Carla Guelfenbein

 3.9 Sterne bei 52 Bewertungen
Autorin von Der Rest ist Schweigen, Die Frau unseres Lebens und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Carla Guelfenbein

Eine internationale Berühmtheit: Carla Guelfenbein, geboren 1959 in Santiago de Chile, ist eine chilenische Schriftstellerin und Drehbuchautorin. 1976 ging die mit ihrer Familie nach England. Dort studierte die dann Biologie und Design. Heute lebt sie wieder in ihrer Heimat, wo sie zunächst in der Werbung arbeitete und die Ressorts Kunst und Mode bei der Zeitschrift Elle übernahm. Ihr zweiter Roman „Die Frau unseres Lebens“ war in Chile 2005 Buch des Jahres und monatelang die Nummer eins der Bestsellerlisten.

Alle Bücher von Carla Guelfenbein

Cover des Buches Der Rest ist Schweigen9783596186280

Der Rest ist Schweigen

 (19)
Erschienen am 09.10.2012
Cover des Buches Die Frau unseres Lebens9783596297948

Die Frau unseres Lebens

 (18)
Erschienen am 21.03.2018
Cover des Buches Nackt schwimmen9783596195282

Nackt schwimmen

 (10)
Erschienen am 22.08.2013
Cover des Buches Stumme Herzen9783103972375

Stumme Herzen

 (5)
Erschienen am 27.04.2017
Cover des Buches Die andere Seite der Seele9783596297894

Die andere Seite der Seele

 (0)
Erschienen am 12.12.2018
Cover des Buches The Rest is Silence9781846272325

The Rest is Silence

 (0)
Erschienen am 06.12.2013

Neue Rezensionen zu Carla Guelfenbein

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Rezension zu "Die Frau unseres Lebens" von Carla Guelfenbein

‚Wir alle haben etwas Verachtenswertes.'
sabatayn76vor einem Jahr

‚Wir alle haben etwas Verachtenswertes. Jeder von uns trägt an einem Verbrechen, das er begangen hat, oder dem Verbrechen, das seine Seele von ihm verlangt.‘

Im Sommer 1986 lernen sich Theo und Antonio an der Universität von Essex kennen und werden bald enge Freunde. Als Antonios Bruder Cristóbal, der im Gegensatz zu Antonio die chilenische Heimat nicht verlassen hat, bei einer Demonstration getötet wird, wächst in Antonio der Wunsch, mit einem gefälschten Pass nach Chile zurückzukehren und sich dort dem Widerstand anzuschließen.

Währenddessen verliebt sich Theo Hals über Kopf in Clara, eine 20-jährige Tänzerin, deren Familie ebenfalls aus Chile stammt und die in tiefer Freundschaft mit Antonio verbunden ist. Clara und Theo führen anfangs eine heimliche Beziehung, doch weihen schließlich andere - und damit auch Antonio - ein.

In der Nacht vor Antonios Abreise nach Chile kommt es zum Bruch zwischen den drei Freunden, und erst 15 Jahre später ruft Antonio Theo an und bittet ihn, über die Weihnachtstage zu ihm und Clara nach Chile zu kommen.

Mich hat die Geschichte um Theo, Antonio und Clara, die aus Theos Perspektive und mit Hilfe von Claras Tagebuchaufzeichnungen erzählt wird, vom ersten Satz an gefesselt, und Carla Guelfenbein ist definitiv eine Autorin, die ich mir merken werde.

‚Die Frau unseres Lebens‘ ist in poetischer Sprache geschrieben und wird einfühlsam erzählt. Durch die wechselnden Erzählperspektiven und Zeitebenen baut die chilenische Autorin Guelfenbein viel Spannung auf, hat dadurch aber auch dafür gesorgt, dass ich sehr aufmerksam lesen musste, weil ich sonst bisweilen den Faden verloren habe.

