Carl Weissner

 4,4 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor*in von Manhattan Muffdiver, Die Abenteuer von Trashman und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Carl Weissner, 1940 in Karlsruhe geboren, studierte Anglistik in Bonn und Heidelberg. Ab 1965 gab er verschiedene Literaturzeitschriften (z.B. UFO und Gasolin 23 mit Jörg Fauser, Jürgen Ploog und anderen) heraus. 1966 ging Weissner für zwei Jahre nach New York, wo er in die Beat- und Underground-Szene eintauchte und auch William S. Burroughs und Charles Bukowski kennenlernte. Später machte er sich als deren Übersetzer in Deutschland einen Namen. Er starb 2012 in Mannheim.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Carl Weissner

Cover des Buches Terpentin on the rocks (ISBN: 9783596109180)

Terpentin on the rocks

(4)
Erschienen am 01.01.1994
Cover des Buches Manhattan Muffdiver (ISBN: 9783902950291)

Manhattan Muffdiver

(4)
Erschienen am 30.10.2014
Cover des Buches Die Abenteuer von Trashman (ISBN: 9783852862149)

Die Abenteuer von Trashman

(2)
Erschienen am 05.09.2011
Cover des Buches Eine andere Liga (ISBN: 9783852862309)

Eine andere Liga

(1)
Erschienen am 02.04.2013
Cover des Buches Aufzeichnungen über Außenseiter (ISBN: 9783945715673)

Aufzeichnungen über Außenseiter

(0)
Erschienen am 15.09.2020

Neue Rezensionen zu Carl Weissner

Zum Weglesen, zum immer wiederlesen: die kräftigste Versuchung seit es Poesie gibt

"nicht als Ketchup und Windhunde
und Krankheit
und Frauen, manche davon
für Augenblicke so schön wie
eine dieser Kathedralen,
und jetzt spielen sie Bartok,
der wusste was er tat,
was bedeutet: er wusste nicht was er tat,
und morgen werde ich vermutlich wieder zurück
zu diesem Scheißjob gehen
wie zu einer Frau mit 4 Kindern"

Charles Bukowskis Gedichte sind Geschichten und Tiraden; Blitzlichter, der Auslöser ist das Leben; frankiertes Elend, dass sich in Nullkommanichts weglesen lässt und doch in seinen Kanten und Rillen viele kleine Offenbarungen versteckt und damit oft auch gar nicht hinterm Berg hält, sondern frontal darauf zusteuert.

Gerade die freie Form der Gedichte macht sie zwingend, lässt sie mit dem lapidaren Ton zu einer Beschwörung werden, die das faserige Leben aus dem Fleisch des bloßen Benennens, Erzählens, Dokumentierens schneidet. Bukowski Gedicht, das sind die unanmaßendsten Anmaßungen der Lyrikgeschichte.

"kann sein, dass Eiswürfel aus der Schale brechen
etwas bedeuten kann,
oder eine Maus die an einer leeren Bierflasche schnuppert;
zwei leere Räume, die ineinander hineinsehen,
oder die nächtliche See, bestückt mit schmierigen Schiffen
die dir ins Hirn dringen mit ihren Lichtern,
diesen salzigen Lichtern
die dich streifen und wieder verlassen
für die konkretere Liebe irgendeines Indien;"

Die Gedichte im Band "Gedichte, die einer schrieb" sind nicht ganz so ausbalanciert wie jene in "Western Avenue" oder "Kamikazeträume", aber dennoch haben sie bei all Zurückgelehntheit oder Heftigkeit denselben schalen Glanz, der so hell und großflächig reflektieren kann, von dem so wenig Wahnwitz und Verdruss und so viel Tiefe zurückbleibt.

Ausholen tun seine Gedichte, aber sie verstehen es auch, eine ganz spezielle Besinnlichkeit hervorzurufen, einzigartig, fast käme es einem wie Prosa vor, in Verse gepresst, aber es ist etwas Subtileres: Gerede, das am Rande des Lyrischen streift und es immer wieder betritt. Gerede, das kein Gelaber ist, sondern eine Stimme, die den Leser nicht in eine flüchtige Metapher presst, sondern mitten in einen großen Raum schmeißt, einem Raum voller Versagen, Anekdoten, Staub & Bewegungen. Das Sensible daran, entdeckt man schnell selbst, am eigenen Leib könnte man fast sagen. Was will man mehr von nem Gedicht?

