Carlo Levi wurde von den Faschisten wegen seiner politischen Ansichten in ein süditalienisches Dorf verbannt. Was er dort erlebte, verarbeitete er in diesem Buch.
Eine Erfahrung, die ihn so prägte, dass er auf dem Friedhof des Dorfes begraben werden wollte. Er der Turiner Arzt, der in Rom Karriere als Künstler und Politiker machte.
Seine Beschreibung der Sassi von Matera, der Höhlensiedlung, derentwegen Matera 2019 Kulturhauptstadt Europas war, erschütterte die italienische Nachkriegspolitiker und half Massnahmen zu ergreifen.
Das Buch wurde 1979 von Francesco Rosi verfilmt. Die Drehorte kann man heute besuchen, auch wenn sie vom Irpinia-Erdbeben beschädigt wurden.
Carlo Levi verliebte sich in diese Gegend, die damals Lucania hiess und heute die Region Basilicata bildet. Diese Mischung zwischen hartem Leben, miteinander teilen was man hat und Fokus auf das Wichtige zum Leben, ging ihm unter die Haut.
Er fühlte sich dem Ort so verbunden, dass er, der Kommunist aus der Stadt mit jüdischen Vorfahren, den Wunsch äusserte, auf dem katholischen Friedhof des Dorfes begraben zu werden.
Carlo Levi
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Carlo Levi
Christus kam nur bis Eboli
Die Uhr
Die doppelte Nacht
Die doppelte Nacht
Neue Rezensionen zu Carlo Levi
Der Autor Carlo Levi stammte aus einer grossbürgerlichen jüdischen Familie aus dem Piemont. Er war Arzt, Maler, Schriftsteller und Politiker. In diesem Werk erzählt er uns seine Lebensgeschichte als politisch Konfinierter zur Zeit des italienischen Faschismus.
Verbannt in den Süden Italiens, genauer nach Lukanien (Basilikata), kommt er in eine verlassene, sehr arme und von Krankheit gebeutelte Region. Die Menschen dort, sagen sie seien keine Christen und keine Menschen, sondern Tiere. Christus sei nur bis Eboli gekommen. Das fiktive Dorf Gagliano liegt auf einem kalkigen Hügel, der ständig von Erdrutschen bedroht ist. Die Bewohner von Gagliano sind komplett unterversorgt und leben in fensterlosen Höhlen gemeinsam mit ihren Tieren. Die Bauern, die täglich mehrere Stunden zu Fuss unterwegs sind, um ein bisschen Land zu bewirtschaften, fühlen sich von der zentralen Regierung in Rom verlassen. Der Erzähler wird durch seinen angenehmen Charakter, der weder urteilt noch sich in die fremden Lebensumstände einmischt, sehr geschätzt. Zudem sind seine medizinischen Kenntnisse für die Dorfbewohner von grossem Nutzen, jedoch wird ihm die praktische Ausübung des Arztberufes zeitweise von den Mächtigen verboten. Die Bücher und Briefe des Erzählers werden zensiert und überhaupt spielen Macht und Ohnmacht in dieser Erzählung eine grosse Rolle. Die Bauern werden ausgebeutet und resignieren schliesslich. Von Zeit zu Zeit regt sich allgemeiner Widerstand gegen die Missstände. Im Allgemeinen spürt man jedoch ein grosses Desinteresse gegenüber der Politik.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Kirche und die Magie. Beides ist nicht klar voneinander trennbar. Die Messen werden selten besucht, jedoch gibt es viele heidnische Bräuche, die ganz selbstverständlich in jeder Familie gelebt werden. Die Frauen sind in der Überzahl und spielen eine grosse Rolle in der Dorfgemeinschaft. Viele Männer sind nach Amerika ausgewandert, kehren oftmals aber aufgrund falscher Versprechungen in ihr Dorf zurück.
Das Buch kann als persönliche Reportage oder politisches Manifest gelesen werden und ist sowohl politisch wie auch gesellschaftlich sehr interessant. Es ist dem italienischen Neorealismus zuzuordnen.
Der Inhalt ist unspektakulär und wird ruhig und sachlich beschrieben. Dies widerspiegelt gut die grosse Leere und Trostlosigkeit des Lebens dieser verlassenen Menschen. Aus meiner Sicht handelt es sich um eine absolut lesenswerte Erzählung. Leider konnten die folgenden Texte des Autors nicht mehr an den Erfolg dieses Buches anknüpfen. Das Buch wurde zudem unter der Regie von Francesco Rosi 1978 verfilmt und ist ebenfalls sehr lohnenswert.
Der als Confinato politico in den Mezzogiorno verbannte Autor schildert in ungemein fesselnder und anschaulicher Weise, das Leben der Ärmsten der Armen im Süden Italiens. Als ich das Buch vor etwa 50 Jahren zum ersten Mal las, gelang es mir nicht, mich auf die so genau und einfühlsam beobachteten Menschen und ihre Lebensumstände in einer von der Zivilisation scheinbar übersehenen Region einzustellen. Dieses Mal aber war ich - um vieles älter und reifer geworden - zutiefst berührt von Levis Schilderung des für die Mitte des 20. Jahrhunderts fast unvorstellbaren Elends in einem europäischen Land und von der Hingabe mit der er sich diesen "Ausgeschlossenen" gewidmet und ihrem Schicksal in seiner literarisch-zeitgeschichtlichen Dokumentation ein bewundernswertes Denkmal gesetzt hat
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