Inhalt:
Freya Lockwood wird von ihrer Vergangenheit eingeholt: Arthur Crockleford, der für Freya einst wie ein Großvater gewesen ist und in ihr die Liebe zu Antiquitäten geweckt hat, wird tot in seinem Antiquitätengeschäft aufgefunden. Seit Jahren hatte Freya keinen Kontakt mehr mit Arthur, weil sie durch ihn einen tragischen Verlust erlitten hat, der ihr bis heute nachgeht. Schon bald kommen Freya Zweifel, ob Arthurs Tod wirklich ein Unfall gewesen ist. Kurz vor seinem Tod hatte er Freya nämlich noch einen Brief geschrieben aus dem hervorgeht, dass er ins Visier von Verbrechern geraten war und um sein Leben fürchtete. Gemeinsam mit ihrer Tante Carole macht sich Freya daran herauszufinden in was Arthur hineingeraten ist und dazu reisen die beiden zu einem herrschaftlichen Anwesen um den Nachlass eines vor kurzem verstorbenen Antiquitätensammlers in Augenschein zu nehmen…
Meine Meinung:
Diese Geschichte lässt einem in die spannende Welt der Antiquitäten eintauchen und das hat von Beginn an mein Interesse geweckt und mir richtig gut gefallen. Es ist schon interessant, dass mache für den Laien relativ unscheinbar wirkenden Gegenstände in Wahrheit ein Vermögen wert sein können. Bestes Beispiel sind die in der Geschichte vorkommenden Martin-Brothers-Birds, denn diese Vogelstatuen sehen nicht nur absolut klasse und niedlich aus, sondern haben tatsächlich einen Wert im sechsstelligen Bereich.
In die Hauptperson Freya kann man sich von Beginn an sehr gut hineinversetzen. Es wird einfühlsam beschrieben wie überfordert sie zunächst davon ist, dass sie so plötzlich wieder mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Zunächst wird nur angedeutet, dass sie vor Jahren ein Schicksalsschlag ereilt hat, der zum Kontaktabbruch mit Arthur geführt hat und es ist interessant nach und nach zu erfahren was damals wirklich passiert ist und welche Auswirkungen dies für die Gegenwart hat. Freyas Entwicklung im Laufe der Geschehnisse hat mir gefallen. Sie gewinnt an Selbstvertrauen, erkennt das mehr in ihr steckt als gedacht und wieviel das Leben noch für sie bereithält. Sie findet den Mut es nicht länger hinzunehmen, dass sie jahrelang ihre Interessen und Träume zugunsten anderer aufgegeben hat.
Freyas Tante Carole schließt man ebenfalls schnell ins Herz. Die extrovertierte, quirlige, extravagante und herzensgute Carole ist in mancher Hinsicht das genaue Gegenteil von ihrer eher unauffälligen Nichte Freya. Freya und Carole geben ein tolles Team ab und es ist schön zu verfolgen wie Carole Freya dabei hilft wieder an sich zu glauben und zu sich selbst zu finden.
Es handelt sich um einen vergleichsweise „harmlosen“ Kriminalroman für entspannte Lesestunden. Zwar wird in der Geschichte unter anderem Mord thematisiert, aber die Stimmung in die man beim Lesen versetzt wird ist dennoch nie besonders düster. Es gibt nur wenige bedrohliche bzw. gefährliche Situationen und diese werden zudem recht schnell wieder aufgelöst.
Einer meiner Kritikpunkte an dieser Geschichte besteht darin, dass mir das Geschehen in mehrfacher Hinsicht zu konstruiert erscheint. Zwar wird dadurch das Interesse beim Lesen geweckt und die Spannung aufrechterhalten, aber das Ganze wirkt dadurch leider auch um einiges unglaubwürdiger. So ist z. B. der Brief, den Arthur kurz vor seinem Tod geschrieben hat sehr geheimnisvoll und spannend, weil es voller Andeutungen und versteckter Hinweise ist deren Bedeutung erst noch entschlüsselt werden muss. Zugleich konnte ich aber nicht nachvollziehen weshalb er Freya nicht noch auf anderem Wege konkretere Erläuterungen hat zukommen lassen – immerhin geraten Freya und Carole durch ihre Nachforschungen ins Visier derselben Verbrecher die Arthur bedroht hatten und da ist es doch überaus unverantwortlich und gefährlich die beiden weitgehend ahnungslos in die Geschehnisse stolpern zu lassen. Ein weiteres Beispiel ist, dass Arthur etwas für Freya bei sich zu Hause versteckt hat und dass er eine dritte Person angewiesen hat Freya einen Brief zu übergeben. Zwar ist es spannend wie Freya dann auf diese Dinge stößt, aber es ist aus meiner Sicht kein wirklich schlüssiges und nachvollziehbares Verhalten von Arthur: Wenn er wollte, dass Freya diese Dinge unbedingt bekommt ist es doch höchst riskant einfach darauf zu hoffen, dass Freya sein Haus durchsuchen wird und genau dieses Versteck aufstöbern wird. Außerdem hätte es sein können, dass die von Arthur mit der Übergabe des Briefes beauftragte dritte Person vergisst dies zu tun, denn er hat nicht auf die Bedeutsamkeit dieses Briefes hingewiesen.
Die Geschichte lebt sehr davon, dass man mit Freya und ihrer Tante Carole zwei nette und sympathische Protagonistinnen hat. Das hat mich stellenweise ein wenig darüber hinweggetröstet, dass mir das Erzähltempo der Geschichte ziemlich langsam ist. So kommen Freya und Carole erst nach fast 100 Seiten (= fast ein Drittel des Buches) endlich in dem abgelegenen Herrenhaus an, das – wie der Klapptext ankündigt – der eigentliche Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist. Dann müssen nochmals so einige Seiten vergehen ehe man alle Personen kennengelernt hat, die sich dort aufhalten und ehe Freya und Carole häppchenweise mehr über den geheimnisumwitterten Nachlass des verstorbenen Antiquitätensammlers erfahren.
Besonders gefallen haben mir an diesem Buch die vielen wunderschönen Zitate und Lebensweisen. Hier einige Beispiele:
“Sooner or later we all leave this earth. What matters is the story we’ve left behind.” (S. 59)
“Always be ready for the tide to turn.” (S. 207)
“A wolf in sheep’s clothing is still a wolf.” (S. 229)
“Nostalgia is the bittersweet acceptance of all we were and what we’ll never be again.” (S. 271)
“We all make mistakes. It’s what we do afterwards that matters.” (S. 293)
“You’re never too old for a jolly good time,” Carole called after me. (S. 320)
Gegen Ende wird das Buch spannend und es wird besonders für Freya gefährlich ehe das Verbrechen und die mit ihm in Zusammenhang stehenden Geschehnisse auf zufriedenstellende Weise aufgeklärt wird. Dabei wird gekonnt ein Bogen zwischen den tragischen Ereignissen in Freyas Vergangenheit und der Gegenwart geschlagen, der es Freya ermöglich nach vorne zu blicken. Leider finde ich das Ende mit Blick auf die Gesamtlänge des Buches aber zu überstürzt und es ist mir etwas zu abrupt.
Fazit:
Diese Geschichte punktet mit sympathischen Charakteren und einem interessanten Einblick in die Welt der Antiquitäten. Leider ist der Kriminalfall aber recht durchschnittlich, unspektakulär und verläuft sehr geradlinig. Außerdem finde ich die Handlung stellenweise zu konstruiert und ich hatte den Eindruck, dass manchmal zu gewollt versucht wurde Spannung zu erzeugen.







