César Aira

 3.9 Sterne bei 44 Bewertungen
Autor von Gespenster, Die Nächte von Flores und weiteren Büchern.

Lebenslauf von César Aira

Südamerikas bekanntester Schriftsteller: Cesar Aira, geboren am 23. Februar 1949 in Buenos Aires, ist ein argentinischer Übersetzer und Schriftsteller. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst als Übersetzer und bearbeitete Werke von berühmten Autoren wie Kafka und Stephen King. 1992 verfasster er dann seine eigenen Romane und ist seitdem einer der bekanntesten Schriftsteller Südamerikas. Hierzu verhalfen ihm seine Kurzromane, von denen drei bis vier pro Jahr erscheinen, da diese schnell zu seinem Markenzeichen wurden. In einem Interview mit der Zeitschrift „Letras Libres“ bezeichnet er sich selbst als ein Außenseiter im Literaturbetrieb, da seine Werke nur für ein bestimmtes Publikum geschrieben seien. Für seine herausragenden Arbeiten wurde der Autor bereits mit dem Premio Iberoamericano de Narrativa Manuel Rojas ausgezeichnet. Wenn Aira gerade nicht schreibt, hält er Seminare über Literatur an der Universität in Buenos Aires und der Universität de Rosario. Außerdem durfte er schon die Eröffnungsrede beim Internationalen Literaturfestival Berlin halten.

Neue Bücher

Die Wunderheilungen des Doktor Aira

Erscheint am 31.07.2020 als Hardcover bei Matthes & Seitz Berlin.

Alle Bücher von César Aira

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Cover des Buches Gespenster9783548610719

Gespenster

 (10)
Erschienen am 10.08.2012
Cover des Buches Die Nächte von Flores9783866157903

Die Nächte von Flores

 (8)
Erschienen am 22.05.2010
Cover des Buches Die Prüfung9783957570819

Die Prüfung

 (5)
Erschienen am 10.03.2015
Cover des Buches Der Literaturkongress9783550088872

Der Literaturkongress

 (2)
Erschienen am 14.09.2012
Cover des Buches Der kleine buddhistische Mönch9783957570826

Der kleine buddhistische Mönch

 (2)
Erschienen am 16.03.2015
Cover des Buches Wie ich Nonne wurde9783957570802

Wie ich Nonne wurde

 (2)
Erschienen am 16.03.2015

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Neue Rezensionen zu César Aira

Neu

Rezension zu "Die Schneiderin und der Wind" von César Aira

Eine wahrhaft stürmische Geschichte!
Mightyninavor einem Jahr

Was für eine Fahrt: Die Schneiderin und der Wind von César Aira ist ein auf unter 150 Seiten komprimiertes Werk, das sich liest, als würde man jemandem beim freien Assoziieren zuhören. Größtenteils macht das auch richtig Bock, auch wenn ich des Öfteren schlicht den Faden verliere.

Zur Story:

Zusammenfassend geht es um eine Schneiderin ohne Geschmack, aber mit viel Sinn fürs Detail, welche die Verfolgung ihres verschwundenen Sohnes aufnimmt, den sie in Patagonien wähnt. Im Gepäck hat sie ein widerspenstiges Brautkleid, und auf dem Weg lernt sie einen Wirbelwind kennen, der ihr bald darauf seine Liebe gesteht. 

Mehr zur Handlung zu sagen ist schwierig bis unmöglich. Denn diese ist quasi nur eine Skizze und nimmt so kuriose Wendungen, dass ich beim Lesen abwechselnd sowas denke wie „Der ist doch verrückt!“ oder „Wie genial ist der denn bitte schön.“ DER ist übrigens einer der wichtigsten Schriftsteller Lateinamerikas, César Aira, welcher wahrscheinlich auch in diesem Moment schreibend in einem Café in Buenos Aires sitzt und dessen Markenzeichen skurrile, kurze Werke wie Die Schneiderin und der Wind sind. 

