Carlo Feber entführt seine LeserInnen mit diesem historischen Krimi in die spätmittelalterliche Bischofsstadt Osnabrück, die Mitte des 15. Jahrhunderts eine lebendige und wohlhabende Hansestadt ist. Durch die Herstellung und dem Handel mit feinstem Leinen sind die Handelshäuser reich geworden, während die Leinenweber nach wie vor ein kärgliches Leben fristen. Als sich jedoch die Beschwerden über die mangelnde Qualität des Leinens und gefälschte Qualitätssiegel häufen, wird der Prüfmeister Tomas Reker von den Osnabrücker Ratsherren beauftragt, diesen Anschuldigungen auf den Grund zu gehen, ein Auftrag, den Reker mit dem Leben bezahlt, denn er wird brutal ermordet.
Der Verdacht fällt, getreu dem Motto „Cui bono?“ auf Rekers Stellvertreter und nunmehrigen Anwärter auf die prestigeträchtige Stellung, Reimer Knuf. Doch steckt Knuf wirklich hinter dem brutalen Mord? Eigentlich ist er doch durch das heimliche Verhältnis mit Margit, der schönen Tochter des reichsten Osnabrücker Kaufmanns, gut ausgelastet.
Obwohl man sicher ist, mit Reimer Knuf den Täter schon gefunden zu haben, wird Ratsherr Simon Leent, ein besonnener und integrer Kaufherr, mit der Aufklärung des Mordes betraut.
Meine Meinung:
Carlo Feber hat hier einen historischen Roman verfasst, der zahlreiche Elemente eines Krimis sowie eine Liebesgeschichte enthält. Beides dient quasi als roter Faden dazu, ein farbenprächtiges Sittenbild einer spätmittelalterlichen Hansestadt darzustellen, die mit allen Anzeichen und Unbillen der beginnenden Neuzeit zu kämpfen hat. Es ist nicht nur die Gefahr von außen, die den Wohlstand der Stadt bedroht, sondern vielmehr die hausgemachten Kleinkriege innerhalb der Stadt. So streiten sich weltliche und kirchliche Macht, wer in der Stadt das Sagen hat. Mitunter hängt auch das Damoklesschwert einer Reichsacht über der Hansestadt. Da kann man den Mord an Reker eigentlich so gar nicht brauchen. Doch anstatt an einem Strang zu ziehen, vergeuden Kirche und Stadt sowohl Zeit als auch Ressourcen, um jeweils die eigenen Eitelkeiten zu befriedigen.
So werden Simon Leent jede Menge Prügel zwischen die Beine geworfen. Wie es sich für einen historischen Roman dieser Epoche gehört, spielen Frauen kaum eine offizielle Rolle. Daher müssen sie als heimliche aber kluge Ratgeberinnen ihren Männer zur Seite stehen. Leents Ehefrau wird aber nicht die einzige Unterstützung des Ratsherrn sein. Mit Ertwin Ertmann flicht Carlo Feber eine historische belegte Figur in diesen Roman ein.
Sehr gut gelungen ist Carlo Feber der Einsatz der mittelalterlichen Sprache. Das hebt in von zahlreichen anderen Autorinnen und Autoren ab, denen manchmal ein modernes Wort oder eine flapsige Redewendung entkommt und so die Glaubwürdigkeit bedroht. Feber arbeitet mit Vorbildern und Anleihen aus historischen Texten, was mitunter antiquiert wirkt und behäbig wirkt. Das angehängte Glossar hätte durchaus etwas ausführlicher ausfallen dürfen.
Fazit:
Diesem historischen Roman bei dem die Krimihandlung zu Gunsten der bildhaften Beschreibung der Lebensumstände im Spätmittelalter zurücktritt, gebe ich gerne 4 Sterne.


