"Es kommt die Zeit wo man tiefer
in sich reingehen muss
und es kommt die Zeit
wo sichs unschuldiger
und leichter stirbt
wie bei nem Bombenangriff
auf Santa Monica"

In dem Band sind neben Gedichten auch noch einige Bilder von Bukowski und einige Briefe zwischen ihm und dem Herausgeber enthalten.

Cover des Buches Flinke Killer (ISBN: 9783423126984)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Flinke Killer" von Charles Bukowski

Trishen77
Schon gut

"Ich bin ein Gesicht hinter
einem Fenster, ein
vereiterter Backenzahn, einer
der Petersilie frisst und Gifte
ausscheidet, ein Pappkamerad
der nachts an die Decke starrt,
kleiner als Gott und seiner Sache
nicht halb so sicher"

Raues Ambiente mit abgewetzter Schönheit. Apokalypsen der Gelassenheit. Vielleicht auch Zärtlichkeit inmitten der schwarzen Serie, die die Lines auf dem Papier sind.

Bukowskis Gedichte (hier schön schnoddrig inszeniert durch ein paar Bilder von Janosch, alle sehr ähnlich im Stil zum Cover) gehören für mich zu den lapidarsten und zugleich eindrücklichsten Leseerfahrungen in diesem Genre, und überhaupt. Lässig sind diese Gedichte, aber sie sind auch verloren und bauen in dieser Verlorenheit schroffe Anfechtungen, apathisch-knarrend-knurrende Philosophien und schörkelose Direktheiten.

"Ich lege auf und denke teilnahmsvoll an
Kafka, dem nachts die Beutelratten über die
Haut liefen, die Leute auf der anderen Seite
des Flurs singt ihren Kanarienvogel etwas vor,
man hat ihre Liebe an- und ausgeknipst wie ein
Feuerzeug oder das Licht im Klo, ein Vogel
ist jetzt ihre letzte Liebe ... So geht es
uns allen, wenn sich nicht mehr viel tut
und man auf einer kleineren Bühne spielen muss."

Aber dazwischen steht der klare Blick auf die menschliche Existenz. Mit einer Direktheit, die einen immer wieder verblüfft und die Gedichte zu einem Meta-Text macht, in dem man immer wieder lesen will, um die graue Seite des Daseins auszuleuchten. Rotzig geht es zu, Elegisch und Komisch. Und dazwischen schlägt Bukowski gegen die weiten Wände des menschlichen Gefängnisses, das letztlich sehr klein ist und "Ich und all die anderen" heißt.

"Ich werde die Menschen nie
verstehen. Aber ich habe es
geschafft mit ihnen zu
leben."

Und grandiose Gedicht über ihre Existenz zu schreiben.

Cover des Buches Terpentin on the rocks (ISBN: 9783596109180)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Terpentin on the rocks" von Charles Bukowski

Trishen77
Freakig

Diese Lyriksammlung ist nicht so hart wie sie tut - kommt dem aber schon relativ nah. Versammelt sind hier vor allem amerikanische Undergroundlyriker*innen, deren Biographien sich lesen wie die Lebensläufe von jenen Erscheinungen, die als absurde Gestalten in den Gedichten von Charles Bukowski auftauchen. Nicht wenige von ihnen waren mit Bukowski befreundet oder zumindest mit ihm bekannt und die Sammlung trägt eine deutliche Geschmacksfärbung - hier ist enthalten was Bukowski als ECHTE oder auch LEBENDIGE Lyrik pries (im Gegensatz zu all dem hochgestochenen Mist, den er nicht leiden konnte).

Obwohl der Fokus auf diesem Aspekt liegt, sind sowohl formal als auch inhaltlich durchaus einige Bandbreiten vertreten. Viele der Beiträger*innen waren durchaus sehr aktiv und hatten bereits einen eigenen Stil entwickelt. Eine Versammlung von Anfänger*innen ist diese Anthologie nicht. Gleichwohl lassen sich sehr schnell ein paar häufig vorkommende Themen fixieren: hartes Leben, prekäres Leben, Anarchie und Tiraden.

Eignen tut sich die Sammlung sicher für jene, die Nachschub in Sachen Bukowski brauchen, denn einiges in diesem Band wird ihnen gefallen – wenn auch die unumwundene, aber dabei nicht unfiligrane Heftigkeit eines Charles Bukowski von wenigen erreicht wird. Wer hier Sex & Crime im Übermaß erwartet, wird eher enttäuscht sein. Viel Ego, viel großes Reden. Dafür erstaunlich wenig Action.

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