine schonungslose Geschichte über die Rolle von Frauen in der Gesellschaft. "Inventurdifferenz auf vielfältige Weise".

— schlumeline
schlumeline

Dieser Roman hat mich aus meinem Lesetrott gerissen. Sprachlich und stilistisch erste Sahne. Man wird herausgefordert, kommt ins Grübeln.

— Bella5
Bella5

spannender Krimi - interessante Handlung!

— dieFlo
dieFlo

Spannder, sprachgewaltiger Thriller mit interessanten Protagonisten!

— mabuerele
mabuerele

Stöbern in Krimi & Thriller

In tiefen Schluchten

Eine Lesereise nach Südfrankreich - schöner Roman, ohne Kriminalelemente.

minori

Finster ist die Nacht

Konnte mich leider trotz der spannenden Mördersuche nicht vollkommen überzeugen.

misery3103

Spectrum

auch wieder sehr spannend

CorneliaP

Geständnisse

Erschütternd, böse, dramatisch und spannend - Rache auf sehr diffizile Art.

krimielse

Die sieben Farben des Blutes

An vielen Stellen spannend. Nichts besonderes. Zum Ende hin langatmig. Ausgefallene Story. Kann man nebenbei lesen.

alinereads

Was wir getan haben

Ein Thriller um Verdrängung und Schuld. Spannung bis zur letzten Seite

brenda_wolf

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Leserunde zu "Inventurdifferenz" von Britta Mühlbauer

    Inventurdifferenz
    BrittaMuehlbauer

    BrittaMuehlbauer

    Liebe Leserinnen, liebe Leser, vor einem Monat ist mein zweiter Roman „Inventurdifferenz“ bei Deuticke erschienen. Ich möchte Euch einladen, ihn mit mir zu lesen, und stelle dafür 20 Bücher zur Verfügung. Natürlich sind auch jene, die das Buch schon (gelesen) haben zum Mitmachen herzlich eingeladen. Zum Inhalt: Marlies Wolf, eine wütende junge Frau mit einem Feuermal im Gesicht, arbeitet bei einer Security-Firma. Statt Personenschutz, ihren Traumjob, macht sie Ladenüberwachung in einen Baumarkt. Dort hat die Feministin Hanna Amberg das Sagen. Nachdem die ehemalige Dozentin wegen einer Uni-Intrige das Handtuch warf, arbeitet sie im Baumarkt auf die Gleichberechtigung der Geschlechter hin. Durch Hanna trifft Marlies Wolf ihre erste (und einzige) Freundin aus Kindertagen, Valerie, wieder. Valerie wird allerdings bald Opfer einer brutalen Vergewaltigung und da es so aussieht, als würde der mutmaßliche Vergewaltiger ungestraft davonkommen, sieht Marlies sich gezwungen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Eine Leseprobe findet Ihr hier Weitere Informationen zu Buch und Autorin auf meiner Facebookseite Für die Freiexemplare meines Romans könnt Ihr Euch bis 15. September bewerben. Als Einstieg würde ich gerne folgende Fragen zur Diskussion stellen: Was empfindet Ihr als frauenfeindlich? Wie verhaltet Ihr Euch, wenn Ihr Ziel oder Zeugin/Zeuge von frauenfeindlichem Verhalten werdet?

    Mehr
    • 361
  • Inventurdifferenz

    Inventurdifferenz
    Tiffi20001

    Tiffi20001

    24. March 2014 um 13:30

    Klappentext: „Frauen leben in einer permanenten Inventurdifferenz. Sie erbringen ihr Leben lang Leistungen, die ihnen nicht vergütet werden.“ Marlies Wolf sorgt dafür, dass einmal nicht die Frauen die Opfer sind – oder zumindest nicht nur. Ein psychologischer Thriller mit Gänsehaut-Effekt. „Die Macht von Männern. Die Wehrlosigkeit ihrer Opfer. Eine Heldin, die ein Mal im Gesicht trägt. Britta Mühlbauer schreibt eine Geschichte, die in ihrer Haltung und Konsequenz an Elfriede Jelinek erinnert, in der Wucht ihrer Bilder an Quentin Tarantino.“ Buchgestaltung: Auf dem Cover kann man neben dem Titel „Inventurdifferenz“, der in rot gedruckt wurde, noch fünf Nägel erkennen. Leider kann mich das Cover nicht überzeugen. Mir gefällt zum einen die Farbgestaltung, die überwiegend grau ist, nicht 100% und auch ist mir die Gestaltung nicht aussagekräftig genug. Ich hätte mir gewünscht, bereits durch das Cover einen Einblick in das Buch zu erhalten. Dagegen gefallen mir Titel und der Klappentext gut, sie passen zum Buch und machen auf jeden Fall neugierig. Alles in allem gesehen eine nicht absolut gelungene Buchgestaltung. Eigene Meinung: Der Inhalt des Buches konnte mich im Gegensatz zur Buchgestaltung komplett überzeugen. Die Handlung ist sehr durchdacht, dabei absolut fesselnd und spannend. Ich konnte mich sehr schnell in die Geschichte hineinversetzen. Die Charaktere sind alle sehr individuell und trotzdem sympathisch und ich konnte ihre Gedanken nachvollziehen; besonders gut hat mir dabei die Hauptfigur gefallen. Die Sprache ist dem Buch absolut entsprechend, sie ist aber auch sehr angenehm zu lesen. Fazit: Ein toller Thriller mit einer sehr interessanten Thematik, der absolut zu empfehlen ist. Autor: Britta Mühlbauer, geboren 1961, studierte Musik, Romanistik und Germanistik. Sie veröffentlichte bisher Erzählungen in Literaturzeitschriften und Anthologien und lebt in Wien. 2008 erschien ihr Roman Lebenslänglich bei Deuticke, 2013 der Roman Inventurdifferenz. Allgemeine Infos: Titel: Inventrdifferenz Autor: Britta Mühlbauer Verlag: Deuticke Seitenzahl: 384 Preis: 19,90 EUR ISBN: 978-3552062276

