Caradog Prichard In einer mondhellen Nacht

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(0)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „In einer mondhellen Nacht“ von Caradog Prichard

Caradog Prichard war zu seiner Zeit so erfolgreich, dass sogar die Regeln der Dichter-Wettbewerbe geändert werden mussten - er gewann sie alle, und zwar jedes Jahr. Dieser zeitlose Klassiker erscheint jetzt erstmals auf deutsch. Er ist wie Frank McCourts "Die Asche meiner Mutter" die Geschichte einer Kindheit, die uns einführt "in eine Welt, die in einem alltäglichen Sinn real ist und gleichzeitig hochgradig phantasievoll und poetisch" (Washington Post).

Stöbern in Historische Romane

Die Legion des Raben

Spannend, gut recherchiert, macht Hunger nach mehr

Effie-das-Biest

Das Erdbeermädchen

Ein historischer Norwegen-Roman, mit dem Maler Munch als Nebendarsteller ...

MissNorge

Der Preis, den man zahlt

Packender Spionageroman mit überraschenden Wendungen und rätselhaften, dubiosen und skrupelosen Charakteren.

Lunamonique

Das Lied der Störche

Stimmungsvolle Familiensaga, die mich bestens unterhalten hat. Ich freue mich schon auf Teil 2.

Kelo24

Die Salbenmacherin und die Hure

Packend, etwas gruselig, mit einem unglaublichen Tempo. Ich habe den Krimi nur zum Schlafen aus der Hand gelegt.

hasirasi2

Die Räuberbraut

ein sehr unterhaltsamer historischer Roman mit einem Kern Wahrheit - toll!

evafl

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Das Ende einer Kindheit in Wales

    In einer mondhellen Nacht
    Ulenflucht

    Ulenflucht

    17. November 2013 um 20:31

    Eine mondhelle Nacht ist es, in der der namenlose Protagonist in das nordwalisische Dorf seiner Kindheit zurückkehrt, durch die Straßen streift und sich an die Welt erinnert, die für immer verloren ist und das schon seit seiner frühen Jugend. Der Roman ist in erster Linie eine Sammlung von Szenen, an die er sich erinnert, oftmals ohne Zusammenhang, außer den, den die Orte, die er besucht, ihm vorgeben. In der Sprache eines Kindes schildert er so die Zeit um den ersten Weltkrieg herum. Wie er mit seinen Freunden Huw und Moi spielen geht, wie sie zum Blaubeeren sammeln auf den Berg steigen, wie Seefahrer von nebenan heimkehren, ein Fußballspiel stattfindet und ein Chor aus dem Süden kommt. Doch diese scheinbar belanglosen Ereignisse bilden den Rahmen für das große Drama seiner Kindheit und das einer Gesellschaft der Scheinheiligkeit. In Nebensätzen erfährt man, wie der Lehrer ein Mädchen aus der Klasse mitnimmt und sich an ihr vergeht. Wie ein heimlich Transsexueller in die Anstalt gebracht wird und dass er im Sarg zurückkehrt. Wie eine Unverheiratete ein Kind von einem unbekannten Mann bekommt und man ihr fortan das Abendmahl verweigert. Nach und nach gerät die Kindheit des Protagonisten ins Dunkel, als nicht nur sein Freund Moi an Tuberkulose stirbt und Huw mit seiner Familie in den Süden zieht, um in den Kohleminen zu arbeiten, sondern vor allem seine verwitwete Mutter sich verändert. Wie sie kreideweiß am Feuer sitzt und ihn nicht erkennt, oder wie sie grundlos weint. Und schließlich, wie sie einen Tag nicht nach Hause kommt und er erst am nächsten Morgen erfährt, was sie und vor allem sein Onkel Will getan haben, was sie schließlich ebenfalls in die Anstalt bringt und den Protagonisten schwer verstört. Es ist der Stil Prichards, der aus diesem Roman einen großen Klassiker macht. Die einfache Sprache eines Kindes, seine Begeisterung, seine in nur knappe Worte gepackte Trauer. Die Grenze zwischen beiden verschwimmt dadurch ziemlich kunstvoll, sodass man nie weiß, ob eine Szene eine glückliche Erinnerung ist oder sich dahinter nicht eine weitere Tragödie verbergen wird, wenn man sie zu lesen beginnt. Dadurch merkt man erst nicht, wie viele Tragödien es tatsächlich sind, die sich hinter der Beiläufigkeit der kindlichen Sprache verbergen. Als bezeichnend kann man drei kleine Sätze der ersten Seite betrachten, als die Mutter sagt: "Mit eurem Unfug habt ihr die Leute im Dorf ganz verrückt gemacht." Und der Protagonist antwortet: "Wieso die Leute im Dorf verrückt gemacht? Wie machen die doch nicht verrückt, die werden von selbst verrückt." Oder eher von der zweifelhaften Moral der Dorfgesellschaft; davon, nach außen hin die Haltung zu wahren, nicht zu vergessen, wo der Platz eines Jeden ist. Ich mag diese beiläufige Offenlegung der Missstände einer Zeit, wie man sie auch bei Dylan Thomas zumindest im Stil ähnlich gesehen hat. Und vor allem mag ich diese besondere Melancholie der Erinnerung, die aber niemals sentimental ist. Wie in wenigen Worten eine Welt wieder aufersteht, die für immer entschwunden ist, wo alle verändert oder tot sind. Eine Schande, dass dieser Roman, der einzige des Dichters Caradog Prichard, dessen Mutter ebenfalls phsychisch krank war, erst 1995, knapp 35 Jahre nach der Veröffentlichung auf walisisch ins Englische übersetzt wurde und Ende der 90er dann weiter ins Deutsche. So eine Doppelübersetzung ist sicher riskant, aber der Stil des Autors wirkt, als sei er erhalten worden. Es ist ein faszinierendes Buch, zu Recht ein Klassiker der entdeckenswerten Literatur eines tollen Landes. Ich werde es immer wieder lesen.

    Mehr