Meine Meinung:

Ich ziehe den Hut vor derart viel künstlerischer Freiheit und schneller Poesie und möchte eigentlich auch in diesem Café sitzen, gegenüber am Tisch ein rund siebzigjähriger argentinischer Schriftsteller mit einem Notizbuch, der mir weismacht er sei gerade in Paris, um eine wahre Geschichte seiner Jugend aufzuschreiben. Ich würde ihm stundenlang zuhören und endlich mal verstehen, dass man gar nicht alles verstehen muss, solange man es nur in wundersame Worte fassen kann. 

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Rezension zu "Wie ich Nonne wurde" von César Aira

Ein verrücktes Leseerlebnis
Kopf-Kinovor 3 Jahren

„Meine Geschichte, die Geschichte, wie ich Nonne wurde, begann sehr früh in meinem Leben, und zwar kurz nach meinem sechsten Geburtstag. Den Auftakt markiert eine lebendige Erinnerung, die mir noch bis ins kleinste Detail vor Augen steht. Davor ist nichts; alles hingegen, was danach kam, einschließlich der Zeiten, in denen ich schlief, bildet eine fortlaufende und ununterbrochene, einzige lebendige Erinnerung, bis ich in den Orden eintrat.“

Mit diesen Sätzen beginnt César Airas abstruse und wundersame Novelle. Den Auftakt bildet zunächst einmal ein Glücksmoment, in dem der Vater des sechsjährigen Mädchens namens César Aira ein Versprechen einhält und mit ihr (oder ihm?) Eisessen geht, wobei sie schließlich feststellt, dass Erdbeereis das Widerwärtigste sei, was sie (oder er?) jemals in den Mund genommen habe. Kurz darauf bricht die anfängliche Komödie in sich zusammen und wird zur Trägodie: Aus Wut bringt der Vater den Eisverkäufer um und die Erzählerin stirbt beinahe – und das ist lediglich der Anfang.

Das auf 125 Seiten ausgelegte Büchlein ist voll von erzählerischer Spannung, abrupten Brüchen, Abzweigungen, sprunghaften Imaginationen, Absurditäten und kontinuierlichen Zerschlagungen der Konvention des Realismus: ein bizarres Feuerwerk der Literatur, eine halsbrecherische Achterbahnfahrt der Verwirrung ohne strenge Logik, ein genresprengendes Potpourri der Ideen. Der Schreibstil bleibt dabei stets elegant, aber schnörkellos, beinahe sachlich bis kühl und experimentell. Vieles im Buch Enthaltene wird nicht aufgeklärt; das Ganze liest sich eher wie eine atemlose Assoziationskette, die von der unzuverlässigen Ich-Erzählerin, die vielleicht auch ein Junge ist, ständig kommentiert wird:

„Die erfahrene Lügnerin weiß, dass der Schlüssel zum Erfolg darin liegt, überzeugend darzustellen, dass man von bestimmten Dingen eben nichts weiß. Zum Beispiel hinsichtlich der Konsequenzen dessen, was sie sagt.“

Meiner Meinung nach beweist Aira mit diesem Werk, was für eine großartige und kindliche Leichtigkeit der Fabulierkunst in ihm steckt, so dass es mir ein reines Vergnügen war, sowohl seiner wuchernden Fantasie als auch seiner Lust am Erzählen zu folgen und mich ins Unvorhersehbare zu stürzen. Sobald es einem gelingt, mit jeglichen Erwartungen, die man an ein Buch stellt, zu brechen, dann wird man mit kryptischen Passagen, verstecktem Hintersinn und gedanklichen Abwegen belohnt – wage ich zu behaupten.

„Doch ich konnte nicht. Und das war die häufigste Empfindung in meinem Leben, so sehr, dass sie mein Leben selbst war, ein anderes Leben als dieses kannte ich nicht: Ich hörte eine Stimme, hörte die Befehle, die mir dieses Stimme gab, wollte gehorchen und konnte nicht ... Weil die Wirklichkeit, das einzige Feld, auf dem ich hätte handeln können, sich vor mir in dem Tempo entfernte, in dem ich begehrte, in sie hineinzugelangen ...“