    Mehr
  • Inventurdifferenz

    Inventurdifferenz
    christine5

    christine5

    14. November 2013 um 17:16

     Die Handlung des Romans wird von Frauen getragen. Marlies, die Ich-Erzählerin erzählt ihre Geschichte. In der Gegenwart ist sie auf der Suche nach Hanna und in Rückblenden erfahren wir warum.  Hanna ist die Frau, die sie vor allem wegen ihrer feministischen Ansichten, die diese auch so gut wie möglich lebt,  fasziniert. Durch Hanna trifft Marlies wieder auf ihre geliebte Freundin Valerie aus der Kindheit und deren Mutter Lilo. Männer sind, wie im wirklichen Leben auch hier die Chefs. Drei Personen seien hier erwähnt: Siggi, der die Securityfirma leitet, der Baumarktkönig und Lilos Freund, Chef der Firma für die sie Wolle verkauft. Dennoch, die Handlung wird durchwegs von den Frauen getragen und vorangetrieben. Sympathisch sind vor allem die sogenannten Verlierer, Lilo, die von einer Beziehungskrise in die andere schlittert und beruflich endlich durchstarten will -  wir LeserInnen wünschen ihr sehr, dass es ihr gelingt -  und der hässliche Ralf mit den gelben Zähnen, der lieber auf der Straße lebt  Britta Mühlbauers Roman ist vielschichtig, ihn als feministischen Thriller zu besprechen, erscheint mir durchaus als zu kurz gegriffen. Ich sehe Britta Mühlbauer als Erzählerin, wichtig ist die Geschichte, die Personen, die Orte, die Handlung. Die Spannung bleibt bis zum Schluss aufrecht, wir wollen wissen, was passiert ist, wie es weitergeht und wie es endet. Britta Mühlbauer lässt die Geschichte von Marlies erzählen. Sie erschafft hier eine Figur, die unsympathisch ist, gezeichnet durch ein großes Feuermal im Gesicht, dennoch aber uns Leserinnen und Leser fesselt. Wir verstehen sie, wir begleiten sie, wir machen ihre Wünsche zu unseren.  Schon als Kind sammelt sich in ihr unbändige Wut, die oft unkontrolliert zum Ausbruch kommt. Ihre Familie kann nicht damit umgehen, Schwierigkeiten die entstehen werden vertuscht und zur Seite geschoben. Durch Tabletten und später in ihrer Ausbildung in einer Securityfirma lernt Marlies diese Wut zu kontrollieren und gezielt einzusetzen, was sie zu einer gefährlichen Waffe macht. Marlies erzählt die Geschichte lakonisch, zeigt wenig Gefühlsregungen. Wir erfahren von ihrer Kindheit, hören mit, wie ihre Mutter sie durch ein heißes Bad abtreiben wollte, nehmen teil an ihrem Kampf um die Stellung in der Firma, die sie anstrebt, verfolgen Schritt für Schritt ihre Arbeit in einem Baumarkt, lernen Hanna kennen. Der Autorin gelingt es, dass wir, obwohl wir Marlies nicht mögen oder gar bedauern, auch wie sie Hanna Nähe suchen, wir wollen die beste Freundin Valeries werden und warum nicht, wir wollen, dass sie endlich von Siggi für den Personenschutz eingeteilt wird. An dieser Stelle möchte ich auch noch erwähnen, dass dieses Buch mit seinen Schauplätzen ein zutiefst Wienerisches ist. In der Kleingartensiedlung, im Baumarkt, im Espresso Regina, und selbst in der Securityfirma  fühlen wir uns zuhause Ja genau so wird es im Pausenraum eines Baumarktes zugehen, die Personen dort bekommen sofort Charakter und wir erkennen sie wieder. Und wer kennt nicht so ein Espresso Regina, oder möchte es zumindest kennen? Kleingartensiedlungen sind genau so wie hier beschrieben. Die Intrigen und Machtkämpfe in der Securitiyfirma sind durchaus plausibel und die Securitymänner und Frauen, die vor den Juweliergeschäften am Kohlmarkt stehen, sind wirklich dort, wie ich es jetzt erst kürzlich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe. Alle die Personen, die auf den einzelnen Schauplätzen vorkommen, kennen wir. Trotzdem, das muss ich hier erwähnen, hat dieses Buch nichts mit den jetzt so modernen Krimis mit Lokalkolorit gemeinsam, da werden keine Klischees breitgetreten.  Zurück zu Marlies. Als ihre Freundin Valerie in ernste Schwierigkeiten gerät, nimmt Marlies Rücksicht, zeigt Gefühle, verrät Valeries Freund nicht, obwohl sie wissen müsste, dass dies ein Fehler ist. Valerie zu liebe handelt sie nicht und kann dadurch die heraufkommende Katastrophe nicht verhindern. Als diese Katastrophe aber dann passiert, überlegt sie keine Sekunde und nimmt Rache. Indirekt wird sie dazu auch noch von Hanna ermutigt, oder vielleicht sogar von ihr benutzt. Die Autorin beschreibt Marlies Rache detailreich in all ihrer Grausamkeit und das muss so sein, weil nichts anderes zu dieser Figur passen würde.  In der Erzählebene der Gegenwart ist Marlies auf der Suche nach Hanna. Marlies braucht und erhofft von ihr nach ihrer Tat so etwas wie Absolution. Einmal, ganz kurz, kommen wir Hanna so nahe, wie sonst während des ganzen Textes nicht. Wir besuchen mit Marlies Hannas Elternhaus und erfahren dort von ihrer „Ersatzmutter“ mehr über sie und beginnen zu verstehen.  Als Marlies Hanna trifft, ist vieles anders als sie, als wir erwartet haben und am Ende fragen wir uns, ist das, was Marlies neues Leben ausmacht, die Hölle, das Fegefeuer oder einfach das, was sie sich immer gewünscht hat.      

