Camilo Sánchez

 4.1 Sterne bei 10 Bewertungen

Alle Bücher von Camilo Sánchez

Die Witwe der Brüder van Gogh

Die Witwe der Brüder van Gogh

 (6)
Erschienen am 21.07.2014
Die Witwe der Brüder van Gogh

Die Witwe der Brüder van Gogh

 (2)
Erschienen am 15.02.2016
Die Witwe der Brüder van Gogh

Die Witwe der Brüder van Gogh

 (2)
Erschienen am 05.03.2015

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Rezension zu "Die Witwe der Brüder van Gogh" von Camilo Sánchez

Die Frau hinter van Goghs Erfolg
YukBookvor einem Jahr

Künstlerbiografien lese ich wahnsinnig gern. Mindestens so spannend ist aber oftmals das Leben der nahestehenden Personen wie zum Beispiel die Tochter Chagalls, die Ehefrau von Franz Marc oder Hemingways Geliebte. Meist stehen sie im Schatten extravaganter Maler, Schriftsteller oder Komponisten, sind Muse und Inspirationsquelle oder Antreiber.

Auch Johanna von Bonger-Gogh war mir bisher nicht bekannt, bis ich dieses Buch von Camilo Sánchez las. Sie war die Ehefrau von Theo van Gogh, dem Bruder des weltbekannten Impressionisten. Die Konstruktion der Romanbiografie ist ungewöhnlich, denn sie beginnt kurz nach dem Selbstmord von Vincent van Gogh im August 1890. So erfahren wir nur in Rückblicken und anhand von Johannas Tagebucheinträgen ausgewählte Details aus van Goghs Leben und künstlerischem Schaffen. Ihre Gedanken kreisen um ihren trauernden Ehemann Theo, den tödlichen Schuss und die Beerdigung Van Goghs sowie ihren kleinen Sohn Vincent. 

Theo bemüht sich um eine Retrospektive und Biografie seines Bruders, studiert Vincents Briefe und lebt in einem Wechsel zwischen hektischer Betriebsamkeit und Apathie. Interessant fand ich, welche Reaktionen van Goghs Kunst auslöste. Der Galerist Durand-Rule lehnt eine Ausstellung ab, weil ihn die Wucht der Bilder und die radikalen Stilbrüche irritieren. Mehrmals wird Johanna von seltsamen Leuten behelligt, die dem Werk van Goghs dunkle Kraft zusprechen und ihr nahelegen, die Bilder zu zerstören. Unfassbar!

Durch die erste Hälfte des Buches muss man sich etwas mühsam durchkämpfen, denn ständig ist von Theos nervlichen Zusammenbrüchen und seiner fortschreitenden Lähmung die Rede, die nicht nur Johanna, sondern auch den Leser mental herunterziehen. Johanna versucht, Theos schwieriges Verhalten durch ihr Tagebuch zu verarbeiten und schreibt ihre Gedanken nieder. 

Nach dem Tod ihres Mannes nimmt die Geschichte jedoch an Fahrt auf. Nach Theos Tod vertieft sich Johanna in van Goghs Briefwechsel mit seinem Bruder, in der Hoffnung, mehr über ihren Ehemann zu erfahren. Überrascht stellt sie fest, welches schriftstellerische Talent in Vincent steckte. Sie beschließt eine Ferienpension zu eröffnen und kauft eine Villa in Bussum. Angespornt von Van Goghs Gemälden, die die Wände der Pension schmücken und seinen Briefen, bemüht sich Johanna, die Bilder ihres Schwagers in Umlauf zu bringen.

Camilo Sánchez gibt mit dieser Biografie nicht nur einen interessanten Einblick in die Kunstwelt des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sondern porträtiert auch eine sensible, kluge und resolute Frau, der wir die Bewahrung eines der größten Kunstschätze zu verdanken haben.

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Rezension zu "Die Witwe der Brüder van Gogh" von Camilo Sánchez

Die Witwe der Brüder van Gogh
Daphne1962vor 2 Jahren


Vincent van Gogh (1853-1890) war einer der bedeutensten Maler des letzten Jahrhunderts und wurde leider erst nach seinem tragischen Selbstmord berühmt. Zu Lebzeiten hatte er kaum von seiner Malerei leben können und war auf die Almosen seines Bruders Theo und dessen Frau Johanna van Gogh-Bonger angewiesen.  

Die zahlreichen Bilder, geschätzte 864 sowie an die 1000 Zeichnungen des Malers, gingen in den Besitz seines Bruders Theo van Gogh über. Der rege Briefwechsel mit seinem Bruder Theo machte es möglich, einen tieferen Einblick in die Seele und Gedanken des Künstlers zu bekommen. Allerdings konnte Theo den Selbstmord des Bruders nicht
verwinden, hatte Schuldgefühle die Tat nicht verhindert zu haben. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, so das er nur ein halbes Jahr nach dem Tod Vincents verstarb und seine Witwe Johanna mit dem wenige Monate alten Sohn, ebenfalls Vincent alleine in Paris zurück ließ.

