Carl Frode Tiller

 2.9 Sterne bei 24 Bewertungen
Autor von Kennen Sie diesen Mann?, Wer du heute bist und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Carl Frode Tiller

Multitalent aus Norwegen: Der 1970 geborene Carl Frode Tiller ist nicht nur als Schriftsteller erfolgreich, er ist zudem auch als Historiker, Musiker und Komponist tätig. 2001 veröffentlichte er seinen Debütroman „Skråninga“ (Die Böschung), der mit dem Tarjei Versaas Preis für das beste debüt ausgezeichnet wurde. Sein erstes ins Deutsche übersetzte Buch ist „Innsirkling“, das 2015 unter dem Titel „Kennen Sie diesen Mann?“ erschien. Darin geht es um David, der sein Gedächtnis verloren hat. Um ein paar seiner Erinnerungen zurückzubekommen, bittet er in einer Anzeige Leute, die ihn kennen, darum, ihm zu schreiben und ein bisschen zu erzählen. Doch die Antworten, die er bekommt, sind nicht alle schön und bald weiß David nicht mehr, wem er wirklich Glauben schenken darf. Die Geschichte ist als Trilogie angelegt. In seinen Büchern wird oft Tillers Talent für die delikaten Beschreibungen der menschlichen Psyche herausgestellt. Seine Romane wurden bisher in über ein Dutzend Sprachen übersetzt.

Alle Bücher von Carl Frode Tiller

Kennen Sie diesen Mann?

Kennen Sie diesen Mann?

 (23)
Erschienen am 31.08.2015
Wer du heute bist

Wer du heute bist

 (1)
Erschienen am 25.06.2018
Der Beginn

Der Beginn

 (0)
Erschienen am 24.06.2019
Encircling

Encircling

 (0)
Erschienen am 04.04.2013

Neue Rezensionen zu Carl Frode Tiller

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Rezension zu "Kennen Sie diesen Mann?" von Carl Frode Tiller

fasziniernde Blickwinkel auf eine Person
suppenfeevor 3 Monaten

David hat sein Gedächtnis verloren und versucht nun herauszufinden, wer er wirklich ist. Wie er tickt und wie er bisher gelebt hat. Seine Freunde Jon und Silje schreiben ihm. Die drei waren als Jugendliche oft zusammen unterwegs. Auch sein Stiefvater Pfarrer Arvid meldet sich und schildert David, wie er ihn damals erlebt hat.

Kenne ich David nach den Briefen seiner Freunde und Verwandten nun? Ich habe nicht das Gefühl. Sie hingegen kenne ich nun relativ gut, glaube ich. Der Klappentext hat mich ein wenig in die Irre geführt. Bis zuletzt habe ich darauf gewartet, dass David nun auch einmal zu Wort kommt, doch man lernt ihn nur aus den Augen der anderen kennen und muss sich seinen David selbst erschaffen. Die drei Protagonisten schildern in Briefen, wie sie den Jungen damals kennengelernt haben. Alle geben neue Einblicke, jeder hat David in der Beziehung zu sich selbst sehr subjektiv erlebt und so unterscheiden sich die Bilder von ihm natürlich auch. Man kann also nie mit Bestimmtheit sagen, wie David nun war. Doch diese Erfahrung ist auch mal sehr interessant und ich war durchweg gefesselt und oft auch sehr berührt.

Der Autor gibt jedem seiner Erzähler eine individuelle Note. Die Briefe lassen sich alle relativ leicht lesen und haben einen recht harmonischen Schreibstil. Doch man erfährt auch immer aus den jetzigen Leben der Schreiber und hier unterscheiden sich die Stile dann sehr deutlich, was das Lesen mal mehr und mal weniger angenehm macht.

Jon ist mit Leib und Seele Musiker, aber irgendwie in dem kleinen Nest seiner Heimat hängengeblieben und er leidet unter den Ansichten von Mutter und Bruder. Ständig geraten sie aneinander. Sowieso scheint Jon zu den meisten Leuten keine gute Beziehung zu hegen. Er ist zu pessimistisch, zu negativ in seinen Ansichten. In seinem Text fehlen gerne mal Pronomen oder Füllwörter, als würden sie das Leben noch deprimierender machen.

Arvid habe ich als einen sehr sympathischen, wenn auch missverstandenen Menschen kennengelernt. Er ist Pfarrer, jetzt schwer krank und sehr alt, doch er hat gerne die Vaterrolle für David übernommen. Er wollte den Jungen unterstützen wo es nur ging, doch David hat diese Liebe nie so recht erwidert. Arvids Passagen waren für mich am schönsten zu lesen. Sie sind sehr bildhaft und wirken rund und warm, auch wenn er sich ärgert.

