Brittani Sonnenberg

 4 Sterne bei 40 Bewertungen
Autorin von Heimflug und Home Leave.

Lebenslauf von Brittani Sonnenberg

Die gebürtige Hamburgerin Brittani Sonnenberg wuchs als Kind amerikanischer Eltern in Europa, Asien und Amerika auf. Heute lebt die Autorin, Jahrgang 1981, in Berlin und ist als Journalistin u.a. für das das Berlin Journal der American Academy tätig. Zudem lehrt sie als Gastdozentin kreatives Schreiben an der University of Hong Kong. Brittani Sonnenbergs erste Veröffentlichungen waren Kurzprosa-Texte, die u.a. in Best American Short Stories erschienen. Einige ihrer journalistischen Texte wurden im Time Magazine abgedruckt. Mit "Heimflug" erscheint 2014 ihr erster Roman.

Alle Bücher von Brittani Sonnenberg

Heimflug

Heimflug

 (40)
Erschienen am 01.04.2014
Home Leave

Home Leave

 (0)
Erschienen am 12.05.2015

Neue Rezensionen zu Brittani Sonnenberg

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Rezension zu "Heimflug" von Brittani Sonnenberg

Home Leave
rallusvor 8 Monaten

Heimat ist für jeden ein anderer Begriff, ein anderes Gefühl. Ich bin seit Jahrzehnten in immerwährender Diskussion mit mir und anderen, was dieser Begriff nun darstellt.  Nun zuallererst ist für viele Heimat da, wo man aufgewachsen ist. Kindergarten, Schule der erste Kuss, das ’sich-finden‘, sich und andere entdecken. Einfach das Gefühl von Nähe, sich heimisch fühlen. „There is no place like home“, sagte schon Dorothy nach ihren aufregenden bunten Erlebnissen im Zauberer von Oz.

Für manche bedeutet einfach nur das Kuscheltier in der Hand das Gefühl von Heimat. Ein geliebter Mensch, nahe bei einem, ist Heimat. Home is where your heart is. Und das Herz schlägt in einem selbst und genau da sollte sich jeder am meisten zu Hause fühlen. In sich.

Doch der Weg dorthin ist sehr lang und dornenreich und so mancher findet seinen Frieden nicht mit sich und der Welt. Brittani Sonneberg hat mit dem vorliegenden Buch über in der Fremde aufwachsen, ein interessantes Thema angeschnitten. Ihr autobiografisches Buch, beschreibt die Nomaden der Moderne. Die Kinder von Eltern, die wegen ihres Arbeitsplatzes viel umziehen. Und zwar nicht nur in den Nachbarort, nein auch gleich auf einen anderen Kontinent, in eine andere Kultur.

Kann man sich in der Fremde wohl, sich heimisch fühlen? Heimflug (Im englischen Original besser ‚Home Leave‘) beschreibt das Aufwachsen auf verschiedenen Kontinenten, die Vorteile die daraus erwachsen, aber auch dieses ständige Gefühl, nirgendwo so richtig dazu zu gehören. Das Buch ist in verschiedene Kapitel aufgeteilt, die Räume dazwischen umfassen meist Jahre. Eingefügt sind Sitzungen bei einem Familientherapeuten in drehbuchartiger Form. Durch diese Form wirkt das Buch etwas zerrissen, im Nachhinein habe ich erfahren, dass die Autorin die einzelnen Stücke nachträglich zu einem Buch zusammengefügt hat. Das macht das Lesen etwas schwierig, die Befindlichkeiten der Personen und ihre Gefühle werden aber sehr gut erfasst und dem Leser näher gebracht.

Chris und Elise lernen sich in den Staaten kennen und heiraten. Beide möchten flüchten, vor den provinziellen Südstaaten und vor den eigenen Ängsten. Chris nimmt eine Arbeit bei einem internationalen Konzern an, der ihn quer durch die Welt führt. Deutschland, England, China oder Singapur sind die Stationen. Elise und die zwei Töchter Leah und Sophie ziehen mit ihm. Die Kulturen, Länder und Menschen ändern sich, aber die Familie, der Kern bleibt gleich. Manches Mal ist der Besuch bei den Großeltern angesagt.

