Rezension zu „Wenn Teenager eskalieren“ von Burkhard Benecken
Meine Meinung:
„Wenn Teenager eskalieren“ war für mich insgesamt ein wirklich interessantes und solides Buch, bei dem ich aber gleichzeitig immer wieder dachte: Da wäre noch ein bisschen mehr drin gewesen.
Das Buch beschäftigt sich mit verschiedenen Themen rund um Jugendkriminalität und Strafrecht. Dabei werden ganz unterschiedliche Themenkomplexe aufgegriffen – zum Beispiel die Entwicklung von Social Media und Gewaltvideos, Jugendgewalt oder auch junge Mädchen, die sich prostituieren, um sich bestimmte Dinge leisten zu können. Zu den einzelnen Themen werden dann immer wieder reale Fälle als Beispiele eingebaut.
Genau da lag für mich allerdings auch ein kleiner Kritikpunkt. Die Fälle waren mir meistens einfach zu kurz. Teilweise wurden sie nur auf ein, zwei Seiten angerissen und dann ging es schon mit dem nächsten Beispiel weiter. Gerade weil auf dem Cover mit wahren Fällen geworben wird, hätte ich mir hier ehrlich gesagt mehr Tiefe gewünscht. Ich glaube, weniger Fälle, die dafür ausführlicher erzählt werden, hätten für mich deutlich besser funktioniert. So hatte ich manchmal eher das Gefühl, dass möglichst viele Beispiele genannt werden sollten, anstatt dass man sich wirklich mit einzelnen Fällen auseinandersetzt.
Auch die Struktur war für mich nicht immer ganz rund. Das Buch arbeitet die verschiedenen Themengebiete nacheinander ab und dadurch haben sich manche Punkte teilweise wiederholt. Gleichzeitig fehlten mir an anderen Stellen wiederum Erklärungen, gerade wenn man mit dem Strafrecht nicht wirklich vertraut ist. Das hat für mich manchmal ein bisschen unstrukturiert gewirkt.
Was mir dafür richtig gut gefallen hat, war ungefähr das letzte Drittel des Buches. Da geht es mehr um die Frage: Was muss sich eigentlich ändern und was könnte man besser machen? Und gerade diese Überlegungen fand ich spannend und auch nachvollziehbar.
Natürlich darf man nicht vergessen, dass das Buch aus der Perspektive eines Strafverteidigers geschrieben ist und damit auch eine bestimmte Sichtweise mitbringt. Aber gerade bei einigen Punkten musste ich tatsächlich zustimmen. Besonders bei der Dauer von Strafverfahren und der Frage, wie sich Jugendliche während eines jahrelangen Verfahrens weiterentwickeln, fand ich viele Gedanken sehr interessant. Das sind Themen, über die man sich definitiv Gedanken machen kann und sollte.
Gut gefallen hat mir außerdem die Mischung aus Studien, Statistiken, Erklärungen und realen Fällen. Das Buch möchte dabei nicht wissenschaftlich sein, sondern eher verständlich aufzeigen, welche Probleme es gibt – und genau diese Mischung hat für mich grundsätzlich gut funktioniert.
Ein kleiner Punkt, der mich allerdings noch etwas irritiert hat: Gegen Ende wurde noch einmal eine Geschichte aufgegriffen, die bereits am Anfang erzählt wurde und für mich irgendwie nicht mehr so richtig in den restlichen Aufbau des Buches gepasst hat. Das wirkte etwas losgelöst.
Insgesamt hatte ich also durchaus das Gefühl, etwas aus dem Buch mitzunehmen und mich mit Themen auseinanderzusetzen, über die man im Alltag wahrscheinlich viel zu selten nachdenkt. Gleichzeitig hätte ich mir gerade bei den angekündigten wahren Fällen einfach mehr gewünscht.
Interessant, definitiv lesenswert – aber mit etwas mehr Tiefe bei den Fällen hätte es für mich noch stärker werden können.
Vielen Dank an Netgalley und den KAWA Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.
4 Sternchen von 5 Sternchen













