Carl Nixon

 4.6 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Rocking Horse Road, Settlers Creek und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Carl Nixon

Rocking Horse Road

Rocking Horse Road

 (14)
Erschienen am 12.05.2014
Settlers Creek

Settlers Creek

 (5)
Erschienen am 01.09.2013
Settlers Creek

Settlers Creek

 (5)
Erschienen am 08.02.2016
Settlers Creek: Roman

Settlers Creek: Roman

 (4)
Erschienen am 04.10.2013
Lucky Newman

Lucky Newman

 (3)
Erschienen am 09.03.2015

Neue Rezensionen zu Carl Nixon

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walli007s avatar

Rezension zu "Rocking Horse Road" von Carl Nixon

The Spit
walli007vor 2 Jahren

Im Jahr 1980 wird die 17jährige Lucy Asher am Strand vor Christchurch tot aufgefunden. Sie wurde missbraucht und gewürgt. Sie war gerade mit der Highschool fertig und half oft bei ihren Eltern im Milchladen aus. Lucy war etwas wie ein Idol für die jüngeren Schüler. Und einer von ihnen hatte das Pech, sie zu finden. Die Polizei ermittelt intensiv. Doch auch die Jungen machen sich auf die Suche nach dem Täter. Diese Suche soll über 25 Jahre dauern. Gleich zu Beginn fangen die Mitglieder der Clique an, Lucys Wege nachzuzeichnen. 


Auch in seinem ersten Roman wählt Carl Nixon eine ungewöhnliche Perspektive. Der Erzähler, ein Mitglied der Clique, zeichnet die Nachforschungen der Jugendlichen nach, die versuchen jede noch so kleine Information über Lucy zu finden. Also ist es nicht ein Fall für die Polizei, die eigentlich nur am Rande erwähnt wird, sondern ein Abenteuer für eine 15- oder 16jährige, die versuchen hinter Lucys Geheimnis zu kommen. Und sie stellen sich nicht einmal so dumm an, sie fragen in der Nachbarschaft rum, sie folgen ihren Verdächtigen auf dem Fahrrad, sie bleiben am Ball, bis sich tatsächlich einige Spuren und Informationen auftuen, die den offiziellen Ermittlungen durchaus zu Gute kommen. 


Wie bereits im Klappentext angedeutet, dauert die Suche seit über 25 Jahren, man muss also davon ausgehen, dass der Täter auch nach der langen Zeit nicht gefasst wurde. Und dennoch sind es die Nachforschungen und Ermittlungen der Jungen, die zu Männern werden, welche die Freunde zusammenschweißen, gegen Jobs, Frauen, Kinder und Hobbys. Natürlich führt des Erwachsenenleben dazu, dass die Bande weniger eng sind, dass es auch mal zeitliche Lücken gibt. Doch grundsätzlich hält das Band. Zwar versuchen hier Jugendliche, herauszufinden, was in der Mordnacht mit Lucy geschah, aber neben dem mysteriösen Todesfalls geht es auch um die Jungs-Clique, aus der sich eine Männerfreundschaft entwickelt. Vieles bleibt im Verborgenen in diesem Fall, der eigentlich keiner ist. Doch genau das macht einen großen Teil der Spannung aus.  Man ist versucht selbst zu rätseln und die Lücken zu füllen, die der Autor lässt, man grübelt darüber nach, ob Nixon nicht doch einen Hinweis auf den Täter hinterlassen hat. Irgendwie wünscht man aber auch, dass der Fall nie gelöst wird, damit die schöne Freundschaft zwischen den inzwischen mittelalten Männern nie ihren Zusammenhalt verliert.

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Buderballas avatar

Rezension zu "Settlers Creek" von Carl Nixon

"Der Ort ist reich an Geschichte. Geschichte, die man nicht kaufen oder nachmachen kann."
Buderballavor 2 Jahren

Als Maui, ein großer, starker und furchteinflößender Krieger auf die Jagd geht, kündigt er an, einen Fisch zu fangen, der so groß sei, dass man ihn nicht auf einmal essen könne. Dazu schnitzt er einen Angelhaken aus dem Kieferknochen seiner toten Großmutter, betupft ihn anschließend mit Blut und wirft ihn ins Meer. Wenig später merkt Maui, dass etwas Gigantisches an dem Köder angebissen hat. Mit seiner ganzen Kraft zieht er den Fang an die Oberfläche. Zum Vorschein kommt "Aotearoa", in der Sprache der ersten Siedler Neuseelands "Land der langen weißen Wolke", die Nordinsel Neuseelands.

