Carlo Levi

 3,9 Sterne bei 35 Bewertungen
Autor*in von Christus kam nur bis Eboli, Die Uhr und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Carlo Levi (1902–1975) war Arzt, Schriftsteller und Maler. Er stammte aus einer großbürgerlichen Familie assimilierter Juden. Weil er eine antifaschistische Gruppe leitete, saß er 1934 zunächst im Gefängnis und wurde später in den unwirtlichen Süden Italiens in die Verbannung geschickt. Seine Erfahrungen mit der archaischen Welt dieser Region verdichtete er in seinem Buch "Christus kam nur bis Eboli", das in 37 Sprachen übersetzt wurde. Daneben verfasste er Gedichte, Essays und Reiseberichte. Martin Hallmannsecker ist Althistoriker und hat Belletristik sowie Sachbücher aus dem Italienischen und dem Englischen übersetzt. 2017 erhielt er den Nachwuchsförderpreis des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises. Seit 2024 ist er Lektor im Verlag C.H.Beck.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Carlo Levi

Cover des Buches Christus kam nur bis Eboli (ISBN: 9783905811063)

Christus kam nur bis Eboli

 (32)
Erschienen am 01.02.2008
Cover des Buches Die Uhr (ISBN: 9783746623498)

Die Uhr

 (3)
Erschienen am 01.05.2007
Cover des Buches Die doppelte Nacht (ISBN: 9783406823695)

Die doppelte Nacht

 (0)
Erscheint am 09.10.2024

Neue Rezensionen zu Carlo Levi

Cover des Buches Christus kam nur bis Eboli (ISBN: 9783905811063)
beccariss avatar

Rezension zu "Christus kam nur bis Eboli" von Carlo Levi

Gesellschaftspolitische Reportage und persönlicher Lebensbericht
beccarisvor einem Jahr

Der Autor Carlo Levi stammte aus einer grossbürgerlichen jüdischen Familie aus dem Piemont. Er war Arzt, Maler, Schriftsteller und Politiker. In diesem Werk erzählt er uns seine Lebensgeschichte als politisch Konfinierter zur Zeit des italienischen Faschismus.

Verbannt in den Süden Italiens, genauer nach Lukanien (Basilikata), kommt er in eine verlassene, sehr arme und von Krankheit gebeutelte Region. Die Menschen dort, sagen sie seien keine Christen und keine Menschen, sondern Tiere. Christus sei nur bis Eboli gekommen. Das fiktive Dorf Gagliano liegt auf einem kalkigen Hügel, der ständig von Erdrutschen bedroht ist. Die Bewohner von Gagliano sind komplett unterversorgt und leben in fensterlosen Höhlen gemeinsam mit ihren Tieren. Die Bauern, die täglich mehrere Stunden zu Fuss unterwegs sind, um ein bisschen Land zu bewirtschaften, fühlen sich von der zentralen Regierung in Rom verlassen. Der Erzähler wird durch seinen angenehmen Charakter, der weder urteilt noch sich in die fremden Lebensumstände einmischt, sehr geschätzt. Zudem sind seine medizinischen Kenntnisse für die Dorfbewohner von grossem Nutzen, jedoch wird ihm die praktische Ausübung des Arztberufes zeitweise von den Mächtigen verboten. Die Bücher und Briefe des Erzählers werden zensiert und überhaupt spielen Macht und Ohnmacht in dieser Erzählung eine grosse Rolle. Die Bauern werden ausgebeutet und resignieren schliesslich. Von Zeit zu Zeit regt sich allgemeiner Widerstand gegen die Missstände. Im Allgemeinen spürt man jedoch  ein grosses Desinteresse gegenüber der Politik.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Kirche und die Magie. Beides ist nicht klar voneinander trennbar. Die Messen werden selten besucht, jedoch gibt es viele heidnische Bräuche, die ganz selbstverständlich in jeder Familie gelebt werden. Die Frauen sind in der Überzahl und spielen eine grosse Rolle in der Dorfgemeinschaft. Viele Männer sind nach Amerika ausgewandert, kehren oftmals aber aufgrund falscher Versprechungen in ihr Dorf zurück.

Das Buch kann als persönliche Reportage oder politisches Manifest gelesen werden und ist sowohl politisch wie auch gesellschaftlich sehr interessant. Es ist dem italienischen Neorealismus zuzuordnen.

Der Inhalt ist unspektakulär und wird ruhig und sachlich beschrieben. Dies widerspiegelt gut die grosse Leere und Trostlosigkeit des Lebens dieser verlassenen Menschen. Aus meiner Sicht handelt es sich um eine absolut lesenswerte Erzählung. Leider konnten die folgenden Texte des Autors nicht mehr an den Erfolg dieses Buches anknüpfen. Das Buch wurde zudem unter der Regie von Francesco Rosi 1978 verfilmt und ist ebenfalls sehr lohnenswert.


Cover des Buches Christus kam nur bis Eboli (ISBN: 9783423130394)
A

Rezension zu "Christus kam nur bis Eboli" von Carlo Levi

Ein so authentisch wie poetisch geschildertes Stück Zeitgeschichte
Alice-33vor 5 Jahren

Der als Confinato politico in den Mezzogiorno verbannte  Autor schildert in ungemein fesselnder und anschaulicher Weise, das Leben der Ärmsten der Armen im Süden Italiens.  Als ich das Buch vor etwa 50 Jahren zum ersten Mal las, gelang es mir nicht, mich auf  die so genau und einfühlsam beobachteten Menschen und ihre Lebensumstände in einer von der  Zivilisation scheinbar  übersehenen Region einzustellen. Dieses Mal  aber war ich  - um vieles älter und  reifer geworden - zutiefst berührt von Levis Schilderung des für die Mitte des 20. Jahrhunderts fast unvorstellbaren Elends  in einem europäischen Land und von der Hingabe  mit der  er sich  diesen  "Ausgeschlossenen"  gewidmet und ihrem  Schicksal  in seiner literarisch-zeitgeschichtlichen  Dokumentation ein bewundernswertes Denkmal gesetzt hat

Cover des Buches Christus kam nur bis Eboli (ISBN: 9783423017695)
Stephanuss avatar

Rezension zu "Christus kam nur bis Eboli" von Carlo Levi

Eintauchen in eine vergessene und vergangene Zeit in Süditalien
Stephanusvor 9 Jahren

Zur Zeit des Faschismus beschreibt der Autor seine Lebensgeschichte, die ihn, als Verbannten, nach Süditalien führt und zu einem Leben in der unsagbaren Tristesse der Region und dortigen Natur zwingt. In seinem Verbannungsort angekommen stellt er fest, dass eine lähmende Gleichgültigkeit und Starre nicht nur die Menschen, sondern auch das Land befallen hat. Die Bauern werden ausgebeutet und sterben meist sehr früh an Malaria. Die wenigen Honoratioren sind entweder in Resignation gestrandet oder nur darum bedacht, möglichst viel Profit aus dem Land zu pressen. Levi beginnt als Arzt zu praktizieren und den armen, unterdrückten Bauern zu helfen, bis er von einem Rivalen denunziert wird. Der Volksglaube und die alten, jahrhundertealten Traditionen spielten in Süditalien Ende der 1930er Jahre nach wie vor eine große Rolle.

Als Leser konnte ich Eintauchen in eine längst vergessene und nicht mehr bestehende Welt. Auf den ersten Seiten musste ich mich erst einmal an das Buch und den Erzählstil des Autors gewöhnen, war dann aber begeistert.

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