Bruno Ziauddin Bad News

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Inhaltsangabe zu „Bad News“ von Bruno Ziauddin

Ein junger Journalist macht Karriere bei einer Wochenzeitung und gerät in den Sog des schillernden, diabolischen Chefredakteurs – mit lebensbedrohlichen Folgen. Anfangs versucht M. den nationalkonservativen Furor seines Chefs mit Humor zu nehmen, zumal der smarte Blattmacher dabei brillant und originell vorgeht. Zunehmend irritiert stellt M. fest, dass er in seiner neuen Position kaum etwas entscheiden darf und auch noch den Sündenbock für seinen Chef und dessen Umstrukturierungspläne spielen soll. Irritiert ist allerdings nicht nur M., sondern auch eine Gruppe radikaler Muslime, die die Hetze gegen Ausländer satt hat. Jemand soll dafür bezahlen. Ein temporeicher und scharfsinniger Thriller über die Manipulation und Stimmungsmache in Medien und Gesellschaft.

Bitterböses Buch über Meinungsmache und die mangelnde Bereitschaft zum öffentlichen Diskurs zwischen linken und rechte Positionen.

— Gulan
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  • Das alte Links ist das neue Rechts

    Bad News
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    25. February 2016 um 13:42

    Das alte Links ist das neue Rechts Dass sich einigen der wichtigen Protagonisten im Buch, dem Chefredakteur der im Buch erwähnten Schweizer Wochenzeitschrift, dem „Sponsor“ dieser Zeitschrift, einem im dunklen kaum erkennbaren „Gast“ beider ohne weiteres und sehr offenkundig reale Namen zuordnen lassen, dürfte inzwischen dem interessierten Leser bekannt sein. Dennoch, im Kern beschäftigt sich Ziauddin gar nicht so sehr mit dem internen Geschehen bei und in einer Zeitung, gibt, was den charismatischen Chefredakteur „T.“ angeht, diesem gar nicht so überwiegend Raum im Buch. Eher könnte man sagen, dass die einzelnen, tragenden Personen als „corporate identity“ dienen, die Zerrissenheit der Gegenwart in sich tragen, (mindestens) drei Pole an „gesellschaftlicher Haltung“ darstellen (eher gar vier oder fünf, rechnet man den besten Freund von „M., aus dessen Perspektive der Roman erzählt wird, noch dazu, wie auch die alte Schulfreundin oder die Lebensgefährtin). Da ist die „rechte“ Seite, jener Chefradakteur, jener Sponsor, jener Holocaustleugner. Mit klarer Kante, ungebrochener Linie, zu Differenzierungen weder willens noch, wohl, fähig. Da ist die Verschiebung in der Zeitung, wer bleiben, wer gehen darf. Nur ummäntelt von ein wenig Zahlenwerk werden nicht passende (linke, liberale) Redakteure sortiert und behandelt. Da ist M., „Einer wie der Durchschnitt“, zumindest in seiner politischen Haltung. Sicher distanziert zum stramm rechten Kurs und zur Aufgabe der journalistischen Distanz, die in seinen Augen aus der Zeitschrift ein reines Hetzblatt macht (mit dem ein oder anderen Feigenblatt). Der aber auch eine gewisse innere Logik nicht leugnen kann, der auch in sich die Anfälligkeit entdeckt, der vieles der Kritik an den „laschen Linken“ mit ihrer „politcal corectness“ um jeden Preis mehr und mehr nachvollziehen kann. Da ist sein bester Freund, der ihn im Gegensatz zu seiner Freundin immer weiter bestärkt. Rechts, dem Rechten zugeneigt, den klaren Rahmen begrüßend, liberal unentschlossen, links, nutzt man die alten Einsortierungen politischer Ansichten, findet sich im Buch für jede dieser Haltung (und zudem für die Verunsicherung im „ganz normalen“ Volk“) jeweils eine Person als Verkörperung dieser Haltung. Erweitert durch Damit, einen jungen, bosnischen Moslem und ehemaligen Flüchtling. Der schon Ideen hätte. Der schon einen Job verfolgt hat mit einem Ziel. Der weniger an offenen Ressentiments scheitert, denn mehr am Desinteresse einer teils bräsigen Gesellschaft. Der erkennt, was seiner Religionsgemeinschaft inklusive seiner Mutter damals im ehemaligen Jugoslawien angetan wurde. Wie Zauddin hier die Entwicklung zeigt, diesen verständnisvollen, väterlichen Bekannten und Cafe Betreiber den Jungen „weichkochen“ lässt, in eine „neue“ Gemeinschaft bringt, dort langsam an den militanten Islam heranführt, all das ihm eintrichtert, was „nicht haram“ ist, das ist schon sehr gelungen und sehr empathisch. Ebenso, wie dann alle Entwicklungen aus allen Perspektiven im Buch sich entfalten, steigern, in unguter Weise aufeinander zu laufen. Da geht es dann nicht mehr nur um eine Gehirnerschütterung, nicht mehr nur um glatte, rechte Spräche und Artikel. Da geht es um das eigentliche, was im Hintergrund zu lesen (oder eben gerade nicht zu lesen) ist. Dass es keine Verbindungen mehr gibt zwischen den einzelnen Haltungen. Dass der Chefredakteur taub ist für alle anderen möglichen Betrachtungsweisen, die nicht der Seinen entsprechen. Dass die „linken Freunde“, außer Vorwürfen und dem Wechseln der Straßenseite, M. gegenüber keine andere Haltung mehr einnehmen können, wollen und werden. Dass Damir wie in einem Tunnel nur auf eine innere Einstellung hin gebracht wird, die am Ende nur eine mögliche Folge nach sich zieht, Und dabei den Leser noch einmal immens zu überraschen versteht, wer denn da am Anfang direkt auf dem Tisch der Notfalloperation liegt. Ein wichtiges, gut zu lesendes, tief verstehendes Buch, dass das Auseinanderbrechend er Gesellschaft, die Unversöhnlichkeit der Haltungen und die Unfähigkeit zum Diskurs und zum Kompromiss gnadenlos ins Licht rückt.

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