Ich muss sagen, dieses Buch hat mich wirklich gut unterhalten. „To Cage a Wild Bird” ist eines dieser Bücher, bei denen man gerne „noch ein Kapitel” lesen will – und irgendwann merkt, dass es draußen schon wieder hell wird. Brooke Fast legt mit ihrem Debüt einen Auftakt hin, der von der ersten Seite an Tempo aufnimmt und es über weite Strecken auch hält.
Raven ist als Protagonistin gut gelungen. Sie ist hart, klug und bereit, für ihren Bruder wirklich alles zu riskieren – und trotzdem bleibt sie dabei nahbar und verletzlich genug, dass man als Leser*in mit ihr mitfiebert. Ihre Entwicklung über das Buch hinweg hat mir sehr gut gefallen: Die Raven am Ende ist eine spürbar andere als die, die wir im ersten Kapitel kennenlernen.
Und dann ist da natürlich noch Vale. Die Dynamik zwischen Raven und ihm hat hier gut funktioniert. Dieses ständige Zwischen-den-Fronten-Stehen, das Nicht-wissen-wem-man-trauen-kann, dazu ein schön langsamer Slow-Burn, bei dem jede kleine Annäherung etwas bedeutet – das hat mich zwischendurch richtig mitgenommen. Man freut sich über jeden kleinen Moment zwischen den beiden, hat aber gleichzeitig immer diese Angst im Nacken, was es die beiden kosten könnte.
Das Setting rund um Endlock und Dividium ist düster, brutal und stimmig aufgebaut. Die Welt fühlt sich bedrückend real an, ohne dass es sich je wie reine Härte um der Härte willen anfühlt – Brooke Fast baut genug emotionale Momente ein, damit die Figuren greifbar bleiben.
Längen gibt es kaum. Jedes Kapitel treibt die Handlung weiter voran, der Druck auf Raven und ihren Bruder steigt kontinuierlich, und die eingestreuten Plottwists haben mich an der ein oder anderen Stelle wirklich überrascht. Ich wusste lange nicht so richtig, wem ich eigentlich trauen kann – und genau das mag ich an guten Dystopien.
Das Ende lässt einen mit einigen offenen Fragen zurück und macht Lust auf Band 2 – ich bin gespannt, wie es mit Raven und Vale weitergeht.
Ganz restlos begeistert war ich am Ende jedoch nicht – vollkommen begründen kann ich das aber nicht. Es hat einfach dieses letzte kleine Bisschen gefehlt, das mich zu absoluten fünf Sternen hätte hinreißen lassen. Nichtsdestotrotz ist „To Cage a Wild Bird” für mich ein wirklich gelungener Pageturner: mitreißend, emotional, mit einer Slow-Burn-Romance, die gut funktioniert, und einem Weltenbau, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.
Von mir gibt es gute 4 von 5 Sternen.











