Carel van Schaik , Kai Michel Das Tagebuch der Menschheit

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 3 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(2)
(0)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das Tagebuch der Menschheit“ von Carel van Schaik

Gott wirft Adam und Eva aus dem Paradies, die Arche Noah übersteht die Sintflut und Jesus von Nazareth erweckt Tote zum Leben – die faszinierenden Geschichten der Bibel sind fester Bestandteil unserer Kultur. Und doch stecken sie voller Rätsel und Widersprüche, die auch jahrhundertelange theologische Kontroversen nicht lösen konnten. Der Evolutionsbiologe Carel van Schaik und der Historiker Kai Michel legen nun erstmals eine verborgene Seite der Bibel frei. Sie lesen die Heilige Schrift nicht als Wort Gottes, sondern als Tagebuch der Menschheit, das verblüffende Einblicke in die kulturelle Evolution des Homo sapiens bietet. Und plötzlich beginnen die alten Geschichten in neuem Licht zu funkeln. Die Vertreibung aus dem Garten Eden markiert das wohl folgenreichste Ereignis der Menschheitsgeschichte: den Übergang vom Leben als Jäger und Sammler zum sesshaften Dasein mit Ackerbau und Viehzucht, das nicht nur zu Fortschritt, sondern auch zu Ungleichheit, Patriarchat und großen, anonymen Gesellschaften führte. Für die daraus resultierenden Probleme waren die Menschen aber weder biologisch noch kulturell gerüstet. Wie sie sich mühsam anpassten, wie sie versuchten, sich auf das bis dahin ungekannte Ausmaß menschlichen Leids in Gestalt von Ausbeutung, Krieg und Krankheiten einen Reim zu machen, das dokumentiert die Bibel auf erstaunliche Weise. Auch zeigt sie, woher das Bedürfnis nach Spiritualität stammt und weshalb die Menschen nicht schon immer die Angst vorm Tod umtrieb. Die Autoren nehmen uns mit auf eine Reise voller Überraschungen, die von Eden über den Exodus aus Ägypten bis nach Golgatha und zur Apokalypse führt. Dabei eröffnet sich eine neue Perspektive auf die kulturelle Evolution des Menschen und der Religion. Wir begreifen, warum viele der biblischen Probleme uns bis zum heutigen Tage beschäftigen und warum nicht wenige von uns eine Sehnsucht nach dem Paradies verspüren. Die Bibel ist tatsächlich das Buch der Bücher. Sie geht uns selbst dann etwas an, wenn wir gar nicht an Gott glauben.

Das ‚Tagebuch der Menschheit’ ist eine unterhaltsam geschriebene, durchwegs gelungene Hommage zweier Agnostiker an das Buch der Bücher.

— PhilippWehrli

Stöbern in Sachbuch

Gemüseliebe

Tolle neue Ideen für vegetarische Gerichte, die einfach und für jedermann nachkochbar sind.

niknak

Die Entdeckung des Glücks

interessanter Überblick zum Thema Glück - nicht nur im Job

Sylwester

55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum

Der Meister der Fußballanekdoten hat wieder zugeschlagen

ech

Brot

Ein würdiges Buch mit individueller Note über ein traditionelles Kulturgut, in dem mehr steckt, als man vermutet.

aspecialkate

Green Bonanza

Zunächst war ich skeptisch, dann aber wirklich überzeugt. Wirklich sehr leckere Rezepte, die gar nicht sooo schwer sind zum kochen!

Anni1609

Sex Story

Let´s talk about sex, baby!

jegelskerboeger

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Eine Hommage zweier Agnostiker an das Buch der Bücher

