Camil Sijaric Im Schatten des Urahnenbaums,

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Inhaltsangabe zu „Im Schatten des Urahnenbaums,“ von Camil Sijaric

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  • Rezension zu "Im Schatten des Urahnenbaums," von Camil Sijaric

    Im Schatten des Urahnenbaums,

    Hallogen

    31. December 2009 um 22:24

    Ein Buch voller Bausymbolik, das mir unglaublich gut gefallen hat. Ich hatte zwar den Eindruck, dass es relativ abrupt endete, d. h. mehrere Details ungeklärt blieben, doch ist das der einzige Kritikpunkt an diesem Buch, das von der Zwischenkriegszeit im muslimischen Nordostteil Montenegros berichtet. Als Werk steht es deutlich in der Nachfolge von Ivo Andrićs großen historischen Romanen, und obwohl sehr viele Figuren auftauchen, konzentriert es sich auf einige wenige. Allein die Ausgangssituation: der Windhund jault auf ungewöhnliche Weise, was man als Zeichen deutet, dass jemand im Haus sterben wird. Das alte Familienoberhaupt geht raus und setzt sich unter den Ahornbaum, den einer seiner Vorfahren pflanzte. Er spielt wie ein Kind mit Steinchen und beginnt sich an sein Leben zu erinnern. Wen das nicht sofort gefangen nimmt, dem sei von diesem Werk zwar nicht abgeraten, aber diese ruhige poetische Art ist schon recht prägend für die Familiengeschichte, die im wesentlichen auf den Stammsitz im Bihor-Gebirge beschränkt bleibt. Es ist erstaunlich, wie viele Geschichten Sijarić mit so wenigen Figuren erzählen kann, ohne unglaubwürdig zu werden. Die Figur des Amar weist übrigens deutliche Parallelen zur Biographie des Autors auf (höhere Schule in Skopje, Studium in Belgrad). Der Autor ist zudem in der Lage große Bilder zu schaffen: Als etwa ein Familienmitglied mit einem Messer verletzt wird, heißt es: „Alle waren sie jetzt ein Baum, alle waren sie verwundet, alle bluteten sie.“ Poetischer kann man den Wunsch nach Blutrache kaum schildern. Hier geht es aber nie um die bloße Wiedergabe solcher überkommenen Bräuche, sondern um ihre Überwindung. Eines der Hauptthemen ist (was man erst im Nachhinein merkt) die Rolle der Frau in der patriarchalischen Gesellschaft. So ernst wie es vielleicht klingt, ist das Buch aber gar nicht und so gibt es immer wieder auch tragikkomische Szenen, etwa jene mit dem Mann mit dem Grammophon. Eine der zentralen Szenen ist ein Reitturnier auf einem Gebirgsplateau (der Weg dorthin kommt einer der Hauptpersonen vor wie der „Gang in eine ferne Zeit.“), welches ein weiteres wichtiges Thema (das untergehende Osmanische Reich) auf gelungene Art und Weise abhandelt.

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