    Mehr
  • Inventurdifferenz

    Inventurdifferenz
    schlumeline

    schlumeline

    14. November 2013 um 14:03

    Marlies ist aus Wien geflohen. Etwas muss dort vorgefallen sein, etwas Schreckliches. Nun ist Marlies in Mittelamerika auf der Suche nach einer ehemaligen Bekannten, nach Hanna. Der Grund für die Flucht und die Suche bleiben dem Leser zunächst verborgen, doch mit Hilfe von Rückblicken kommt er der Lösung dieser Frage immer näher. Die Autorin arbeitet hier mit zwei Zeitschienen und beschreibt das hier und jetzt, also Marlies Aufenthalt in Zentralamerika und die Vergangenheit im Wechsel. Marlies ist eine vom Leben gebeutelte Person. Gezeichnet durch ein Feuermal im Gesicht, hat sie bereits als Kind einiges zu erleiden gehabt und das scheint bis heute anzudauern. Zwar ist sie mit ihrem Job in einer Security Firma ganz zufrieden, aber sie möchte viel lieber im Personenschutz arbeiten als solche Aufträge zu haben wie eine „Inventurdifferenz“ in einem Baumarkt klären zu müssen. Allerdings lernt sie bei ihrem Einsatz im Baumarkt eben jene Hanna kennen, die sie später sucht. Auch eine alte Schulfreundin, Valerie, kreuzt Marlies Lebensweg erneut. „Inventurdifferenz“ ist ein verstörender Roman, der nichts verschönt und Charaktere präsentiert, die mehr abstoßen als alles andere. Gerade das aber macht den Reiz der Geschichte aus. Marlies lebt mit ihrer inneren Wut und versucht diese zu beherrschen. Das fällt manchmal leicht und manchmal schwer. Durch Hanna wird in ihr ein Stück weit mehr Wut ausgelöst, denn Hanna sieht sich als Frau in einer von Männern dominierten Baubranche und Welt, und führt Marlies vor Augen, dass Frauen für ihre Rechte einfach kämpfen müssen. Ein Ereignis kommt zum nächsten und dann ist die Wut auf einmal nicht mehr beherrschbar. Der Roman ist nicht auf Anhieb spannend, aber Britta Mühlbauers Erzählstil ist so außergewöhnlich, dass der Leser bei der Stange gehalten wird und sich gegen Ende einem grausamen Verbrechen gegenübersieht für das er sogar, zumindest teilweise, noch Verständnis haben wird. „Inventurdifferenz“ gibt es hier nicht nur im Baumarkt sondern auch in Marlies selbst. Ihr Soll und ihr Ist weichen voneinander ab, und sie hofft über Hanna wieder zu sich selbst zurück zu finden. Sie erhofft sich Verständnis und Unterstützung. Eine Geschichte über die Rolle von Frauen in der Gesellschaft, die wirklich lesenswert ist. Der Leser sollte sich auf Schonungslosigkeit und Grausamkeit einstellen, aber diese gehören hier einfach dazu.

    Mehr
  • lesenswerter Thriller mit Aussagekraft

    Inventurdifferenz
    schattenblume77

    schattenblume77

    28. October 2013 um 00:02

    Aufgrund einer „Inventurdifferenz“ wird die Protagonistin Marlies Wolf, eine Security-Mitarbeiterin, beauftragt den Laden von Hanna Amberg zu überwachen. Doch schon bald taucht der Leser ein, in den Versuch von Hanna Frauendiskrimination zu unterbinden. Als schließlich Valerie,  eine alte Freundin von Marlies, Opfer von einer Vergewaltigung wird, sieht sich Marlies gezwungen selbst zu ermitteln. Von nun an überschreitet Marlies jegliche Grenzen auf der Suche nach dem Täter.   Persönlich empfand ich den Roman anfangs schwierig zu lesen, da in sehr kurzer Zeit viele handelnden Personen auftreten und die Zuordnung dieser Personen erst im Laufe des Romans passiert. Ebenso trugen hierzu zahlreiche Rückblenden ein. Das Buch wechselt laufend zwischen Gegenwart und Vergangenheit und erst später entsteht daraus ein zusammenhängender Handlungsverlauf. Mir fehlte zwischendurch der rote Faden, ich hätte mir gewünscht, dass die Abschnitte, in denen Rückblenden auftraten, gekennzeichnet werden. Allerdings versteht es die Autorin gut, den Leser erst nach und nach über die Hintergründe zu informieren. Der Roman fängt direkt mitten in einer laufenden Situation an. Der Leser wird förmlich an die wenigen Informationen gefesselt. Allerdings fehlte mir danach etwas die Spannung, teils überdeckten die ausführlichen Schilderungen den spannenden Inhalt. Erst im letzten Drittel des Buches wird richtig Spannung aufgebaut. Sprachlich gesehen finde ich den Roman klasse gelungen. Besonders gut gefallen haben mir die prägnanten Schilderungen gefallen. Die Autorin verstand es, dem Leser die Situation anschaulich in Bildern zu vermitteln und verwendete hierfür viele Adjektive. Allerdings sei dazu gesagt, dass der Roman am Ende eine sehr brutale Wendung nimmt und einige Kapitel Gewaltverbrechen detailliert beschreiben. Insgesamt ist der Roman von Britta Mühlbauer lesenswert aufgrund ihrer hervorragenden sprachlichen Leistung und des Inhaltes. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert und eignet sich besonders für „erfahrene“ Thrillerleser, mit robusterem Gemüt. Leser, die nicht auf der Suche nach einer gute Nachtlektüre sind, sondern eine anspruchsvolle Thematik wünschen, werden mit dem Buch viel Spaß beim Lesen haben.

