Nadia, ich wollte dich nicht verlassen. Ich konnte dich so gut verstehen, liebste Nadia. Ich war dir emotional so nah, dass ich dachte, du bist ich und ich bin du. Ich habe deinen Schmerz gefühlt und deine Hoffnung. Hab verstanden, warum du so sehr kämpfst - mit dir, mit den Erinnerungen an deine verschwundene jüngere Schwester Dilhan, mit dem Verlust deiner großen Liebe Rahel. All diesen Schmerz kann ich spüren, kann empfinden, wie jeder einzelne Schmerz zu einem großen Ganzen in dir wächst. Wie nah beieinander jeder Einzelne an dem anderen liegt. Ich kann nachvollziehen, warum du vor 5 Jahren die Trennung von Rahel herausgefordert hast und Hamburg und deine große Schwester Minoo verlassen hast. Warum deine Kunst, vor allem die Installation „STIP“(So This Is Permanence), dir helfen zu verarbeiten und aus einem inneren Drang heraus entstehen. Das STIP Dilhan ist und ihr Fortsein dich heut noch, 8 Jahre später, so entsetzlich schmerzt, dass dir die Luft zum Atmen fehlt. Das dich die Rückkehr nach Hamburg innerlich zerreißt - Erinnerungen, Angst, Begegnung - pure Schmerzverstärker. Und warum Cagney und ihr Taxi ein Ort der Ruhe für dich ist.
Nadia, ich hab dich unglaublich gern gelesen! Du hast mich emotional so stark berührt und an einigen Stellen hart rangenommen. Hast meine eigene Kreativität zum Laufen gebracht, Ideen in mir geweckt und hast meine Liebe zur Musik geteilt. Joy Division hält Dilhan für dich am Leben und deine Playlist, am Anfang dieses Buches, ist meine Erinnerung an dich, liebe Nadia. Ich werde sie abspeichern, anhören, um dieses Gefühl wieder zum Leben zu erwecken, dass du mir geschenkt hast. Ich hab das Ende ein wenig hinausgezögert, aber ich konnte nicht anders, ich musste dich beenden. Wie gerne wäre ich wieder das erste Mal in deinem wunderbaren Kosmos voller „Leben, Schmerz, Glaube, Liebe, Hoffnung“. Wie gerne hätte ich den Trost dieser reflektierten Gespräche zwischen dir, deinen Freunden und deiner Schwester. Wir alle leiden, jeder auf seine Art und doch geht das Leben weiter, oder?
S.75 „Als beim Konzert Lights gespielt wurde, der Song, der in Nadia bis heute eine Art Ekstase auslösen konnte, war der ganze Raum in sphärische Überwältigung getaucht. Spätestens als Banks die Zeilen „That´s why I hold you, dear“ sang, hatte Nadia am ganzen Körper jene Gänsehaut, die nur Musik auslösen kann, sodass sie die Augen schließen musste, weil das alles zu tief und zu intensiv und zu wunderbar war.“
S.146 „Ein Großvater aus England hatte ihr geschrieben, dass sein Enkel bei einem Unfall ums Leben gekommen sei und er sich, als er durch die ihre Installation gelaufen war, gefühlt habe, als würde auch sein Schmerz dort hängen.“
S. 223 „Ihr war klar, dass dieses Gefühl wahrscheinlich nicht von Dauer sein würde, und die Gefahr bestand, dass sie möglicherweise schon am Abend wieder in die Höhle zurückkriechen würde, in der sie sich Jahr um Jahr vor der Außenwelt abgeschottet hatte, aber vielleicht musste das ja so sein. In diesem Augenblick war es ihr egal. Sie blickte voller Zuversicht in den Tag und dachte „Was soll’s?““



