Bruce Holbert

 3.8 Sterne bei 9 Bewertungen

Alle Bücher von Bruce Holbert

Einsame Tiere

Einsame Tiere

 (8)
Erschienen am 25.08.2014
Lonesome Animals

Lonesome Animals

 (1)
Erschienen am 30.05.2013

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Orests avatar

Rezension zu "Einsame Tiere" von Bruce Holbert

sprachgewaltige Sinnlosigkeit
Orestvor einem Jahr

Bruce Holbert ist sprachlich eindeutig ein Meisterwerk gelungen. Eine dunkle, hoffnungsarme Atmosphäre im immer noch wilden Westen 30er Jahre im Norden der USA wird äußerst eloquent und eindrucksstark heraufbeschworen. Heruntergekommene, zwielichtige Protagonisten und  beeindruckende, wilde Natur werden zu Zutaten eines erschreckend bedeutungslosen Western.
Man merkt, dass Holbert das Bedürfnis hatte seiner Geschichte eine inhaltliche Tiefe zu geben, die zu der Eindringlichkeit seines Schreibstils passen sollte. Leider ist es bei dem Bedürfnis geblieben.
Was die philosophischen Gedanken des Protagonisten sein sollen, liest sich wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Kalendersprüchen. Zwischendurch sind ganz interessante Gedankenzüge dazwischen, dann kommen wieder Sinnbilder und Metaphern, die den Leser irritiert oder verwirrt zurücklassen.
Den handelnden Personen werden philosophische, künstlerische oder theologische Absichten nachgesagt, dabei lassen sich deren Handlungen eigentlich nur durch Wahnsinn erklären.
Ich vermisse keinen moralisch einwandfreien Helden, auch wenn er in dem Buch nicht vorkommt. Der Roman zeigt den "wilden Westen" ungeschminkt, brutal und eben realistisch. Trotzdem hätte der Geschichte eine Moral mit etwas mehr Aussagekraft am Ende gut getan. Der Leser quält sich durch unzählige pseudophilophischen Gedankengänge und Andeutungen und befindet sich bis zum Ende des Romans in Habachtstellung, um die tiefere Botschaft des Autors nicht zu verpassen. Dieser scheint aber nicht mehr bereitzuhalten als die Sinnlosigkeit alles menschlichen Treibens auf dieser Erde. Angesichts dieser mageren philosophischen Ausbeute wünscht man sich retrospektiv den Roman etwas spannender und leichtverdaulicher.

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Haverss avatar

Rezension zu "Einsame Tiere" von Bruce Holbert

Niemand ist ohne Schuld
Haversvor 4 Jahren

„Einsame Tiere“ ist das beeindruckende Romandebüt des amerikanischen Autors Bruce Holbert. Angesiedelt ist dieser Country Noir, in dem er offenbar auch einen Teil seiner Familienhistorie verarbeitet, in den dreißiger Jahren im Nordwesten der Vereinigten Staaten, denn genau dorthin verschlug es die Großeltern des Autors in den Jahren der Depression.

„Einsame Tiere“ verwendet bewusst Stilelemente des Western, verzichtet aber auf die romantische Darstellung, in der ein einsamer Cowboy auf seinem treuen Schimmel in den Sonnenuntergang reitet, was natürlich dem zeitlichen Rahmen geschuldet ist, in dem sich die Handlung des Romans bewegt, denn der Protagonist könnte sich beispielsweise auch motorisiert fortbewegen.

Die Handlung nimmt ihren Ausgang im ländlichen Okanogan County, einer dünn besiedelten Gegend im Osten des Staates Washington. In einem Indianerreservat treibt ein Killer sein Unwesen, der seine Mordopfer nicht nur grauenhaft verstümmelt, sondern auch noch auf entwürdigende Weise zur Schau stellt. Der zuständige Sheriff ist unfähig und viel zu faul, um sich mit diesem Fall zu beschäftigen, und so wendet er sich an einen Kollegen im Ruhestand, Ex-Sheriff Russel Strawl, und überträgt diesem die Ermittlungen. Zusammen mit seinem bibelfesten Adoptivsohn Elijah macht er sich auf die Suche nach dem Mörder und taucht ein in ein beispielloses Inferno der Gewalt, in dem ein Menschenleben keinen Wert hat. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt, und jeder ist sowohl Opfer als auch Täter.

Und gerade deshalb ist es auch nicht wichtig, ob der Mörder dingfest gemacht wird, das ist für Holbert kein Thema. Ihm geht es um die Darstellung einer Gesellschaft, deren Werte auf dem alttestamentarischen Auge um Auge basieren und in der Gewalt in jeder Form den Umgang miteinander prägt.

Besonders zimperlich sollte man nicht sein, denn Bruce Holbert schont seine Leser nicht. In drastischen Szenen schildert er Vergangenes und Gegenwärtiges und führt uns überdeutlich vor Augen, dass alle Beteiligten in irgendeiner Form im Laufe ihres Lebens Schuld auf sich geladen haben - mal mehr, mal weniger, aber Sympathiepunkte kann definitiv keine der Personen in diesem Roman sammeln.

