Abraxas, ein Name wie ein Zauberspruch. Aber waren nicht alle Worte einst wie Zaubersprüche? Wo ist diese Magie hin, ist sie in die Technik gefahren, wird sie nun von Wissen erschaffen? Oder ist sie in die subatomare Ebene abgetaucht, schwingt auf der Quantenebene von hier ins Ewige und zurück? Müssen wir uns nur wieder von den Ideen ab und dem Elementaren zuwenden, um sie zu spüren? Aber: wie elementar sind Ideen für uns geworden, wie können wir noch ohne sie existieren?
Carlo Leone Spillers Gedichtband wirkt wie ein Versuchlabor, ein Alchemistentisch. Der alte Traum von der Verwandlung von Blei in Gold wird hier zum Traum einer anderen Transformation, der von Graphitskizzen in durchleuchtetes Dasein. Ergründen wollen die Gedichte und stoßen dabei auf verschiedene Arten von Unterbau, von Grundlagen: Mythen, Biologie, Platinen und Elektroden, Partikel und Elementarteilchen, Glaube und Gewebe.
Sie erzählen von einer reichhaltigen und doch auch von einer zerfaserten, in Gebiete und Sichtweisen aufgesplitterten Welt. Dazu passt, dass Abraxas ursprünglich ein gnostisches Wesen war, eine Art Gott, vollkommen, herrschend über ein unvollkommenes Universum. Das lyrische Ich von Spillers Band versucht den Dingen habhaft zu werden, stößt aber an Grenzen, überlagert, übertritt sie und doch findet nur scheinbar alles zusammen. Unvollkommen sind auch die vollkommenen Auswüchse, weil sie eine Wurzel, ein Trieb, nicht alle.
Man folgt den Gedichten gern bei ihren Erkundungen, Mixturen. Formal treten sie zunächst einheitlich auf, bevor im späteren Verlauf plötzlich einige neue Gestaltungsarten auftauchen; die sonst dahinfließenden, auf und abgehenden Verse reihen sich plötzlich. Und mit einem Mal gibt es da auch Liebesgedichte, was doch etwas überrascht. Und den Eindruck verstärkt, daß man hier einer gleichsam wilden wie auch elaborierten Poesie begegnen kann, in der Emotion und Analyse ein paar Reigen miteinander tanzen.
Carlo Leone Spiller
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Carlo Leone Spiller
In Wahrheit war es schön
Stern Abraxas Sterns Notizbuch
Geschichte vom Rande der Stadt
Neue Rezensionen zu Carlo Leone Spiller
Meine Meinung und Inhalt
Mich hat vor allem als Kind der 90er der Klappentext neugierig gemacht. Das Buch konnte mich weniger durch eine stringente Handlung als vielmehr durch seine Atmosphäre und Sprache überzeugt. Die einzelnen Episoden wirken wie lose Erinnerungsfragmente, die zusammen ein stimmiges Bild ergeben. Kein dramatischer Spannungsbogen, sondern viele kleine, poetische Bewegungen,so lässt sich dieses Buch vielleicht am besten beschreiben.
Der Blick zurück auf eine Jugend in einem künstlerisch geprägten Zürcher Milieu fühlt sich wirklich ehrlich und ungeschönt an. Es geht nicht um Beziehungen, in Momenten der Unsicherheit, in der Suche nach Zugehörigkeit.
Die Sprache ist zurückhaltend, aber präzise. Kein Wort zu viel, nichts aufgebauscht, nichts wirkt dadurch gekünstelt. Gerade dadurch bleibt vieles im Kopf.Der Erzähler beschreibt, was ihn bewegt, ohne zu werten. Das macht das Buch glaubwürdig.
Ich mochte besonders, dass es zwar um eine persönliche Geschichte geht, man sich aber trotzdem oft selbst darin wiederfindet. Diese Mischung aus Nähe und Abstand funktioniert gut. Auch wenn der Erzähler von sich erzählt, wirkt es nie aufdringlich oder übertrieben.
Manche Stellen sind sehr romantisch oder nostalgisch erzählt. Das passt aber zur Stimmung und dem zeitlichen des Buchs und hat mich nicht gestört. Für mich war "In Wahrheit war es schön" ein wirklich unterhaltsames Buch.
Klappentext
Der Protagonist C. wird zu Beginn der Neunziger Jahre in eine Zürcher Künstlerfamilie geboren. Er schlittert die Kirchgasse herunter, streitet mit seinen Eltern, übt sich in Telepathie, entdeckt die Liebe und — das Schreiben. Doch einige Jahre sollen vergehen, bis C. tatsächlich am Schweizer Literaturinstitut studiert. Wilde Jahre in Buenos Aires, Zürich und Berlin sind der Hintergrund, vor dem C. zu dem wird, was man Schriftsteller nennt. Wie viel persönliche Arbeit dahinter steckt und wie sehr Schriftsteller auf ihr Leben als Material zurückgreifen, davon erzählt dieses epische Buch mit viel Leidenschaft und verletzlicher Offenheit.
Über den Autor
Carlo Leone Spiller studierte Literarisches Schreiben in Biel, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaften sowie Philosophie in Zürich und Berlin. Seine Arbeiten wurden unter anderem in den Literaturzeitschriften Edit, entwürfeundDeliriumsowie der Anthologie »Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten«publiziert. »In Wahrheit war es schön« ist sein erster Roman. Er hat den Buchladen für unabhängiges Publizieren MATERIAL mitgegründet und ist Mitorganisator der Veranstaltungsreihe »Zürcher Werkstattgespräche«.
**** Worum geht es? ****
In den 90er Jahren wird der Protagonist geboren und erlebt ein Leben wie du und ich, aufs und abs, das Glück, die Liebe, die Freiheit, die Wildheit und vieles dazwischen, aber auch Verletzungen, Enttäuschungen und Schwere. Und er stellt offen die Frage: In Wahrheit war es schön, oder?
**** Mein Eindruck ****
Eine autobiografische Erzählung aus der Ich-Perspektive des Autors. Ich verfolgte die zeitliche Entwicklung der Persönlichkeit, erlebte zusammengeführte Rückblicke um die Charaktere im Leben des Autors besser greifen zu können und erlebte vor allem eines: ein Leben, das meinem gar nicht so unähnlich erschien. Ich konnte mich mit vielen Szenen identifizieren und aufgrund des schriftstellerischen Reichtums in dem Buch in die Tiefen abtauchen und es so richtig genießen. Der Autor lenkte mich mit seinen positiven und auch schmerzlichen Erlebnissen durch sein Leben, von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter, von den prägenden Momenten und Erlebnisse, die einfach aufgrund der individuellen Freude im Gedächtnis des Autors hängen blieben. In Wahrheit war es schön, das gilt es hier zu entdecken und vielleicht auf sich selbst gemünzt, mit seinen ganz eigenen Erfahrungen, für sich selbst zu entscheiden. Das Buch fühlte sich beim Lesen ehrlich, authentisch und bewegend an. Sprachlich ein Kunstwerk und inhaltlich unterhaltend wie rührend. Abenteuer und das Erwachsen werden inklusive.
**** Empfehlung? ****
Eine klare Empfehlung für Fans von autobiografischen Erzählungen. Ein reicher und wunderschön verfasster Text, der Spuren hinterlässt.
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