Carl Wilckens Dreizehn. Das Tagebuch

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Inhaltsangabe zu „Dreizehn. Das Tagebuch“ von Carl Wilckens

Godric End, Symbolfigur des Bürgerkriegs in Dustrien, ist in Gefangenschaft geraten. Für eine Zigarette pro Tag erzählt er den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte: Ich war elf, als ich zum ersten Mal tötete. Meine Jugend verbrachte ich in einer Drogenhölle ohne Sonnenlicht. Mein einziger Freund war der Hunger. Worte wie Freundschaft, Vertrauen oder Hoffnung bedeuten mir nichts. Das Leben eines Menschen ist für mich nicht mehr wert als das einer Ratte. Ich kann euch töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin mehr Bestie denn Mann und ich giere nach einer Droge namens Perl. Trotzdem nennt man mich einen Helden. Ihr habt von mir gehört, von Godric End, dem Freiheitskämpfer. Aber die Wahrheit über mich kennt ihr nicht. Sie ist ein scheues und manchmal hässliches Tier. Ihr sollt meine Geschichte hören. Die Geschichte von meinem Dasein im Rumpf der Swimming Island, von meiner Zeit als Auftragsmörder und von meiner ersten Liebe. Von der Suche nach meiner Schwester und dem Untergang der Welt.

spannend von der ersten bis zur letzten Seite

— MellieJo
MellieJo

mehr davon!

— DrDoubleyu
DrDoubleyu

düster, blutig dann wieder geheimnisvoll - guter Auftakt der Reihe

— annlu
annlu

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    Dreizehn. Das Tagebuch
    MellieJo

