Cal Newport

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Lebenslauf von Cal Newport

Der Bestsellerautor Cal Newport lebt in Washington, DC, wo er als Juniorprofessor für Computerwissenschaften an der Georgetown University unterrichtet. Er hat einige sehr erfolgreiche Karrierebücher geschrieben, die sich mit unkonventionellen Ratschlägen an die Leser richten. Dazu betreibt er die beliebte Website »Study Hacks: Decoding Patterns of Success«.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Cal Newport

Cover des Buches Digitaler Minimalismus (ISBN:9783868817256)

Digitaler Minimalismus

 (1)
Erschienen am 17.04.2019
Cover des Buches Konzentriert arbeiten (ISBN:9783868816570)

Konzentriert arbeiten

 (1)
Erschienen am 20.03.2017
Cover des Buches Die Traumjoblüge (ISBN:9783593398136)

Die Traumjoblüge

 (0)
Erschienen am 10.09.2013
Cover des Buches Konzentriert arbeiten (ISBN:9783748401223)

Konzentriert arbeiten

 (1)
Erschienen am 13.11.2019
Cover des Buches So Good They Can't Ignore You (ISBN:9781455528042)

So Good They Can't Ignore You

 (2)
Erschienen am 18.09.2012
Cover des Buches How to Become a Straight-A Student (ISBN:9780767922715)

How to Become a Straight-A Student

 (1)
Erschienen am 26.12.2006
Cover des Buches How To Win At College (ISBN:9780767917872)

How To Win At College

 (1)
Erschienen am 12.04.2005

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Rezension zu "Digitaler Minimalismus" von Cal Newport

"Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, permanent vernetzt zu sein"
R_Mantheyvor 6 Monaten

Mal angenommen, jemand, den man kennt, steht alle fünf Minuten auf und geht sich die Hände waschen. Was würde man wohl denken? Der braucht einen Irrenarzt, weil er einen Waschzwang hat, wäre die wahrscheinliche Reaktion. Glotzt jemand aber in einer ähnlichen Frequenz auf sein Smartphone, dann fallen die Reaktionen etwas gemäßigter aus. Das ist seltsam, weil es sich um dasselbe Verhalten handelt. Ein neurotischer Waschzwang ist ungewöhnlich und wird selten beobachtet. Permanentes Herumfummeln an der persönlichen elektronischen Lebenshilfe ist dagegen weit verbreitet, also irgendwie normal.

Cal Newport, Informatik-Professor und Bestsellerautor, hat sich nun dem Handy-Zwang angenommen und dieses Selbsthilfebuch verfasst. Nachdem man sein eigenes (früher oder später krankmachendes) Suchtverhalten erkannt hat, schlägt Newport eine digitale Entrümpelung vor. Das ist ein radikaler und aggressiver Prozess. Anders geht es nun mal bei Suchtkranken nicht. Newport beschreibt die Entwöhnung so: "Dieser Prozess erfordert, dass Sie dreißig Tage lang auf optionale Onlineaktivitäten verzichten. In dieser Phase entwöhnen Sie sich von den Suchtzyklen, die viele digitale Tools auslösen können, und beginnen die analogen Tätigkeiten wiederzuentdecken, die Ihnen mehr Befriedigung bieten. … Das Wichtigste ist: Die Entrümpelung gibt Ihnen Raum, eine Vorstellung von Dingen zu entwickeln, die Ihnen am meisten bedeuten. Am Ende der dreißig Tage fügen Sie wieder eine geringe Anzahl sorgfältig ausgewählter Onlineaktivitäten hinzu, von denen Sie annehmen, dass sie diesen für Sie bedeutsamen Dingen gute Dienste leisten. Im weiteren Verlauf tun Sie Ihr Bestes, um diese absichtlichen Aktivitäten zum Kern Ihres Onlinelebens zu machen – und lassen den Großteil all der anderen Zerstreuungen hinter sich, die früher Ihre Zeit fragmentierten und Ihre Aufmerksamkeit beansprucht haben. … Sie gehen als erschöpfter Maximalist in den Prozess hinein und verlassen ihn als bewusster digitaler Minimalist."