Nach dem Tod von Theo van Gogh kehrte die Witwe Johanna zunächst zu ihrer Familie in den Niederlanden zurück. Allerdings schwebte ihr eine kleine Pension vor, die sie mit Hilfe ihres Vaters eröffnet und die Räume mit den Gemälden des Schwagers ausstattete. Nachdem sie die zahlreichen Briefe zwischen ihrem Mann und Schwager gesichtet und
gelesen hatte, organisierte sie mit eigenen Mitteln ihre ersten Ausstellungen und veröffentliche später auch Auszüge daraus.
 
Der Maler Emile Bernard war mit van Gogh befreundet und hatte nach seinem Tod versucht zuerst eine Ausstellung zu organisieren in Paris. Es blieb wohl bei dem Versuch. Als ich Gelegenheit hatte eine Emile Bernard Ausstellung in meiner Heimatstadt zu sehen vor ca. 2 Jahren, wurde den Besuchern vermittelt, van Gogh habe vom Künstler Bernard 
Inspiration seines Freundes erhalten. Emile Bernard wird auch heute noch zu wenig Bedeutung beigemessen, denn er galt als der eigentliche Begründer der Moderne. 


Diese vom Autoren Camilo Sanchez verfasste Biografie über van Gogh gibt dem Leser einen einzigartigen Einblick über die Bindung zu Vincents Familie. Die Sprecherin Doris Wolters macht das Hörbuch zu einem wahren Kunstgenuss. Gerne hätte ich noch länger in dieser tiefen Erzählung verweilt. Nun werde ich mich deshalb mal wieder mit dem Maler van Gogh befassen und meine Bildbände zur Hand nehmen.

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Rezension zu "Die Witwe der Brüder van Gogh" von Camilo Sánchez

Bruderliebe und Emanzipation
Farbwirbelvor 2 Jahren

Johanna van Gogh-Bonger ist die Protagonistin des biographischen Romans „Die Witwe der Brüder van Gogh“ von Camilo Sánchez. Er handelt von der Geschichte, wie Vinzent van Goghs Werk berühmt und anerkannt wurde. Es handelt aber auch von einer Frau, die bereits im 19. Jahrhundert emanzipiert ihren Weg geht.

Der Auftakt des Romans ist der theatralische Selbstmord van Goghs. Johannas Mann, Theo van Gogh, leidet sehr unter dem Tod seines geliebten Bruders, den er über Jahre hinweg finanziell und emotional unterstützt hatte. Theo selbst ist bald nicht mehr fähig, ohne seinen Bruder zu leben. Er vertieft sich in die Briefkorrespondenz zwischen ihm und van Gogh, erkrankt an Nervenleiden und macht Johanna das Leben schwer. Sie erkennt ihren Mann kaum wieder, muss sich um den Haushalt kümmern und parallel ihren Sohn Vincent aufziehen.

Um ihre Gedanken zu ordnen und sich den Kummer von der Seele zu schreiben, beginnt sie ein Tagebuch, welches den Leser durch den Roman begleitet. Immer wieder werden Passagen ihrer Gedanken in den Text eingefügt.

Theo stirbt ein halbes Jahr nach van Goghs Tod an gebrochenem Herzen und Johanna muss nun selbst für sich und ihren Sohn sorgen. Sie beschließt, die Briefe van Goghs zu lesen und erhält dabei einen Einblick in dessen Kunstphilosophie. Dabei erkennt sie, wie wertvoll seine Texte sind und fängt damit an, die Werke van Goghs, ca. 600 Stück, zusammenzutragen. Sie stellt sich der Aufgabe, van Goghs Werk in die Kunstgeschichte eingehen zu lassen.

Van Gogh hatte es fünf Jahre zuvor gemalt. Seitdem waren hundert Jahre vergangen. - S. 36

Unabhängig und frei ist sie. Sie agiert als emanzipierte, selbstständige Frau und ist dabei Vorbild für die Dinge, die da kommen. Unterstütz wird sie von einigen Freundinnen und von ihrem Vater.

Heimat, das ist die Gesamtheit der Spaziergänge ums eigene Dorf – wie wahr! - S. 119

Der Roman ist recht kurz. Meine Ausgabe umfasst 180 Seiten. Dabei fiel es mir zu Beginn schwer, den Schreibstil zu mögen – er wirkte etwas platt. Johannas Tagebucheinträge waren dabei aber sehr angenehm zu lesen. Es ist ein Buch, das nett war, aber auch nicht überragend. Wer sich mit van Goghs Werk nicht auskennt, sollte dabei jedoch immer mal wieder seine Bilder ansehen, um zu begreifen, wovon geschrieben wird.


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