    MellieJo

    20. July 2017 um 20:26

    Rezension von Melanie zu 13: Das Tagebuch von Carl Wilckens5 von 5 🌟 spannend von der ersten bis zur letzten Seite Godric End, Symbolfigur des Bürgerkriegs in Dustrien, ist in Gefangenschaft geraten. Für eine Zigarette pro Tag erzählt er den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte: Ich war elf, als ich zum ersten Mal tötete. Meine Jugend verbrachte ich in einer Drogenhölle ohne Sonnenlicht. Mein einziger Freund war der Hunger. Worte wie Freundschaft, Vertrauen oder Hoffnung bedeuten mir nichts. Das Leben eines Menschen ist für mich nicht mehr wert als das einer Ratte. Ich kann euch töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin mehr Bestie denn Mann und ich giere nach einer Droge namens Perl. Trotzdem nennt man mich einen Helden. Ihr habt von mir gehört, von Godric End, dem Freiheitskämpfer. Aber die Wahrheit über mich kennt ihr nicht. Sie ist ein scheues und manchmal hässliches Tier. Ihr sollt meine Geschichte hören. Die Geschichte von meinem Dasein im Rumpf der Swimming Island, von meiner Zeit als Auftragsmörder und von meiner ersten Liebe. Von der Suche nach meiner Schwester und dem Untergang der Welt.Ich habe erst nur die sogenannte Rückseite des Buches gelesen und war keineswegs überzeugt, aber ich habe gelernt nicht immer auf den ersten Blick zu urteilen,  denn ich glaube,  das zeichnet einen Blogger aus. Und ich bin froh, das ich mich nicht habe abschrecken lassen.  Denn das Buch überzeugt. Es ist sehr fesselnd und spannend, und irgendwie ganz anders als alles, was ich in diesem Jahr gelesen habe.Anbei ein kleiner Aussagekräftiger Auszug:GODRIC END Wahnsinn, Scharfsinn und Skrupellosigkeit. Dies sind die drei Dinge, die einen Menschen gefährlich machen. Nicht seine Stärke oder seine Waffen. Ein Muskelpaket mit einem Revolver in jeder Hand ist harmlos, wenn er zögert, dumm oder berechenbar ist. Ich bin schon immer klug gewesen. Mein Gewissen hatte der Unterrumpf verschlungen. Und mein Verstand sollte bald folgen. Ich war nur ein Kind, aber ich entwickelte mich bald zum Schrecken des Unterrumpfes. Zum Tod aus den Schatten. Meinen zweiten Mord beging ich an Olli. Er starb nicht durch meine Hand, aber durch meine List. Als ich den Weg zum Batteriedeck zurückverfolgt hatte, war ich beinahe ein zweites Mal in jenen Stolperdraht gelaufen, der eine tödliche Klinge aus der Wand klappen ließ. Jemand hatte die Falle wieder scharf gestellt. Nun trug ich den Siegelring und betrat den Hauptgang, auf dem der Pelz lebte. Ich wusste, wenn ich leise war, würde ich das Biest nicht anlocken. Ich wusste außerdem, dass unweigerlich jemand auf mich aufmerksam würde, wenn ich mich hier aufhielt. Viele Süchtige lauerten hier, um die Leichen zu plündern, die der Pelz zurückließ. Wenn jemand den Ring an meiner Hand sähe, würde er versuchen, ihn zu stehlen. Dann wollte ich ihn in den Gang lotsen, in dem der Stolperdraht gespannt war. Es war Zufall, dass ausgerechnet Olli den Köder schluckte. Dieses Mal vergeudete er keine Zeit mit dem Versuch, mich zu sich zu locken. Wortlos sprang er auf den Gang und stürmte auf mich los. Für einen Moment war ich vor Schreck wie erstarrt. Olli lief schnell und doch leise. Er hatte den Pelz nicht vergessen, war geistesgegenwärtig, nicht zugedröhnt. Ich wandte mich um und folgte dem gekrümmten Verlauf des Hauptganges zurück, so schnell mich meine Beine trugen. Meine Schritte klangen beunruhigend laut auf dem metallenen Boden. Mein Herz hämmerte. Ich rechnete jeden Augenblick damit, die stampfenden Schritte des Bären zu hören. Wo war diese Abzweigung, die mich aus dem Hauptgang und direkt zum Stolperdraht führte? Dort! Ich bog nach links ab und rannte weiter, Olli mir dicht auf den Fersen. Nun, da keine Gefahr mehr durch den Pelz bestand, schickte der Perlsüchtige Flüche voraus. „Bleib stehen, du Missgeburt! Gib mir den Ring, dann wird dir nichts geschehen.“ Dass er log, war offensichtlich. Olli hatte nur aus einem Grund überlebt, nämlich weil er die wichtigste Regel dieses Ortes befolgte: Töten oder getötet werden. Ich passierte eine Kreuzung und sprang mit einem weiten Satz über den Stolperdraht hinweg. Und wenn er die Falle kennt?, schoss es mir durch den Kopf. Warum hatte ich nicht eher daran gedacht? Vielleicht war Olli ja derjenige, der sie scharf gestellt hatte. PENG! Ein ekelhaft matschiges Geräusch ertönte, als die Klinge Olli in zwei Hälften schnitt. Ich blieb stehen und wandte mich schweratmend um. Da lag er, den Leib knapp unterhalb der Brust durchtrennt. Bunte Schlangen wanden sich aus seiner unteren Hälfte, während er mich aus großen irislosen Augen anstarrte. „Du … du …“ Ich trat vor ihn und fing an, die Taschen von Hose und Mantel zu durchstöbern. Ich fand einige nützliche Dinge, aber das mit Abstand Wertvollste war eine fast volle Streichholzschachtel und ein kleines Aluminiumkästchen mit Zigaretten. „Du …“ Ich sah die Wut in Ollis sterbendem Blick, als ich seinen Besitz an mich nahm. Ein letztes Mal, bevor das Ich meiner Kindheit einer neuen, gnadenlosen Persönlichkeit wich, verließ ich meinen Körper und beobachtete mich selbst. Ich öffnete die Aluminiumschachtel und nahm eine der Zigaretten heraus. Ich zündete sie mit einem Streichholz an und zog daran. Der Rauch biss mir in die Lungen, und ich hustete. Der zweite Zug ging schon besser. Ich ging in die Hocke und blies Olli den Rauch in die weit geöffneten, leeren Augen. Ich werde euch die Einzelheiten der weiteren Gräueltaten ersparen. Es sei nur so viel gesagt, dass es viele waren. Der Unterrumpf lehrte