Cécile Wajsbrot Die Köpfe der Hydra

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Inhaltsangabe zu „Die Köpfe der Hydra“ von Cécile Wajsbrot

Mit außergewöhnlichem Gespür für Innenwelten erzählt Cécile Wajsbrot die Geschichte einer Frau, die in der Betreuung ihrer kranken Angehörigen sich selbst abhandenzukommen droht. Sie evoziert die schmerzhafte Umkehrung der Familienverhältnisse, einer Eltern-Kind-Relation unter vertauschten Vorzeichen. Von den Verlusten des Kriegs und der Erfahrung materieller Not verschont geblieben, muss diese Generation doch mit einem ganz ähnlichen Schmerz leben: zu sehen, wie die Eltern ihr Wissen, ihr Gedächtnis, ihre Sprache, ihre Persönlichkeit verlieren. Lebenden Toten gleich irren sie durch unsere Welt und haben sich doch für immer aus dieser verabschiedet. Ein einfühlsamer, zutiefst berührender Bericht über die Macht familiärer Bande, den kräftezehrenden Kampf gegen die Hydra Alzheimer und damit auch das Ringen um das eigene Leben.

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  • Mit großer Offenheit und stellenweise schwer zu ertragender Direktheit geschrieben

    Die Köpfe der Hydra

    WinfriedStanzick

    02. December 2013 um 11:57

    In ihrem 2088 bei Liebeskind erschienenen Roman „Aus der Nacht“, der wie ein Vorläufer zu dem hier anzuzeigenden Buch zu lesen ist, lebt, ähnlich wie die Autorin selbst, die junge Protagonistin des Romans in Paris. Sie hat lange mit ihrem Vater und dessen Schwester gelebt, auch noch dann, als beide im Nebel der Alzheimer-Krankheit verschwanden; eine überzeugende Metapher für das konsequente Vergessenwollen dessen, was geschehen ist. "Sie", wie die beiden immer genannt werden, sind schon vor Beginn des Holocaust aus ihrer polnischen Heimat geflohen und haben sich in Frankreich niedergelassen, begannen ein normales Leben zu führen und hielten sich für Bürger des Landes, das sie sich ausgesucht hatten. "Und dann kamen wir, die Kinder, und trugen von Geburt an ihre Hoffnungen, denn wir sollten vollbringen, was sie nicht mehr hatten tun können, und sie verfielen auf den Gedanken, dass sie unsretwegen fortgegangen seien, da sie wussten, dass die Zeit eines Lebens nicht mehr ausreichen würde, um alles aufzuholen, sie konnten sich niederlassen, aber sie konnten keine Wurzeln fassen, keine neue Heimat finden, das mussten wir, und so tragen wir von Geburt an die Last ihres Lebens, sowohl die ihrer Enttäuschungen wie die ihrer Illusionen, und mussten Wünsche erfüllen, die nicht unsere waren. Aber die Wunde blieb ..."   Die Wunde blieb. Erst recht, als der Vater, der den Holocaust überlebte, und dessen Geschichte sie hier erzählt, an Alzheimer erkrankt. Mit einfühlsamen Worten, die aus dem eigenen Leid und der großen Macht der Hydra Familie erwachsen, schildert Cecile Wajsbrot das verzweifelte Ringen um ihr eigenes Leben. Denn sie erlebt ihr Leben so wie in der Mythologie, wo der Wasserschlange Hydra, kaum war ihr ein Kopf abgeschlagen, ein neuer nachwächst. Aber es scheint kein Herkules und kein Iolaos in Sicht, die die Wunden ausbrennen würden, und so das Nachwachsen verhindern.   Mit großer Offenheit und stellenweise schwer zu ertragender Direktheit beschreibt Cecile Wajsbrot, wie der Vater in einer quasi logischen Fortsetzung seiner bisherigen Existenz, sich mit einer Demenz aus seinem Leben herauszieht, nachdem er schon zuvor über eine lange Zeit sich ins Schweigen über das, was er erlebt hatte, zurückgezogen  und seine Tochter damit alleingelassen hatte. Der Schmerz darüber ist ohne Ende. Immer wieder bluten die Wunden und wachsen die Köpfe der Hydra nach. Zu sehen, wie die eigenen Eltern ihr Wissen, ihr Gedächtnis, ihre Sprache und ihre Persönlichkeit verlieren, lebenden Toten gleich durch die Welt irren und sich schon längst für immer aus der Realität verabschiedet haben – all das ist kaum erträglich und auszuhalten, auch nicht für den Leser, der sich regelrecht zwingen muss, das Buch nicht immer wieder erschüttert aus den Händen zu legen und seine Lektüre abzubrechen.

