London 1543: Roger Elliard, ein langjähriger Freund und Kollege des Anwalts Matthew Shardlake wird ermordet, und Matthew verspricht dessen Witwe Dorothy, den Mörder zu finden. Doch dann stellt sich heraus, dass Roger nicht das einzige Opfer war, und sich Erzbischof Cranmer für die Fälle interessiert, und so ist Matthew bald wieder in dessen Auftrag unterwegs.
Gleichzeitig hat er, der nun am Court of Requestes mittellose Kläger unterstützt, einen brisanten Fall zu bearbeiten, Adam Kite wurde wegen religiösem Wahn nach Bedlam, einer Anstalt für Menschen mit psychischen Störungen, verbracht, In Bedlam ist er tatsächlich auch am sichersten verwahrt, denn in Zeiten, in denen Bischof Bonner Menschen jagt, die sich in seinen Augen ketzerisch verhalten, wäre er sonst schnell von Hinrichtung bedroht. Matthew will aber wenigstens erreichen, dass er in Bedlam nicht schlecht behandelt wird, und bittet außerdem seinen Freund, den Arzt Guy Malton, sich Adam anzuschauen. Guy selbst scheint auch nicht ganz glücklich zu sein, doch vorerst kann Matthew sich nicht damit befassen, zumal auch sein Gehilfe Jack Barak Probleme hat.
Es ist typisch für die Bände dieser Reihe, dass nicht nur der aktuelle Fall behandelt wird, sondern auch im Privatleben des Protagonisten und im historischen Hintergrund allerhand los ist. Historisch gesehen ist dies die Zeit, in der König Heinrich VIII seine sechste Ehe plant. Die Auserwählte, Catherine Parr, spielt neben anderen historischen Persönlichkeiten, wie Bischof Cranmer und den Brüdern Thomas und Edward Seymour, eine nicht unwichtige Rolle in der Geschichte. Ich mag es sehr, wenn die fiktiven und die tatsächlichen historischen so gelungen verknüpft werden wie hier.
Zudem ist Matthew Shardlake ein interessanter Protagonist, er ist klug, kompetent und hat das Herz am rechten Fleck. Immer wieder wird er, sehr zu seinem Leidwesen, in Fälle involviert, die politisch bedeutsam sind, und ihn daher in Gefahr bringen, denn unter Heinrich VIII lebte man nicht ungefährlich, wer heute dessen Freund war, konnte ganz schnell zum Feind erklärt werden und seiner Hinrichtung entgegensehen. Matthew hat außerdem ein körperliches Gebrechen, nämlich einen Buckel, der ihm auf verschiedenen Ebenen Probleme macht, mit dem er sich aber im wesentlichen abgefunden hat, immerhin kann er auf seinen Geist zählen.
Der Fall ist spannend, sehr grausam und passt gut in die Zeit. Man kann miträtseln, wird aber auch immer wieder überrascht. Die Auflösung finde ich nachvollziehbar. Wie immer ist der Roman gut recherchiert, sowie atmosphärisch und bildreich erzählt. Lesenswert sind auch die geschichtlichen Anmerkungen des Autors im Anhang.
Seit Band 1 gehört diese Reihe zu meinen Lieblingsreihen, und das hat sich auch mit diesem vierten Band nicht geändert. Wer gut recherchierte und atmosphärisch überzeugende historische Romane lesen mag, ist hier gut aufgehoben.
C.J. Sansom
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von C.J. Sansom
Der Anwalt des Königs
Pforte der Verdammnis
Das Buch des Teufels
Feuer der Vergeltung
Der Pfeil der Rache
Die Schrift des Todes
Die Gräber der Verdammten
Der Pfeil der Rache
Neue Rezensionen zu C.J. Sansom
Matthew Shardlake, Anwalt in London, begibt sich mit seinem Gehilfen Jack Barak, dem königlichen Tross vorausreisend, nach York im Norden Englands. Heinrich VIII., der die Reise mit seinem gesamten Hofstaat und einer Armee auf sich nimmt, ist es gelegen, sich der Ergebenheit der Einwohner an der schottischen Grenze zu versichern. Zu oft schon gab es hier Aufstände gegen seine Macht, gegen die Reformation und die Willkür der neuen Herren.
Shardlakes offizielle Aufgabe ist es, die Petitionen des Volkes, das heißt diverse Anklagen, die dem König überreicht werden sollen, zusammen mit einem Anwalt aus York in Form und dann auch zu einer Entscheidung zu bringen.
Zusätzlich ist er mit einer zweiten inoffiziellen Aufgabe betraut. Broderick, einer der Beteiligten am Aufstand gegen den König, soll zwecks peinlicher Befragung über die Mitbeteiligten des Aufstandes nach London in den Tower überführt werden. Da dem Verantwortlichen Ratwinter schon zu oft Gefangene unter seiner „Betreuung“ gestorben sind, soll nun Shardlake für seine Unversehrtheit bis zur Folter in London sorgen.
Soweit die Vorgeschichte.
Angekommen in York, fällt Shardlake eine dritte Aufgabe in Person des Glaser Oldroyd, der von einer Leiter stürzt, direkt vor die Füsse. Die Frage: War es ein Unfall oder gar Mord? Da ein ungeklärter Mordfall nicht den Besuch des Königs überschatten soll, wird Shardlake von Sir Maleverer, dem Organisator des Großereignisses beauftragt, auch diesen Fall zu untersuchen. Erst drei Mordanschläge auf Shardlake später schwant ihm, dass alles miteinander zusammenhängt: Und es geht um nicht weniger als die Legitimität der Herrschaft Heinrichs VIII.
