Bruce Holbert

 3,8 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor*in von Einsame Tiere.

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Cover des Buches Einsame Tiere (ISBN: 9783954380343)

Einsame Tiere

(12)
Erschienen am 25.08.2014

Neue Rezensionen zu Bruce Holbert

Cover des Buches Einsame Tiere (ISBN: 9783954380343)
Dieter_Specks avatar

Rezension zu "Einsame Tiere" von Bruce Holbert

Dieter_Speck
Lakonisch erzählter Horror mit Bibelzitaten

„Einsame Tiere“ heißt das Buch des USBürgers, der ein Mörder aus Versehen ist und über seine Straflosigkeit in eine eigene Hölle gegangen sein muß. Das Buch würde überfließen von Blut und anderen Körperflüssigkeiten, holte man sich aus gedruckten Worten die hier geschilderte Geschichte ans Leben. Es geht um Mord, mit dem Ziel, die Nichtigkeit ins NIchts zu schicken: Um das Liquidieren von Menschen, die als leere Hüllen gekennzeichnet werden, voll mit Schnaps, Irrsinn und Niedertracht. Besonders perfide: Der Mörder schwängert aus angeblich edlen Motiven alle Frauen der Ermordeten.Und o Wunder, alle werden zur gleichen Zeit schwanger.

Kunstvolle Morde, die immer weiter gehen, auch solange sich der Schrat und Cowboy-Sheriff Strawl auf ihre Spur macht. 300 Seiten dauert es, bis durch einen Haufen von gewaltsamen Ausbrüchen zwischen den sogenannten Ordnungskräften mit Toten und schwer Verwundeten und ohne jede Spur des Mörderkünstlers, der auch Rippen und Haut zu Engelsflügeln verbindet, die Geschichte- endlich- endet. Der Häutungskünstler stellt sich schließlich selbst dem Verfolger und  Schrat, der sein Ziehvater war, ihm zugetan mehr als sein eigener Vater es gewesen wäre. 

Der Name "Strawl"für den bitter gezeichneten Helden erinnert im Deutschen an Strolch oder Strahl. Ein Zufall, der aber die fast edle und doch erschreckend skrupellos gerechte Figur kennzeichnet, Einzelgänger ohne jede Grenze und der einzige positive Bulle unter lauter Ochsen. Er fährt wie ein Blitz unter die faule Horde von Provinzpolizisten, die nichts anderes zum Ziel haben als die Indianer niederzuhalten. Und endet im Knast.

Eine Girlande von Bibelzitaten und Shakespeare-Inhalten sowie indianisch klingenden Zitaten hat das eher dürre Skelett der Story mit einem Purpurmantel überzogen, befremdlich und wie blutiger Zuckerguß über einem Gerüst wie aus dem Lehrbuch für American Writing Groups. Offenbar muss fast lakonisch erzählter Horror im Übermaß dabei sein, um die apathische und von Sensationen überfüllte Lesergeneration aus ihren Sesseln an den Büchertisch zu holen. Ich musste an die rechtsradikale "Christen/Evangelikale"-Bewegung in  den USA und inzwischen auch bei uns denken, angesichts der vielen Bibelzitate. Vielleicht ist das ja eine versteckten Kritik daran, werden sie doch sämtlich von dem Massenmörder geäußert. 

Vieles ist auch die eigene Philosophie des Autors Bruce Holbert, vielleicht entstanden in seiner Hölle aus Schuldgefühlen: Er meint, für die übergroße Mehrheit- auch für seinen bitter gezeichneten Schrat-Helden- würde Schicksal oder Zufall alle Illusionen beenden. „durchgetrenntes Rückenmark, auslaufende Flüssigkeiten, von Herzen abgerissene Aorten, in die Körperhöhlen fließendes Blut, verstopfte Venen oder Arterien, die einen lebenswichtigen Vorgang unterbrachen. …Am Ende gab es nur Angst, nutzlose Angst. Mehr gab es nicht zu wissen. Das war Weisheit.“

Ich war froh, als ich das Buch „aus“ hatte, die letzten 40-50 Seiten nur noch überfliegend. Ich bin sicher, es ist oder wird ein Bestseller. Und ich finde es viel noch abstoßender deshalb. Handwerklich gut gemacht. Das bestimmt. 


