„Einsame Tiere“ heißt das Buch des USBürgers, der ein Mörder aus Versehen ist und über seine Straflosigkeit in eine eigene Hölle gegangen sein muß. Das Buch würde überfließen von Blut und anderen Körperflüssigkeiten, holte man sich aus gedruckten Worten die hier geschilderte Geschichte ans Leben. Es geht um Mord, mit dem Ziel, die Nichtigkeit ins NIchts zu schicken: Um das Liquidieren von Menschen, die als leere Hüllen gekennzeichnet werden, voll mit Schnaps, Irrsinn und Niedertracht. Besonders perfide: Der Mörder schwängert aus angeblich edlen Motiven alle Frauen der Ermordeten.Und o Wunder, alle werden zur gleichen Zeit schwanger.
Kunstvolle Morde, die immer weiter gehen, auch solange sich der Schrat und Cowboy-Sheriff Strawl auf ihre Spur macht. 300 Seiten dauert es, bis durch einen Haufen von gewaltsamen Ausbrüchen zwischen den sogenannten Ordnungskräften mit Toten und schwer Verwundeten und ohne jede Spur des Mörderkünstlers, der auch Rippen und Haut zu Engelsflügeln verbindet, die Geschichte- endlich- endet. Der Häutungskünstler stellt sich schließlich selbst dem Verfolger und Schrat, der sein Ziehvater war, ihm zugetan mehr als sein eigener Vater es gewesen wäre.
Der Name "Strawl"für den bitter gezeichneten Helden erinnert im Deutschen an Strolch oder Strahl. Ein Zufall, der aber die fast edle und doch erschreckend skrupellos gerechte Figur kennzeichnet, Einzelgänger ohne jede Grenze und der einzige positive Bulle unter lauter Ochsen. Er fährt wie ein Blitz unter die faule Horde von Provinzpolizisten, die nichts anderes zum Ziel haben als die Indianer niederzuhalten. Und endet im Knast.
Eine Girlande von Bibelzitaten und Shakespeare-Inhalten sowie indianisch klingenden Zitaten hat das eher dürre Skelett der Story mit einem Purpurmantel überzogen, befremdlich und wie blutiger Zuckerguß über einem Gerüst wie aus dem Lehrbuch für American Writing Groups. Offenbar muss fast lakonisch erzählter Horror im Übermaß dabei sein, um die apathische und von Sensationen überfüllte Lesergeneration aus ihren Sesseln an den Büchertisch zu holen. Ich musste an die rechtsradikale "Christen/Evangelikale"-Bewegung in den USA und inzwischen auch bei uns denken, angesichts der vielen Bibelzitate. Vielleicht ist das ja eine versteckten Kritik daran, werden sie doch sämtlich von dem Massenmörder geäußert.
Vieles ist auch die eigene Philosophie des Autors Bruce Holbert, vielleicht entstanden in seiner Hölle aus Schuldgefühlen: Er meint, für die übergroße Mehrheit- auch für seinen bitter gezeichneten Schrat-Helden- würde Schicksal oder Zufall alle Illusionen beenden. „durchgetrenntes Rückenmark, auslaufende Flüssigkeiten, von Herzen abgerissene Aorten, in die Körperhöhlen fließendes Blut, verstopfte Venen oder Arterien, die einen lebenswichtigen Vorgang unterbrachen. …Am Ende gab es nur Angst, nutzlose Angst. Mehr gab es nicht zu wissen. Das war Weisheit.“
Ich war froh, als ich das Buch „aus“ hatte, die letzten 40-50 Seiten nur noch überfliegend. Ich bin sicher, es ist oder wird ein Bestseller. Und ich finde es viel noch abstoßender deshalb. Handwerklich gut gemacht. Das bestimmt.




