Bruce Holbert Einsame Tiere

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Inhaltsangabe zu „Einsame Tiere“ von Bruce Holbert

Okanogan County, Anfang der 1930er Jahre. Eigentlich hat sich Sheriff Russel Strawl zur Ruhe gesetzt. Er ist müde geworden, seine Hände zittern beim Schießen. Doch dann kommt es im Indianerreservat zu einer Reihe grausamer Ritualmorde, und Strawl soll ermitteln. Ein letztes Mal noch steigt er in den Sattel – und begibt sich in einen Abgrund der Gewalt. Dort holt ihn auch seine eigene Vergangenheit ein. Denn vor langer Zeit hat Strawl schwere Schuld auf sich geladen, die nie gesühnt wurde. So wird aus dem Jäger nach und nach ein Gejagter, und als er in Verdacht gerät, die Morde selbst begangen zu haben, nimmt er das Gesetz in die eigene Hand. Am Ende einer Blutspur, die Strawl bis an den Rand der Zivilisation führt, wartet der wahre Täter auf ihn. Seit Langem hat kein Autor derart kraftvolle, unerbittliche Westernliteratur jenseits aller Mythen geschaffen. Mit einer Sprache, die rau ist und zugleich poetisch, evoziert Bruce Holbert den Herzschlag einer Zeit, in der niemand unversehrt davonkam. 'Einsame Tiere' ist ein Roman über die Fadenscheinigkeit aller Moral, wenn die dunkle Seite im Menschen hervorbricht.

Brutaler und archaischer Neo-Western, durchaus sprachmächtig.

— hundertwasser
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    Einsame Tiere
    Havers

    Havers

    03. November 2014 um 19:05

    „Einsame Tiere“ ist das beeindruckende Romandebüt des amerikanischen Autors Bruce Holbert. Angesiedelt ist dieser Country Noir, in dem er offenbar auch einen Teil seiner Familienhistorie verarbeitet, in den dreißiger Jahren im Nordwesten der Vereinigten Staaten, denn genau dorthin verschlug es die Großeltern des Autors in den Jahren der Depression. „Einsame Tiere“ verwendet bewusst Stilelemente des Western, verzichtet aber auf die romantische Darstellung, in der ein einsamer Cowboy auf seinem treuen Schimmel in den Sonnenuntergang reitet, was natürlich dem zeitlichen Rahmen geschuldet ist, in dem sich die Handlung des Romans bewegt, denn der Protagonist könnte sich beispielsweise auch motorisiert fortbewegen. Die Handlung nimmt ihren Ausgang im ländlichen Okanogan County, einer dünn besiedelten Gegend im Osten des Staates Washington. In einem Indianerreservat treibt ein Killer sein Unwesen, der seine Mordopfer nicht nur grauenhaft verstümmelt, sondern auch noch auf entwürdigende Weise zur Schau stellt. Der zuständige Sheriff ist unfähig und viel zu faul, um sich mit diesem Fall zu beschäftigen, und so wendet er sich an einen Kollegen im Ruhestand, Ex-Sheriff Russel Strawl, und überträgt diesem die Ermittlungen. Zusammen mit seinem bibelfesten Adoptivsohn Elijah macht er sich auf die Suche nach dem Mörder und taucht ein in ein beispielloses Inferno der Gewalt, in dem ein Menschenleben keinen Wert hat. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt, und jeder ist sowohl Opfer als auch Täter. Und gerade deshalb ist es auch nicht wichtig, ob der Mörder dingfest gemacht wird, das ist für Holbert kein Thema. Ihm geht es um die Darstellung einer Gesellschaft, deren Werte auf dem alttestamentarischen Auge um Auge basieren und in der Gewalt in jeder Form den Umgang miteinander prägt. Besonders zimperlich sollte man nicht sein, denn Bruce Holbert schont seine Leser nicht. In drastischen Szenen schildert er Vergangenes und Gegenwärtiges und führt uns überdeutlich vor Augen, dass alle Beteiligten in irgendeiner Form im Laufe ihres Lebens Schuld auf sich geladen haben - mal mehr, mal weniger, aber Sympathiepunkte kann definitiv keine der Personen in diesem Roman sammeln.