Beim Lesen des Romans, der sich um Freundschaft und Liebe sowie Loyalität und Verrat dreht, hatte ich vom ersten Moment an das Gefühl, dass ich mich mit den Protagonisten auf einen Abgrund zubewege. Und obwohl man von Anfang an weiß, wie und wo die Geschichte endet, habe ich ‚Die Frau unseres Lebens‘ atemlos gelesen, um zu erfahren, wie genau es zum Bruch kam, was genau passiert ist.

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Rezension zu "Stumme Herzen" von Carla Guelfenbein

Literatur aus Chile
Petrisvor 3 Jahren

Aufmerksam wurde ich auf das Buch vor allem durch den Titel und das schöne, ästhetische Cover. Dass Grün meine Lieblingsfarbe ist, hat wohl auch eine Rolle gespielt. Grüne Bücher ziehen mich magisch an, da kann es mir auch schon mal passieren, dass ich daneben greife.

Das war hier aber eindeutig nicht der Fall. Eine Romanautorin und ein Dichter, eine große Liebesgeschichte, die aber wie so viele große Lieben keine Zukunft hat. Was genau passiert ist, erfährt man erst nach und nach.

Den Rahmen bildet die Geschichte einer jungen Literaturwissenschaftlerin, die ihre Doktorarbeit genau über jene Schriftstellerin schreiben möchte und dazu nach Chile kommt, um zu forschen. Die zweite Hälfte des Rahmens wird vom Nachbarn der Autorin erzählt, der eng mit ihr befreundet war und sie auch jetzt jeden Tage im Krankenhaus besucht, wo sie nach einem Sturz im Koma liegt.

Spannend erzählt, voller Geheimnisse, teilweise wie ein Krimi, wunderschöne, poetische Sprache, voller Tiefgang und Weisheit. Wirklich schön zu lesen.

Doch leider ist am Ende das Ganze zu offensichtlich und zu konstruiert. Alle Figuren hängen (was man sehr bald durchschaut) zusammen, die Begegnungen dazu sind nur zu unwahrscheinlich und auf dem Reißbrett entstanden. Als Vorbild dienten hier die amerikanischen Creative-Writing Produkte, die im Uni-Milieu angesiedelt sind. Leider wurde das hier etwas zu plakativ umgesetzt.

Und die Geschichte der jungen Literaturwissenschaftlerin mit ihrer Persönlichkeitsstörung, die dann auf wundersame Weise ganz schnell geheilt wurde,… Sorry, das ist einfach Humbug. Außerdem hätte es die kitschige Liebesgeschichte mit dem Nachbarn gar nicht gebraucht. Da hätte ich mir mehr Zwischentöne gewünscht.

Über lange Strecken, ein schön zu lesender, sehr spannender Roman, der im Literaturumfeld angesiedelt ist, doch leider wird dann alles zu Tode erklärt, aufgelöst und in einem kitschigen Happy End verpackt. Damit gerät er etwas kitschig und verliert am Ende an Niveau. Dennoch, sehr lesenswert!

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Rezension zu "Stumme Herzen" von Carla Guelfenbein

Liebe und Verrat
RosaEmmavor 3 Jahren

Die lateinamerikanische Literatur hat mich schon immer begeistert. Die außergewöhnlichen Romane von Autoren und Autorinnen wie Isabel Allende, Gabriel García Márquez, Paulo Coelho und vor allem Antonio Skármeta haben für mich einen ganz besonderen Stellenwert. Nun ist noch eine weitere Schriftstellerin hinzugekommen, deren Werke mich sehr ansprechen: Die Chilenin Carla Guelfenbein berührt durch einen einzigartigen, sehr poetischen Schreibstil, der die Leser mit ihren Geschichten verschmelzen lässt. Worte – so mächtig und doch so federleicht – schleichen sich in die Gedanken und hallen noch lange nach, wenn das Buch beendet ist. Lebensklug und mit tiefgreifenden Einsichten in die Befindlichkeiten der Menschen erzählt Guelfenbein von großen Gefühlen, verpassten Chancen und stetem Neubeginn, der Bestandteil unserer Natur ist. Dabei bedient sich die Sprachvirtuosin einer klaren, melodisch-harmonischen Ausdrucksweise, die ihre Romane zu einem Lesegenuß ersten Ranges macht.

