Bruno Morchio Kalter Wind in Genua

(6)

Lovelybooks Bewertung

  • 11 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 3 Rezensionen
(1)
(2)
(1)
(2)
(0)

Inhaltsangabe zu „Kalter Wind in Genua“ von Bruno Morchio

Privatdetektiv Bacci Pagano liebt Mozart, gutes Essen und die Literatur. Sein Revier sind die Carruggi, die engen Gassen in der Altstadt von Genua. Bei Ermittlungen für eine vornehme Familie aus dem Genueser Industrieadel stößt er auf pikante Liebesaffären und dubiose Millionengeschäfte. Doch plötzlich bekommt er einen noch viel heikleren Fall: Aus dem Studio eines linken Radiosenders wurde ein Gewehr gestohlen. Jemand plant damit ein Attentat auf den Ministerpräsidenten.

Stöbern in Krimi & Thriller

Bretonisches Leuchten

Comm. Dupin als Urlauber - kaum vorstellbar. Diesmal ein echt ruhiger Krimi.

Bellis-Perennis

Der Totensucher

Wunderbar spannend....

abetterway

Die Wölfe kommen

Das richtige Buch für Halloween! Viele unterschiedliche Geschichten, die unerwartet miteinander verknüpft sind. Ich fand es genial.

Sancro82

Kreuzschnitt

Klasse Debütroman mit einem außerordentlichen interessanten Ermittler. Gerne mehr davon!

BerniGunther

Stimme der Toten

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite

wildflower369

SOG

Eine komplexe, intelligente Grundstory, eine stetig zunehmende Spannung, eine düstere Atmosphäre & extravagante Charaktere –ein Top-Thriller

BookHook

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Kalter Wind in Genua" von Bruno Morchio

    Kalter Wind in Genua
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. September 2012 um 12:28

    Der Privatermittler Bacci Pagano beschattet im Auftrag einer reichen Auftraggeberin die Zukünftige ihres Sohnes. Doch es geht keineswegs um Treue oder Untreue, sondern einfach nur darum, ob die Liebeleien dieser Frau den Geschäftsinteressen der Familie schaden könnten. In dieser Familie sind die privaten Vorlieben gleichgültig, solange die Machtverhältnisse und das Geld stimmen. Solche Jobs wickelt Pagano emotionslos und routiniert ab. Von anderem Kaliber sind die Nachforschungen, die er für einen Freund anstellen muss: Dieser betriebt eine Radiostation, die mit einem markigen Spruch über ein Gewehr Stimmung macht. Das Gewehr gibt es im Sender wirklich und prompt wird es geklaut. Pagano soll es finden, bevor jemand die Sprüche von Baba Yaga in die Realität umsetzt. Das gesamte Buch schmiegt sich an die Widmung an, die Morchio voranschickt: "Meinem Vater Paolo und der Bitterkeit und Wut seiner letzten Tage gewidmet". Es muss eine gewaltige Wut gewesen sein. Denn Morchio lässt seinen Pagano viele Schrecken erleben und zum Zyniker werden. Seit Pagano vor Jahren durch einen bösen Zufall im Gefängnis saß, steht er unter stetem Verdacht, ein linker Krawallmacher und Kommunist zu sein. Jede Begegnung mit der Polizei artet aus - und eine Ausnahme ist lediglich Vicequestore Commissario Salvatore Pertusielo bei der Mordkommission, der Pagano als Mensch und Ermittler schätzt. Alles, was ihn an Italien wütend macht, packt Morchio in seinen Krimi, darunter: Eine gewaltbereite und rechtslastige Polizei, illegale Einwanderung und ein total deplazierter Ministerpräsident. Das Gegengewicht dazu findet Pagano bei sich in der Wohnung und im Viertel, in dem er daheim ist. Man kennt sich, man hilft sich und in den eigenen vier Wänden wartet große Literatur auf ihn. Seine Bücher bedeuten alles für ihn: "... sie hielten mich am Leben." Was er im Job an Emotionen ausblendet, macht er im Privatleben wett; eine illegal in Italien lebende Prostituierte darf bei ihm Unterschlupf suchen, damit sie vor der ein und ausgehenden Polizei in Sicherheit ist - zumal sie wichtige Informationen über den Diebstahl des Gewehrs beisteuern kann. Während die Großen und Mächtigen untereinander mauscheln, stehen die kleinen Leute einander bei. Morchi sagt in seinem Nachwort selbst, dass das Faszinierende an der Genueser Altstadt ihre spezielle Mischung sei: "In der Altstadt von Genua leben Arm und Reich, alteingesessene Genueser und neu angekommene Einwanderer, Intellektuelle und Prostituierte Tür an Tür." Dieses besondere Flair kann das Buch sehr gut vermitteln und parallel zur politischen Wut, die sich unweigerlich aufbaut, ist es das zweite Standbein, das diesen Krimi so lesenswert macht.

