Camille de Peretti Die kleinen Arrangements unserer Herzen

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Inhaltsangabe zu „Die kleinen Arrangements unserer Herzen“ von Camille de Peretti

Camille ist 16, als sie von Stanislas ihren ersten Kuss bekommt. Er ist fürchterlich verliebt in sie, auf dem Gymnasium sind sie für kurze Zeit ein Paar. Aber dann serviert sie ihn schnöde ab, das kleine hübsche Luder. Jahre später treffen sie sich wieder. Camille hat inzwischen geheiratet, Stanislas ist ungebunden, er hat in England eine Karriere als Banker gemacht. Der Zauber der Jugenderinnerung wirkt. Camille verlässt ihren Mann und Paris und zieht zu Stanislas nach London. Stanislas liegt Camille zu Füßen, er überschüttet sie mit Geschenken, Geld spielt keine Rolle, sie trinken Champagner wie Wasser, sie reisen, wohin immer die 'Prinzessin' will. Der Höhepunkt des Romans ist ihre längste Reise ¬- on the road durch Amerika: Von New York nach Texas, Dallas, New Orleans. Sie haben sich ihren größten Wunsch erfüllt. Aber unaufhaltsam spüren sie eine gewisse Leere in sich aufsteigen. Zweifel nagen an den beiden, das kleine Unglück im großen Glück klopft an. Kann man eine Liebe festhalten, für die man viel aufgegeben hat? Camille de Peretti schreibt in dem ihr eigenen erfrischend leichten und zutiefst aufrichtigen Ton über die kleinen Arrangements, die wir in unseren Herzen treffen, um langfristig Beziehungen aufrechtzuerhalten. Es ist ein vordergründig zuversichtlicher Ton, mit einem steten, leicht bedrohlichen Hintergrundrauschen. Mit Humor und französischem Charme blickt Camille de Peretti gnadenlos tief in die schwarzen Seelen ihrer Protagonisten. Der Roman schließt im Erzählstil an ihren ersten Roman, der in einer Pariser Seniorenresidenz spielt ('Wir werden zusammen alt'), an. Ein freches und zauberhaftes Buch über die immer wieder neue Suche nach dem dauerhaften Glück, phantastisch übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel.

Exzellenter Beziehungsroman mit vielen Wahrheiten

— RosaEmma
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    Die kleinen Arrangements unserer Herzen
    RosaEmma