Cover des Buches Einsame Tiere (ISBN: 9783954380343)
Orests avatar

Rezension zu "Einsame Tiere" von Bruce Holbert

Orest
sprachgewaltige Sinnlosigkeit

Bruce Holbert ist sprachlich eindeutig ein Meisterwerk gelungen. Eine dunkle, hoffnungsarme Atmosphäre im immer noch wilden Westen 30er Jahre im Norden der USA wird äußerst eloquent und eindrucksstark heraufbeschworen. Heruntergekommene, zwielichtige Protagonisten und  beeindruckende, wilde Natur werden zu Zutaten eines erschreckend bedeutungslosen Western.
Man merkt, dass Holbert das Bedürfnis hatte seiner Geschichte eine inhaltliche Tiefe zu geben, die zu der Eindringlichkeit seines Schreibstils passen sollte. Leider ist es bei dem Bedürfnis geblieben.
Was die philosophischen Gedanken des Protagonisten sein sollen, liest sich wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Kalendersprüchen. Zwischendurch sind ganz interessante Gedankenzüge dazwischen, dann kommen wieder Sinnbilder und Metaphern, die den Leser irritiert oder verwirrt zurücklassen.
Den handelnden Personen werden philosophische, künstlerische oder theologische Absichten nachgesagt, dabei lassen sich deren Handlungen eigentlich nur durch Wahnsinn erklären.
Ich vermisse keinen moralisch einwandfreien Helden, auch wenn er in dem Buch nicht vorkommt. Der Roman zeigt den "wilden Westen" ungeschminkt, brutal und eben realistisch. Trotzdem hätte der Geschichte eine Moral mit etwas mehr Aussagekraft am Ende gut getan. Der Leser quält sich durch unzählige pseudophilophischen Gedankengänge und Andeutungen und befindet sich bis zum Ende des Romans in Habachtstellung, um die tiefere Botschaft des Autors nicht zu verpassen. Dieser scheint aber nicht mehr bereitzuhalten als die Sinnlosigkeit alles menschlichen Treibens auf dieser Erde. Angesichts dieser mageren philosophischen Ausbeute wünscht man sich retrospektiv den Roman etwas spannender und leichtverdaulicher.

Cover des Buches Einsame Tiere (ISBN: 9783954380343)
Haverss avatar

Rezension zu "Einsame Tiere" von Bruce Holbert

Havers
Niemand ist ohne Schuld

„Einsame Tiere“ ist das beeindruckende Romandebüt des amerikanischen Autors Bruce Holbert. Angesiedelt ist dieser Country Noir, in dem er offenbar auch einen Teil seiner Familienhistorie verarbeitet, in den dreißiger Jahren im Nordwesten der Vereinigten Staaten, denn genau dorthin verschlug es die Großeltern des Autors in den Jahren der Depression.

„Einsame Tiere“ verwendet bewusst Stilelemente des Western, verzichtet aber auf die romantische Darstellung, in der ein einsamer Cowboy auf seinem treuen Schimmel in den Sonnenuntergang reitet, was natürlich dem zeitlichen Rahmen geschuldet ist, in dem sich die Handlung des Romans bewegt, denn der Protagonist könnte sich beispielsweise auch motorisiert fortbewegen.

Die Handlung nimmt ihren Ausgang im ländlichen Okanogan County, einer dünn besiedelten Gegend im Osten des Staates Washington. In einem Indianerreservat treibt ein Killer sein Unwesen, der seine Mordopfer nicht nur grauenhaft verstümmelt, sondern auch noch auf entwürdigende Weise zur Schau stellt. Der zuständige Sheriff ist unfähig und viel zu faul, um sich mit diesem Fall zu beschäftigen, und so wendet er sich an einen Kollegen im Ruhestand, Ex-Sheriff Russel Strawl, und überträgt diesem die Ermittlungen. Zusammen mit seinem bibelfesten Adoptivsohn Elijah macht er sich auf die Suche nach dem Mörder und taucht ein in ein beispielloses Inferno der Gewalt, in dem ein Menschenleben keinen Wert hat. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt, und jeder ist sowohl Opfer als auch Täter.

Und gerade deshalb ist es auch nicht wichtig, ob der Mörder dingfest gemacht wird, das ist für Holbert kein Thema. Ihm geht es um die Darstellung einer Gesellschaft, deren Werte auf dem alttestamentarischen Auge um Auge basieren und in der Gewalt in jeder Form den Umgang miteinander prägt.

Besonders zimperlich sollte man nicht sein, denn Bruce Holbert schont seine Leser nicht. In drastischen Szenen schildert er Vergangenes und Gegenwärtiges und führt uns überdeutlich vor Augen, dass alle Beteiligten in irgendeiner Form im Laufe ihres Lebens Schuld auf sich geladen haben - mal mehr, mal weniger, aber Sympathiepunkte kann definitiv keine der Personen in diesem Roman sammeln.

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