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ladyhopelesss avatar

Rezension zu "Einsame Tiere" von Bruce Holbert

Weite und Wucht
ladyhopelessvor 4 Jahren

Nespelem, Washington State, in den 1930er-Jahren. Ein Serienkiller versetzt die Gegend in Unruhe. Seine Taten zeichnen sich durch Grausamkeit und Zurschaustellung aus. Der ehemalige Sheriff Russell Strawl, der für seine Verbissenheit und seine Grausamkeit berüchtigt ist, wird von drei Countys gemeinsam gebeten, sich des Falls anzunehmen. Selbst gerade in einer finanziellen Krise und froh, von Hof und Familie weg zu kommen, sattelt er noch einmal sein Pferd, um sich an die Fersen eines Mörders zu heften. Bei der Überprüfung der Verdächtigen hinterlässt er eine Spur der Gewalt, die seinem Ruf entspricht und viele glauben lässt, er jage im Grunde nur seinen eigenen Schatten. Als Strawl jedoch bei einem Pokerspiel seinen Pflegesohn Elijah trifft, schließt dieser sich ihm an. Gemeinsam machen sie sich daran, den immer kleiner werdenden Kreis von Verdächtigen zu überprüfen. Doch der Mörder ruht nicht.

Bruce Holbert beschreibt in Einsame Tiere neben der Kriminalhandlung vor allem eine Zeit des Umbruchs. Als Strawl sich noch einmal auf sein Pferd setzt, um einen Mörder zu jagen, ist er 63 Jahre alt und fast schon ein Anachronismus. Wandel und Zivilisation dringen selbst in seinen Lebenswinkel – einen der letzten rauen der Vereinigten Staaten – vor. Autos verdrängen Pferde, Staudämme werden gebaut, Regionen werden zu Naturparks erklärt.
Das Gesetz und der Staat nehmen immer mehr Einfluss. Die Feindbilder verlieren an Klarheit. Waren es die Indianer, die es zu Strawls Zeiten zu bekämpfen galt, leben diese nun in zugewiesenen Reservaten, kontrolliert von der BIA, dem Bureu of Indian Affairs. Sie finden ihren Platz in der neuen Ordnung jedoch genauso wenig wie die Alten, die noch in den Indianerkriegen gekämpft haben.

Die Alten, wie Strawl einer ist, sind wie Tiere, instinktgesteuert, mit ausgeprägten Sinnen und einem weiten Blick, an Einsamkeit und die unmittelbare Grausamkeit der Natur gewöhnt. Daraus resultieren ihre Härte, ihre Wortkargheit. Und doch ziehen die Grausamkeiten in ihrem Leben nicht spurlos an ihnen vorbei. Ihr Handeln leitet sich davon ab. Es geht ums Überleben, das Aushalten und die Entscheidungen, die man trifft. Strafverfolgung und Verurteilung werden weniger nach Recht und Gesetz vorgenommen, eher nach Ermessen und Notwendigkeit. Dabei zählt ein Leben nur so viel, wie es für die Gemeinschaft wert ist.

Einsame Tiere ist ein grausames Buch. Ein Buch voller Härte, Rohheit und Entmenschlichung. Und dennoch ist es auch ein Buch voller Gefühl, Verwundung und Schmerz. Bruce Holbert zeigt bei aller Unbarmherzigkeit eine hohe Sensibilität für seine Protagonisten, macht diese, so schwer es manchmal scheinen mag, nachvollziehbar. In Rückblenden zeichnet er Strawls Lebenslauf und den seiner Familie nach und spiegelt auf diese Weise auch die Geschichte und die Gesellschaft eines weiten, kaum bezwungenen Landes, das niemandem etwas schenkt und allen alles abverlangt.

Mich persönlich hat vor allem beeindruckt, wie Holbert durch seine präzisen Beschreibungen Bilder dieser längst vergangenen Zeit und der Weite der Natur aufgehen lässt. Natürlich lässt er dabei alle Schlüsselszenen eines Western einfließen – das Pokerspiel, die Lagerfeuerromantik, die Saloon-Szene, wortkarge Begegnungen, die sich über Stunden hinziehen. Dennoch wirkt das nie klischeehaft. Man kann sich die Typen, die Gegend, die Kargheit der Menschen und der Natur unglaublich gut vorstellen. Dabei vernachlässigt er nur selten das Tempo und lässt genug Raum für überraschende Wendungen und tiefe emotionale Eindrücke, deren Nachhall den Leser betroffen zurücklassen.

Was dieses Buch aber zu einem der besten Bücher macht, die ich dieses Jahr bisher lesen durfte, ist Bruce Holberts Stil. Er streut immer wieder sehr geschickt Passagen von philosophischen und emotionalen Erkenntnissen in die Handlung ein, die sich wie kleine Sprachbomben lesen. Beim ersten Lesen zünden sie und man hält für einen Moment inne. Was war das? Man liest sie ein zweites, vielleicht ein drittes Mal und dann gehen sie hoch in ihrer ganzen Wucht. Es sind vor allem diese Passagen, die auf mehr hoffen lassen von dem Debütanten Bruce Holbert.

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