    Mehr
  • Die Inventurdifferenz der Frauen - mitreißender Thriller!

    Inventurdifferenz
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. October 2013 um 16:45

    *INHALT* Marlies wurde mit einem Feuermal geboren - und deswegen oft von den Kindern um sie herum gemobbt. Als sie versucht, die in ihr schwelende Wut zuzulassen und einen Jungen schubst um sich gegen die Hänseleien zu wehren, endet es in einem finanziellen Fiasko für ihre Mutter und ihren Stiefvater. Sie selbst wird in eine Therapie gesteckt, die ihr nicht weiter hilft und so kann sie auch als junge Erwachsene nicht mit ihrer Wut umgehen; lediglich ihr Job in einer Sicherheitsfirma gibt ihr eine Möglichkeit, dieser einen angemessenen Platz einzuräumen. Ironischerweise ist aber gerade ihre Aggression der Grund, wieso sie ihren Traumjob im Personenschutz nicht bekommt und stattdessen in einer Filiale einer Baumarkt-Kette eine Inventurdifferenz aufklären soll. Dort trifft sie auf die Filialleiterin Hanna, eine emanzipierte und mit beiden Beinen im Leben stehende Frau, die sich mit allem, was sie hat und ist, für die Frauen einsetzt. Marlies lässt sich auch bald von Hannas Emanzipation anstecken findet etwas, wogegen sie ihre Wut richten kann; nicht ahnend, dass sie damit auf eine Katastrophe zusteuert, die ihr Leben für immer verändern wird.. *MEINE MEINUNG* Marlies erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive in zwei Handlungssträngen (Gegenwart und Rückblende), zwischen denen sie hin- und herspringt. Ich habe anfangs ein wenig gebraucht, bis ich mich in den Schreibstil der Autorin eingelesen hatte. Dazu mögen auch einige österreichische Vokabeln bzw Redewendungen beigetragen haben, die mir nicht geläufig waren. Doch nach einigen Seiten habe ich mich im Erzählstil verloren und habe das Buch kaum noch aus der Hand legen können. Die Charaktere sind sehr liebevoll und detailliert gezeichnet; man kann sich gut in sie hinein versetzen und erfährt auch viele Hintergründe. Dadurch werden ihre Beweggründe transparent und ihre Entscheidungen nachvollziehbar. Nicht alle Figuren sind sympathisch, allerdings lassen sich vor allem die Protagonisten nicht in Schubladen stecken, sondern warten mit einer Vielschichtigkeit auf, die die Story interessant macht. So konnte ich für mich am Ende auch die Frage nach Täter und Opfer, nach Gut  und Böse nicht eindeutig beantworten. Es ist eine Grauzone, ein Wechselspiel aus Ursache und Wirkung, und ein Thema, das mich auch nach dem Lesen der letzten Seite noch beschäftigt. Dabei flicht Britta Mühlbauer sehr subtil diverse Themen in die Geschichte ein, die auch heute sehr aktuell sind; Es geht nicht nur um Feminismus und Aggression, sondern unter anderem auch um häusliche Gewalt oder die psychische Misshandlung von Kindern. Fazit: Ein Thriller, der mich in sich hinein gesogen und völlig benommen wieder ausgespuckt hat; eine Geschichte, die unter die Haut geht und so schnell nicht wieder loslässt - einfach grandios.

    Mehr
  • Inventurdifferenz

    Inventurdifferenz
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    19. October 2013 um 17:03

    Marlies will in ihrem neuen Job in der Security-Firma nach ihrer Ausbildung als Personenschützerin durchstarten. Der Chef Siggi hat aufgrund ihres unkontrollierten Charakters Bedenken, und setzt sie in einem Baumarkt ein, bei dem erhebliche Inventurdifferenzen auftreten sind. Marlies ist enttäuscht, sie fühlt sich schon seit der Kindheit zurückgesetzt, durch ihr Feuermal im Gesicht fällt sie auf, wird verstohlen gemustert oder gehänselt, sie wollte doch endlich mit ihren Fähigkeiten Anerkennung bekommen. Die Filialleiterin Hanna hat sich explizit eine Frau für den Undercover-Einsatz erbeten. In diesem Baumarkt ist die Belegschaft überwiegend weiblich. Marlies schließt den Auftrag dort mit sehr eigenwilligen Mitteln ab, dies gibt schon einen Einblick in das Rechtsempfinden der Protagonistin. Hanna trifft in ihrer Stammkneipe Lilo, bei der die Misshandlungen im Gesicht keinen Zweifel auf häusliche Gewalt lassen. Sie bringt sie nach Hause, und mischt sich in das Leben der Frau ein. Als die Wohnung auf der gleichen Etage frei ist, zieht sie dort auch noch ein. Die Mitarbeiter des Baumarktaus helfen beim Umzug, auch Marlies, die Lilo und ihre Tochter Valerie aus der Kindheit kennt. Die beiden jungen Frauen bauen langsam wieder eine Freundschaft auf. Es taucht auch noch Alex auf, der schon als Teenager gehänselt hat, und der stets mit den falschen Leuten Kontakt hatte. Lilo feiert eine Gartenparty in ihrem Kleingarten weil sie endlich glücklich ist und ihr Leben in die Hand nehmen will. Am nächsten Tag ist nichts mehr wie es war, und jeder versucht auf seine Weise damit zurecht u kommen. Marlies handelt, und sucht danach Hanna die spurlos verschwunden ist. In Mittelamerika hofft sie endlich die erwartete Hilfe der Feministin zu bekommen. Doch sie Suche gestaltet sich nicht so einfach. Britta Mühlbauer baut von Anfang an Spannung auf. Zuerst stellt sich die Frage wieso sucht Marlies Hanna und was haben die beiden gemacht. Es dauert einige Zeit bis man dies erfährt und schon fiebert man mit den Figuren mit, denn man erfährt wie es ihnen in der Kindheit ergangen ist und warum sie sich so entwickelt haben. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, der Thriller ist stellenweise sehr detailliert, dient damit dem besseren Verständnis der Handlung. Frauendiskriminierung wird als ein immer noch aktuelles Thema behandelt, und zwar ohne Bevormundung, denn die Männer haben es mit diesen Frauen auch nicht einfach. Ein Buch das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