mich, einem Menschenleben nicht mehr Wert beizumessen als dem einer Ratte. Jeder Mord, den ich beging, machte mich stärker, machte mich reicher und … ließ eine immer größere Leere in meinem Innern zurück. Ich vergaß, was es bedeutete, ein Gewissen zu haben. Furcht wurde zu einem Wort, das ich nicht mehr verstand. Bald verließ ich die Konstruktionsschächte und erkundete weitere Teile des Rumpfes. Natürlich versuchte ich, weiter nach oben zu gelangen in der Hoffnung, Sonnenlicht auf meiner blassen Haut zu spüren. Doch je näher man dem Deck kam, desto schwerer wurde ein Durchkommen. Man traf auf viele verschlossene Türen und bewachte Durchgänge. Zudem nahmen die Süchtigen, die auf den höheren Ebenen lebten, weniger Perl zu sich. Mit anderen Worten: Sie waren meist nicht zugedröhnt, litten unter Entzugserscheinungen und waren daher ernstzunehmende Gegner. Hingegen: Je weiter man nach unten in den Rumpf vordrang, desto zwielichtiger wurden die Bewohner. Auf den unteren Ebenen drückte einem die Stille des Ozeans auf die Trommelfelle. Stetes Tropfen hallte durch die Gänge, dann und wann unterbrochen vom stählernen Stöhnen des Schiffes. An vielen Stellen sammelte sich Wasser. Bewuchs, der mancherorts lumineszierend leuchtete, bedeckte Boden, Decke und Wände. Bei einem meiner seltenen Erkundungsgänge in diesem Teil des Rumpfes traf ich auf den wohl am schlimmsten zugerichteten Perlsüchtigen, der mir je begegnet ist. Das Merkwürdige am Perl ist, dass es die Menschen zwar langsam zu töten scheint, aber wohl nie zum Ende kommt. Der Mann war nackt. Haut, Haar und Augen weiß wie Schnee… nur seine Pupillen waren schwarz. Seine Haut spannte sich straff über sein Skelett und so erinnerte er mehr an eine wandelnde Leiche denn an einen lebenden Menschen. Er stand bloß da in einer Grotte und starrte an die Wand. Ich musterte ihn eine Zeit lang. Dann schnitt ich ihm die Kehle durch. Vielleicht habt ihr geglaubt, dass für jemanden wie ihn die Regel Töten oder getötet werden nicht gilt. Aber gerade Perlsüchtige werden, sobald die ersten Entzugserscheinungen eintreten, sehr vital, einfallsreich und unberechenbar. Ich...Das zeigt ein bissel das Leben, in welchemGodric End gezwungen wurde. Töten oder getötet werden, eine Grenze hat Godric aber nie überschritten.  Kannibalismus,  er leckte Rost von den Rohren oder ass verschimmeltes Brot aber wirklich nie, niemals Menschenfleisch.Als Godric gefangen und eingesperrt wird, huldigen ihm bei seinem Namen die Mithäftlinge. Er macht ihnen aber schnell klar, das er alles andere als der mutige Held ist, den alle in ihm sehen wollen. Für eine Kippe am Tag will er seine Geschichte,  die ihn dahin geführt hat, erzählen.End berichtet von seiner Zeit auf der Swimming Island, einem gigantischen Piratenschiff, mit gefürchtetem Kapitän und bösartiger Mannschaft. Hier erhält er ein Tagebuch von einem jungen Mann, der Ends verlorene Schwester kennt. Er wirkt bei seiner eigenen Erzählung mehr als Tier und Bestie, denn als Mensch.  Er wurde immer geschickter im Bereich andere zu meucheln.Diese ganzen Handlungsstränge sind toll miteinander verwoben, obwohl doch jeder Part an sich eine eigene Storyline hat. Aber da muss man Carl Wilckens loben für diese geniale Zusammenführung.Zu Beginn ist man eigentlich ausschließlich auf Godric End fixiert, das auch so vom Autor beabsichtigt wurde, nach und nach Erscheinen - fast wie aus Nebeln weitere Gestalten die geschickt in den Vordergrund rücken. Wie zum Beispiel über das Tagebuch seine Schwester und William dem Verfasser der Zeilen des Tagebuchs. Das ganz führt dazu, das man WISSEN MUSS wie alles zusammenhängt.  Trotzdem werden bei den Parts von Emily regelrechte Bilder mit Worten gemalt. Und die es unheimlich interessant machen.Der Schreibstil des Autors ist einfach fesselnd und mitreißend und zu keinem Zeitpunkt langatmig oder langweilig.  Die Sätze sind jurz und knapp und nur selten ausschweifend. Es hat alles etwas tiefsinniges, so als müssten diese Sätze so und nicht anders zusammensetzen.Carl Wilckens Sprache hat mich an dem Buch vermutlich am meisten begeistert. Sie ist authentisch und mitreißend. Trotz kurzer, überschaubarer Sätze klingt fast alles tiefgründig und stellenweise fast poetisch, ohne dabei aber zu hochtrabend oder zu gewollt zu wirken. Vielleicht ist es vielfach auch die Schlichtheit und die Unaufgeregtheit der Sprache, die alles für mich so aufregend gemacht hat. Auf jeden Fall entstanden in meinem Kopf von der ersten Seite an durchgehend Bilder. Der Autor schafft es Beschreibungen und Atmosphären punktgenau rüberzubringen und alles absolut verständlich und nachvollziehbar zu vermitteln.Die Figur des Godric End ist sehr gut gezeichnet, er besitzt viele Facetten und ist in meinen Augenein richtiger Antiheld.  Ein wirklich aussergewöhnliches Werk, was ich so zuvor noch nie gelesen habe. Eine glasklare Leseempfehlung! Hoffentlich hören wir von dem Autor noch viel mehr in diesem Schreibstil! Obwohl mir das Buch zu Rezensionstecken zur Verfügung gestellt wurde, hat dies keinerlei Einfluss auf diese Bewertung.  Denn das Buch hat es einfach verdient, in voller Inbrunst gelobt zu werden.Erschienen ist das Buch im Abacus Verlag,  wo es das Buch auch zu Kaufen gibt, oder auch hier:Diese Rezension findet Ihr auch auf unserem Blog :http://ourfavorbooks.blogspot.de/?m=1https://www.amazon.de/gp/aw/d/B06XKQFRVZ/ref=mp_s_a_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85Z%C3%95%C3%91&qid=1500047777&sr=8-2&pi=AC_SX236_SY340_FMwebp_QL65&keywords=13+das+tagebuch&dpPl=1&dpID=51LjI-XRj7L&ref=plSrch

