Ich weiß gar nicht mehr, warum ich dieses Buch gekauft habe und dann ausgerechnet auf Englisch… aber es hat sich definitiv gelohnt. Dark Rise ist zu einer absoluten Lieblingsreihe geworden, die ich sogar im Anschluss noch auf Deutsch gehört und gelesen habe. Wo bleibt nur Teil 3?! Na gut, beschränken wir uns erst einmal auf den ersten Band.
Das Buch bringt viele Elemente mit, die mich gecatcht haben: Ein Setting im London des 19. Jahrhunderts, in dem Magie nicht im Bewusstsein der gewöhnlichen Menschen existiert, Mysterien aus einer längst vergangenen Welt bzw. Zeit, Wiedergeburt, magische Gegenstände, ikonische Kreaturen teilweise interessant interpretiert und eine sich eventuell anbahnende queere Lovestory. Aber am besten ist der Twist am Ende, glaubt mir, nichts ist so wie man es uns anfangs glauben machen möchte.
Will Kempen ist auf der Flucht vor den Mördern seiner Mutter, wird allerdings von ihnen aufgespürt und gefangen genommen. Sie bringen ihn auf das Schiff des skrupellosen Schatzsuchers Simon Creen. Doch der Orden der Stewards stürmt auf der Suche nach Marcus, einem ihrer Männer, das Schiff. Während eines erbitterten Kampfes wird ein verdorbenes Schwert mit einer tödlichen Aura entfesselt. Nur Will kann es unter seine Kontrolle bringen und noch schlimmeres verhindern.
Violet, Schwester eines von Simons Schergen rettet Will gemeinsam mit dem Steward Justice. Dieser bringt Will und Violet zur Halle der Stewards, wo sie in die Hintergründe des Kampfes gegen Simon eingeweiht werden: Simon ist Nachkomme des dunklen Königs Sarcean, einem schrecklichen Tyrannen, den er wiedererwecken möchte. Dafür tötet er Abkömmlinge der Dame, der Widersacherin des Dunklen Königs, weshalb er auch Will und dessen Mutter verfolgte. Er verfügt bereits über James, den Verräter Anharion, einst Spielzeug und Untergebener des dunklen Königs. Will ist auf unerklärliche Weise fasziniert von James, der Gegenstände und Körper mit seiner Magie manipulieren kann.
Während Will und Violet sich mehr oder weniger erfolgreich bei den Stewards für den Kampf gegen Simon und das Böse rüsten, lernen wir Simons Verlobte Katherine und ihre Schwester Elizabeth kennen.️ Sie werden im Laufe der Handlung auch noch eine wichtige Rolle spielen, genau wie der mürrische, hochtalentierte Steward-Novize Cyprian.
Überraschung: Wenn die Stewards sich nicht länger kontrollieren können, verwandeln sie sich in Schatten, die dem Willen des dunklen Königs gehorchen… riskante Strategie, um ihn zu besiegen, aber es ist wohl das letzte Mittel. Diese Idee, dass sie etwas Böses in sich aufnehmen, um das Böse zu bekämpfen hat mir gefallen.
Obwohl wir ein Jugendbuch bzw. YA-Fantasy vor uns haben, gibt es große Verluste bzw. radiert die Autorin einen ganzen Orden im Laufe der Handlung förmlich aus, was mich sehr überrascht und traurig gemacht hat. Justice und Violet hätten so ein gutes Duo im Kampf gegen das Böse werden können. Andererseits, irgendwann musste sich so ein Schatten ja verselbstständigen.
Eine interessante Brücke zur Vergangenheit schlägt das Letzte Einhorn, was in meinem Kopf sofort das gleichnamige Lied von America angeworfen hat: I’M ALIVEEEE! Ja, es lebt wirklich, ist aber traumatisiert, opportunistisch und ganz und gar nicht sanft. Außerdem ist sein Horn ein sehr gutes F0lter- und M0rdinstrument. Lady Amalthea würde soetwas nie tun!
Generell liebe ich die Gegenstände in diesem Buch: Da wären das Einhornhorn, das Amulett der Dame, den Schattenstein, Ekthalion das korrumpierte Schwert… Ganz besonders interessant ist das Halsband, das der dunkle König Anharion angelegt hat: Angeblich kann derjenige der es James anlegt nach Belieben über ihn befehlen. Spoiler aus Band 2: Nein, nur der dunkle König ;) Als sie dieses Artefakt in ihren Besitz bringen, sind Will und seine Freunde hin und hergerissen. Am Ende entscheidet Will, James das Halsband auszuhändigen und sichert sich damit so etwas wie dessen Gefolgschaft.
Ich schätze, dass wir im Verlauf der Reihe eine Liebesgeschichte? zwischen Will und James bekommen. Unterschwellige Anziehung und vergangene Verstrickungen sind definitiv vorhanden, aber auf mehr lässt sich warten.
Was ich besonders mochte war, dass wir dem Hauptcharakter Will absolut nicht vertrauen können. Will will gut sein und verdrängt seine wahre Identität, ist am Ende gegen die Wahrheit aber machtlos. Großer Spoiler: Will ist der dunkle König!
Das Buch endet damit, dass niemand weiß wer Will wirklich ist und sich James ihm anschließt, da er glaubt, dass Will gut ist.
Ich habe den leisen Verdacht, dass wir im Laufe der Reihe merken, dass der dunkle König nicht so verteufelnswert ist, wie es scheint, aber da werden wir uns wohl gedulden müssen.
Insgesamt gibt es 5/5 Halsbändern!
Das englische Original hat mir vom düsteren, sehr atmosphärischen Ton mehr zugesagt, als die deutsche Übersetzung.
Ich konnte die Handlung irgendwie nochmal ernster nehmen und sie wirkte dringlicher.
Das deutsche Hörbuch gefällt mir aber trotzdem sehr gut.
Im Mittelteil hat das Werk so seine Längen, aber man wird mit einem spannenden Ende belohnt.