    Mehr
  • Inventurdifferenz

    Inventurdifferenz
    unclethom

    unclethom

    18. October 2013 um 17:47

    Der Klappentext: Marlies Wolf, wehrhafte Mitarbeiterin einer Security-Firma in Wien, möchte unbedingt im Personenschutz arbeiten, doch zunächst muss sie in einem Baumarkt nach Ladendieben jagen. Allein mit sich und ihrer Wut auf die Welt trifft sie zufällig ihre frühere Freundin Valerie wieder, um die sie und Alex, eine weitere Figur aus ihrer Kindheit, sich nun bemühen. Durch Alex wird Valerie in die Machenschaften von Mädchenhändlern verwickelt und fällt nach einer brutalen Attacke, bei der sie als Zeugin beseitigt werden soll, ins Koma. Außer sich vor Hass greift Marlies zur Selbstjustiz. Dieser Thriller aus Österreich erzählt die Geschichte einer Frau, die an ihre Grenzen geht - und darüber hinaus. Quelle: www.lovelybooks.de Die Autorin: Geboren 1961, aufgewachsen in einer österreichischen Kleinstadt an der Grenze zu Bayern. Verschlingt Bücher, seit sie lesen kann. Zu schreiben begann sie mit Anfang dreißig. Sie studierte Musik, Romanistik und Germanistik in Wien. Zurzeit unterrichtet sie neben dem Schreiben Gitarre. Erzählungen erscheinen in Literaturzeitschriften und Anthologien. 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Lebenslänglich“ bei Deuticke, 2013 folgte „Inventurdifferenz“. Quelle. www.lovelybooks.de Meine Rezension: Dank der schönen Schreibweise, entführt einen die Autorin recht schnell in Ihren Roman. Man ist mittendrin, dank der plastischen Erzählweise von Britta Mühlbauer. Die Protagonisten und auch die Schauplätze waren vor meinem inneren Auge so klar erkennbar, dass ich das Gefühl hatte ich sei ein Teil des Buches. Das Buch regt natürlich auch zum Nachdenken an, es ist kein Buch das man mal so nebenher runterlesen kann. Während keiner Phase des Buches kamen längen auf, dass man sich vielleicht hätte langweilen können. Ich fühlte mich zu jeder Zeit bestens unterhalten. Das Finale, war für mich letztlich so geschrieben wie ich es mag, spannend bis zum Ende, und die relevanten Teile des Finales so Überraschend, dass nicht zu früh verraten wurde und man wirklich bis fast zur letzten Seite mit Raten konnte wie es denn Endet. Von mir für das tolle Buch 4 von 5 Sternen.

    Mehr
  • Flucht

    Inventurdifferenz
    dieFlo

    dieFlo

    14. October 2013 um 08:02

    Marlies flieht, vor sich, vor ihrer Schuld - sie hetzt und will gefunden und doch nicht gefunden werden. Mit Inventurdifferenz begegnet der Leser eine jungen Frau, die sich schon früh durch das Leben kämpfen musste. Mit einem großem Feuermal im Gesicht, ertrug sich Hänseleien und lernte hart zu sein. Als in einem Baumarkt mehr Artikel fehlen als üblich, kommt Marlies als Undercover um festzustellen, wer hinter den Diebstählen steckt. Mit unlauteren Mitteln, einer eigenen Sprache und Art sich zu bewegen, erlebt der Leser eine Marlies, die alte Freunde wiedertrifft und die ihre Aggressionen kaum im Griff hat. Immer wieder kocht sich und kann ihre Wut kaum bändigen. Als ihrer Freundin Valerie ein Unglück geschieht, schaltet sie jegliche Vernunft aus: Rache muss sein und als diese vollzogen ist: muss sie fliehen, vor sich, der Polizei .... Das Buch wechselt oder springt zwischen dem Jetzt und Hier und der Vergangenheit und gibt dem Leser damit die Möglichkeit zu verstehen, warum Marlies so ist, wie sie ist. Ich hatte keine Probleme zwischen den Zeiten zu wechseln und ich mag auch die Art, wie detailliert manches beschrieben wird.

    Mehr
  • Inventurdifferenz

    Inventurdifferenz
    Solengelen

    Solengelen

    13. October 2013 um 23:41

    Marlies, die "Ich-Erzählerin", hetzt seit Wochen durch die Welt um ihre Spur zu verwischen. Sie fühlt sich verfolgt, wird langsam paranoid. Sie sucht Hanna. Rückblick: Marlies hat ein Personalschutztraining absolviert. Sie möchte dem Personenschutz zugeteilt werden. Aber ihr erster selbstständiger Auftrag ist ein Baumarkt. Dort sind Inventurdifferenzen, bei denen die Filialleiterin annimmt, dass ein Mitarbeiter, leider mit der Geschäftsleitung verwandt, diese "verursacht". Hanna, die Filialleiterin, bevorzugt weibliche Mitarbeiter. Marlies übernimmt mit Kolleginnen den Auftrag. Sie arbeitet " undercover" als neue Mitarbeiterin. Durch Hanna "findet" Marlies ihre ehemalige Freundin Valerie und deren Mutter Lilo wieder und leider auch einen gemeinsamen "alten" Bekannten. Marlies geht sowohl beruflich als auch privat "an der Legalität" vorbei. Valerie "passiert" etwas ganz furchtbares, Marlies "rächt" sie. Sie läuft danach mehr oder weniger auf Autopilot. Die Geschichte wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Ich finde, man kann dem Wechsel sehr gut folgen. Die Vergangenheit nimmt einen großen Raum ein, aber diese Ausführlichkeit ist für die Geschichte und das Verständnis, wie ich finde, wichtig. Man ist hin und her gerissen zwischen Schuld, Opferrolle, Täterrolle, Verständnis und Verurteilung der Tat. Hier ist der Autorin ein packendes Werk gelungen, mit vielen Stellen zum Nachdenken. Die Sprache, die sie gewählt hat, war eindringlich, wenn auch das ein oder andere Mal ein wenig zu detailliert, aber dem Thema entsprechend. Ein paar besondere sprachliche "Schmankerl" sind passend eingebunden und im Zusammenhang verständlich. Der Titel "Inventurdifferenz" war sehr gut gewählt. Nicht nur eine Inventurdifferenz bezogen auf Ware, sondern auch auf Leben, am Ende fehlt es da wie dort.