„Jedes Jahr Mitte Juni verlassen die expatriierten Frauen und Kinder von Shanghai das Land, als wäre es die rasch sinkende Titanic. Ihre Koffer stopfen sie mit Geschenken für die Angehörigen in der Heimat voll: Billigstfächer vom Straßenmarkt, sodass ihre Kleidung köstlich nach Sandelholz riecht, Pandabären aus Plüsch, knallbunte Essstäbchen für Verwandte, die ausschließlich Messer und Gabel gebrauchen und Kalender, die ‚Chinas Ehrfurchtsame Beste Klassik-Tourist-Attraktionen‘ präsentieren.“

Ist dies nun ein Heimaturlaub oder wo ist Heimat bei den Kindern der Familie? Chris der in seiner Arbeit aufgeht, hat anscheinend seine Heimat gefunden, aber die Familie leidet doch unter den verschiedenen Wohnorten.

„Bei Elise, Sophie und Leah löst der Heimaturlaub ein Gefühl aus, als versuchten sie mit einem Videorekorder zwei Filme zu sehen. Knapp nach der Hälfte des ersten Films werfen sie die Kassette aus und legen die zweite ein, sehen eine Weile zu und kehren dann zur ersten zurück, mitten in die Szene, die sie zuletzt angehalten haben. Diese Vorgehensweise biete den Vorteil, dass man zwei Filme nahezu gleichzeitig sehen kann. Allerdings spricht die gestückelte Anmutung gegen ein solches Filmerlebnis, ganz abgesehen davon, wie lästig es ist, sich immer wieder vom Sofa erheben zu müssen.“

So richtig sind die Kinder nicht zu Hause, nicht im Wohnort, aber auch nicht im Heimaturlaub bei den Großeltern. Und so erwächst aus der Erfahrung der Wurzellosigkeit eine Sehnsucht nach Normalität. Freundschaften mit gleichaltrigen Nomaden-Kinder scheitern meist an der Unverbindlichkeit, die ein solches Leben nach sich zieht. Es muss viel mehr Kraft für die Bindung aufgebracht werden, die in dem Alter naturgemäß nicht vorhanden ist. In den verschiedenen Filmen verlaufen die Leben ganz anders.

„Im amerikanischen Film haben Leahs alte Freunde alle ihren Führerschein gemacht, während sie noch kein einziges Mal hinter dem Steuer saß. Im chinesischen Film kann Leah allein durch Shanghai bummeln, beim Kauf von Orangen auf Mandarin feilschen und differenziert schildern, wie ihre Freunde die kulturellen Zwänge empfinden, je nachdem, ob es sich um brasilianische Katholiken oder koreanische Protestanten handelt. Das Einzige, was beide Filme gemeinsam haben, sind Leah, Sophie und Elise – und bis zu einem gewissen Grad auch Chris.“

Doch an das Leben gewöhnen sich die Kinder, es entsteht eine Art Fernweh.

Bei unserer Rückkehr in die Staaten sind wir fünf Kilo leichter, von Bettwanzen zerstochen und befremdlich still, weil wir so viele Wochen lang mit niemandem gesprochen haben. Unsere Rucksäcke riechen nach grünem Tee/Bushaltestellen/Meer. Und als wir unsere Sachen im strahlend sauberen Heim unserer Eltern in die Waschmaschine schmeißen, erkennen wir: Wir sehnen uns bereits zurück, sehnen uns danach, wieder fremd zu sein.“

Sehnt man sich immer nach dem was man nicht hat? Wie verhält man sich in der Pubertät? Wie verarbeitet jeder seine Kindheit? Was bedeutet diese Unrast für spätere Bindungen? In dem Buch gibt Brittani Sonnenberg keine Antworten, sie beschreibt in ihren kurzen Skizzen sehr empathisch die Gefühle und Verwirrtheit der Charaktere. Durch einen Schicksalsschlag wird das Gefüge der Familie noch einmal durcheinander gerüttelt. Die Psychiater Sequenzen, in Dialogform geführt, fand ich persönlich die interessantesten Stellen im Buch, eine quasi Zusammenfassung der verschiedenen Gemütslagen der Familienmitglieder. Doch Wünsche, Träume, Sehnsüchte können im späteren Leben immer noch umgesetzt werden. Das liegt dann an jedem selber, wie er die Erlebnisse der Kindheit umsetzt. Für Sophie ist der Wunsch eindeutig:

„Natürlich wollte ich mich binden – allerdings eher in geographischer als in romantischer Hinsicht. Einfacher gesagt, wollte ich schlicht an Ort und Stelle bleiben.“

Durch die springende Erzählweise wird dem Leser einiges aufgeladen. Zeitsprünge, Kapitel von jeweils einer anderen Person erzählt, ergeben kein homogenes Bild. Doch das was beschrieben wird, ist in sich auch zerrissen und zerfahren. Ein Buch auf das man sich einlassen muss, das mich aber mit seiner verträumten und literarischen Art positiv eingefangen hat.