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  • Rezension zu "Die Köpfe der Hydra" von Cécile Wajsbrot

    Die Köpfe der Hydra

    Clari

    23. April 2012 um 15:27

    Untergang in Würde oder Altersbürde? Die Hydra ist nach der griechischen Mythologie eine Wasserschlange mit mehreren Köpfen, die immer nachwachsen, wenn man einen davon abschlägt. Synonym für diese Schlange steht bei Cécile Wajsbrot hier die Familie. Melancholisch bis wütend berichtet die Autorin über Teile ihrer Familie, denen sie sich ausgeliefert fühlt in der Umkehrung der Fürsorge, die Eltern üblicherweise für ihre Kinder tragen. 1954 geboren trägt Cécile Wajsbrot die Erinnerung ihrer jüdischen Vorfahren an Verfolgung, Pogrome und Lagerhaft in sich, ohne selber betroffen gewesen zu sein. Doch beschreibt sie klar und unumwunden, wie der Vater und die Tanten sich mit ihren Nachfahren im Altersschicksal heutiger Generationen verfangen. Erinnerungen an Vergangenes gehen in der Vergesslichkeit des Alters unter, und die Autorin lässt keine Beschreibung aus, um den Verfallsprozess zu benennen. Wie schon in ihrem lesenswerten Buch "Aus der Nacht" befleißigt sie sich einer reflektierten, nachdenklichen und in Assoziationen sich ergehenden Erzählweise. „.....wenn sie auch den Schmerz nicht erfuhr, die Eltern zu früh sterben zu sehen, an der Front, in den Lagern, als zivile Bombenopfer oder von Krankheiten hinweggerafft, so kennt sie doch den Schmerz, sie zu lange leben zu sehen und zu erleben, wie sie sich in lebende Tote verwandeln, die durch die Strassen oder die Flure der sogenannten Altenpflegeheime irren und mit ihrem ganzen Gewicht auf dem Leben ihrer Nachkommen lasten". Während der erste Teil der Erzählung allgemeinen Betrachtungen über Alter, Einsamkeit, Siechtum, Tod und Sterben und auch frei assoziierten Gedanken an die Familie gewidmet ist, erzählt die Autorin in einem zweiten Teil über ihre Erfahrungen mit der Fürsorge für den an Alzheimer erkrankten Vater und die Tante. Sie berichtet sensibel, erschöpft und traurig über ihre Gefühle. Die Bürde, die sie trägt, ist fast körpernah zu spüren. Da bleibt neben der Arbeit und der Organisation für die Kranken keine Zeit mehr zum Luftholen oder für ein Eigenleben. Mutig und krass packt Cécile Wajsbrot ein Thema an, das in seiner Ausweglosigkeit und belastenden Realität nur schwer erträglich ist. Die poetischen Zwischentexte weisen immer wieder auf die ersehnte Ruhe oder die mögliche Wahrnehmung von Vogelsang und Jahreszeitenwechsel hin. Das Thema der „alternden Gesellschaft“ ist brisant, viel diskutiert und beschäftigt Politik und Sozialverbände. Der Einzelne jedoch bleibt mit seinem Schicksal in der Familie nur allzu oft alleine. Eine Lösung für ein Altern in Würde ist nicht in Sicht und wird es vielleicht auch nie geben. Zu groß ist die Diskrepanz zwischen den Lebenden und den noch nicht Toten! Das ist ein trauriges aber sehr wichtiges Buch für alle jene, die dem Alter mit Sorge aber doch wissend ins Auge sehen.

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