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  • Ein Buch voller Gegensätze

    Dreizehn. Das Tagebuch
    Sandra1978

    Sandra1978

    23. April 2017 um 15:18

    Inhalt:   Der Gefangene Godric End, der mittlerweile ein berühmt-berüchtiger Mythos ist, erzählt kurz nach seinem Eintreffen im Gefängnis den anderen Insassen seine Geschichte.   Was ist geschehen, damit er zu dem Mensch wurde, der er ist? Er erzählt von seiner Kindheit, wie es ihn auf das Schiff „Swimming Island“ verschlagen hat, wie er drogensüchtig wurde, sich durchgekämpft hat und was passiert ist, als er wieder das Tageslicht erblickte und sich auf einmal als  Auftragsmörder wiederfand.   Außerdem erzählt er von einem Tagebuch, dass er von der Swimming Island mitgenommen hat und das auf merkwürdige Weise eine Verbindung zu seinem alten Leben herzustellen scheint.     Beurteilung   Ich war skeptisch, als ich den Klappentext gelesen habe. Klang eigentlich zuerst nicht nach meinem Beuteschema. Im Nachgang muss ich sagen, dass es sich um eines der fesselndsten Bücher handelt, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.   Dieses Zitat beschreibt treffend, worauf man in diesem Buch trifft:   „Der Sänger musterte ihn besorgt. ER fragte sich, wie viel von dem stimmte, was End erzählt hatte. Von flüsternden Bäumen und lebendigen Spiegelbildern, von verlöschenden Sternen und einem Buch, das er aus einem Traum gestohlen hatte. Er konnte diesen Mann nicht einschätzen, der so viel Grauen erlebt hatte, der ein Mörder war, und trotzdem seine Hoffnung weckte.“   Eine sehr düstere Welt malt der Autor da, doch durchzogen von wunderbarer Magie, die im krassen Gegensatz steht zu den harten und verdorbenen Charakteren, die uns begegnen.   Godric End ist ein faszinierender Protagonist, den man trotz allem, was er tut, einfach mag, weil man es aufgrund seiner Vergangenheit verstehen kann. Ein Mensch, der viel schlechtes tut, aber im Grund ein gutes Herz hat, jedoch seine Schwächen nicht immer überwinden kann – doch er weiß darum und ist ehrlich zu sich selbst.   Man kann dieses Buch nicht aus der Hand legen, die Story treibt, treibt den Leser immer weitere in diese düstere und faszinierende Welt zwischen Untergang und Hoffnung hinein.    Das Ende besteht aus einem ziemlichen Cliffhanger, wie ich finde, und wenn ich nicht bald den zweiten Teil in die Finger bekomme, bekomme ich Entzugserscheinungen!   Dieses Buch ist anders und absolut lesenswert. 5  von 5 Rezisternchen. 

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  • Fantasy-Hitchcock

    Dreizehn. Das Tagebuch
    DrDoubleyu

    DrDoubleyu

    21. April 2017 um 18:03

    Bin eigentlich nur zufällig an "13" geraten, lese sonst kein Fantasy. Aber "13" ist mehr als Fantasy, es saugt einen auf und du fragst dich, was für ein Typ dieser End in Wahrheit ist. Und worum es wirklich geht? Es ist so, als lauere unter der Oberfläche dieses Romans noch irgendetwas, das viel unheimlicher ist als das Erzählte, das im Verlauf der Serie gelüftet wird ? Ein bisschen wie Hitchcock - nur im Genre des Fantasy. Also: mehr davon, Carl Wilckens!

