Carina Schmidt

 4,8 Sterne bei 8 Bewertungen
Autorenbild von Carina Schmidt (©Grit Ebeling)

Lebenslauf

Carina Schmidt, 1982 geboren, wuchs in der Eifel auf – zwischen einem Atomkraftwerk und einem Vulkansee. Nach ihrem Abitur in Bonn studierte sie in Mainz Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Kulturanthropologie. Die Gutenbergstadt und ihre Menschen sind ihr ans Herz gewachsen. Hier arbeitet sie als Redakteurin bei der Allgemeinen Zeitung (VRM). Mit dem Schreiben hat Carina Schmidt im Alter von sieben Jahren begonnen. Eine ihrer ersten Kurzgeschichten handelt von einer sprechenden Wurst. Heute ist sie Veganerin. Der Titel ihres Erstlingswerks "Was wissen Heilige vom Leben" wurde inspiriert von einem Gemälde des mit ihr befreundeten Künstlers Thilo Weckmüller. Passend zu ihrem Buch hat er ein Bild für das Buchcover angefertigt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Carina Schmidt

Cover des Buches Was wissen Heilige vom Leben (ISBN: 9783946112556)

Was wissen Heilige vom Leben

 (8)
Erschienen am 28.05.2020

Neue Rezensionen zu Carina Schmidt

Cover des Buches Was wissen Heilige vom Leben (ISBN: 9783946112556)
KarenAydins avatar

Rezension zu "Was wissen Heilige vom Leben" von Carina Schmidt

„Heilige sind Menschen, von denen andere glauben, dass sie besonders vorbildlich gelebt haben.“
KarenAydinvor einem Jahr

„Heilige sind Menschen, von denen andere glauben, dass sie besonders vorbildlich gelebt haben.“ (142). Solcherlei idealisierte Phantasiegestalten haben in den Erzählungen von Carina Schmidt keinen Platz. Ihre Charaktere sind Menschen aus Fleisch und Blut, hart und kantig, fragil und zerbrechlich. Menschen sehnen sich nach Heiligen, nach Vorbildern, doch den kindlichen Glauben an deren Existenz hat die Protagonistin Marlene als Erwachsene längst abgelegt.

In vierzehn Episoden erzählt die Autorin uns von Marlene, von ihren Familienmitgliedern, Freunden und Geliebten zu ganz unterschiedlichen Zeiten, in nicht chronologischer Reihenfolge. Die Episoden werden jedoch gerahmt von zwei Erzählungen, die einmal Marlene als zwölfjähriges Mädchen im Jahr 1994 zeigen, und als erwachsene, siebenunddreißigjährige Frau im Jahr 2019.  

Die Erzählerin hält wie eine Kamera, objektiv, erbarmungslos, auf die Szenen drauf, verfolgt einzelne Charaktere, zoomt auf Details. „Um Richards Füße hatte sich schon ein Ring aus verschieden großen Spuckpfützen gebildet. Teilweise waren sie mit gelblicher Rotze angereichert.“ (11). Mit diesen Worten wird die erste Geschichte eingeleitet, die den Leser in eine harsche Realität hineinkatapultiert. Ekel ruft letztlich nicht das pubertäre Gehabe der Jungs auf dem Dorfplatz hervor, sondern Marlenes „Zuhause“, der kein heimeliger und sicherer Rückzugsort ist. Ihre Mutter ist Alkoholikerin, Bruder und Vater sind ausgezogen. Zuflucht sucht das Mädchen in der Religion, ihr Glaube ist der Versuch eine Konstante zu finden, in einer Familie, die bereits zerbrochen ist, und auch später in einem Leben, das sie lehrt, dass Menschen nicht immer bleiben. „Aber die Mutter war ja auch böse“ (17), denkt Marlene, doch die Autorin verhindert, dass wir als Leser die Charaktere in „gut“ und „böse“, in Opfer und Täter einteilen. Die Charaktere fordern keine Sympathien von uns, sie bieten uns keine Identifikation, sie wollen verstanden werden, gesehen werden in ihrer Komplexität.

Marlene flieht aus dem Elternhaus. Doch der Roman wirft auch die interessante Frage auf, ob man dem Leben wirklich ganz entfliehen kann, welche Muster sich wiederholen. „Doch irgendwie war er da hineingeschlittert. Irgendwie hatte sich dieser Lebensentwurf heimlich über ihn gestülpt, ohne dass er es richtig gemerkt hatte“, (164) stellt Thomas, Marlenes Bruder fest, als er Parallelen zwischen dem Leben seiner Eltern und seinem eigenen bemerkt.

 „Was wissen Heilige vom Leben“ ist ein realistischer Roman, der mit offener, klarer und unverschnörkelter Sprache den Leser mit einer dysfunktionalen Familie konfrontiert, ohne zu sentimentalisieren. Der Roman besticht für mich nicht nur durch die gekonnte Zeichnung von komplexen Charakteren, sondern auch durch die prägnante Schilderung von Objekten, wie der Nudelsuppe mit Eierstich, die in der ersten Geschichte den Versuch darstellt, Normalität und Beständigkeit in eine Welt zu bringen, die unbeständig und unnormal ist. In einer anderen Geschichte ist es ein Stern-Ohrstecker, den Marlenes Geliebte nach ihrer ersten Nacht in ihrer Wohnung vergessen hat. Doch in dem Moment, in dem Marlene in Form eines Briefs von ihm erzählt, ist er das einzige, was von Izabela geblieben ist, ein letztes Bindeglied in einer Beziehung, die nicht sein kann. Es sind die Erinnerungen und die Gegenstände, die bleiben, wenn die Menschen bereits gegangen sind.