Noch heute wissen die Maoris viele Mythen und Legenden über den Ursprung ihrer Heimat zu erzählen, die sie vor über 1000 Jahren besiedelten, weit bevor der erste Europäer einen Fuß in das "Ende der Welt" auf der Südhalbkugel setzte. Von den derzeit ca. vier Millionen Menschen in Neuseeland sind rund vierzehn Prozent Maoris. Durch die Übermacht der europäischen Siedler wurden ihre Traditionen jahrzehntelang zurückgedrängt. Ein weiteres Problem war die Landverteilung. Nach Maori-Verständnis ist alles Land Stammesland und nicht zu verkaufen. Gründe für zahlreiche Auseinandersetzungen um unterschiedliche gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten einer lange Zeit unterdrückten und auch heute noch benachteiligten Minderheit.

Um diese, nicht immer friedlichen Konfrontationen, geht es auch im neuen Roman von Carl Nixon. Der neuseeländische Autor hat erneut ein großartiges Buch vorgelegt. "Settlers Creek", so der Titel, bezeichnet einen kleinen Flusslauf, der sich durch ein enges Tal zwischen den nördlichen Bergen der Südinsel schlängelt. Der Wasserlauf stellt dabei eine symbolische Trennlinie zwischen zwei Welten dar, über die Box Saxton, Nixons Protagonist, immer wieder springen muss. Auf der einen Seite die Welt Tipene Pitamas, eines Maoris, auf der anderen steht er selbst, ein Pakeha, ein Abkömmling weißer Siedler in siebter Generation. Makabres Streitobjekt des internen Kulturkampfes ist beider Sohn Mark. Ersterer ist sein leiblicher Vater. Box hingegen hat den Jungen seit seinem zweiten Lebensjahr großgezogen und ihm gemeinsam mit seiner Frau Liz, Marks Mutter, eine Familie gegeben. Doch etwas "ganz Fundamentales war herabgestürzt und hatte das Leben der Zurückgebliebenen zersplittert." Der Neunzehnjährige scheidet freiwillig aus dem Leben. Warum, das erfährt der Leser nicht und scheint auch während der ganzen Romanhandlung niemanden so recht zu interessieren. Den beiden Männern geht es einzig um das Wie und Wo der Bestattung, um Bindungen und Traditionen.

Carl Nixon hat die immerwährende neuseeländische Auseinandersetzung literarisch komprimiert und zwar in einem familiären Punkt. Allerdings vertauscht er die "gesellschaftlichen Rollen" seiner Pole. Box - ehemaliger erfolgreicher Bauunternehmer - musste durch die Rezession seines Landes einige Stufen auf der gesellschaftlichen Leiter nach unten klettern. Er verdingt sich als Tagelöhner in der Baubranche und wohnt zur Miete in einem heruntergekommenen Vorort von Christchurch. Tipene hingegen, Inhaber eines touristischen Unternehmens, das Abenteuerfahrten zu Delphinen organisiert, besitzt ein herrschaftliches Anwesen mit Meerblick in Kaikoura. Zwar waren ihm die vergangenen neunzehn Jahre seines leiblichen Sohnes mehr oder weniger egal, nun aber möchte er "Maaka" in der Erde seines Clans bestattet wissen.

"Wir haben es hier mit einer äußerst delikaten Situation zu tun. Es gilt, eine Reihe von kulturellen Faktoren zu berücksichtigen.", stellt McKenzy, Senior Sergeant von Kaikoura, folgerichtig fest. Nach dem Raub des Leichnams beginnt eine abenteuerliche Verfolgungsjagd um die sterblichen Überreste des Jungen, die der gewaltsamen Landinbesitznahme vor einigen hundert Jahren in nichts nachsteht. Allerdings vermeidet es Carl Nixon äußerst geschickt jedwede Partei zu ergreifen. Und genau diese wohltuende Neutralität zeichnet das Buch aus. Der Autor wirft einen unvoreingenommenen und unverstellten Blick auf die gesellschaftlichen und geschichtsträchtigen Probleme seines Landes. Beide Seiten erhalten von ihm die gleiche Aufmerksamkeit und Beachtung. Atmosphärische Landschaftsbeschreibungen, liebevoll gezeichnete Figuren und Charaktere sowie subtil eingeflochtene Familienbindungen und -traditionen runden die zuweilen überaus spannungsreiche, auf mehreren Zeitebenen agierende Handlung, ab. Stefan Weidle hat den Text des neuseeländischen Autors sensibel und ohne Bruchstellen ins Deutsche übertragen. Ihm ist es gleichfalls zu verdanken, neben dem eindrucksvollen Text, auch ein verlegerisches Kleinod in den Händen zu halten. Wunderbare farbige Landschaftsaufnahmen eröffnen das Buch, am Ende ist ein ausführlicher Maori-Glossar angefügt und auch Covergestaltung und Satz verdienen besondere Beachtung.

