Die Mondschwimmerin von Brunonia Barry
Meine Mutter ist bekannt dafür, dass sie den Countrysheriff, die Polizei von Salem und einen Haufen aggressiver Journalisten gleichzeitig in Schach halten kann. Sie kann eine florierende Firma führen oder der Newsweek ein großartiges Interview geben, aber wenn es um die Familie geht, dann kann sie gar nichts. [Seite 67]
Als ihre Großtante Eva stirbt, kommt Towner nach Jahren der Abwesenheit in ihre Heimatstadt Salem zurück. Dort gehen merkwürdige Dinge vor sich. Eine Gruppe von Hexen und Calvinisten liegt in ständigem Clinch miteinander, Towners Mutter führt eine Art Frauenhaus auf einer Insel und während Towner wieder in die Zeit des Todes ihrer Zwillingsschwester Lindley zurückgeworfen wird, muss sie sich gleichzeitig fragen, ob ihre Großtante möglicherweise ermordet wurde. Die Geschichte ist dabei alles: Krimi, Thriller, Psycho, Familiengeschichte, Liebesgeschichte.
Und das macht sie neben den vielen unterschiedlichen Charakteren, die alle in ihrer eigenen Welt leben, für mich irgendwie verwirrend und zum Teil nicht ganz so leicht nachvollziehbar. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, dass die Autorin zu viel wollte und zu viel in einem unterbringen wollte.
Er hätte mich einfach loslassen, mich mit Lindley sterben lassen sollen. Das Sterben tat nicht weh, aber das Zurückkommen ins Leben war unerträglich. [Seite 356]
In dem Buch spielen wirklich eine Menge Charaktere mit. Charaktere aus der Vergangenheit, die wir aber trotzdem recht gut kennenlernen (wie Lindley und Eva), aber auch Charaktere wie Towner, die eigentlich Sophya heißt, May (ihre Mutter), Cal (ihr Stiefonkel), Rafferty (der Polizist der den Fall aufklären soll) und Ann (eine Hexe).
Ich habe es schon angedeutet, für mich war es schwierig den Überblick zu behalten, wer nun wer ist und wer wie mit wem im Verhältnis steht. Offensichtlich wissen die Charaktere das aber auch selbst nicht so ganz genau, denn da kommt es noch zu einigen Verwicklungen.
Gestört hat mich aber auch, dass die Geschichte so voll gestopft war. Der Tod von Eva birgt meiner Meinung nach schon genug Geschichte. Aber nein, es muss noch ein junges, schwangeres Mädchen verschwinden und darauf aufbauend zu einem großen Drama kommen (das meiner persönlichen Meinung nach vollkommen überzogen war). Ich habe das als viel zu viel empfunden und mir schwirrte beim Lesen zum Teil echt der Kopf.
Sie vertrauten den Nicht-Vertrauenswürdigen. Sie hatten keine andere Wahl. Nur die Hoffnung, dass sich der Kreis schließen würde, wie es bei allem Bösen sein muss, bevor das Ende erreicht wird. [Seite 445]
An sich war das Buch von der Sprache her gut geschrieben. Insbesondere der Einstieg in die Geschichte und die Idee mit dem Spitzenorakel (was mir bis dahin gar nichts sagte) fand ich sehr gut gelungen. Allerdings erschien mir das Buch an vielen Stellen auch sehr melodramatisch. Auch hier hätte ich mir wiederum mehr Realismus gewünscht.
Das Buch hat in meinen Augen einige Mängel, hat mich aber gleichzeitig auch gut unterhalten (wobei ich mich sehr auf das Lesen konzentrieren musste). Insgesamt vergebe ich damit gerne drei Punkte und würde tatsächlich gerne mehr von der Autorin lesen.
Kurzmeinung: Thriller, Krimi, Familiendrama und Liebesgeschichte – wem jetzt noch nicht der Kopf dröhnt, der sollte das Buch lesen.
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