C. R. Neilson

 3.9 Sterne bei 30 Bewertungen

Lebenslauf von C. R. Neilson

C. R. Neilson arbeitete zwanzig Jahre als Journalist, ehe er sich auf das Schreiben von Krimis und Thrillern verlegte. Er lebt in Schottland.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von C. R. Neilson

Cover des Buches Das Walmesser (ISBN: 9783453419674)

Das Walmesser

 (26)
Erschienen am 28.12.2016
Cover des Buches Das Walmesser (ISBN: 9783837136333)

Das Walmesser

 (4)
Erschienen am 28.12.2016

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Rezension zu "Das Walmesser" von C. R. Neilson

Das Walmesser
Bibliomaniavor 10 Monaten

Mein einziger Krimi in diesem Monat ist „Das Walmesser“. Es hat mich vor allem angesprochen, weil es auf den Färöern spielt und damit eine so ganz andere Welt beleuchtet. Viele kleine Inseln, mit einer Hauptstadt, die gerade mal 13.000 Einwohner zählt. Hier kennt jeder jeden. Es gibt drei Kneipen und zwei Restaurants zur Auswahl und vielleicht zwei Übernachtungsmöglichkeiten. Da die Färöer eine Inselgruppe sind, spielen der Wal- und Fischfang eine große Rolle und gehören trotz Umweltbedenken immer noch sehr stark zur Kultur. Hierhin verschlägt es John Callum. Er ist aus seiner Heimat Schottland, Glasgow vor seiner Vergangenheit geflohen und hofft hier ein neues Leben beginnen zu können. Da er Ausläder ist und auch noch einen der wenigen Jobs ergattert, ist er unern gesehen und wird nicht so richtig akzeptiert. Obwohl eigentlich so gut wie alle Färinger nett zu ihm sind, scheint er ein Händchen für Fieslinge zu haben und gerät immer wieder an solche Menschen, bis er eines Tages am Hafen erwacht, sich an nichts erinnert und ein blutiges Walmesser in der Tasche findet. Schon einen Tag später ist die Polizei aus Dänemark zur Stelle als man einen Toten findet. Sie verhaften John sofort, der versucht auf eigene Faust zu beweisen, nicht der Täter zu sein. Doch sicher ist er sich nicht, denn in seiner Vergangenheit hat John Dinge getan, von denen er nie für möglich ehalten hatte, dazu fähig zu sein.

Bevor es allerdings zu dieser folgenschweren Nacht kommt, erzählt C.R.Neilson so viel von der Insel, verschiedenen Menschen, was John alles unternimmt, dass man eigentlich verisst, dass es sich um einen Krimi handelt. Ziemlich viel Blabla am Anfang. Auch das fortwährende Schweigen von John (vielleicht ein tyischer Wesenszug bei Männern?) ist belastend. Niemandem sagt er einfach mal die Wahrheit und Johns Vergangenheit ist auch alls andere als super spannend. Er steigert sich in meinen Augen in etwas hinein, wofür er gar nichts konnte und sieht in sich irgendeine eingebildete Schuld. Die Story war irgendwie ein bisschen mau. Toll hingegen war dennoch alles, was über die Färöer geschrieben wurde. Ich will sofort dahin! Die Beschreibungen erinnern an Island und Schottland, wo ich schon war und was mir sehr gefallen hat. Naturwunder zu bestaunen, wandern und die Einsamkeit reizen mich sehr. Und das hat dieses Buch sofort geschafft: Eine meiner nächsten Reisen geht definitiv auf die Färöer!

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Rezension zu "Das Walmesser" von C. R. Neilson

Nachhaltige Erfahrung
Thomas_Lawallvor einem Jahr

John Callum kommt auf den Färöer-Inseln an. "Mitten im Nirgendwo" gelandet, sucht er nach Orientierung. Diese gestaltet sich schwieriger als zunächst vermutet, denn nachdem er aus dem Flughafengebäude tritt, kann er wenig entdecken, was ihm Fixpunkte für ein Zurechtkommen zumindest andeuten würde.

Es gibt nichts zu sehen, was weniger an Nebel und Nieselregen liegt, sondern eher daran, dass es tatsächlich nichts Wesentliches zu entdecken gibt. Außer dem Bus vielleicht. Dieser wird ihn nach Tórshavn bringen, seinem Ziel. Bis dahin wird er allerdings noch genug Zeit haben, sich in dieser "sommerlichen Düsternis" etwas umzusehen.

C.R. Neilsons Zeilen merkt man bereits auf den ersten Seiten an, dass er nicht gewillt war, einen Kriminalroman von der Stange abzuliefern. Deshalb darf man es sich als Leserin und Leser ruhig etwas gemütlich machen, um seinen wahrhaft ungemütlichen Schilderungen der abgelegenen Inselwelt ausführlich folgen zu können. Man taucht in eine ferne Realität regelrecht ab und weiß nicht so recht, ob man staunen oder weglaufen soll.

Doch die Faszination für seine Landschaftsbeschreibungen überwiegt, zumal er das Kunststück fertigbringt, das vermeintliche Nichts in Worte zu fassen und dies in einer Intensität, die fühl- und greifbar erscheint. Er öffnet den Vorhang einer großen Kinoleinwand und lässt uns ein Land erleben, in dem es 300 Tage im Jahr regnet, in dem man aber auch ohne Regen nass werden kann und wo es nachts nur eine Stunde dunkel ist. "Höchstens."