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Rezension zu "Heimflug" von Brittani Sonnenberg

Geschichte einer Familie
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Die Geschichte beginnt mit einem Kapitel aus sehr ungewöhnlicher Perspektive. Ein Haus erzählt über das, was in seinen vier Wänden so passiert. Elise, die Tochter der Familie, wird missbraucht, ihre Mutter Ada will es nicht wahrhaben, obwohl sie selbst ähnliche Erfahrungen machen musste. Das Haus kann nur die Rolle des stummen Beobachters spielen und ab und an einen Lufthauch oder einen Sonnenstrahl in die richtige Richtung lenken, um seinen Bewohnern zu helfen. Ein sehr interessanter Einstieg in das Buch!

Im weiteren Verlauf geht es hauptsächlich um Elise. Sie heiratet Chris Kriegstein, der für ein internationales Unternehmen arbeitet. So kommen sie in der ganzen Welt herum, Chris arbeitet in Deutschland, England, dann wieder in den USA, später in Asien. Die Autorin schildert das Leben der Expats in den verschiedenen Ländern anhand dieser Familie. Chris und Elise entfremden sich einander, obwohl sie zwei gemeinsame Töchter haben. Ein schwerer Schicksalsschlag macht das Leben der Familie noch schwieriger.

Immer wieder wechselt die Autorin die Perspektive, lässt mal ein Kapitel aus der Sicht der verschiedenen Familienmitglieder erzählen, mal aus Sicht eines Außenstehenden, mal als Ich-Erzähler, mal in anderer Form. Auch wird keine chronologische Reihenfolge eingehalten, sondern die Handlung springt immer wieder in der Zeit.

Das Buch liest sich dadurch nicht ganz einfach, hat aber auch irgendwie einen besonderen Reiz dadurch, dass sich das Bild erst nach und nach immer mehr zusammensetzt. Dennoch blieb für mich immer eine gewisse Distanz zu den Figuren, keine kam mir wirklich nahe und ich habe die ganze Zeit eher über sie gelesen als mit ihnen. Dennoch fand ich die Geschichte und die Erzählweise irgendwie faszinierend und bin froh, das Buch gelesen zu haben!

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Rezension zu "Heimflug" von Brittani Sonnenberg

Eher tragisch und traurig
vielleser18vor 4 Jahren

Gleich vorweg: Das Buch ist nicht einfach.
Brittani Sonnenberg, die Autorin, ist selbst als Kind und Jugendliche von einem Ort zum anderen gereist. Ihr Vater war beruflich an verschiedenen Orten der Welt tätig, die Familie zog mit ihm. Alle paar Jahre ein neuer Ort. Atlanta, London, Hamburg, Seoul, Singapur....Moderne Nomaden, Expats genannt.

In ihrem mit autobiographischen Elementen durchsetzten Roman sind es Elise und Chris und ihre Kinder Leah und Sophie, die immer wieder ihren Lebensmittelpunkt verändern (müssen).
Der Anfang der Geschichte erzählt ein Haus, ein Haus, das verlassen wird. Niemandem mehr Heimat bietet. Es ist Elises Elternhaus.
Doch schnell geht es auch zu Chris Familie, den stolzen Eltern von ihm, die nun - am Ende ihres Lebens - ihre Farm aufgegeben haben und nun in einer Seniorenresidenz betreutes Wohnen erleben (müssen).

Dann erst beginnt die eigentliche - eher tragische - Geschichte von Elise und Chris. Den Anfängen, ihren Stationen. Dabei wechselt die Autorin ständig die Erzählweise zwischen den Protagonisten. Aus Sicht von Chris, von Elise, aber auch aus Sophies und Leahs Sicht und aus Sicht eines Erzählers werden die vereinzelte Stationen ihres Lebens erzählt. Dabei ist es keine lineare Erzählung, vielmehr sprunghaft schlüpfen wir in ihr Leben.

Nirgendwo gebunden, heimatlos - und in schweren Zeiten, nach einem großen Verlust irgendwie sprachlos - auch untereinander. Getrieben von einer Unrast, eines Gefühls, nirgendwo richtig dazu zu gehören, wird auch das zukünftige Leben von Leah beeinflussen.

Die skizzenhaften Momente, Momente, die aber auch immer Veränderungen bedeuten, machen klar, dass hier viel auf der Strecke geblieben ist.  Wie kann man sich binden, wenn man alle paar Jahre neue Freunde, neue Klassenkameraden, eine neue Wohnung und eine neue Umgebung suchen muss? Wenn man jedesmal aufs neue Trennungen hinnehmen muss ? Dazu kommt, dass Elise und Chris auch ganz bewusst diesen Abstand von ihrer kindlichen Heimat gesucht und gefunden haben.
Braucht man dann nicht ganz besonders die eigene Familie ? Einen fixen Bezugspunkt, einen Austausch, ein Verständnis für einander ? Was, wenn der nicht gegeben ist ? Was hat man dann für einen Halt, gerade in Zeiten, die wehtun ?

