Band 4 enthält die Kapitel 49 bis 64 des Comics.
Die Geschichte quält sich langsam dem Ende entgegen. Die 16 Kapitel decken einen Zeitraum von mehreren Monaten ab, wie am mehrfachen Wechsel der Jahreszeiten zu erkennen ist. Gemessen an der beachtlichen Länge des Zeitraumes geschieht auffallend wenig. Die Geschichte bleibt vergleichsweise handlungsarm. Sie droht gelegentlich ins Seifenoperhafte abzugleiten: Beom wird im Winterwald angegriffen und verletzt. Eine Truppe von Schaustellern findet ihn und nimmt ihn mit. Beom leidet an Gedächtnisverlust und erinnert sich nicht mehr an Geum-Hoo, seinen geliebten Herrn. Der Band ist nicht frei von kitschig-süßlichen Momenten. Beoms Ziehmutter Deokji gibt augenzwinkernd zu verstehen, sie habe nichts dagegen, dass Beoms „Braut“ ein Mann ist (S. 164). Geum-Hoos jüngerer Halbbruder Eun-Hoo träumt von einer „Welt voll Friedlichkeit und Gleichberechtigung“ (S. 44). Der altkluge Junge kennt die Welt gar nicht, da er aufgrund seiner Krankheit sein gesamtes bisheriges Leben auf dem Familienanwesen zugebracht hat. Dieses anachronistische Gesäusel von Toleranz und Gleichberechtigung hat nichts zu suchen in einem Comic, der in historischer Zeit spielt.
Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten entwickelt sich überhaupt nicht weiter. Seit mehreren Monaten ist Beom schon der Geliebte eines Aristokraten, aber das führt paradoxerweise nicht zu einer Verbesserung seines sozialen Status. Zum wiederholten Mal sehen wir Beom ein Schwein zur Schlachtbank tragen (S. 34). Sein Minderwertigkeitskomplex ist so ausgeprägt wie eh und je; er betrachtet sich nach wie vor als „einfachen Pöbel“ (S. 146). Diese permanente Selbstabwertung ist mittlerweile nur noch schwer auszuhalten. Geum-Hoo wiederum bleibt seiner dämonischen Jekyll-und-Hyde-Natur treu. Im Schlafgemach gebärdet er sich exaltiert und schwärmerisch, anschmiegsam und gefallsüchtig. Doch sobald er sein Anwesen verlässt, juckt es ihn in den Fingern, das Schwert zu ziehen und Menschen zu verletzten. Als Geum-Hoo erfährt, dass der verschollen geglaubte Beom mit Schaustellern durchs Land vagabundiert, springt er aufs Pferd. Er erreicht die Truppe in der Hauptstadt. Frei nach dem Motto „Erst zustechen, dann Fragen stellen“ lässt Geum-Hoo den Gastwirt, bei dem die Truppe logiert, das Schwert spüren (S. 217/18). Auf vollkommen unritterliche Weise greift er den armen Kerl von hinten an. Der ist kein „Onkel“, wie es in der deutschen Fassung heißt, sondern ein Gastwirt (innkeeper), wie sich beim Blick in die englische Fassung (Webtoon) zeigt. Auch in diesem Band ist die deutsche Übersetzung nicht über jeden Zweifel erhaben. Ein Beispiel: „Der Schnee wird ihre Fußspuren bedecken und sie zu Beom führen“ (S. 127). Die englische Fassung gibt korrekt wieder, was eigentlich gemeint ist: „The tracks they leave leading to Beom will be covered by the snow.“
Das Geheimnis um Beoms Abstammung – die Identität seines Vaters – wird von Jae-Young Son und Muhu gelüftet. Aber Beom wird als Figur nicht interessanter oder sympathischer, wenn man weiß, dass sein Vater ein Ausländer war, der koreanischen Frauen Gewalt angetan hat und deshalb von Sullivan erschlagen wurde (Kap. 55 und 57). Die Klärung von Beoms verwickelten Familienverhältnissen (ein ausländischer Vater, eine früh verstorbene leibliche Mutter, eine in die Sklaverei verschleppte Ziehmutter) ist ein Fremdkörper in der Geschichte. Drei Figuren – Pater Sullivan, Muhu und Jae-Young Son – haben nur die Funktion, Beoms Herkunft zu erhellen. Wozu all der Aufwand? Das Trio ist streng genommen überflüssig. Die drei haben etwas Besseres verdient. Die Geschichte würde auch „funktionieren“, wenn Beoms Abstammung im Dunkeln bliebe. Es ist ein grundsätzlicher Schwachpunkt des Comics, dass zu oft – sei es in Rückblenden, sei es auf andere Weise – Personen ins Spiel gebracht werden, die schon lange tot sind.
Prinz Sanghyun wird zum großen Antagonisten aufgebaut. Er ist ein bösartiger Sadist und war in der Vergangenheit „besessen“ von Geum-Hoo und Seon-Woo Kim, was immer das auch heißen mag. Es geht um die Zeit, als die beiden jungen Adligen in der Hauptstadt lebten. Ob die beiden eine richtige Beziehung hatten, bleibt unklar; möglicherweise haben sie einander nur schmachtend angesehen. Es ist ärgerlich, dass das Autorinnen-Duo mit einer läppischen Besessenheits- und Eifersuchtsgeschichte den dramatischen Höhepunkt der Geschichte anbahnt. Der Prinz tritt zu spät in Erscheinung; seine Auftritte sind selten und (meistens) kurz. In einem Film würde er als Antagonist eine bedeutendere Rolle spielen. Sanghyun ist als Figur uninteressant.
In optischer Hinsicht ist Band 4 ein Genuss. Viele Szenen sind wunderschön anzusehen. Umso bedauerlicher ist es, dass die erzählerische Qualität des Comics so weit hinter der künstlerischen zurückbleibt.







