Carlo Strenger Israel

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Inhaltsangabe zu „Israel“ von Carlo Strenger

Staat der Juden, Land der Rätsel: Einerseits eine hochmoderne Gesellschaft mit einer lebensfreudigen, liberalen Kultur, geht Israel derzeit durch eine der schwersten Krisen seit seiner Gründung. Der Friedensprozeß liegt auf Eis, das Land ist isoliert, im Alltag leben Juden und Araber mit wechselseitiger Verachtung nebeneinander her, und der eskalierende Kampf zwischen religiösen und säkularen Juden bedroht die Grundfesten der israelischen Gesellschaft. Ausgehend von Beobachtungen und Szenen des Alltags, eröffnet uns Carlo Strenger Einsichten in den Alltag und die Mentalität Israels – engagiert und mit wacher Beobachtungsgabe, doch ohne Idealisierung und Dämonisierung. Strenger zeigt Israel als zerrissene Gesellschaft, die grundlegende Probleme der Identität noch nicht gelöst hat. Er versucht neue, zeitgemäße Antworten auf drängende Fragen des jungen Staates zu geben: Wie soll das Verhältnis von Staat und Religion, zwischen westlicher Weltoffenheit und nahöstlicher Tradition gestaltet werden? Wie können die Spannungen zwischen Einwanderungsgruppen aus grundverschiedenen Kulturen gelöst werden? Seine Betrachtung, die zugleich ein essayistischer Reisebegleiter ist, eröffnet einen umfassenden Blick auf die Widersprüchlichkeit Israels – aber auch auf die Möglichkeit einer Wahrnehmung des Landes jenseits von Schuld, Gegenschuld und dem Kampf der Monotheismen.

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  • Rezension zu "Israel" von Carlo Strenger

    Israel
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. November 2011 um 09:16

    Israel geht seit einigen Jahren durch eine der schwersten Krisen seit der Staatsgründung 1948. Nach außen ist das Land isoliert, selbst bei wohlwollenden Politikern und Intellektuellen in Europa rufen die Entscheidungen der aktuellen Regierung mit dem in aller Welt bei Diplomaten gemiedenen Außenminister Avigdor Lieberman nicht nur großes Unverständnis, sondern mehr und mehr unverhohlene Ablehnung hervor. Vom Friedensprozess mit den Palästinensern ist keine Rede mehr, Araber und Juden leben im Alltag mit gegenseitiger Verachtung nebeneinander her und der eskalierende, hier in Europa kaum wahrgenommene Kampf zwischen den religiösen und den säkularen Juden nimmt Formen an, die nicht erst seit gestern die Grundfesten der israelischen Gesellschaft bedrohen, die innerlich mehr und mehr zerreißt. Der in Tel Aviv lehrende Psychologe Carlo Strenger hat mit diesem Buch den gelungenen Versuch gewagt, mit Hilfe der Psychohistorie und mit unzähligen Beobachtungen aus dem Alltag den deutschen Lesern Einsichten zu vermitteln in die auch historisch gewachsene Mentalität des Landes und sich damit jenseits der weltweit eingefahrenen Wahrnehmungen Israels zwischen Dämonisierung und Idealisierung zu verorten. Er plädiert für die mentale Abrüstung der Projektionen auf allen Seiten, die er nachvollziehbar und transparent darstellt. Dabei versucht er, das menschliche Bedürfnis nach Sinnsuche nicht zu übersehen. Diese Kategorie taucht in seinem Buch immer wieder auf. Er kommt zu dem Schluss, dass nur eine Politik jenseits des Erlösungsbedürfnisses, die mit der Unvollständigkeit der menschlichen Existenz Frieden geschlossen hat, Israel und dem Nahen Osten Frieden bringen kann. Obwohl ich seit Jahrzehnten die Geschicke Israels verfolge, habe ich doch mit diesem Buch zum ersten Mal eine verständliche und nachvollziehbare Einführung gefunden in die geschichtlich gewachsene innenpolitische Situation des Landes und die Entstehungsgeschichte der verschiedenen politischen Gruppen. Warum sind die religiösen Parteien so stark geworden? Warum ist nach wie vor eine Mehrheit der Bevölkerung für harte Maßnahmen gegen die Palästinenser? Wie ist es gekommen, dass innerhalb weniger Kilometer beispielsweise ein Tel Aviv völlig gegensätzliche Kulturen nebeneinander leben, miteinander aber keinen Austausch haben? Warum fragt man sich in Israel hinter vorgehaltener Hand, ob das Land noch eine Zukunft habe? Diese und viele weitere Fragen versucht Carlo Strenger zu beantworten, indem er immer wieder historisch und ideengeschichtlich sich dem Thema nähert. Strengers Buch ist ein Versuch, der Hoffnung vieler aufgeklärter, universalistisch denkender Menschen Ausdruck zu geben, „dass Israel endlich der Stimme der Vernunft folgen wird“. Immer wieder aber beschleicht ihn wie seine Freunde der verzweifelte Gedanken, dass die nationalen Mythen, die er ausführlich beschreibt, so schwer aus dem Köpfen der Menschen herauszubekommen sind. Als einer der schwerwiegendsten identifiziert er den Mythos von Israel als dem auserwählten Volk. Am Ende bleibt er skeptisch, doch nicht ohne Hoffnung: „Wann Israels politische Bewegung nach rechts tatsächlich zu einem Ende kommen wird und das Pendel in eine liberale, freiheitsliebende Richtung schwingen wird, vermag ich trotz der jüngsten innenpolitischen Entwicklungen nicht zu sagen. In den nächsten Jahren wird Israel aufgrund der Unfähigkeit und des Unwillens der rechten Regierungen, einen palästinensischen Staat anzuerkennen, wohl weiter auf Kollisionskurs mit den universalistischen Werten des Westens sein. Das könnte kurzzeitig eine Stabilisierung der rechten Politik der Härte mit sich bringen, weil sich viele Israelis von ihr Schutz vor den Anklagen der Weltgemeinschaft erhoffen werden. Und doch kann ich mir nur schwer vorstellen und will auch nicht recht daran glauben, dass die gegenwärtigen Verwerfungen auf immer Israels Schicksal sind. Meine Hoffnung ist, dass meine Landsleute eines Tages die kosmopolitischen Aspekte der jüdischen Geschichte nicht mehr als Grund zur Scham, sondern als ein Versprechen auf die Zukunft betrachten können. Sowohl die jüdische Leidensgeschichte als auch die faszinierenden Geschichte der Kreativität und der proteischen Transformationskraft könnten Israel dazu bringen, in der eigenen verschlungenen Geschichte einen neuen Sinn entdecken, nämlich etwas zu dem langen Weg der Menschheit beizutragen, der von düsteren Stammesmythen hin zu der lichteren Einsicht führt, dass wir alle voneinander abhängen, wenn wir auf dieser Erde überleben wollen.“ Wer jenseits der eingefahrenen Vorurteile und Ressentiments wirklich etwas verstehen will von der Lage in Israel und im Nahen Osten, dem sei dieses kleine Buch ans Herz gelegt.

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