    Mehr
  • It's a man's world

    Inventurdifferenz
    Bella5

    Bella5

    11. October 2013 um 12:01

    Mein Resümee: Dieser Roman hat mich aus meinem Lesetrott gerissen. Sprachlich und stilistisch erste Sahne. Man wird als Leser herausgefordert & zum Nachdenken angeregt. Klappentext: Marlies Wolf, wehrhafte Mitarbeiterin einer Security-Firma in Wien, möchte unbedingt im Personenschutz arbeiten, doch zunächst muss sie in einem Baumarkt nach Ladendieben jagen. Allein mit sich und ihrer Wut auf die Welt trifft sie zufällig ihre frühere Freundin Valerie wieder, um die sie und Alex, eine weitere Figur aus ihrer Kindheit, sich nun bemühen. Durch Alex wird Valerie in die Machenschaften von Mädchenhändlern verwickelt und fällt nach einer brutalen Attacke, bei der sie als Zeugin beseitigt werden soll, ins Koma. Außer sich vor Hass greift Marlies zur Selbstjustiz. Dieser Thriller aus Österreich erzählt die Geschichte einer Frau, die an ihre Grenzen geht - und darüber hinaus. Einblick in den Text: " ' Ich kenne mich ja mit der Universität nicht aus', sagte Dragica zu mir, 'aber ich weiß, dass es ein Fehler ist, aus Eigensinn alles hinzuwerfen'. Sie redete Hanna zu, sich die Sache zu überlegen. Doch Hanna blieb stur. ' Dann gehen Sie eben an eine andere Universität', sagte Dragica. Hanna lachte sie aus. Im akademischen Betrieb sei sie erledigt, sagte sie. Dafür sorgte das Netzwerk der alten Männer. [...]" (S. 302) Mein Fazit: Ein starkes Stück Literatur. Wirklich originell (obwohl man bei der Figur Marlies zuerst an Lisbeth Salander denkt), tiefsinnig und vor allem sprachlich grosse Klasse. Tolle Bilder und Metaphern, und die Austriazismen (Tschick, Trafik, Maturanten ...) machen das Ganze glaubwürdig und lebensnah. Auch die Figuren bleiben nicht blaß - die Protagonistinnen Hanna und Marlies sind "rund" und gut ausgearbeitet, aber auch die Nebenfiguren (wie etwa Kneipenwirtin Dragica) konnten mich überzeugen. Die message ist eine, die Gendergerechtigkeit einfordert, manche Leser würden es wohl als "Feminismus" klassifizieren. Die männlichen Figuren im Roman sind zumeist negativ konnotiert. Die Autorin zeigt dabei Mechanismen von Unterdrückung und Gewalt auf, die durch Marlies Wolf quasi personifiziert werden. Leider ist sie durch ihre Vorgeschichte zur anti-sozialen Figur mutiert, die keinerlei Liebe erhält, die in Hanna so etwas wie ihre Mentorin erblickt. Wer hier auf subtile Andeutungen hofft, der wird enttäuscht werden. Konsequenterweise kommt es zum Gewaltexzess, was aber, wenn man der Geschichte folgt, nur eine logische Folge ist. Das Spannungsniveau variiert, und ein "psychologischer Thriller mit Gänsehauteffekt" (Buchrücken) ist es nicht, da vieles offensichtlich und nicht verborgen ist. Wer Angst vor einer feministischen Lehrschrift hat, der sei beruhigt - der Feminismus beschränkt sich auf Phrasen, Schlagworte, die bekannte Wahrhol - Attentäterin & Sartres Partnerin und schrammt zuweilen haarscharf am Klischee vorbei. Über wirklich gute Bücher denkt man nach, man "reibt" sich am Gelesenen. Die Farbe Orange steigt dabei in den Rang eines Leitmotivs auf, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. "Inventurdifferenz" ist sicher ein Roman, der polarisiert. Trotzdem (oder gerade deswegen) ist es ein absolut lesenswertes Buch.