Ein verhängnisvoller Sturz

Die betagte Schriftstellerin Vera Sigall hat sich von der Welt zurückgezogen und lebt allein mit ihren beiden Hunden in ihrem Haus in Santiago de Chile. Nur ihr Nachbar, der junge Architekt Daniel Estévez, schafft es, Kontakt zu ihr aufzubauen und ihr Vertrauen zu gewinnen – sehr zum Missfallen seiner Karriere-Gattin Gracia, die die beinahe familiäre Bindung der beiden mit Unverständnis zur Kenntnis nimmt. Als er Vera eines Tages bewusstlos am Fuße ihrer Treppe auffindet, ist Daniel schockiert: Er kann nicht fassen, dass die agile Dame ohne ersichtlichen Grund so schwer gestürzt ist. Er glaubt nicht an einen Unfall oder ein Mißgeschick, doch das behält er zunächst für sich.

Er hat genügend eigene Probleme, die sich nicht so einfach in Luft auflösen: Seine Ehe mit Gracia ist in einer Krise. Als sie ein Paar wurden, hatte Daniel mit seinem Entwurf eines Museums einen hart umkämpften Wettbewerb gewonnen und war zum aufsteigenden Stern der Architektenbranche avanciert. Doch als das prestigeträchtige Projekt auf Eis gelegt wurde, geriet auch seine vielversprechende Karriere ins Stocken, ein absolutes No-Go für Gracia, für die Erfolg das Wichtigste im Leben ist. Als Daniel ihr von seinem Traum erzählt, ein Restaurant auf den Klippen zu entwerfen und zu betreiben, ist sie mehr als entsetzt, denn in ihren Augen ist das kein Job für einen richtigen Mann.

Sterne und Planeten

Zeitgleich ist Emilia Husson, eine französische Studentin mit chilenischen Wurzeln, nach Santiago de Chile gekommen, um dort mittels Stipendium das Gesamtwerk von Vera Sigall zu erforschen. Der berühmte Dichter Horacio Infante, der als Gastdozent an ihrer Universität lehrt, hatte sie überzeugt, ihre Abschlussarbeit über Sigall zu schreiben und ihr darüber hinaus die Erlaubnis verschafft, in der Bibliothek Bombal Zugang zu all ihren Romanen zu erhalten. Als Tochter zweier Astronomen ist Emilia besonders an der Bedeutung der Sterne und Planeten in Sigalls Erzählungen interessiert, doch das hält sie zunächst geheim, da es ihres Erachtens selbst für Literaturwissenschaftler zu abgehoben sein könnte.

Als Infante Emilia zu einem gemeinsamen Lunch mit seiner Tochter einlädt, lernt sie dort zu ihrer Überraschung auch Vera Sigall kennen. Emilia bemerkt sofort, dass zwischen Sigall und Infante etwas Unausgesprochenes liegt, ein inniges, unsichtbares Band, das die beiden verbindet. Umso erstaunter ist sie, als sie wenig später unabsichtlich Zeugin eines lauten und zornigen Streits der beiden wird, den sie nicht einordnen kann.

Eine schicksalhafte Begegnung

Für Emilia bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass Vera nach einem folgenschweren Sturz im Koma liegt. Sie schafft es nicht mehr, sich auf ihre Recherchen zu konzentrieren und fährt ins Krankenhaus, um Vera nahe zu sein. Sie verbringt Stunde um Stunde im Wartesaal, weil sie keinen Zugang zum Krankenzimmer erhält. Dort sitzt Daniel, der alles versucht, um die schwer verletzte Schriftstellerin durch Vorlesen und Erzählen wieder ins Leben zurückzuholen.