Auf ungefähr 50 Seiten erläutert Newport zunächst die Grundlagen seiner Philosophie. Danach folgen etwa 150 Seiten mit hilfreichen Übungen und Vorschlägen. Interessanterweise handelt es sich dabei eigentlich um Wege und Möglichkeiten, zu einem sinnvollen und individuell geführten Leben zurückzufinden, abseits von einer unnatürlichen Vernetzung mit allen möglichen Leuten, Organisationen und sonstigen Zeitdieben. Sie gelten ganz allgemein und entfalten ihre Wirkung deshalb natürlich auch bei der Suchtentwöhnung.

Zunächst einmal macht Newport aber in seinen Grundlagen deutlich, dass das Smartphone nicht zufällig ein Suchtmittel geworden ist, sondern dafür geschaffen und ausgerüstet wurde. Man kann es minimalistisch als Hilfsmittel benutzen oder eben in die klebrige Falle gehen und davon nur noch schwer loskommen. Es ist nicht verwerflich, dass Hersteller dieser Geräte, vor allem aber Schöpfer von Programmen, damit Geld verdienen möchten. Wenn man die Fallen kennt, läuft man möglicherweise nicht mehr naiv in sie hinein. Es geht bei ihren Tricks immer darum, Aufmerksamkeit anzuziehen. Fällt man darauf herein, klickt man sich schnell immer weiter in die Falle – und schon ist wieder eine Stunde vergangen. Noch zwanghafter wird es bei den sogenannten sozialen Netzwerken, die den menschlichen Drang nach sozialer Anerkennung ausnutzen. Zu unserer DNA gehört es, unbedingt den Ausschluss aus der Gruppe zu vermeiden, der ganz früher, als wir noch in der Wildnis lebten, zwangsläufig den Tod bedeutete. Diese vererbte Angst wurde schon immer kräftig zum Geldmachen genutzt. So funktionieren Trends und Moden. Das Smartphone verstärkt diesen Effekt noch um ein Vielfaches.

Später bei den Übungen weist Newport darauf hin, dass der fortgesetzte Konsum von Textnachrichten oder sozialer Netzwerke leider oft zu auffälligen Verhaltensänderungen führt, insbesondere zur Zunahme von Angststörungen. Das ist der Klassiker paradoxer Folgeerscheinungen: Man nimmt an sozialen Netzwerken teil, weil man dazugehören möchte, und das verstärkt dann wieder die Angst, nicht mehr dazuzugehören, weil man ständig aufpassen muss, noch selbst genug Aufmerksamkeit zu erzielen. Die klassische Schleife in den Irrsinn, denn ist erst einmal die Hirnchemie durcheinandergekommen, findet man selten allein einen Ausweg aus diesem Drama.

Das Übungskapitel teilt sich in vier Abschnitte: (1) Verbringen Sie Zeit allein, (2) Klicken Sie nicht auf „Gefällt mir“, (3) Die Rückeroberung der Muße, (4) Widerstand gegen die Aufmerksamkeitsindustrie. In diesen Abschnitten findet man einzelne Übungen und Erläuterungen. Das Buch wurde für Menschen geschrieben, die die eigene digitale Erschöpfung bemerkt haben und einen Ausweg suchen. Dieser Ausweg kann gelingen, wenn man sich nach der Autonomie zurücksehnt, die einem das Gerät genommen hat. Nach meiner Beobachtung besitzen nicht viele Menschen diesen Wunsch. Falls er doch vorhanden ist, bietet dieses Buch einen wirklichen Ausweg, weil es dem gesunden Menschenverstand und einem gesunden und natürlichen Verhalten folgt. Es setzt somit also ein gewisses Bewusstsein für die Fatalität der eigenen Suchtlage voraus.

Vielleicht hätte sich Newport an der einen oder anderen Stelle etwas kürzer fassen können. Das ändert jedoch nichts daran, dass er ein hervorragendes Buch für Menschen geschrieben hat, die sich aus der Umklammerung der Aufmerksamkeitsindustrie lösen und wieder ein sinnvolleres Leben führen möchten.

Es geht in diesem Text folglich nicht um die Verdammung des Smartphones, sondern um seine sinnvolle Nutzung als technisches Hilfsmittel. Sieht man sich allerdings im öffentlichen Bereich oder der eigenen Familie um, dann kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass es genau umgekehrt ist: Das Smartphone dient als Trojanisches Pferd, mit dem der Mensch zum profitablen Hilfsmittel für einige wenige andere Menschen wird.

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