    Mehr
  • Leserunde zu "Frauen und Bücher" von Stefan Bollmann

    Frauen und Bücher
    DieBuchkolumnistin

    DieBuchkolumnistin

    Frauen und Bücher - eine Leidenschaft mit Folgen Wussten Sie, dass Marilyn Monroe eine passionierte Leserin war und eines ihrer Lieblingsbücher der »Ulysses« von James Joyce? Dass der Studienabbrecher Friedrich Gottlieb Klopstock 1750 die Dichterlesung erfand, als er einer Schar junger Frauen seine Oden vortrug und dafür Küsse kassierte? Dass Jane Austen nur Frauen für voll nahm, die Romane lieben? Oder dass vor 150 Jahren Eugenie Marlitt, eine entlassene Vorleserin, zur ersten Bestsellerautorin der Welt aufstieg? Diese und eine Fülle anderer Begebenheiten lässt Stefan Bollmann in einem unterhaltsam geschriebenen Panorama lebendig werden, das von Klopstocks Zeit bis in die Gegenwart führt und von aktuellen Phänomenen wie Fanfiction und "Shades of Grey" berichtet. Zugleich erzählt er eine überraschend andere Geschichte des Lesens, seiner Macht und Magie. Lesen kann Leben und Lieben verändern. Ein Buch für Frauen, die leidenschaftlich gern lesen – und aus dem Männer erfahren, was ihre Frauen meinen, wenn sie sagen: »Jetzt nicht! Ich lese!« Leseprobe Viel mehr muss ich zu diesem wunderbaren neuen Buch von Sachbuchautor Stefan Bollmann wohl nicht schreiben - es könnte kaum besser zu LovelyBooks und uns Leserinnen passen. Gemeinsam mit der DVA suchen wir 25 Testleserinnen, die "Frauen und Bücher" gemeinsam mit uns studieren, es diskutieren, in den Seiten schwelgen und natürlich eine Rezension dazu schreiben. Für Eure Bewerbung vollendet einfach folgenden Satz: Ich liebe Lesen, weil ... Stefan Bollmann, geboren 1958, promovierte nach einem Studium der Literatur, Geschichte und Philosophie über Thomas Mann. 1998 vertauschte er den Beruf des Hochschullehrers mit dem des Lektors in Publikumsverlagen. Stefan Bollmann hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Mit seinen Bestsellern „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ (2005) sowie „Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug“ (2010), beide erschienen im Elisabeth Sandmann Verlag, ist er dem Wandel der Lesekultur nachgegangen und hat den Boom des Themas mit angestoßen. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt und verkauften sich annähernd eine halbe Million Mal.

    Mehr
    • 643
  • Auge um Auge

    Inventurdifferenz
    mabuerele

    mabuerele

    08. October 2013 um 17:04

    Eine Frau ist auf der Flucht. Irgendwo in Mittelamerika betritt sie in ein Hotel ohne Namen. Sie ist auf der Suche, auf der Suche nach einer Frau namens Hanna. Rückblende nach Deutschland: Marlies arbeitet bei einer Security-Firma. Sie möchte als Personenschützerin arbeiten, wird aber zur Aufklärung einer Inventurdifferenz in den Baumarkt geschickt. Dort lernt sie Hanna kennen, die Chefin des Baumarktes. Die Autorin hat einen spannenden Thriller geschrieben. Marlies ist die Ich-Erzählerin. Die Geschichte wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Während Marlies im gegenwärtigen Teil mit jeder Frage Hanna ein Stück näher kommt, werden in der Vergangenheit die Verflechtungen der beiden Frauen deutlich. Die Autorin hat eine Protagonistin kreiert, die polarisiert. Marlies hat einen Blutschwamm im Gesicht. Damit erregt sie Aufmerksamkeit, muss sich aber auch bösartiger Bemerkungen erwehren. Andererseits wird Marlies durch ihre unkontrollierbaren Wutausbrüche unberechenbar. Nach und nach erfahre ich als Leser Details aus ihrem Leben in Kindheit und Jugend. Trotzdem finde ich nicht jede ihrer Handlungen richtig, muss ich als Leser ja auch nicht. Hanna, die zweite Protagonistin, tritt sehr selbstbewusst auf. Sie legt die Finger auf eine Wunde unserer Gesellschaft, wenn sie über die Benachteiligung von Frauen spricht. Auch hier zeigt der Blick zurück, wie es zu dieser Einstellung kam. Die Genauigkeit der Beschreibung betrifft aber nicht nur diese beiden Protagonisten, sondern alle wichtigen Personen des Buches. Genauso exakt werden Orte und Abläufe dargestellt. Dabei versteht es die Autorin, Gefühle zu vermitteln, ohne sie explizit zu benennen. Ich denke zum Beispiel an die Verlorenheit von Marlies während der Gartenparty. Sehr behutsam baut die Autorin die Geschichte auf. Gerade dadurch erhält sie eine prickelnde Spannung. Seite für Seite habe ich als Leser auf die Auflösung des Dramas gewartet. Die Autorin verfügt über eine wortgewaltige Sprache. Jeder Satz, jede Nuance sitzt. Gekonnt wird mit Metaphern gespielt. Warum bekommt das Buch dann keine fünf Sterne? Die eigentlichen Verbrechen wurden mir zu grausam dargestellt. Hier wäre weniger mehr gewesen. Diese Überhöhung hätte die Geschichte nicht bedurft. Sie stellen für mich einen Bruch zum sonst ausgezeichneten Stil dar. Ich hätte es mir subtiler gewünscht. Davon abgesehen hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Autorin beherrscht nicht nur die Kunst des Erzählens, sie versteht es, mich als Leser in den Bann zu ziehen. Das eher unauffällige Cover passt ausgezeichnet zur Handlung.

    Mehr
  • Wut...