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  • Weite und Wucht

    Einsame Tiere
    ladyhopeless

    ladyhopeless

    Nespelem, Washington State, in den 1930er-Jahren. Ein Serienkiller versetzt die Gegend in Unruhe. Seine Taten zeichnen sich durch Grausamkeit und Zurschaustellung aus. Der ehemalige Sheriff Russell Strawl, der für seine Verbissenheit und seine Grausamkeit berüchtigt ist, wird von drei Countys gemeinsam gebeten, sich des Falls anzunehmen. Selbst gerade in einer finanziellen Krise und froh, von Hof und Familie weg zu kommen, sattelt er noch einmal sein Pferd, um sich an die Fersen eines Mörders zu heften. Bei der Überprüfung der Verdächtigen hinterlässt er eine Spur der Gewalt, die seinem Ruf entspricht und viele glauben lässt, er jage im Grunde nur seinen eigenen Schatten. Als Strawl jedoch bei einem Pokerspiel seinen Pflegesohn Elijah trifft, schließt dieser sich ihm an. Gemeinsam machen sie sich daran, den immer kleiner werdenden Kreis von Verdächtigen zu überprüfen. Doch der Mörder ruht nicht. Bruce Holbert beschreibt in Einsame Tiere neben der Kriminalhandlung vor allem eine Zeit des Umbruchs. Als Strawl sich noch einmal auf sein Pferd setzt, um einen Mörder zu jagen, ist er 63 Jahre alt und fast schon ein Anachronismus. Wandel und Zivilisation dringen selbst in seinen Lebenswinkel – einen der letzten rauen der Vereinigten Staaten – vor. Autos verdrängen Pferde, Staudämme werden gebaut, Regionen werden zu Naturparks erklärt. Das Gesetz und der Staat nehmen immer mehr Einfluss. Die Feindbilder verlieren an Klarheit. Waren es die Indianer, die es zu Strawls Zeiten zu bekämpfen galt, leben diese nun in zugewiesenen Reservaten, kontrolliert von der BIA, dem Bureu of Indian Affairs. Sie finden ihren Platz in der neuen Ordnung jedoch genauso wenig wie die Alten, die noch in den Indianerkriegen gekämpft haben. Die Alten, wie Strawl einer ist, sind wie Tiere, instinktgesteuert, mit ausgeprägten Sinnen und einem weiten Blick, an Einsamkeit und die unmittelbare Grausamkeit der Natur gewöhnt. Daraus resultieren ihre Härte, ihre Wortkargheit. Und doch ziehen die Grausamkeiten in ihrem Leben nicht spurlos an ihnen vorbei. Ihr Handeln leitet sich davon ab. Es geht ums Überleben, das Aushalten und die Entscheidungen, die man trifft. Strafverfolgung und Verurteilung werden weniger nach Recht und Gesetz vorgenommen, eher nach Ermessen und Notwendigkeit. Dabei zählt ein Leben nur so viel, wie es für die Gemeinschaft wert ist. Einsame Tiere ist ein grausames Buch. Ein Buch voller Härte, Rohheit und Entmenschlichung. Und dennoch ist es auch ein Buch voller Gefühl, Verwundung und Schmerz. Bruce Holbert zeigt bei aller Unbarmherzigkeit eine hohe Sensibilität für seine Protagonisten, macht diese, so schwer es manchmal scheinen mag, nachvollziehbar. In Rückblenden zeichnet er Strawls Lebenslauf und den seiner Familie nach und spiegelt auf diese Weise auch die Geschichte und die Gesellschaft eines weiten, kaum bezwungenen Landes, das niemandem etwas schenkt und allen alles abverlangt. Mich persönlich hat vor allem beeindruckt, wie Holbert durch seine präzisen Beschreibungen Bilder dieser längst vergangenen Zeit und der Weite der Natur aufgehen lässt. Natürlich lässt er dabei alle Schlüsselszenen eines Western einfließen – das Pokerspiel, die Lagerfeuerromantik, die Saloon-Szene, wortkarge Begegnungen, die sich über Stunden hinziehen. Dennoch wirkt das nie klischeehaft. Man kann sich die Typen, die Gegend, die Kargheit der Menschen und der Natur unglaublich gut vorstellen. Dabei vernachlässigt er nur selten das Tempo und lässt genug Raum für überraschende Wendungen und tiefe emotionale Eindrücke, deren Nachhall den Leser betroffen zurücklassen. Was dieses Buch aber zu einem der besten Bücher macht, die ich dieses Jahr bisher lesen durfte, ist Bruce Holberts Stil. Er streut immer wieder sehr geschickt Passagen von philosophischen und emotionalen Erkenntnissen in die Handlung ein, die sich wie kleine Sprachbomben lesen. Beim ersten Lesen zünden sie und man hält für einen Moment inne. Was war das? Man liest sie ein zweites, vielleicht ein drittes Mal und dann gehen sie hoch in ihrer ganzen Wucht. Es sind vor allem diese Passagen, die auf mehr hoffen lassen von dem Debütanten Bruce Holbert.

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