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  • „Ich habe nie behauptet, einer von den Guten zu sein.“

    Dreizehn. Das Tagebuch
    annlu

    annlu

    07. April 2017 um 18:47

    „Wie rettet man sich aus einem Albtraum, aus dem man nicht entkommen kann? Ich werde er dir verraten. Man wird schlimmer als der Alb, der einen verfolgt.“ Viele Gerüchte kreisen um den Helden des Bürgerkriegs Godric End. Die Wahrheit kennt niemand. Bis er in Zellentrakt 13 von Blackworth eingesperrt wird und gegen eine Zigarette am Tag den Mitgefangenen seine Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die aus einem vielversprechenden, gebildeten, wohlhabenden Jungen einen skrupellosen, kampfbereiten Süchtigen macht. Grausam und brutal kämpfte er als Junge ums Überleben. Seinen Aufstieg hat er mehr dem Zufall zu verdanken, als seinen Intentionen und doch scheint es, als würde etwas Mächtigeres ihn lenken. Die Geschichte beginnt mit Ends Eintreffen im Trakt. Schweigsam und gebrochen, wollen die Mitgefangenen gar nicht glauben, dass es sich bei ihm um ihren Helden handelt. Schon in diesem Abschnitt, sowie in allen, die die Geschichte wieder in das Gefängnis bringen, war die Atmorphäre düster. Auch Godric wirkte wie ein sehr harter Mann auf mich. So bildeten die ersten Erzählungen zu seinen frühen, glücklichen Jahren einen starken Kontrast. Godric ist noch naiv und unerfahren und muss auf die harte – und blutige – Tour lernen, dass das Leben nicht so einfach ist. Obwohl seine Erzählungen oft sehr grausam wirkten, fand ich es noch grausamer wie sehr sein Schicksal seinen Charakter zum Negativen beeinflusst hat. Interessant waren die von Beginn an eingeflossenen Andeutungen, ihm ginge es niemals um den Bürgerkrieg, sondern um das Verhindern des bevorstehenden Weltuntergangs. Einiges davon bezog er auf die Industrialisierung und die damit einhergehenden Umweltveränderungen, die in seiner Welt gerade vonstatten gingen. Anderes klang fantastischer. Fantastisch gestalteten sich auch die Wirkungen der Droge, die er einnahm. So gab sie ihm nicht nur mehr Kraft und Ausdauer, sondern auch eine magisch anmutende Sicht, die auch Körper und Wände durchdringen konnte. Sein treuer Begleiter – Hunger – wurde personifiziert und es war nie so ganz deutlich, ob es sich bei ihm um eine Halluzination oder ein anderes Wesen handelte. Der zweite Teil der Geschichte driftet etwas ab von Ends Erlebnissen. Er gelangt in den Besitz eines Tagebuchs, das ein junger Mann geschrieben hat, der Ends Schwester kannte. Die Geschichte ist in diesem Teil weniger düster und blutig, dafür umso mysteriöser. Die Tagebucheinträge werden von Abschnitten um einen geheimnisvollen, magisch anmutenden aber bösartigen Gegenspieler unterbrochen, dessen Intentionen zwar angedeutet, aber nicht ausgesprochen werden. Die Ereignisse um Ends Schwester lassen vermuten, dass die Welt doch von mehr Übernatürlichem beherrscht wird, als ich das ursprünglich dachte. Im ersten Moment war ich enttäuscht darüber, dass die Vergangenheit von End durch die Geschichte um seine Schwester unterbrochen wurde, da ich sehr gespannt darauf war, was es mit den dreizehn düsteren Zeichen des Weltuntergangs auf sich hat und wie es ihm gelungen ist, zum scheinbaren Anführer und Helden zu werden. So gefiel mir zwar das Mysteriöse und die Zweifel, die in diesem Teil gesät wurden, ich hatte aber das Gefühl, dass er keine großen Zusammenhänge zum ersten Teil aufwies. Diese wurden auch erst zum Ende hin gegeben. Der Schluss beendete zwar den ersten Tag und damit den ersten Teil von Godrics Erzählung, ließ mich aber mit sehr vielen Fragen zurück, sodass ich gespannt auf den nächsten Teil warte. Fazit: Düster, manchmal grausam und blutig, dann wieder geheimnisvoller bildete die Geschichte einen guten Auftakt für die Reihe.

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