Entstanden ist ein feinfühliges, atmosphärisch dicht gewebtes und sublimes Porträt einer Gegend auf der anderen Seite der Erdkugel mit ihren zwei Kulturen. Kulturen, die durch gegenseitigen Respekt und gemeinsame Anliegen langsam zusammenkommen. "Maoritanga" nennen die Neuseeländer das neue Selbstbewusstsein der Maoris. Maori ist mittlerweile neben der Amtssprache Englisch offizielle Landessprache und Teil von Fernseh- und Radioprogrammen. Am Wochenende treffen sich die Maori-Familien in ihren "maraes" (Versammlungshäusern), diskutieren, feiern und empfangen Gäste. Die Helden der Nation, die "All Blacks"-Rugby-Mannschaft, tanzen in den Stadien der Welt vor jedem Spiel den "haka" und die bekannteste Opern-Diva des Landes heißt Kiri Te Kanawa.

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tootsy3000s avatar

Rezension zu "Settlers Creek" von Carl Nixon

Trauer, Wut, Hilflosigkeit und Schuld
tootsy3000vor 2 Jahren

Box Saxton ereilt das größte Unglück, das einer Familie passieren kann: ein Kind ist tot. Der Sohn hat sich das Leben genommen. Eine unfassbare traurige Tragödie, die einem schon zu denken gibt. Trauer und Hilflosigkeit ob dieser Tat zieht sich durch die Geschichte. Hinzu kommt noch die Wut und der aufkeimende Hass über den Raub des Leichnams durch die Maori-Sippe. Die Polizei kann nicht helfen, denn ein Konflikt zwischen weißen und den Ureinwohnern wäre das letzte, was das Land gebrauchen könnte. So nimmt Box Saxton kurzerhand das Gesetz in die eigenen Hände und holt sich seinen Sohn zurück.

Die Geschichte dreht sich eigentlich mehr um Box Saxton, denn um den Selbstmord des Sohnes und den Verlust der Familie. Saxton ist ein Getriebener. Durch den Niedergang seiner Firma fühlt er sich gegenüber seiner Familie als Verlierer. Er wollte immer nur das Beste für alle. Dann musste er alles aufgeben und nun wird ihm auch noch der Sohn – denn auch wenn er nicht der leibliche Vater war, fühlte er sich als solcher – gestohlen und von den Maori beansprucht. Dieses Ringen zwischen zweier Kulturen ist noch viel tragischer als die Tragödie um den Selbstmord. Die Maori fühlen sich im Recht und nehmen sich was nach ihrer Ansicht zu ihnen gehört. Als weißer muss man das Gesetz befolgen. Nur mit gerichtlicher Hilfe ist eine Herausgabe zu erzwingen. Dies kann Monate oder gar Jahre in Anspruch nehmen. Als Leser bekommt man da vor allem die Sicht vom weißen Mann zu spüren. Zwar geht der Autor auch etwas auf die Maori Kultur ein, doch eher nur am Rande und mit einigen Erläuterungen wie z. B. das Haka oder das Tangi, doch vor allem geht es um Box Saxton und sein Handeln. Im Glossar am Ende der Geschichte werden alle angeführten Maori-Ausdrücke erklärt.

Der Roman selber ist sehr atmosphärisch. Die Menschen aber vor allem die Landschaft wird wunderbar dargestellt. Wer schon einmal in Neuseeland war oder es von Bildern her kennt, kann sich dieses wunderschöne Land ganz klar und deutlich vorstellen.  Mir ging es zumindest so. Am Ende fühlte ich mich vor allem den Landschaften wieder ganz nah. Dass in Neuseeland nicht alles nur beschaulich ist, spürt man auch. Nicht nur die Konflikte zwischen den Kulturen, auch dieser große Unterschied zwischen Arm und Reich. Dort die unfassbar teuren und luxuriösen Häuser und da die Bruchbuden. Der Verfall der Farmen, weil die Nachkommen ihr Glück lieber in der Stadt suchen.

Carl Nixon ist ein neuseeländischer Autor. Mir war er noch nicht bekannt. Das Cover ist recht düster, lässt aber viel von dieser mystischen Landschaft, für die Neuseeland so bekannt ist, erahnen. Settlers Creek ist der zweite Roman, der im btb-Verlag erschienen ist.

Mein Fazit:

Das Einzige, das mich persönlich gestört hat ist, dass das “dass”  immer mit ß geschrieben wird. Ansonsten ein wirklich gelungener und lesenswerter Roman über Wut, Trauer, Liebe, Schuldgefühle und Hilflosigkeit über eine Situation, die man nicht beeinflussen kann.

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