Auf Silje war ich durch die Beschreibungen der Vorgänger am meisten gespannt. Sie war damals eine sehr schillernde und einnehmende Persönlichkeit. Ein aufgewecktes Mädchen. Doch auch sie wird von Jon und Arvid sehr unterschiedlich wahrgenommen. Offenbar macht hier der Blick eines Erwachsenen sehr viel aus. Im Heute ist Silje erschöpft und ihre Ehe droht zu zerbrechen. Plötzlich konnte ich ihre Worte genauso wenig nachvollziehen wie ihr Mann. Und obwohl mich ihre Geschichte so interessiert hat, haben mir ihre Passagen in der Gegenwart am wenigsten gefallen. Sie waren unheimlich schwer zu verfolgen. Keine wörtliche Rede mehr, lange und wirre Sätze und viele Wiederholungen, als hätte Silje selbst Persönlichkeitsstörungen entwickelt.

Insgesamt kein leichter, aber dafür durchaus lesenswerter und tiefgründiger Roman, doch es braucht etwas Geduld, um sich darauf einzulassen.

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Rezension zu "Kennen Sie diesen Mann?" von Carl Frode Tiller

Mein Fazit zu "Kennen Sie diesen Mann?"
Calipavor 4 Monaten

Mein Fazit zu Kennen Sie diesen Mann?

Wie jetzt schon einige Male erwähnt: Die Idee ist ansprechend. Es ist für mich etwas neues gewesen. Der Schreibstil genauso wie die Geschichte dahinter.
Leider konnte mich Carl Frode Tiller nicht mit dieser Begeisterung bis zum Schluss dabei behalten. Was ich sehr schade finde. Die immer wieder aufgewärmten Emotionen und die kühle der Charaktere sowie das lediglich „grobe Kratzen an der Oberfläche“ dieser, ist für mich sehr ermüdend gewesen. Das keinerlei wörtliche Rede benutzt wird und Sätze dann enden mit „Sagte er“ oder „sagte sie“ wirkt leider Stellenweise sehr anstrengend und unterbrechend.

Begeisterung fanden die etwas anderen Seiten der Charaktere und die Erzählung und Beschreibung des jeweils anderen von ihm. Auch, das man David beispielsweise nicht einmal ließt. Man wird in die Geschichte geschmissen, schaut sich um und mit einigen Korrekturen bei dem Aufbau der Geschichte- kann man auch wirklich Platz nehmen und das alles auf sich wirken lassen. Es hat potential und man möchte David verstehen und kennen lernen. Nur ein klein wenig direkter, näher und intensiver.

Von mir bekommt "Kennen Sie diesen Mann?" von Carl Frode Tiller 

2,8/5 Sternen!

Für eine ausführlichere Rezension, besucht mich gern auf meinem Blog :) 

http://calipa.de/2018/07/23/kennen-sie-diesen-mann-buchrezension/

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A

Rezension zu "Wer du heute bist" von Carl Frode Tiller

Rezension zu "Wer du heute bist"
Alex_Duerkvor 4 Monaten

Meine Meinung

Dieses Buch ist ähnlich aufgebaut wie Teil 1 der Trilogie. Innerhalb von 3 Teilen erfahren wir die Geschichte aus Sicht von Ole, Tom Rodger und Paula. Sie alle hatten mehr oder weniger einen Platz im Leben vom David und jeder einzelne schildert in den Briefen an ihn, seine Sicht und Gedanken. David selber werden wir, wie in Teil 1, auch hier nicht aktiv kennen lernen. Innerhalb der Teile wechseln sich die Kapitel zwischen den Briefen an David und Erzählungen aus dem aktuellen Leben der erzählenden Person ab. Während die Erzählungen aus Langen, verschachtelten Sätzen und einem einzigartigen, abgehackten Schreibstil bestehen, sind die Briefe sehr flüssig geschrieben. Hier muss oft eine Verknüpfung zu den Erzählungen gezogen werden, da diese Teilweise Hand in Hand gehen.

Innerhalb der Briefe wird sehr oft abgedriftet und vom ursprünglichen Thema zu anderen „gehüpft“ – So ist teilweise auch nicht klar welches Ziel der Autor hier verfolgt, was möchte er mir hiermit sagen? Das jedoch braucht hier ein oder zwei Kapitel und etwas Hirnschmalz, um das nachvollziehen zu können.