Und auch der Roman bleibt für eine Weile, auch wenn man ihn längst aus der Hand gelegt und ins Regal gestellt hat. Was man nicht machen sollte, sondern ihn weitergeben, denn er ist lesenswert!

 

 

Cover des Buches Was wissen Heilige vom Leben (ISBN: 9783946112556)
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Rezension zu "Was wissen Heilige vom Leben" von Carina Schmidt

Carina Schmidt – Was wissen Heilige vom Leben
RenaMvor 3 Jahren

Ein Leben erzählt in einzelnen Kurzgeschichten. Episodenhaft berichtet die in der Eifel aufgewachsene und heute in Mainz lebende Autorin aus dem Leben von Marlene. Und diese Geschichten, die wir lesen, sind heftig, erschütternd – und ausnehmend gut geschrieben.

Wir begegnen Marlene das erste Mal, als sie zwölf Jahre alt ist und allein mit ihrer Mutter lebt. Der Vater ist längst weg und auch ihr großer Bruder hat das Weite gesucht. Denn ihre Mutter Inge ist, man muss es so nennen, eine Zumutung. Sie trinkt exzessiv, sie schlägt ihre Tochter, sie ist ungepflegt, verkommen, ein Messi. Schließlich rettet Thomas seine kleine Schwester und holt sie aus diesen Verhältnissen heraus.

Doch Marlenes Lebensweg scheint vorgezeichnet. Sie studiert, sie gerät in all die Fallen und Situationen, die man bei einer solchen Ausgangslage erwartet. Aber Marlene ist auch stark, sie wehrt sich, und sie ist gleichzeitig schwach, sucht Liebe und Geborgenheit. Sie sucht das bei anderen Frauen, die sie aber auch immer wieder verlassen oder von ihr verlassen werden.

Dazwischen erfahren wir mehr über Inges Geschichte, warum sie ist, wie sie ist. Wir lesen von Rosa, Inges Mutter, und ihrem Leben. In den einzelnen, nicht chronologisch geordneten Erzählungen lernen wir die Zusammenhänge kennen, können versuchen, vieles zu verstehen, werden anderes entsetzt zur Kenntnis nehmen und wieder andere Aspekte der zerrütteten Familie wecken in uns heftiges Mitleid oder auch ebenso heftigen Abscheu.

Dabei ist der Stil von Carina Schmidt außerordentlich. Er passt perfekt zu dem, was sie erzählt. Hart, schonungslos, drastisch, dabei ehrlich bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus. Bei der Lektüre habe ich mich immer wieder gefragt, ob die Wirkung dieser Erzählungen ebenso stark gewesen wäre, hätte die Autorin Marlenes Leben in Romanform erzählt. Die Antwort auf diese Frage habe ich nicht gefunden. Aber sollte Carina Schmidt einmal einen Roman verfassen, möchte ich ihn sehr gerne lesen.

Carina Schmidt – Was wissen Heilige vom Leben
edition federleicht, 2020
 Taschenbuch, 144 Seiten, 13,00 €

Cover des Buches Was wissen Heilige vom Leben (ISBN: 9783946112556)
Dandys avatar

Rezension zu "Was wissen Heilige vom Leben" von Carina Schmidt

Tiefgründig und packend
Dandyvor 4 Jahren

Bei „ Was wissen Heilige vom Leben“ von Carina Schmidt handelt es sich um Erzählungen.


Klappentext übernommen:

Eine triste Kleinstadt im Schatten eines Atomkraftwerks.
Eine Familie, die auseinanderbricht.
Hier wächst Marlene auf. Als Kind gibt ihr der Glaube an Gott Halt. Und ihr Lieblingsgericht: Nudelsuppe mit Eierstich. Als Erwachsene verführt sie Frauen, sucht darin Bestätigung. Mit der Liebe tut sie sich schwer.
Die Erzählungen von Carina Schmidt beschreiben Marlenes Welt in drastischen Episoden. Sie kreisen um den Ekel und die zartesten Verästelungen des Gefühls. Eindeutige Opfer, Täter oder Helden gibt es nicht. Erst recht keine Heilige.



Der packende, direkte und knackige Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Hier ist kein Wort zuviel. Der Einstieg ist mir leicht gefallen und die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen.


Marlenes Werdegang wird hier sehr emotional, schockierend, authentisch und interessant geschildert. Besonders hat mir gefallen, dass wir als Leser Marlene über Jahre hinweg begleiten dürfen. Das Ende hat mich völlig überrascht.


Viele Themen, die mich sehr schockiert haben und nachdenklich zurückgelassen, werden hier behandelt. Hier handelt es sich um eine tiefgründige und abwechslungsreiche Geschichte.


Ich empfehle dieses Buch weiter.

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