Mir geht es ja grundsätzlich so, wenn ich Bücher verschiedener Autoren nacheinander lese, dass ich jeweils erst ein paar Seiten brauche, um mich in den Stil neu einzufinden.
Bei diesem Buch habe ich länger als gewöhnlich gebraucht und zuerst mit dem Schreibstil etwas gefremdelt. Ein großen Anteil daran hat die Ich-Form, in der der Roman geschrieben ist. Bücher in Ich-Form sollte man sich vorlesen lassen, nicht selber lesen, das ist meine Meinung. Mir gefallen sie nicht besonders, aber das ist Geschmackssache. Dazu kommt, dass der Autor versucht, im Sprachstil der Zeit zu erzählen, wobei es sich beim dem Buch freilich um eine Übersetzung aus dem Englischen handelt, einen Anteil am Stil also auch die Übersetzung hat.
Hat man sich aber erst mal eingelesen, ist dieser Kriminalroman durchaus fesselnd. Ich mag historische Romane vor allem dann, wenn sie gut recherchiert sind. Und das kann man hier unbedingt bestätigen. Man hat wirklich das Gefühl, diese Zeit kennen zulernen, wird regelrecht hineingezogen.
Dazu sind die handelnden Personen Shardlake und Barak sympathisch, ihr Handeln ist logisch und nachvollziehbar. Alles Dinge, die mir wichtig sind.
Die Auflösung gibt es erst kurz vor Schluss , auch das ist gut so. Wenn ich gelegentlich während des Lesens die Person, die als Täter am Ende ausgemacht ist, vorher schon in Betracht gezogen habe, ich habe den Gedanken dann doch wieder verworfen. So muss es sein.
Dieses Buch habe ich gelesen, ohne die vorherigen oder nachfolgenden Romane der Reihe zu kennen. Das ist tatsächlich kein Problem und hindert natürlich auch nicht, in der Reihe weiterzulesen.
Sommer, 1546. Die Ära König Henrys VIII neigt sich ihrem Ende zu. Unerbittlich bekämpfen sich Katholiken und Protestanten, die Jagd auf Ketzer wird immer gnadenloser. In dieser aufgeheizten Stimmung wird Matthew Shardlake in den Palast der Königin gerufen. Er soll ein brisantes Buch wiederfinden, das sie verfasst hat und das aus ihren Gemächern gestohlen wurde. Der Inhalt dieses Werks könnte sie aufs Schafott bringen. Doch bevor Shardlake und sein Gehilfe Jack Barak die Suche aufnehmen, wird in London ein Drucker tot aufgefunden. Bei ihm findet sich eine Seite des Manuskripts der Königin…
Es ist das letzte Regierungsjahr von König Henry VIII. Er ist krank und aufgrund der großen Gewichtszunahme kaum noch in der Lage, sich zu selbst zu bewegen. Heute deutet vieles darauf hin, dass er Diabetes hatte. Da diese Krankheit aber damals völlig unbekannt war, wurde sie nicht behandelt und so starb er an den Folgen.
C. J. Sansom gelingt es in „Die Schrift des Todes“ mal wieder, die Tudorzeit lebendig werden zu lassen. Hervorragend recherchiert führt er den Leser durch das damalige London. Wie immer begleiten wir den Ich-Erzähler Matthew Shardlake zum einen bei seiner Arbeit als Anwalt und dann bei seinem Auftrag, das verschwundene Manuskript „Die Klage einer Sünderin“ von Königin Catherine Parr zu finden. Trotz seines festen Vorsatzes, sich nie wieder in Politik oder die Angelegenheiten des Hofes verwickeln zu lassen, kann er der verzweifelten Königin den Wunsch nicht abschlagen, ihr zu helfen. Denn bei der Wankelmütigkeit des Königs in Glaubensfragen, würde eine Veröffentlichung des Manuskriptes eine große Gefahr und sehr wahrscheinlich die Hinrichtung Catherines bedeuten.
Überhaupt ist Religion ein wichtiges Thema, die Nation ist gespalten, wer nicht den „richtigen“ Glauben hat, landet auf dem Scheiterhaufen. Öffentliche Äußerungen zu diesem Thema sind gefährlich und so versucht Shardlake, sich möglichst neutral zu verhalten. Seine Zeit im Tower vor einem Jahr hängt ihm immer noch nach. Das ist es auch, was ihn sympathisch macht. Durch einen verwachsenen Rücken nennen ihn viele den „Buckligen“. Er ist kein Held und hat vor vielen Dingen Angst, am meisten vor dem König. Aber er hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und das Herz am rechten Fleck. Was ihn allerdings auch immer wieder in Schwierigkeiten bringt.
Zusammen mit Jack Barak und seinem jungen Kanzleimitarbeiter Nicholas begibt er sich auf die Suche nach dem verschwundenen Manuskript. Die Spur führt bis in höchste Kreise und es wird klar, dass jemand sehr Mächtiges im Hintergrund die Fäden ziehen muss. Durch Überraschungen und Wendungen wird die Spannung auf den rund 730 Seiten durchweg aufrecht erhalten.
Wie immer gelingt es dem Autor, historische Fakten und Fiktion authentisch zu verknüpfen. Das gilt auch für historische Personen, die er geschickt in die Geschichte einbaut, wie z. B. Richard Rich, Bischof Cranmer und Kardinal Gardiner und natürlich den König und die Königin.
C. J. Sansom ist im April letzten Jahres leider verstorben, er wurde 71 Jahre alt. Das bedeutet natürlich, dass die historische Kriminalromanreihe um Anwalt Matthew Shardlake nicht fortgeführt wird. Mir bleibt somit nur noch der letzte Teil zu lesen: „Die Gräber der Verdammten“.
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