Einräumen möchte ich, dass nicht jeder Gefallen an diesem bizarren Buch finden wird. Rückblickend habe ich den Eindruck, dass der Weg (und das Erleben) das Ziel war, weniger die Handlung, die immer wieder aufs Neue kippt und verschlungene Trampelpfade (mit viel Dickicht!) abseits des Gewohnten einschlägt. Ob 'Wie ich Nonne wurde' die Geister scheiden kann? Ja, definitiv. Auf mich zumindest wirkte das Gelesene einen derartigen Sog aus, dass ich die „Geschichte“ nicht mehr weglegen konnte. Und obgleich der Erzählton sehr erwachsen wirkt, entspricht das assoziative Springen vollkommen der Sicht eines Kindes, was vieles wiederum indirekt erklärt:

„Weil ich die Herrin der Geschichte war.“

Eine klare Handlung zu benennen, ist, wie bereits erahnt werden kann, ein schwieriges Unterfangen, vielmehr lassen sich ahnungsweise Essenzen herauslesen, die sich beim Lesen ergeben (können): Dass die Welt und das Leben gleichzeitig sinnlos und sinnhaft sind, dass vieles ohne Logik einhergeht und wir dennoch dazu neigen, dem Ganzen einen Rahmen zu geben und dass das Unmögliche mit kindlichen Möglichkeiten durchbrochen werden kann. Alles ohne Gewähr – vielleicht spielt der Leser sogar eine weitaus größere Rolle als das Erzählte, wer weiß?

„Es ist nicht zu vermeiden, dass man sich von einem Gefängnishof romantische Vorstellungen macht, auch wenn man, wie in meinem Fall, gar nicht wusste, was Romantik ist. Und ehrlich gesagt auch nicht, was ein Gefängnis ist. [...] die Vorstellungen, die ich mir davon vorher gemacht hatte, brachen, obwohl ich mir gar keine gemacht hatte, in sich zusammen.“

Dass ich von diesem Büchlein beziehungsweise von diesem Leseerlebnis begeistert bin, kann ich nicht verbergen. So scheint es lediglich logisch, dass ich Airas Novelle jedem wärmstens ans Herz legen möchte, mich aber dennoch etwas scheu, da sie derart bizarr ist. Ein Blick ins Buch dürfte an dieser Stelle die bessere Empfehlung sein – wer daraufhin (wie ich) nicht mehr mit dem Lesen aufhören kann, demjenigen rate ich auf jeden Fall zum Kauf. Derweil mache ich mir Gedanken, zu welchem Aira-Werk ich als nächstes greifen könnte...

"Die Tragödie in mir brach los, als ich begriff, dass diese stumme Szene, die ich erlebte, diese abstrakte Mimik von Lehrerin und Schülern mich zutiefst etwas anging. Es war meine Geschichte, nicht eine fremde. Die Tragödie hatte in dem Moment ihren Lauf genommen, als ich die Schule betreten hatte, und sie stand vor mir, im Ganzen und zeitlos, ich war und ich war nicht in ihr, war in ihr und nahm nicht an ihr teil, oder ich nahm nur durch meine Verweigerung teil, wie durch ein Loch im Vorhang, dieses Loch aber war ich!"

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Rezension zu "Der Literaturkongress" von César Aira

Rezension zu "Der Literaturkongress" von César Aira
Wolkenatlasvor 8 Jahren

Ein kleines Meisterwerk

Der 1949 im argentinischen Coronel Pringles geborene César Aira ist, auch wenn das anhand der im deutschsprachigen Raum erschienenen oder gar derzeit erhältlichen Bücher nicht offensichtlich ist, einer der ideenreichsten und produktivsten Schriftsteller überhaupt. Von vielen bedeutenden Kollegen, wie Roberto Bolaño und Carlos Fuentes hochgelobt, konnten seine Bücher den ihnen gebührenden Erfolg noch nicht verbuchen. Insgesamt knapp an die fünfzig, (dreißig behauptet der Einband dieser Ausgabe), Romane hat er geschrieben, die derzeit lieferbare Zahl kann an einer Hand abgezählt werden.

Ein Grund dafür mag sein, dass César Aira literarische Texte schreibt, die, wenn überhaupt, am ehesten dem surrealen Realismus zugerechnet werden könnten. Seine Texte folgen aberwitzigen formellen Konzepten oder doppelbödigen Handlungssträngen und scheuen auch nicht davor zurück, auf realistischer Ebene als absolut unglaubwürdig dazustehen.