    Das Tagebuch der Menschheit

    PhilippWehrli

    13. August 2017 um 02:57

    Evolution und Bibel? - Diese Kombination assoziieren wir mit Streitgesprächen. An vorderster Front sehen wir den Evolutionsbiologen Richard Dawkins,  der sich ‚militanter Atheist’ nennt und erklärt, der Gott des Alten Testaments sei „ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker, ein rachesüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer: ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, grössenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“  Deshalb war ich einigermassen überrascht, als im anthropologischen Museum Zürich eine Zeitung der reformierten Kirche auflag. Noch einmal überrascht war ich, in dieser Zeitung ein Interview mit dem Direktor des anthropologischen Museums Zürich, Carel van Schaik, zu lesen. Thema des Interviews: Der Bestseller ‚Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät’, den van Schaik zusammen mit dem Historiker und Wissenschaftsjournalist Kai Michel schrieb, der in den Zeitungen ‚Die Zeit’,  ‚FACTS’ und ‚Die Weltwoche’ zu Themen Archäologie, Religion und Evolution bearbeitete. Tatsächlich zeigen uns van Schaik und Michel Schätze der Bibel, die auch Atheisten begeistern dürften. Sie erreichen dies, indem sie eine eigentlich naheliegende Perspektive einnehmen: Sie lesen die Bibel als ‚Buch der Bücher’, als weltweit reichste Sammlung historischer Zeugnisse, als Tagebuch der Menschheit, in dem über mehr als tausend Jahre verschiedene Menschen ihre Gedanken, Fragen und Ideen festhielten. Diese Berichte vergleichen sie mit den Erkenntnissen der Archäologie und erreichen dadurch ein wesentlich lebendigeres Bild der Antike, aber auch der Frühgeschichte. Natürlich bemerken auch die Autoren die Brutalität des alttestamentlichen Gottes. Sie untersuchen aber, wie denn aus der von Dämonen und Geistern erfüllten Welt der Jäger und Sammler ein einziger, allmächtiger, aber grausamer Gott wachsen konnte. Fast könnte man sagen, sie unterziehen den grausamen Gott einer Psychoanalyse und ergründen in dessen ‚frühester Kindheit’, worin denn die Grausamkeit gründet. Die originelle und überzeugend belegte These: Durch die Sesshaftwerdung traten ungekannte Naturkatastrophen von geradezu apokalyptischen Ausmassen auf, Katastrophen, welche die Macht von Dämonen oder lokalen Göttern bei weitem überstiegen. Wenn ein Erdbeben eine ganze Stadt zertrümmerte, wenn Hunderte von Menschen in einem Tsunami ertranken oder von einem Vulkan verschüttet wurden, dann musste eine gewaltige Macht dahinter stehen. Anschaulich schildern die Autoren, wie sich in den ungeschickt gebauten ersten Städten Seuchen ausbreiten, oft durch Haustiere eingeschleppt, welche in Jägerkulturen noch kaum bekannt waren. Nachvollziehbar ist auch das moralische Dilemma, als die ersten Bauern ihre Felder schützen wollten. In Jahrmillionen langer Evolution hat sich das Naturgesetz in unsere Gene eingegraben, alles, was die Erde hergibt, gehöre allen. Früchte, die noch am Baum hängen, die man aber doch nicht essen darf, waren undenkbar. Ein Bauer, der seine Ernte verteidigt, der wie Kain seinen eigenen Bruder erschlägt, nachdem er ihn heimtückisch mit reifen Feldfrüchten angelockt hat, so etwas gab es unter Jägern nicht. Van Schaik und Michel anerkennen die kulturelle Meisterleistung, die intuitive, angeborene Jägerethik zu überwinden und dem Bauern zu seinem überlebensnotwendigen Recht zu verhelfen. Sie machen aber auch klar, welche Kraftanstrengung nötig war, der Jägernatur eine zweite oder gar eine dritte Natur anzuerziehen. So führen uns die Autoren durch die Abschnitte der Bibel von der Schöpfungsgeschichte über Moses, die Könige über Jesus bis zu den Evangelisten. Sie berücksichtigen dabei, wann und in welchem Zusammenhang eine Textstelle zum ersten Mal auftaucht und ziehen auch Texte anderer Kulturen hinzu oder hebräische Texte, die es nicht in den offiziellen Kanon der Bibel geschafft haben. Sie zeigen, wie sich parallel zur kulturellen Evolution des Menschen auch der Gott Jahwe entwickelt hat. In diesem Punkt unterscheiden sich Van Schaik/Michel am stärksten von Dawkins: Sie zeigen Hochachtung für die grandiose kulturelle Leistung, die angeborene Jäger- und Sammlermentalität zu überwinden und Gesellschaftsformen zu erfinden, die für Bauern, Händler und insbesondere für Städter tauglich waren. Sie honorieren, dass die Bibelautoren diese kulturelle Evolution über weite Strecken initiierten. Tragisch liest sich vor diesem Hintergrund der Satz in Kapitel 19: „Um das Jahr 400n. Chr. Jedoch wurde die Bibel durch die Kanonisierung ihrer Schriften schockgefroren. Tatsächlich wurde die Entwicklung des Christentums durch die Kanonisierung zumindest stark gebremst. Kühn scheint mir daher die These, durch das Christentum seien die Wissenschaften und die Demokratie gefördert worden. Wissenschaften seien in einer monotheistischen Religion entwickelt worden, weil es eher denkbar sei, die Gedanken und Pläne eines einzelnen Gottes zu ergründen, als die eines in sich zerstrittenen Pantheon. Natürlich waren bis vor kurzer Zeit praktisch alle westlichen Wissenschaftler Christen oder Juden, wohl aber vor allem mangels Alternativen. Spannend ist aber die Frage, die van Schaik und Michel zum Abschluss aufwerfen: Wie würde das Abendland heute aussehen, wenn die Kanonisierung nie stattgefunden hätte? Wie würde die Welt aussehen, wenn wir die Religion nicht eingefroren, sondern stetig weiter entwickelt hätten und heute vielleicht am 5. Testament schreiben würden? Das ‚Tagebuch der Menschheit’ ist eine unterhaltsam geschriebene, durchwegs gelungene und empfehlenswerte Hommage zweier Agnostiker an das Buch der Bücher, das wichtigste Buch des Abendlandes.Nachtrag vom 1. Oktober 2017Hier habe ich ein Interview mit Carel van Schaik zu diesem Buch geführt: https://www.skeptiker.ch/skeptisch-folge-63-die-bibel-menschen-und-orang-utans/