John Callum, seine Hauptfigur, gestaltet er zunächst in Rätseln. Die eingestreuten Traumpassagen stiften zusätzliche Verwirrung, schockieren und faszinieren aber zugleich. Was auf dem Klappentext verraten wird, passiert auf den ersten Seiten, dann folgt eine fast 200seitige Rückblende, beginnend mit der Ankunft Callums in der selbstgewählten Einsamkeit, die ihm sowohl Schutz als auch die Möglichkeit eines neuen Anfangs bieten soll.

Doch so abgeschieden scheint der Ort nicht zu sein, denn völlig unerwartet beginnt seine Vergangenheit, ihn einzuholen. Fürchterliche Albträume unterstreichen zudem die sich verdichtenden Vermutungen, dass John Callum ein schreckliches Geheimnis mit sich herumträgt. Dabei befindet er sich in einer faszinierenden Zwickmühle. Als Hauptperson übernimmt er zusätzlich die Rolle des Hauptverdächtigen, gleichwohl ohne selbst zu wissen, ob er nun Täter ist oder nicht!

Die schon zitierte Rückblende ist umfangreich, doch keineswegs zu lang. Ganz im Gegenteil, denn die Virtuosität, mit welcher C.R. Neilson Land und Leute beschreibt, lässt einen fast vergessen, dass er es mit dem Haupterzählstrang ungewöhnlich spannend macht. Diese Wartezeit lässt man aber sehr gerne über sich ergehen, ja genießt den literarischen Freizeitführer der Färöer Inseln regelrecht.  

Allein die Schilderungen des gewöhnungsbedürftigen Wetters auf der Inselgruppe sowie die Lichtverhältnisse der Tageszeiten sind ein außergewöhnliches Erlebnis. Der Autor möchte dem Schauplatz seiner Handlung ebenso viel Gewicht beimessen wie der Handlung selbst. Die in der einschlägigen Literatur nicht selten als lebloses Beiwerk benutzten "Kulissen" erhalten somit Bedeutung und Gewicht. Jeder banale Grashalm wird zu einer nachhaltigen Erfahrung. So wie das gesamte Buch übrigens auch!

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Rezension zu "Das Walmesser" von C. R. Neilson

Psychodrama auf urigen Inseln
AngelikaWilkevor 2 Jahren

Ein Hörbuch besitzt den Vorteil, dass man neben dem Zuhören etwas anderes tun kann, zum Beispiel stricken. Da hat man eher einen langen Atem für Schilderungen der Landschaft, die manchen Lesern wohl zu ausführlich waren – und in der Hör-Version vermutlich auch etwas gekürzt wurden. Trotzdem, dass der Autor den unwirtlichen Extremen der Färöer-Inseln eine Hauptrolle gibt, passt für mich sehr gut. Es macht die Geschichte besonders authentisch und spannend.

Fürs Lokalkolorit streut C.R. Neilson immer wieder dieselben auf Färöisch ausgesprochenen Namen und Begriffe ein, was der Kulisse zusätzliche Würze verleiht. Sollte ich jemals auf die Färöer-Inseln kommen, werde ich auf jeden Fall im Café Natúr ein Bier trinken – allein, weil der Name der Kneipe so schön weich klingt.

Geradezu mitreißend fand ich jedoch, wie der Sprecher Martin Bross jedem der Protagonisten eine eigene Stimme gibt – und nicht irgendeine! Am liebsten habe ich Kommissar Broddi Tunheim zugehört, wie er kratzig-spitzfindig über „die Dänen“ herzieht.

Durch die Person des Ich-Erzählers funktioniert „Das Walmesser“ natürlich gut als Hörbuch. John Callum, ein abgehalfterter Lehrer, der, wenn es ihm ans Leder geht, wahlweise lügt, verschweigt oder zuschlägt, tritt als Mann mit Kanten in Erscheinung. Seine Selbstkontrolle hat Grenzen, sein Alkoholkonsum weniger. Was er allerdings denkt, wie er beobachtet sowie seine Albträume machen rasch klar, dass man es keineswegs mit einem versoffenen Haudrauf zu tun hat. Callums widersprüchlicher Charakter ist die Essenz der dramatischen Geschichte. Dass dieser Typ grundsätzlich den komplizierten Weg einschlägt, wann er die moralische Messlatte anlegt und wann nicht, das hielt zumindest mich über die fast 13 Stunden Gesamtspielzeit in Atem.

Ein Highlight für die Bevölkerung der Färöer-Inseln ist seit Jahrhunderten das Abschlachten von Grindwalen. Wer von den Einheimischen will und kann, ist herzlich eingeladen, sich an dem Blutbad zu beteiligen. C.R. Neilson bedient sich in gewohnt plastischer Sprache des Massakers zur Zuspitzung seiner Geschichte – er fokussiert als Schriftsteller auf das Thema, nicht als Journalist, der er früher war. Das ist (falls beabsichtigt) eine erfolgreiche Methode, auf diesen brutalen Brauch aufmerksam zu machen. Daran gewöhnt, dass das Töten von Tieren in Schlachthäusern geschieht, habe ich mir erst mal eine Arte-Dokumentation dazu auf Youtube angesehen.

Aber auch in Bezug auf das Buch bleiben Fragen offen: Wäre nicht wenigstens ein bisschen Entsetzen über die Waljagd zum Beispiel bei John Callum ebenfalls angebracht? Oder habe ich etwas verpasst? Das ist ein Nachteil von Hörbüchern: Es lässt sich leider schlecht zurückblättern.

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