    Mehr
  • Fünf Kugeln und Italien ist sauber

    Kalter Wind in Genua
    Stefan83

    Stefan83

    30. October 2011 um 17:48

    „Der übliche Schauplatz für Krimis, seien sie nun europäisch oder amerikanisch, ist die Großstadt. Denn die Stadt repräsentiert den Ort, an dem die kleinen, schmutzigen Ereignisse, in denen der Tod lauert, auf die großen Fragen unserer Zeit treffen.“ Was Bruno Morchio in seinem Nachwort festhält, scheint gleichzeitig seine Maxime bei der Ausarbeitung des Debütromans „Kalter Wind in Genua“ gewesen zu sein, der sich deutlich erkennbar an den großen „Mittelmeerkrimis“ von Jean-Claude Izzo und Vásquez Montalbán orientiert und mit Bacci Pagano einen weiteren Privatdetektiv „alter Schule“ auf die große Bühne der Spannungsliteratur schickt. In einem Genre voller schlechter Kopien bewahrt sich jedoch Morchio auf bemerkenswerte Weise seine Eigenständigkeit, was nicht zuletzt daran liegt, dass sein Protagonist mehr als nur das übliche Zugpferd für die kriminalistische Handlung verkörpert. Er steht hier beispielhaft für eine Stimme aus der Gesellschaft der Genueser Altstadt und erlaubt dem Leser damit einen Blick in das enge Geflecht düsterer Gassen, in dem der Kontrast von Licht und Schatten, Pracht und Verfall, schon fast sinnbildlich für das moderne Italien steht. Ein Blick, den eben jener Leser wohl in der Vergangenheit wenig genutzt hat, denn Morchio, dessen erste zwei Bücher beim Unionsverlag erschienen sind und der nun bei dtv verlegt wird, ist auf den Tischen vieler Buchhandlungen immer noch ein seltener Gast. Angesichts eines solchen eindrucksvollen Debüts kann man sich da nur verdutzt die Augen reiben. Bacci Pagano, Kind einer ehrlichen und strebsamen Arbeiterfamilie, ist im fortgeschrittenen Alter zum zynischen Einzelgänger und Egozentriker geworden. Er meidet Menschenaufläufe genauso wie gefühlsmäßige Bindungen und widmet sich in seiner Freizeit lieber der klassischen Musik und guter Literatur. Es ist ein Ausgleich zu seinem dreckigen Job, denn als Privatdetektiv macht er stets aufs Neue Bekanntschaft mit den düsteren Abgründen der „Caruggi“, den engen Gassen von Paganos geliebter Heimatstadt, die er auf dem Sattel seiner amarantroten Vespa durchquert. Während eines routinemäßigen Überwachungsjobs wird er dabei auf ein großes Plakat aufmerksam, das in ungewöhnlicher und radikaler Weise für einen lokalen linken Radiosender wirbt. „Fünf Kugeln und Italien ist sauber“ ist darauf zu lesen, sowie die Aufforderung, sofort den Sender zu kontaktieren und das gewünschte Ziel zu nennen, welches mit einem Sturmgewehr exekutiert werden soll. Das hinter dieser PR-Kampagne sein alter Jugendfreund Samuele Lagrange steckt, erfährt Bacci erst kurze Zeit später, als dieser ihn für einen Job anheuern will. Das betreffende Gewehr ist bei einem Einbruch gestohlen geworden und Lagrange fürchtet nun die Schließung seines Senders. Bacci stellt sofort Nachforschungen an, welche ihn auf die Spur eines gesuchten Terroristen führen, der offensichtlich den geplanten Besuch des Ministerpräsidenten Berlusconi in