    RosaEmma

    04. March 2016 um 13:30

    Camille de Perettis Romane sind immer etwas ganz Besonderes. Auch mit Die kleinen Arrangements unserer Herzen ist der Autorin wieder eine ungewöhnliche Erzählung gelungen, die mich beeindruckt und mir sehr gut gefallen hat. Dieser Beziehungsroman ist so ganz anders als viele Werke dieses Genres, denn er ist absolut unverschnörkelt. Nichts wird verschönt, nichts in blumige Worte verpackt – es ist eine schonungslos ehrliche, glaubwürdige und ungeschminkte Bilanz zwischenmenschlicher Beziehungen: Was wir von ihnen erwarten, was wir uns von ihnen erhoffen und wie wir uns nicht selten an die Illusion klammern, dass nach einer oftmals vorprogrammierten Krise doch alles wieder gut wird, obwohl das Ende schon längst absehbar ist. Darüber hinaus thematisiert der Roman aber auch die Verarbeitung des Scheiterns – wie wir damit umgehen und wie schnell manchmal die Erinnerung an glückliche Tage verblasst. Ungeschminkte Wahrheiten Der eigenwillige Schreibstil dieser bemerkenswerten Schriftstellerin, der von ungerührter Offenheit und Launenhaftigkeit geprägt ist, macht dieses Buch, das aus drei Teilen besteht, meines Erachtens so erstrangig und ausdrucksstark. Die existenziellen Einsichten, die die Protagonistin aus ihrer Beziehungserfahrung zieht, bringen die Wahrheiten ans Licht, die wir nicht sehen wollen und daher auch so gerne verdrängen. Sie treffen uns mitten ins Herz und zeigen uns, wie verwundbar wir sind, aber auch wie schnell wir mit unserem Leben weitermachen, als sei nichts geschehen. Die Automatismen, die wir anwenden, um uns mit unserem Schmerz zu arrangieren, sind oftmals nicht die klügsten, doch sie helfen uns, nach vorne zu sehen und geben uns die Kraft, uns nach einer gewissen Zeit auf eine neue Beziehung einzulassen, von der wir hoffen, dass sie unseren Wunschvorstellungen entspricht und uns vor weiteren Enttäuschungen bewahrt. Auch das mag wieder ein Trugschluss ein, doch es ist einer, mit dem wir guten Gewissens leben können. Camille, die Unbarmherzige Als Sechzehnjährige ist Camille, die Protagonistin des Buchs, vor allem sich selbst ein Rätsel. Sie ist bei ihren Mitschülern nicht sonderlich beliebt und hat darüber hinaus Angst vor Jungs, die von ihr aufgrund mangelnder Attraktivität auch keine Notiz nehmen. Als sich dann der scheue Stanislas in sie verliebt, beschließt Camille, es ihm stellvertretend für alle Jungs, die sie verschmähten, heimzuzahlen. Sie genießt ihren ersten Kuß mit ihm, doch dann macht sie sich über ihn lustig und spielt mit ihm, bis er es schließlich nicht mehr erträgt und die Beziehung beendet. Doch schnell bereut er seinen Entschluss und versucht alles, um Camille zurückzugewinnen, aber sie verweigert jedes Gespräch und serviert ihn schließlich eiskalt ab, obwohl sie ihn sehr mag.  Nach einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium gründet Camille ihre eigene Event-Agentur und avanciert nebenbei zur Schriftstellerin. Sie heiratet den reichen César hauptsächlich wegen seines Geldes, ist jedoch seiner schnell überdrüssig, denn César hat keine Lust zu arbeiten und lebt ausschließlich vom Geld seiner Familie, das er mit vollen Händen ausgibt. Liebe im Überfluss Camille beschließt, sich von César zu trennen, jedoch nicht, ohne vorher einen vermögenden Nachfolger für ihn gefunden zu haben. Und so stößt sie im Web auf Stanislas, den sie nie vergessen konnte. Er ist mittlerweile ein sehr erfolgreicher Trader und lebt in London. Sie kontaktiert ihn, die beiden treffen sich, und es kommt, wie es kommen muss: Sie verlieben sich aufs Neue und zelebrieren ihre Beziehung. Stanislas legt Camille die Welt zu Füßen, nur das Beste ist für seine Traumfrau gut genug – eine luxuriöse Wohnung, paradiesischer Urlaub, Kurztrips um die Welt u.v.m. Camille fühlt sich geschmeichelt, obwohl sie lieber zuhause bleiben und einfach nur mehr Zeit mit Stanislas verbringen möchte. Trügerische Perfektion Alles ist perfekt. Doch mit der Perfektion kommt die Langeweile. Für seinen beruflichen Erfolg muss Stanislas sehr hart arbeiten, so dass er nur selten zuhause ist. Camille kommt mit dem Alleinsein nicht zurecht und fühlt sich leer und unverstanden. Sie geraten immer öfter aneinander und fühlen, dass ihre Beziehung unaufhaltsam in eine Richtung steuert, die für sie beide nicht möglich zu sein schien. Doch sie wollen es nicht wahrhaben, denn eine Liebe so groß wie die ihre muss doch für die Ewigkeit sein. Und so entschließen sie sich, einen Road Trip in die USA, das Land ihrer Träume, zu machen, um wieder zueinander zu finden und ihrem scheinbar unausweichlichen Beziehungsschicksal zu trotzen. Doch die Reise wird zur Seelentortur, die ihnen alles abverlangt, vielleicht sogar ihre Liebe… Unter der Oberfläche Dieser unkonventionelle Roman ist eine emotionale Tour de Force – auch für die Leser. Camille, die Protagonistin, der die Schriftstellerin – vermutlich als Alter Ego – ihren Namen (und auch ihren Lebenslauf) gegeben hat, macht es uns nicht leicht, sie zu mögen, denn zu berechnend wählt sie die Männer aus, mit denen sie ihr Leben teilt, zu unbarmherzig behandelt sie die, die sie lieben. Doch gerade als man ihr Gefühlskälte bescheinigen möchte, offenbart sie eine andere Seite, die ihr selbst am meisten fremd ist: Sie ertrinkt in einem Meer von Gefühlen, die sie nicht einordnen kann und die ihr – und den Lesern – zeigen, dass sie sich selbst am wenigsten kennt. Die Geschichte von der großen Liebe und die Illusion vom ewigen Glück sind zeitlos. Was Camille de Peretti daraus macht, ist berührend und wahrhaftig zugleich. Sie schaut hinter die Fassaden der Menschen in einer Zeit, in der vieles an der Oberfläche bleibt und in der Beziehungen oftmals Prestige-Charakter haben. Was sie dahinter findet, sind nicht selten emotional verkümmerte Existenzen, die trotz Beziehung innerlich leer und einsam sind. Ihre immerwährende Suche nach Wärme und Stabilität treibt sie an und bringt sie dazu, sich mit dem zu arrangieren, was sie finden – und sei es nur für wenige Augenblicke des Glücks.

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