Can Dündar

 5 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Lebenslang für die Wahrheit, Verräter und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Can Dündar

Lebenslang für die Wahrheit

Lebenslang für die Wahrheit

 (3)
Erschienen am 08.09.2016
Verräter

Verräter

 (1)
Erschienen am 05.10.2017
Tut was! / Bir şey yap!

Tut was! / Bir şey yap!

 (0)
Erschienen am 05.06.2018
Vatan Haini

Vatan Haini

 (0)
Erschienen am 19.01.2018

Neue Rezensionen zu Can Dündar

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seschats avatar

Rezension zu "Verräter" von Can Dündar

Mutiges Plädoyer für Pressefreiheit und Demokratie
seschatvor einem Jahr

Der ehemalige türkische Chefredakteur der türkischen Tageszeitung "Cumhuriyet" Can Dündar lebt seit Juli 2016 im Berliner Exil und hat darüber ein ungemein spannendes Buch geschrieben.

Nachdem auf den Journalisten Dündar ein Attentat verübt worden ist und er drei Monate im türkischen Gefängnis saß, weil er ein Staatsgeheimnis, nämlich einen heimlichen Waffendeal zwischen dem türkischen Geheimdienst und dem syrischen Staat, aufgedeckt und veröffentlicht hatte, war er in seiner Heimat nicht mehr sicher. Erschwerend kam natürlich hinzu, dass sich im Juli 2016 ein Putsch in der Türkei ereignete.

Das Risiko in Istanbul wieder inhaftiert und damit mundtot gemacht zu werden, war einfach zu groß. In Berlin durfte er zwar wieder schreiben, aber seine Frau, die noch im gemeinsamen Istanbuler Haus lebt, durfte ihn bis heute nicht besuchen. Zudem wurde er von Staats wegen zum "Landesverräter" erklärt und seine Familie erfährt allerlei Repressalien. Doch seinen wachen und wagemutigen Kopf konnte man bisher noch nicht brechen.

In Deutschland bzw. Europa macht er fortan sein Schicksal und das seiner Kollegen publik und erntet damit viel Zuspruch und Preise (u.a. Alternativer Nobelpreis). Die wichtigsten deutschen Politiker, wie Angela Merkel und Joachim Gauck, leihen ihm ein Ohr und in Stratford-upon-Avon hat man gar sein Gefängnisbuch auf die Theaterbühne gebracht.

Das Besondere an Can Dündars tagebuchartigen Erzählband ist der ehrliche und kraftvolle Sprachstil, der Persönliches und Politisches gekonnt miteinander verbindet und dabei stets an die Menschlichkeit bzw. Pressefreiheit appelliert. Als Verfechter des europäischen Gedankens lehnt er staatliche Zensur aufs Schärfste ab und will den Leser über die politischen Zustände im beliebten Urlaubsland nicht im Unklaren lassen. Sein kritischer Ton gegenüber staatlichen Ungerechtigkeiten wird nachvollziehbar und stimmt gleichzeitig nachdenklich. 

Zitat (S. 19):
"Ich wollte, dass man sieht, dass die Mächtigen im Unrecht und die Schwachen im Recht sind.  [...] Ich wollte, dass man erkennt, wie schwierig und zugleich existenziell notwendig es ist, trotz aller im Kampf erhaltenen Lädierungen die Fahne der Hoffnung zu schwenken."

FAZIT
Ein spannendes, weil tagesaktuelles Buch, das die Macht der autokratischen Regierung Ankaras gegenüber der Presse anhand eines Einzelschicksals eindrücklich abbildet. Bleibt nur zu hoffen, dass Can Dündar eines Tages in sein Heimatland zurückkehren darf.

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Claris avatar

Rezension zu "Lebenslang für die Wahrheit" von Can Dündar

Das Leben eines freiheitlich gesinnten Geistes in düsterer Zeit....
Clarivor 2 Jahren

Can Dündar gehört zu einem unter vielen aufgeklärten und anerkannten Journalisten in der Türkei. Er war Chefredakteur der bekannten türkischen Zeitung Cumhuriyet und wurde zum Sprachrohr der „prowestlichen, demokratischen und säkularen Freiheitsbewegung seines Landes“, wie es auf dem Klappentext heißt.
Als er sich mit dem türkischen Geheimdienst schon unter der Ägide Erdogans anlegte, war es, als stäche er in ein Wespennest. Er hatte Waffenlieferungen des MIT (türkischer Geheimdienst) an Syrien aufgedeckt und publik gemacht.

Täglich gab es in der Türkei ab Beginn des Jahres 2015 Verfolgungen, Verhaftungen und Verdächtigungen gegen liberale Intellektuelle und Journalisten.

Jeder weiß, wohin das bis heute führte.

Im November 2015 wurde Can Dündar unter dem Verdacht der Spionage (Weitergabe von Geheimdienstangelegenheiten) in Untersuchungshaft genommen. In einer Art Tagebuch beschreibt er seine Beobachtungen und Erfahrungen mit dem zunehmend despotischen Regime unter Erdogan.
Erst mit dem Putschversuch am 15. Juli 2016, der glücklicherweise niedergeschlagen wurde, verschlechterte sich die Lage in der Türkei gegen jegliche Art von demokratischen Reformen oder Regungen.
Dündar drohte erneut eine lange Haftstrafe, und er trat die Flucht ins Ausland an.

Die Geschichte und politische Entwicklung in der Türkei ist verworren und für einen Außenstehenden schwer zu durchschauen. Insofern bietet Dündars Bericht eine Innenansicht über das, was in der Türkei momentan geschieht.

In seinem vorliegenden Buch beschreibt er sein Leben vor und während der Haft von November 2015 bis Ende Februar 2016.
Der Bericht ist detailreich, informativ und sehr menschlich in der Offenheit der Mitteilungen.
Zahlreiche Freunde, Kollegen und Bürger haben ihn beständig unterstützt und öffentlich gegen seine Inhaftierung protestiert. Ganz nebenbei erfährt man von seiner glücklichen Familie, seiner Frau Dilek und dem Sohn Ege, die ihm emotional tief verbunden sind.

Mit dem hier vorliegenden Bericht erfährt man zahlreiche Einzelheiten über den Alltag im Gefängnis Silivri. Hier sitzen vorwiegend gebildete und intellektuelle Persönlichkeiten ein, deren Ausstrahlung und Kraft eine stete Bedrohung für die Machthaber zu verkörpern scheinen.

Mit Einfallsreichtum und geistiger Potenz versucht Dündar, die Isolierzelle zu ertragen. Es kommen ihm immer neue Einfälle, sei es aus der Literatur, sei es aus Gedanken und Spielen, die ihn die harte Haft durchstehen lassen. Er ist trotz aller Unbilden voller Zuversicht und Hoffnung, dass er bald entlassen wird. Durch die schwere Zeit wird er getragen von der Zustimmung einer breiten Öffentlichkeit, vieler guter Kollegen, Freunde und immer wieder auch von Frau und Sohn. Teilweise sind seine Betrachtungen von feinfühliger, liebevoller und poetischer Kraft.


Hier ist ein warmherziger, freiheitlich gesinnter und liberaler Geist aus seinem Heimatland vertrieben worden, an dem er hängt, und für das er noch viel Gutes im Sinne von kultureller Prägung für eine freiheitliche Gesellschaft hätte beitragen können. Hoffen wir, dass die Verhältnisse in der Türkei eines Tages die Menge der liberalen und gebildeten Freigeister zurückkehren und zum guten Leben in der Türkei beitragen lassen werden! Als Appel dazu kann man das Buch von Can Dündar nur begrüßen.

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