Genua für einen Anschlag nutzen will. Da kommt es äußerst ungelegen, dass sein zweiter Auftrag, bei dem Bacci für eine alteingesessene Reeder-Familie hinsichtlich Industriespionage ermittelt, ihn auch noch in die Kreise der Mafia führt. Während ganz Genua sich auf ein frostiges Weihnachtsfest vorbereitet, wird der Boden unter Bacci schneller heißer als ihm lieb sein kann … Das „Kalter Wind in Genua“ der erste Roman aus der Feder des Italieners Bruno Morchio ist, mag man angesichts der routinierten Sicherheit, mit welcher er hier Form, Inhalt und Spannungsbogen verbunden hat, fast kaum glauben. Sein Erstling liest sich von der ersten bis zur letzten Seite wie aus einem Guss und trumpft dabei mit einem Facettenreichtum auf, der von den Trieben der Mafia, über Polizeiwillkür, illegale Einwanderer, Zwangsprostitution bis hin zum erstarkten italienischen Faschismus so ziemlich jedes aktuelle Thema des Mittelmeerstaates abdeckt. Forsch geht er zur Sache, dieser Morchio, überrascht mit einem kämpferischen, treffsicheren Ton, der, wie die Zeichnung von Genua selbst, ganz den klassischen Motiven der alten Hardboiled-Größen verbunden ist, im Gegensatz zu diesen aber auch das politische nicht außen vor lässt. Berlusconi, der im Buch stets nur als „Ministerpräsident“ betitelt wird, sieht sich hier einer Dusche des Spotts ausgesetzt. Seine weit verzweigten, mafiösen Verbindungen deutet Morchio zwischen den Zeilen immer wieder an, ohne dabei den roten Faden der eigentlichen Handlung zu verlassen. Alles wird schlüssig miteinander verknüpft, die parallel laufenden Stränge gekonnt weiterverfolgt. Immer dann, wenn man gerade glaubt, Morchio habe sich in diesem Wirrwarr verzettelt, überrascht der Autor mit einer neuen intelligenten Verbindung. Schon fast im Kontrast zu dieser politisch kämpferischen Ader stehen dann die liebevollen Beschreibungen von Genua, dessen komplexen Wandel er anrührend und äußerst bildreich wiedergibt. Diese kleine Stadt mit der großen historischen Vergangenheit ist es auch, die den Kern der Geschichte darstellt. Bruno Morchios Roman ist eine Hommage an seine Heimat, welche auf der Suche nach einer postindustriellen Zukunft und dabei zwischen Tradition und Fortschritt gefangen ist. Wind, Wetter, Gerüche und Geschmack. Sie bilden die Zutaten von denen dieses Buch lebt, es seine Sogkraft bezieht. Bacci auf seiner Vespa durch die düsteren, muffigen Häuserschluchten zu folgen, in kleinen Cafés zu speisen und den Mistral im Gesicht zu spüren. Das macht die Faszination aus, welche sich wie die Neugier an dieser Stadt langsam aber stetig einstellt. Mag sonst dieser Begriff schon ausgelutscht und abgedroschen sein. Hier darf man endlich wieder von Lokalkolorit, von regionalem Flair sprechen. Was Bacci Pagano angeht. Morchio, der auf die Frage nach seinen literarischen Vorbildern Chandler nennt, hat seinen Protagonisten ganz in dessen Tradition gezeichnet, wenngleich er aber auch geschickt mit den Klischees spielt. Wie z.B. hier im Gespräch Baccis mit dessen Freund bei der Mordkommission, dem Vicequestore Commissario Salvatore Pertusielo: (…) „Was zum Teufel machst du denn hier?