    Mehr
    • 5
  • Carel van Schaik & Kai Michel - Das Tagebuch der Menschheit

    Das Tagebuch der Menschheit

    Jari

    27. April 2017 um 12:04

    Dieses Buch ist aktuell in aller Munde und immer wieder begegnen mir Rezensionen dazu. Schon vor Erscheinen hatte ich mich in der Onleihe auf die Warteliste gesetzt. Ja, es gab tatsächlich eine Warteliste, so gross war der Run auf diesen Titel. Hat sich das Warten gelohnt? Ja, das hat es. Hält das Buch, was es verspricht? Ja, das tut es. Anthropologie ist die Lehre bzw. die Wissenschaft vom Menschen und die beiden Autoren lesen die Bibel aus anthropologischer Sicht. Schon früher ist ihnen aufgefallen, dass an manchen Bibelstellen etwas nicht passt oder etwas nicht aufgeht und beide fragten sich, woran das liegen könnte. Ihre Forschung, die sie fünf Jahre lang betrieben haben, hat die Antwort darauf: Die Bibel ist ein Tagebuch der Menschheit und zeigt wie kein anderes Buch die Evolution unserer Gesellschaft vom Sesshaftwerden bis zur heutigen Gesellschaftsstruktur. Zu Beginn des Buches erklären Carel van Schaik (Evolutionsbiologe) und Kai Michel (Historiker), wie sie mit den jeweiligen Texten arbeiten. Dies machen sie sehr bildlich, sodass der Leser die Gedankengänge der Autoren direkt nachvollziehen kann. Und was die Autoren zu Tage fördern ist spannend, aufschlussreich und absolut bemerkenswert. „Das Tagebuch der Menschheit“ hat bei mir ein Aha-Erlebnis nach dem anderen ausgelöst. Viele Stellen der Bibel sind widersprüchlich, dies ist auch mir bei meiner Lektüre aufgefallen. Manche Geschichten sind wirr und an manchen Stellen konnte ich nur den Kopf schütteln. Doch nun kommen van Schaik und Michel und erklären, dass jede Geschichte ihren Daseinszweck hat. Dabei betrachten van Schaik und Michel die Bibel hier tatsächlich als eine Art Tagebuch und lösen die Heilige Schrift erst einmal von der Kirche. Dennoch betonen beide, dass man keine religiösen Gefühle verletzen möchte und das tun sie auch nicht. Gläubige werden durch die Lektüre in ihrem Glauben bestärkt (der Gott Israels ist ein starker Gott, der eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen hingelegt hat), aber auch für Atheisten und Agnostiker interessant ist. Denn die Geschichte des Menschen ist unabdingbar in derjenigen der Bibel verwurzelt. Die Lektüre öffnet die Augen für unsere eigene Geschichte. Wir erfahren, wer wir mal waren, wer wir sind und vielleicht, wohin wir gehen. „Das Tagebuch der Menschheit“ ist ein aussergewöhnliches Buch, dem ich viele Leser wünsche. Mir persönlich wurden viele Fragen beantwortet. Manche sogar, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie hatte. Mir ist nun einiges klarer. Was die Bibel betrifft, aber auch bezüglich des Menschen selber. Nun kann ich verstehen, weshalb manche gesellschaftlichen Konstruktionen nicht funktionieren können, wie es dazu kam, dass wir in einem patriarchalischen System leb(t)en und warum der alttestamentliche Gott sich so verhält, wie er es eben tut. „Das Tagebuch der Menschheit“ erklärt nicht nur die Bibel, sondern auch den Menschen. Denn beide gehören zusammen. Ohne das Heilige Buch wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Und das sage ich als überzeuge Agnostikerin. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass viele Aussagen über das Leben vor der Sesshaftwerdung nicht belegt sind und auch, dass die Quellenangaben sehr, sehr schlicht gehalten sind. Einiges hätte ich gerne noch selbst nachgelesen, aber die Angaben machen das echt schwer. Hier verlieren die Autoren ein klein wenig an Glaubwürdigkeit. Dennoch ändert sich für mich dadurch nichts am Wow-Effekt dieses Buches.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks