Istanbul Istanbul

von Burhan Sönmez 
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Istanbul Istanbul
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Intensiv und aufrüttelnd

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Man kommt nicht umhin, reale Ereignisse bim Lesen mitzudenken. Aber Sönmez zeigt auch, wie stark Menschen sein können.

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Inhaltsangabe zu "Istanbul Istanbul"

Der Nebel, der sich auf Istanbuls Zeit legte und Leben und Tod zugleich barg, war wunderschön.
Unter den uralten Straßen Istanbuls sitzen vier Gefangene in einer Zelle - ein Student, ein Doktor, ein Barbier und ein alter Mann - und warten darauf, reihum von den Wärtern zum Verhör abgeholt zu werden. Um sich abzulenken, erzählen sie sich gegenseitig Geschichten. Geschichten aus ihrer Stadt, Geschichten voller Liebe und Humor. Geschichten, die ihnen helfen sollen, die Begrenzungen von Raum und Zeit aufzuheben und das Leid erträglicher zu machen. Durch Parabeln und Rätsel bringen sie einander zum Nachdenken und Lachen. Und allmählich verwandeln sich diese eindringlichen Erzählungen von unterhalb der Stadt in zahlreiche ineinander verwobene Geschichten von Istanbul selbst. Und sie zeigen, dass auch oberhalb des Kerkers Leid und Hoffnung nah beieinander liegen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442757008
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:04.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Frau_J_von_Ts avatar
    Frau_J_von_Tvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Intensiv und aufrüttelnd
    Intensiv und aufrüttelnd

    Irgendwo unter der Stadt Istanbul sitzen ein Student, ein Doktor, ein Barbier und ein alter Mann gemeinsam in einer Gefängniszelle. Während jeder darauf wartet, von den Wärtern zum Verhör durch Folter abgeholt zu werden, erzählen sie sich gegenseitig Geschichten aus ihrer Stadt. Geschichten die sie zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen. Geschichten die dem Leser ein Bild einer einzigartigen Stadt bieten, indem sie sich immer mehr miteinander verbinden.

    Durch ihre Geschichten, die niemals etwas aus ihrem persönlichen Leben enthalten, denn das wäre zu gefährlich, entfliehen die Gefangenen gedanklich zumindest für eine Weile der Enge und Tristesse der Gefängniszelle. Sie wissen, dass niemand von ihnen die Zelle jemals wieder lebend verlassen wird. Aber die Geschichten, die sie selbst von Verwandten und Freunden überliefert bekommen haben, helfen ihnen, ihre Schmerzen zumindest kurz zu vergessen.

    Dieser Roman zeichnet für den Leser das Bild einer wundervollen Stadt. Allerdings kommt man nicht drum herum, beim Lesen darüber nachzudenken, dass die Szenen die man dort liest, so tatsächlich, und das auch noch in der heutigen Zeit, zur derzeitigen politischen Lage der Türkei, genau so stattfinden könnten. Aus diesem Grund ist dieses Buch nichts für zartbesaitete Leser. 

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Man kommt nicht umhin, reale Ereignisse bim Lesen mitzudenken. Aber Sönmez zeigt auch, wie stark Menschen sein können.
    Burhan Sönmez - Istanbul Istanbul

    Istanbul, eine Gefängniszelle irgendwo unter der Stadt. Der Student Demirtay, der Doktor, der Babier Kamo und Küheylan Dayi werden in der zwei mal ein Meter großen Zelle unfreiwillig Schicksalsgenossen. Sie warten, nicht auf die Freilassung, damit rechnet keiner von ihnen, sondern auf die Wärter, bis diese zum nächsten Mal die Zelle aufschließen, einen von ihnen rausholen und wieder foltern. Dann warten sie, bis der Zellengenosse schwer verletzt zurückgeschleift und wieder zu ihnen geworfen wird. Es ist kalt da unten, sie haben kein Licht und nur wenig zu essen. Sie erzählen sich nichts von ihrem Leben, was sie in die Zelle geführt hat, das wäre zu gefährlich, denn schon bei der nächsten Befragung könnte einer der Mithäftlinge etwas preisgeben. Also verbringen sie ihre Zeit mit dem Geschichtenerzählen, wie es seit Menschengedenken Tradition ist, um die Zeit des Wartens zu verkürzen.

    Burhan Sönmez hat seinen dritten Roman bereits 2015 im Original veröffentlicht. Auch wenn man dies weiß, kommt man nicht umhin die aktuelle politische Lage beim Lesen des Buchs mitzudenken. Die Grundkonstellation, dass Menschen wie Tiere zusammengepfercht unter der Erde sitzen, dass außer neuen Folterungen sie nichts aus den Zellen herausführt und dass ihr Schicksal ungewiss ist, für sie selbst und für ihre Familien draußen – man zweifelt heute nicht an der wahrheitsgemäßen Darstellung der Situation.

    Die vier Schicksalsgenossen und das Mädchen in der gegenüberliegenden Zelle machen das Beste aus der Gefangenschaft. Sie phantasieren sich nach draußen, nutzen ihre Erinnerung, um sich wenigstens zeitweise von den Schmerzen der Verletzungen und der Enge des Raumes wegzuträumen und diese zu vergessen. Daneben erzählen sie die Geschichten, die sie von den Vätern gehört haben und die schon Jahrtausende lang mündlich tradiert werden. Schnell ist man erinnert an Tausendundeine Nacht oder das Decamerone, die Figuren nehmen selbst Bezug darauf:

    „Die Leute im Dekameron hatten allerdings mehr Glück als wir. Durch die Flucht aus der Stadt entgingen sie dem Tod. Uns hat man auf den Grund der Stadt in die Finsternis gestoßen. (...) uns verfrachtete man gegen unseren Willen hierher. Schlimmer noch, während sie sich vom Tode entfernten, sind wir ihm näher gerückt.“ (S. 158)

    Tapfer ertragen sie ihr Schicksal, ihre Handlungsmöglichkeiten sind ohnehin begrenzt. Die einzige Abwechslung stellen die Folterungen durch die Wärter dar, die brutal und menschenverachtend sind, aber die vier Protagonisten nicht brechen können. Doch die Wärter haben noch eine andere, perfidere Idee, um an die Geheimnisse der Insassen zu kommen. Und diese nutzen sie.

    Der Roman ist eine Hommage an Istanbul, wo alles möglich ist, ebenso wie sich die gefangenen gedanklich überall hinbewegen können. Sie überkommen die Grenzen des Körperlichen, ignorieren den Schmerz und lösen sich dank ihres Geistes. Wie einst die Flaneure durch die europäischen Großstädte schickt Sönmez seine Insassen los, wie in der europäischen Tradition des Geschichtenerzählens im Decamerone oder auch bei den Canterbury Tales lässt er sie berichten – Burhan Sönmez schafft so die Verbindung zwischen Orient und Okzident genau da, wie die Grenze schon immer lag und wo beide aufeinandertreffen und verschmelzen: in Istanbul.

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    KlausSchirmherrs avatar
    KlausSchirmherrvor einem Jahr

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