Bald wird er auf Emilia aufmerksam, die auf ihn einen seltsam verlorenen Eindruck macht. Sie wirkt wie ein Wesen aus einer anderen Welt, das ganz in sich versunken ist. Und sein Eindruck täuscht ihn nicht: Die scheue Emilia hat ein Problem im Umgang mit Menschen, jeglicher körperlicher Kontakt ist ihr zuwider. Und trotz alledem verlieben sich die beiden und vertrauen sich einander an: Emilia erzählt Daniel, dass sie bei ihren Recherchen auf etwas äußerst Mysteriöses zwischen Sigall und Infante gestoßen ist, das bisher noch niemandem aufgefallen ist. Im Gegenzug berichtet Daniel Emilia, dass er nicht glaubt, dass Sigalls Sturz ein Unfall war und er daher die Polizei eingeschaltet hat.

Beide recherchieren schließlich gemeinsam und finden heraus, dass ein Obdachloser kurz vor Veras Sturz in der Nähe ihres Hauses gesehen wurde. Auch Infante soll Vera kurz vor ihrem angeblichen Unfall noch besucht haben. Als Daniel jedoch zu seinem Entsetzen entdeckt, wer Vera tatsächlich an dem Unglückstag besucht hat, kann er es nicht fassen und glaubt an einen Irrtum. Währenddessen macht Emilia eine weitere Entdeckung und erhält schließlich private, nur für ihre Augen bestimmte Aufzeichnungen von Infante, die die ganze Tragik seiner und Veras Geschichte enthüllen und den berühmten Dichter und die Schriftstellerin in ein völlig anderes Licht rücken…

Ein großartiger Roman über Liebe, Verrat und Vergebung

Mit Stumme Herzen ist Carla Guelfenbein ein erstklassiger, ausdrucksstarker Roman gelungen, der nachdenklich stimmt. Die aus drei Teilen bestehende Geschichte, deren Kapital jeweils abwechselnd aus der Perspektive von Daniel, Emilia und Horatio Infante erzählt werden, thematisiert zum einen die tragische Liebe des berühmten Dichters und der legendären Schriftstellerin in all ihren Facetten – leidenschaftlich, alltagsabsorbiert und schließlich zerstört durch einen Verrat, der unverzeihlich scheint. Doch was, wenn der sogenannte Verrat aus Liebe geschah? Die Frage klingt wie ein Paradoxum, doch in dieser Geschichte ist sie mehr als berechtigt. Haben nicht Stolz und ein übergroßes Ego zu einem existentiellen Dilemma geführt, von dem sich einer der Protagonisten (mehr sei an dieser Stelle nicht offenbart) erst im hohen Alter durch Einsicht und Vergebung befreien kann? Am Ende wird dieser Figur schmerzlich bewusst, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt – was bleibt sind Erinnerungen an eine Liebe, die zu fragil war für die Ewigkeit.

Zum anderen erzählt Guelfenbein die ungewöhnliche Liebesgeschichte der beiden Außenseiter Daniel und Emilia. Die behutsame Annäherung der beiden liebenswert verschrobenen Charaktere, die ihren ganz eigenen Charme hat, ist das genaue Gegenteil der ungezügelten Love Story von Horatio und Vera. Daniel und Emilia versuchen, ihren Platz in einer Gesellschaft zu finden, in der Individualität und Andersartigkeit keine Chance haben und begegnen einander in einem Moment, in dem alles düster scheint. Wie sie zueinander finden, erzählt Guelfenbein auf wunderbare Weise, wie es mit den Liebenden weitergeht, lässt sie offen. Am Ende findet sich alles zusammen, nur um dann wieder auseinander zu driften. Schicksal? Nein. Nur der Lauf des Lebens.

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