    Inventurdifferenz
    tweedledee

    tweedledee

    07. October 2013 um 13:12

    In ihrem Buch "Inventurdifferenz" zeichnet die Autorin ein Psychogramm ihrer Protagonistin. Marlies hatte es im Leben nicht leicht, von Geburt ist sie im Gesicht mit einem großflächigen Feuermal gezeichnet. In ihrer Kindheit wird sie gehänselt, oft grausam geärgert, wie Kinder eben nun mal sind. Und selbst als Erwachsene begegnen ihr die Menschen, vor allem die Männer, mit Mißtrauen, Ablehnung, Spott und Häme. Die Schule hat sie nach einem Vorfall abgebrochen und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, bis sie bei einem Sicherheitsdienst gelandet ist und dort einigermaßen zufrieden ist. Ihr erklärtes Ziel ist es, nach vielen Weiterbildungen endlich im Personenschutz eingesetzt zu werden, doch ihr Chef Siggi, mit dem sie ein Verhältnis hat, steckt sie immer wieder in den langweiligen Objektschutz. Als sie in einer Filiale einer großen Baumarktkette, bei der es Inventurdifferenzen gibt, die Sicherheitechnik neu einrichten soll, findet sie über die Leiterin Hanna wieder Zugang zu ihrer langjährigen Schulfreundin Marlies. Doch auch im Baumarkt wird sie von der Männerfraktion wegen ihres Mals gemobbt... Die Handlung beginnt geheimnisvoll, man begleitet Marlies, die in einem anfangs noch unbekannten Land auf der verzweifelten Suche nach Hanna ist. Nach und nach erfährt man in Rückblenden, wie die Beziehungen der beiden Frauen zueinander ist, wie sie sich kennengelernt haben, was passiert ist. Jedoch immer nur häppchenweise, so dass lange Zeit gar nicht klar ist, weswegen Marlies auf der Suche nach Hanna ist, warum sie sie unbedingt finden muss. Doch gerade diese portionierten Informationen machen neugierig, so neugierig, dass man gar nicht anders kann, als an der Story dranzubleiben. Dazu kommt der flüssige, teils flapsige Schreibstil, der unglaublich gut zur Geschichte passt. Die Autorin beschreibt ihre Charaktere sehr detailliert, es sind durchweg vielschichtige Persönlichkeiten. Allen voran ist natürlich Marlies als Hauptprotagonistin sehr gut charakterisiert. Man lernt sie durch ihre Kindheitserfahrungen kennen, durch die nicht intakte Familie, geprägt durch ihr Feuermal, das immer wieder für Ärger sorgt. Inzwischen hat Marlies gelernt damit zu leben und steht dazu, aber der Preis war hoch. Sie nimmt Medikamente, um ihre innere Wut im Zaum zu halten, das gelingt ihr nicht immer. Marlies ist kein sympathischer Charakter, und trotzdem ist es möglich, sie zu einem gewissen Teil zu verstehen. Auch Hanna ist eine problembelastete Persönlichkeit, die Probleme mit der männerdominierten Gesellschaft hat. Die Handlung ist von Anfang an faszinierend, vor allem, da man anfang noch vollkommen im Dunkeln tappt, was eigentlich passiert ist. Es bleibt spannend, steigert sich bis zum finalen Ende, welches sehr heftig ist. Letztlich zeigt sich auch der Bezug von Handlung zum Cover. Fazit: Ein Thriller mit tiefgründigen Persönlichkeiten, in der die Themen Frauenrechte und Frauenfeindlichkeit eine große Rolle spielen. Unbedingt zu empfehlen.

    Mehr
  • Selbstjustiz als Rache

    Inventurdifferenz
    Fritzi

    Fritzi

    06. October 2013 um 13:46

    Marlies Wolf ist eine junge Frau mit schwieriger Kindheit und Jugend. Entstellt im Gesicht durch ein Feuermal, musste sie von Kindesbeinen an mit Demütigungen und Spott leben. Bedingt dadurch wächst sie zu einer wütenden jungen Frau heran, die ihre Wut jedoch inzwischen weitestgehend kontrollieren kann. Durch ihre Arbeit bei einem Security-Unternehmen muss sich sehr wiederum als Frau in einer Männerdomäne beweisen. Sie hat es nicht einfach, muss Überwachungsaufträge annehmen, statt in dem von ihr angestrebten Personenschutz eingesetzt zu werden. Bei einem Auftrag in einem Baumarkt trifft Marlies die dortige Chefin Hanna, eine gescheiterte Hochschuldozentin, die nun versucht, die Rolle der Frau ausgerechnet in einem Baumarkt neu zu definieren.  Von ihr lernt Marlies ein neues Rollenverständnis für die Frau kennen. Über Umwege und durch Hanna trifft Marlies ihre alte Schulfreundin Valerie wieder. Nach anfänglicher Kühle kommen sich die beiden wieder näher. Nachdem Valerie einen Mädchenhändlerring aufdeckt, in den auch ihr Freund Alex verwickelt ist, nimmt die Handlung eine Wendung. Valerie wird überfallen, brutal gefoltert und vergewaltigt und Marlies, die den Drahtzieher zu kennen glaubt , nimmt unglaubliche Rache.   Die Charaktere in diesem Thriller sind gut herausgearbeitet, Marlies, die, geformt durch ihr eigenes Leiden, zu dem Menschen geworden ist, der sie nun ist: Wütend, brandgefährlich, aber auch treu und gutherzig, denen gegenüber, die es ihrer Meinung nach verdienen. Hanna, die herausgemobbt wurde aus der Universität und ihrer Lehrtätigkeit und nun als Oberemanze alle belehren und bekehren will. Valerie, die Kluge, die noch in ihrer Findungsphase steckt und leider auf den falschen Freund hereinfällt.  So gibt es noch viele weitere und die Paarungen, die sich im Laufe der Handlung ergeben sind nicht immer und nicht für alle sehr glücklich. Alle sind irgendwie Opfer – ihrer Kindheit, ihrer selbst, ihrer Erziehung und alle sind auch irgendwie diejenigen, die zu Tätern wurden. Die Handlung ist in sich geschlossen, wenn man zum Ende kommt und dennoch bleibt etwas zurück, was den Leser weiter beschäftigt. Die Sache endet nicht zufriedenstellend nach dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern regt zum Nach- und Weiterdenken an. Für mich ein Roman, den ich weiterempfehlen kann, nicht platt und durchschaubar, sondern durchaus wert, am Thema dran zu bleiben. Dass die Autorin aus Österreich stammt und man das auch an der Wortwahl merkt und dass der Roman auch dort spielt, das finde ich gut und angenehm. Wie oft lesen wir übersetzte Werke ausländischer Autoren, wo sich durch die Übersetzung die Provenienz des Einzelnen gar nicht erkennen lässt.

    Mehr
  • weitere