Ein weiterer Grund ist aber auch der, dass man sich, nicht immer, aber oft, am Ende eines César Aira-Romans die Frage stellt: Was wollte mir der Autor hiermit mitteilen? Wenn man darauf nicht unbedingt eine definitive Antwort haben muss, steht dem Genuss der Kunst von César Aira nichts mehr im Weg.

"Der Literaturkongress" ist, wie bereits andere Romane des Autors, ein mehr oder weniger abstraktes Textkunstwerk.
Im Prolog erfährt der Leser, wie ein exzentrischer Wissenschaftler und fruchtbarer Schriftsteller, der auch als Übersetzer tätig ist, auf dem Weg zu einem Literaturkongress in Venezuela durch unerklärbares Geschick einen alten Schatz, der "eines der Wunder der Neuen Welt, Erbstück von namenlosen Piraten, touristische Attraktion und ungelöstes Rätsel" sein soll, hebt und somit für sich beansprucht. Er ist plötzlich reich, was ihm natürlich gut tut, da er ein Jahr finanzieller Sorgen hinter sich hat. Die Verlagsbranche ist im Niedergang, und sein "durch unangreifbare künstlerische Integrität geprägtes literarisches Schaffen" hatte ihm bisher weder die gebührende Anerkennung, noch finanziellen Gewinn bereitet.

Und so macht er sich auf zum Literaturkongress in einem entlegenen Tal in Venezuela, die Taschen prall gefüllt mit Geld.

Den Literaturkongress verschmäht der Protagonist, der, wie sich herausstellt, César Aira heißt; er genießt die Tage am Hotelschwimmbecken, sinniert über die Perfektion verschiedener Körper und lässt den Leser nebenbei wissen, dass er eigentlich an der Weltherrschaft interessiert sei, zuerst aber, und im Hinblick auf die angestrebte Herrschaft, seine bisherigen Erfolge im Klonen von Insekten und Tieren am Versuchsobjekt Mensch ausprobieren möchte. Ein berühmter Mann, ein Genie soll es sein, denkt er. Einige Momente nach der Entscheidung sieht er bereits den Auserwählten vor sich: Carlos Fuentes.

Er schickt eine Klonwespe aus, um eine geeignete Zelle von Fuentes zu ergattern, und damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Ein am Flughafen der Stadt inszeniertes Schauspiel des Autors mit einer etwas absurden Abhandlung der Adam-und-Eva-Thematik, eine aufkeimende Romanze mit der hübschen Nelly, die über das Tal hereinbrechende Tragödie, ein ebenso surreal-absurder Rettungsversuch und ein definitiv überraschendes, originelle Ende sind die weiteren Zutaten dieses überaus unterhaltenden literarischen Spiels, das César Aira hier seinen Lesern bietet. Spannend auch, wie der Autor immer wieder die Perspektiven wechselt und auf die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten des Texts hinweist (der ja im Original gar nicht übersetzt ist). Diesen Hinweisen nachzugehen ist auch sehr lohnenswert, weil man dadurch viele kleine versteckte Botschaften und Hinweise, aber ebenso Sackgassen findet.

Trockene, knappe und auch witzige Prosa wechselt mit grandiosen Sätzen ab; wer Zuneigung für Borges und Vian empfindet, wird auch hier am Ende des nur 108 Seiten kurzen aber dennoch abwechslungsreichen Romans zufrieden auf seine Kosten kommen. Die Übersetzung von Klaus Laabs ist treffend gelungen und äußerst überzeugend.

Augenzwinkernde Hommage an den Literaturbetrieb, sehr viel Selbstironie, ein blendendes Gespür für das Absurde, eine Hauch von Eros, eine grandiose formale Konstruktion und 108 Seiten literarisch höchstwertiger Unterhaltung: All das ist "Der Literaturkongress".

Bleibt zu hoffen, dass sich der Ullstein Verlag weiterhin den Werken César Airas widmet und den deutschsprachigen Lesern diesen wunderbaren Autor zugänglich macht.
Absolute Empfehlung.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at Roland Freisitzer; 10/2012)

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César Aira wurde am 23. Februar 1949 in Coronel Pringles (Argentinien) geboren.

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