In Teil 1 des Buches erzählt Ole seine Gedanken. Er ist ein Mann mittleren Alters, wirklich viel über sein Leben erfahren wir jedoch nicht. In den Briefen erzählt er hauptsächlich von Ole’s und David’s gemeinsamer Kindheit und was sie da so getrieben haben. Hierdurch wird gut verdeutlicht was David für ein Kind war, was sich mit den Aussagen aus Teil 1 deckt. Obwohl David ein Kind ist und es hier um Kinder geht, bekommt der Autor es hin, die Stimmung düster zu belassen und den Leser an der ein oder anderen Stelle geschockt zurück zu lassen.
Aber anstatt dass dieses Gefühl innerhalb der Erzählungen abflacht, ist es dort nur noch schlimmer – was von mir nicht negativ gemeint ist. Die Geschichte Baut sich hier nach und nach auf und die Spannung steigt spürbar, bis sie sich an ihrem Höhepunkt laut krachend entläd. Das mag auch der Besonderen Schreibweise innerhalb der Erzählweisen geschuldet sein. Die besondere Satzstellung, überträgt die Emotionen sehr gut. Hier ein Beispiel, denn es ist schwierig zu erklären:

„Ist das heiß, ich kurbele das Fenster runter und lege den Ellbogen auf die Autotür, sehe auf die Uhr, Viertel vor zwölf, er sollte seit einer Viertelstunde da sein, aber na ja, er kommt bestimmt gleich, ich muss halt noch einen Moment warten.“ – Wer du heute bist von Carl Frode Tiller, Seite 7, Zeile 1-4

In den Erzählungen lernen wir Ole’s Familie kennen, seine Frau Helen, deren Sohn Jorgen und den kleinen Daniel, den gemeinsamen Sohn. Ich werde hier aus spoilergründen nicht näher auf den Konflikt eingehen. Er ist jedoch, wie alle anderen auch, aus dem Leben gegriffen und gehen einem wahrscheinlich deshalb recht nahe.

Teil 2 handelt von Tom Rodger, ebenfalls ein Mann mittleren Alters, welcher mit einer jüngeren Frau zusammen lebt. Auch hier haben wir wieder einen Konflikt frisch aus dem Leben gegriffen, der es einfach macht ihn nachempfinden zu können.
In den Erzählungen lernen wir Tom Rodgers Leben kennen, und damit auch seine Familie.
In den Briefen erzählt Tom hauptsächlich von seinem und David’s erstem Zusammentreffen als Kinder und wie es danach weiter geht bis zu einem Klassentreffen. Hier finde ich es teilweise sehr schwierig die Erzählungen aus dem ersten Teil mit denen aus diesem in Einklang zu bringen, da müsste ich aber wohl das erste Buch nochmal lesen.

Der letzte Teil hat mich am meisten verwirrt. Hier geht es um Paula, welche in einem Altersheim lebt und ehemalige Schwesternhelferin ist. Sie war nach Davids Geburt der erste, welche ihn sah und danach gut mit seiner Mutter befreundet.
Im Altersheim bekommt sie Besuch von ihrem Sohn und ihrem Enkel – nicht ohne einen Konflikt, der aber entgegen der voreingenommen Meinung, nicht langweilig erscheint. All diese Konflikte und Probleme machen das Buch drückend und recht anstrengend, aber nicht minder interessant.
Hier ist der Schreibstil etwas anders, die Dialoge innerhalb der Erzählungen werden nicht aktiv sondern „erzählt“ aus Paula’s Sicht. Auf jeden Fall eine Abwechslung, welche es mir nicht erschwerte weiter zu lesen.
Die Briefe sind von der Art her gleich geschrieben, jedoch nicht von Paula sondern von Harald Jansen, pensionierter Schulleiter. Aus diesem Grund werden innerhalb der Briefe auch Tagebucheinträge von Paule eingebracht.

Am Ende des letzten Teils gibt es noch eine Überraschung die mich auf den letzten Teil hoffen lässt und mich unglaublich schockiert zurück gelassen hat. Dieses Buch ist, wie auch der erste Teil, unglaublich ergreifend und definitiv keine „5 Minuten Lektüre“.
Der Stoff ist schwer und regt sehr zum Nachdenken an. Die Psychologie ist allwertiger Begleiter, wenn die Protagonisten sich oder die Menschen in ihrer Umgebung analysieren und versuchen ihre Taten und Gedanken zu rechtfertigen. Nicht selten geht das ganze in Schuldzuweisungen über, öfter in die Richtung der anderen Menschen, als in die von einem selbst.

Fazit

Dieses Buch hat meine Erwartungen voll erfüllt. Er ähnelt dem ersten Teil in seinem Aufbau und Schreibstil, der Inhalt ist jedoch ein komplett neuer. Die Charaktere sind wieder schön tief, aber auf einer sehr psychologischen Ebene. Das Buch ist keine Null-Acht-Fünfzehn Lektüre und erfordert einiges an Kopfarbeit. Ich empfehle dieses Buch generell jedem weiter der Psychologie liebt und gern die dunklen Seiten eines Menschen erforscht.

*Ich bedanke mich bei dem Blogger-Portal und dem btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Zusätzliche Informationen

Carl Frode Tiller wurde am 04. Januar 1970 in Namsos (Norwegen) geboren.

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