"Heimflug" - der Autorin ist es gelungen mir ihr Gefühl von Verlorenheit zu vermitteln. Sie selbst schreibt, dass nicht alles in diesem Buch autobiographisch ist, aber einige Kerndaten schon.
Mir hat es gefallen, dass die Sichtweisen immer wechselnden. Die Familie von allen Seiten beleuchtet wurde - viele Jahre ihres Lebens.

Kein Buch, dass glücklich oder gute Stimmung macht, sondern nachdenklich.
 

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Gespräche aus der Community

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Lust auf ein wenig Frischen Wind?

In ihrem Debütroman Heimflug erzählt Brittani Sonnenberg von der Familie Kriegstein, die alle paar Jahre von Kontinent zu Kontinent zieht – Amerika, Europa, Asien. Doch was bedeutet zuhause, wenn man ständig im Aufbruch ist? Und wenn plötzlich jemand stirbt, den man liebt, und eine Lücke entsteht, als würde man die tragende Wand eines Hauses fehlen? Ein vielstimmiger, magisch-eleganter Familienroman über das Leben im Transit.

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Eine Familie zieht von Kontinent zu Kontinent – Amerika, Europa, Asien. Der Vater, Chris Kriegstein, arbeitet für ein internationales Unternehmen, und alle paar Jahre packt ihn das Fernweh. Elise, seine Frau, geht mit ihm und versucht dabei, ihr Leben zu finden: im Norden Deutschlands, in Hamburg, wo Leah geboren wird; später in London, dann während eines Zwischenstopps zurück in den USA, wo Sophie zur Welt kommt. Es folgen Jahre in Schanghai, danach Singapur. Im Sommer immer wieder Heimaturlaub, damit das Gefühl für die eigene Herkunft nicht verloren geht. Was bedeutet zuhause, wenn man ständig im Aufbruch ist? Und wenn plötzlich jemand stirbt, den man liebt, und eine Lücke entsteht, als würde die tragende Wand eines Hauses fehlen?

Leseprobe

Zur Autorin

Brittani Sonnenberg, geboren 1981 in Hamburg als Kind amerikanischer Eltern, lebt nach vielen Jahren in Asien, Europa und den USA heute in Berlin, wo sie als Journalistin u.a. für das das Berlin Journal der American Academy arbeitete. Derzeit hat sie eine Gastdozentur für kreatives Schreiben an der University of Hong Kong inne. Ihre Kurzprosa erschien u.a. in Best American Short Stories, ihre journalistischen Texte u.a. im Time Magazine. Heimflug ist ihr erster Roman.

Wir suchen nun 20 Leser die das Buch gerne gemeinsam in der Leserunde besprechen und anschließend rezensieren möchten.*

Schreibt uns als Bewerbung, euren Eindruck zum Buchcover/Leseprobe und was ihr vielleicht erwartet vom Buch!

Und wer neugierig ist, kann hier stöbern auf der Verlagsseite vom Arche Verlag und sich von den zukünftigen Neuerscheinungen in den Bann ziehen lassen :-)

Ich freu mich auf euch !

Eure Katja von Ka-Sas Buchfinder

* Der Erhalt des Rezensionsexemplares verpflichtet zur Teilahme in der Leserunde (posten in den Abschnitten) und das anschließende Rezensieren des Buches

*** Wichtig ***

Ihr solltet Minimum eine Rezension in eurem Profil haben, damit ich sehen kann wie ihr eure Rezensionen schreibt und wie aussagekräftig sie sind.
Nehmt doch einfach euer zuletzt gelesenes Buch und schreibt darüber.
Ein Leitfaden, wie eine Rezension aufgebaut ist, findet ihr hier: http://www.lovelybooks.de/Leitfaden_Rezensionen.pdf oder auch hier in diesem Thread, wo alles Wissenswerte zusammengefasst ist: http://www.lovelybooks.de/thema/Leitfaden-f%C3%BCr-Rezensionen-und-Leserunden-1017409772/


Es werden nur Bewerber mit aussagekräftigen Rezensionen berücksichtigt

Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Brittani Sonnenberg im Netz:

Community-Statistik

in 61 Bibliotheken

auf 12 Wunschlisten

von 3 Lesern gefolgt

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