Bruno Schrep Vor unser aller Augen

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Inhaltsangabe zu „Vor unser aller Augen“ von Bruno Schrep

Jeder Mensch durchlebt Höhen und Tiefen, doch manche Menschen fallen in Abgründe, aus denen es kein Entrinnen gibt. Um solche Schicksale geht es in diesem Buch. Bruno Schrep folgt unter anderem drei jungen Mädchen, die sich gemeinsam das Leben nehmen, er schildert das Martyrium eines Mannes, der als Kind entführt und missbraucht wurde, und er beschreibt das traurige Ende eines einsamen Lkw-Fahrers, einer kranken Prostituierten und eines jugendlichen Einbrechers. Dabei betrachtet er die Schicksale, über die er schreibt, immer von mehreren Seiten – und führt vor Augen, wie leicht sich Menschen in Schuld verstricken können.

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  • Aufrüttelnde Reportagen

    Vor unser aller Augen

    michael_lehmann-pape

    11. December 2013 um 14:31

      Da war doch was.   Als drei Mädchen gezielt, ohne sich zu kennen, verabredet über das Internet sich treffen und gemeinsam Selbstmord begehen. Aus heiterem Himmel.   „Im Wald bei Damme, 500 Meter von der nächsten Strasse entfernt“.   Im Hinterkopf hat man das noch, aber gut ist es, das Schrep im Buch dem ausführlich und hintergründig nachgeht. Sowohl diese „dunklen Seiten des Internet“ anspricht, die Motivlage junger Menschen versucht, nachzuvollziehen, wie auch den Blick der Eltern sachlich und gerade deswegen so aufrüttelnd einfängt. Das gibt es, in diesem Alltag, das junge Menschen eine unnennbare Todessehnsucht in sich tragen und im Internet in kaum glaublicher Weise „Anleitungen für Selbstmord“ einfach so erhalten.   Da erinnert man sich noch dunkel.   An jene Filialleiterin einer Sparkassen, die wie ein moderner „Robin Hood“, es „von den Reichen“ nahm und „den Armen“ zur Verfügung stellte. Bis ihr alles über den Kopf wuchs. Und wenig Dank gerade von jenen erfuhr, denen sie so unerkannt geholfen hatte. Auch hier legt Schrep ruhig und sachlich die Hintergründe vor, erzählt genau, wie es vonstatten ging, warum Renate B. dies tat und was daraus letztendlich wurde. Eine, die im Nachgang sagt: „Ich konnte nicht Nein sagen“.   Oder jene Geschichte des 15jährigen John S., der einen alternden Pädophilen, der seinen sehr merkwürdigen Lebensstil ganz offen vor aller Augen auslebte, tötete. Bis heute liegt im Dunkeln, was und wie diese Tat genau geschah und dennoch erlaubt es die Reportage im Buch, sich ein eigenes Bild zu machen und fassungslos vor diesem ganzen Treiben in der Sozialsiedlung damals zu stehen.   Als Reporter der Spiegel Redaktion hat sich Schrep je zu Zeiten intensiv mit solchen Themen „neben dem Alltag“ auseinandergesetzt, die trotz ihrer teils erschreckenden Besonderheiten „mitten drin im alltäglichen Leben“ der Gesellschaft passieren. Die zeigen, welche absonderlichen und in Teilen auch gefährlichen Lebenslinien stillschweigend geschehen. Reportagen, die ebenso aufzeigen, wie desinteressiert „die Gesellschaft“ an so manchem ist, was allgemein Wertvorstellungen mit teils tödlichen Folgen durchbricht.   Distanziert, ruhig und sachlich geht Schrep in 18 Reportagen je außergewöhnlichen Themen nach, hält damit auch dem Leser einen Spiegel vor, in dem oft und oft einfach auch Ignoranz solchen Auswüchsen des Lebens gegenüber zu erkennen ist und sorgt damit sorgfältig recherchiert und fundiert dargestellt für eine lang dauernde Wirkung der einzelnen Ereignisse.   Ein intensives und nachdenklich stimmendes Buch.

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  • Wir schauen weg

    Vor unser aller Augen

    WinfriedStanzick

    02. December 2013 um 11:58

    Im Leben eines jeden Menschen gibt es im Laufe der Zeit Höhen und Tiefen. Es gibt Zeiten des Erfolgs und des Glücks und Zeiten der Krisen und der Verzweiflung. Manchen Menschen ist es geschenkt, beide Zeiten bewusst zu erleben. Dankbar das geschenkte Glück anzunehmen, aber auch Krisen als Chancen für Veränderung und Reifung zu durchleben und erneuert aus ihnen herauszugehen.   Der Spiegel-Reporter Bruno Schrep zeigt in seinen in diesem Buch veröffentlichten insgesamt achtzehn Reportagen, wie dünn das Eis unseres Lebens oft ist. Er erzählt von Lebensschicksalen von Menschen,  die in Abgründe gefallen sind, aus denen sie kein Entrinnen mehr sehen. Schicksale, die zeigen, wie leicht ein Mensch sich in Schuld verstricken kann, wie schnell eine Krise, ein traumatisches Erlebnis ein Leben für immer zerstören kann.   Da kann man lesen von drei Mädchen, die sich gemeinsam das Leben nehmen, weil sie für sich keine Hoffnung mehr sehen, von einem Mann, der als Kind entführt und missbraucht wurde, und dessen Leben ein nie endendes Martyrium geworden ist. Als das geschieht „vor unseren Augen“, in unserer Nachbarschaft. Meistens wissen wir es nicht, und wenn wir es wissen oder meist nur ahnen, schauen wir weg. Denn wir wollen durch die Schicksale dieser Menschen nicht erinnert werden daran, dass auch unser eigenes Leben brüchig ist, vergänglich und jederzeit vom Tod bedroht.

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