“ „Ich arbeite für die Firma Pellegrini.“ „Kümmerst du dich nicht mehr um diese Gewehrgeschichte?“ „Wenn ich nur an einem Fall arbeiten würde, ginge es mir wie Philip Marlowe.“ „Und wie erging es Philip Marlowe?“ „Immer pleite.“ (…) Im Armenviertel der Stadt aufgewachsen, ist Bacci die raue Seite Genuas von Kindesbeinen an bekannt. Und wie fast jeder Private-Eye in der Geschichte des Kriminalromans hat er dort, in dieser modernden Düsternis, seine Kontakte und Informanten. Sollten diese nicht ausreichen, zögert aber auch Bacci nicht handgreiflich zu werden oder gar seine locker im Halfter sitzende Beretta zu ziehen, um an Informationen zu gelangen. Die Konfrontationen, zu denen es in jedem Hardboiled irgendwann unweigerlich kommt, fehlen auch hier nicht. Mehr als einmal muss der schnoddrige, übellaunige und oftmals unbeherrschte Detektiv Prügel einstecken. Das diese „gut gemeinten Ratschläge“ letztlich ignoriert werden, versteht sich natürlich von selbst. Morchio ist die Ausarbeitung seiner Hauptfigur äußerst gut gelungen. Er spielt mit den genretypischen Klassizismen, ohne dabei ausrechenbar zu werden. In der Vergangenheit Baccis, der in den 68ern als vermeintlich gewalttätiger Regimekritiker festgenommen wurde und einige Jahre im Gefängnis verbracht hat, finden sich die Ursachen seiner heutigen Distanziert- und Ziellosigkeit. Wo bei anderen Krimikollegen sonst soziale und private Probleme zum Selbstzweck geworden sind, unterfüttern sie hier lediglich die authentische Lebensgeschichte eines Mannes, der zwar die in seiner Jugend angestrebten Ideale, nicht aber sich selbst aufgegeben hat. Es ist diese Glaubhaftigkeit, welche schon zu Beginn den Zugang zu diesem Roman herstellt, der mit einem spannenden, aber auch sehr bitteren Ende abschließt. Ein Ende, das nachdenklich macht, zur Diskussion anregt und gleichzeitig das I-Tüpfelchen auf ein exzellentes Buch setzt. Insgesamt ist „Kalter Wind in Genua“ ein scharfsinniger, wortgewandter Noir, der den Finger tief in die derzeitigen Wunden Italiens legt und mit einer für ein Debütwerk ungewöhnlichen Kaltschnäuzigkeit überrascht. Neben Malla Nunns „Ein schöner Ort zu sterben“ ist dieser Roman für mich die bisherige Entdeckung des Jahres.

    Mehr
  • Rezension zu "Kalter Wind in Genua" von Bruno Morchio

    Kalter Wind in Genua
    coimbra

    coimbra

    05. April 2009 um 13:34

    Angekündigt als italienischer Krimibestselerautor fällt es schwer, sich in die Geschichte einzulesen- zuviel geht es um politische Vergangenheit Italiens und internen Machtspiele. Sehr langatmig.! Das positive an diesem Buch ist dann die liebevolle Beschreibung des Altstadtlebens, die Entwicklung heute auf dem Hintergrund einer machtvollen und prächtigen Geschichte.Dabei entwickelt der Autor doch noch lebensvolle Figuren, z.B.Jasmine. Die Gestalt des Privatdetektivs ist leider hölzern ( wird auch bezeichnet als " "Analphabet in Gefühlsdingen", aber auch das wird zu wenig plastisch dargestellt) und sein Auftreten bleibt blass.

    Mehr